Vom Sabbat-Heiligen
01] Sagte nun Ich: »Gut denn, und so vernehmet Mich! Ihr habt beide recht und wahr geredet; aber von nun an bin auch Ich der Meinung, die der Freund Markus ausgesprochen hat, weil die Sache ganz der Natur und der rechten Vernunft eines Menschen und somit auch der Weisheit und Ordnung Gottes angemessen ist, aber Ich verwerfe darum auch deine Ansicht nicht. Aber ihr Priester sollet aus dem Sabbat nicht einen gewissen magisch wirkenden Tag machen und die Menschen mit harten Strafen belegen, so sie sich im Notfalle auch am Sabbat ihr Brot verdienen müssen. Denn eine nötige Tat, besonders zum sichtlichen und uneigennützigen Wohle des armen Bruders, entheiligt den Sabbat nicht nur niemals, sondern heiligt ihn tausendfach mehr denn alles eitle Geplärr im Tempel und in den Synagogen.
02] Denn wer den Sabbat durch edle Taten heiligt, der heiligt ihn auch wahrhaft und werktätig und somit lebendig, was allein vor Gott einen Wert hat. Wer aber den Sabbat nach eurer Art heiligt, der schändet ihn; denn er ehrt Gott mit den Lippen, wie der Prophet gesprochen hat, aber sein Herz ist ferne von Gott, weil es ferne vom Nächsten ist.
03] Es sollen ja auch freie und wahre Lehrer in einer Gemeinde sein, die sich da nicht ihr Brot mit der Arbeit ihrer Hände verdienen sollen; aber so du der ganz guten Meinung bist, daß die Menschen an einem Sabbat sich an einem Orte versammeln sollen, um da über Gott und Seinen Willen wieder wie von neuem unterrichtet und an Ihn wohl erinnert zu werden, da soll das denn auch statthaben. Aber darauf hat dann der Lehrer ja auch sechs Arbeitstage! Wenn er einmal im Geiste geweckt ist, so braucht er die sechs Tage ja auch nicht nur mit dem zuzubringen, sich für den kommenden Sabbat etwa mühsam vorzubereiten, was er der Gemeinde vortragen wird; denn wer aus dem Geiste Gottes redet, dem wird das, was er zu reden hat, in dem Augenblick in sein Herz und auf seine Zunge gelegt werden.
04] Wenn aber das nach Meiner Verheißung sicherst geschehen wird, wie es auch allzeit zu den Zeiten der Urväter und zu den Zeiten der Propheten also geschehen ist, so meine Ich, daß es an den sechs Arbeitstagen auch für den Gemeinderabbi eben nicht unnütz wäre, so er auch als ein Muster für seine Gemeinde irgendeine gute und nützliche Handarbeit verrichten möchte und sich dadurch sein tägliches Brot verdiente, damit er den Gliedern der Gemeinde nicht um gar alles zu kommen genötigt wäre und diese ihn dann sicher um so mehr achtete und ihm nachstrebte, weil sie in seiner Haustätigkeit den schönsten und wahrsten Beweis seiner Uneigennützigkeit, seiner Liebe zur und seiner Gerechtigkeit für die Gemeinde vor Augen hätte.
05] Ich meine, daß dies um gar sehr vieles besser wäre, als, den gegenwärtigen Templern gleich, die sechs Arbeitstage mit völligem Nichtstun zu vergeuden und statt einer nützlichen Beschäftigung nur zu schwelgen, zu prassen, zu huren, ehezubrechen, zu betrügen und sich sogestaltig für die Hölle und für den ewigen Tod zu mästen. Das ist so Meine Meinung!
06] Ah, etwas anderes ist es jetzt für die, welche Ich nun in alle Welt aussende, um zu predigen das Evangelium allen Völkern der Erde! Diese Meine ersten Boten haben weder Zeit noch die Gelegenheit, sich mit den Händen ihr Brot zu erwerben; darum heißt es für sie auch: Esset und trinket, was euch aufgesetzt wird auf den Tisch! Und weiter: Sorget euch nicht für den kommenden Tag, was ihr essen und trinken und womit ihr den Leib bekleiden werdet – denn dies wäre stockfinster und ganz heidnisch! – sondern suchet vor allem nur das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit unter den Völkern auszubreiten mit allem Fleiß und Eifer, so wird euch alles andere schon wie von selbst zufallen; denn der Vater im Himmel weiß, wessen ihr bedürfet! Aber wie gesagt, das gelte nur für die von Mir nun in alle Welt Ausgesandten; wo aber einmal feste und stehende Gemeinden, in Meinem Namen gegründet, bestehen werden, da soll dann Meine früher ausgesprochene Meinung zur aktiven Geltung kommen!
07] Denn Ich will es durchaus nicht, daß dann die Gemeinderabbi regelmäßig sechstägige Trägheitsdiener sein sollen, da in der Trägheit die Wurzel aller Laster zu Hause ist. Ein in Meinem Namen wahrhaft vollauf tätiger Gemeinderabbi aber wird eben auch unter den sechs Tagen öfter die Gelegenheit finden und haben, den Gemeindegliedern mit allerlei guten Beispielen voranzugehen, um sie zur tätigen Nachahmung zu ermuntern im wahren und lebendigen Geiste, und da ist dann ein jeder solcher Tag gleich dem Sabbat ein Heilstag für die ganze Gemeinde.
08] Also ist es auch durchaus nicht unumgänglich für das Seelenheil der Menschen nötig, daß gerade der jüdische alte Sabbat als ein besonderer Unterweisungstag verbleiben solle; denn dazu kann ein jeder Tag nach Umständen gewählt werden. So sich der alte Sabbat zur Verrichtung einer nötigen Arbeit zum Besten der Gemeinde günstig gestaltet, während mehrere Wochentage infolge eines Unwetters ungünstig waren, so arbeitet am Sabbat und bestimmet einen andern Tag für den Unterricht! Denn ein jeder Tag, an dem ihr Gutes tun werdet in Meinem Namen, wird ein wahrer Sabbat sein; denn am Namen des Tages liegt gar nichts, sondern nur daran, was jemand an einem Tage getan hat.
09] Also ist es auch gar nicht nötig, daß gerade alle acht Tage ein fixierter Unterrichtstag stattfinden soll, sondern der kann nach Zeit und Umständen bestimmt werden; denn das Wort Gottes läßt sich an einem andern Tage ebensogut predigen und anhören, und die bestimmte Anzahl der Tage von einer Predigt bis zur andern hat vor Mir gar keinen besonderen Wert und macht die Predigt selbst und auch die Menschen nicht besser.
10] So der Gemeinderabbi aber sieht, da es ihm im Geiste von Gott aus angezeigt wird, daß irgend ein Gemeindeglied auf Abwege geraten ist, so gehe der Rabbi alsogleich hin und ermahne ihn und warte dazu nicht den Sabbat ab; denn der Tag wird für den Verirrten und wieder Zurechtgebrachten ein rechter Sabbat sein, an dem er sich völlig gebessert hat.
11] Wenn der Gemeinderabbi in einem Jahr nur eine wahre Predigt der Gemeinde gehalten hat, und die Gemeinde lebt und handelt dann fest und treu danach, so braucht sie dann auch sobald keine zweite Predigt mehr. Denn wer nach Meiner Lehre lebt und handelt, für den braucht der Gemeinderabbi nicht mehr zu predigen an jedem Sabbat, denn für den ist dann schon ohnehin ein jeder Tag ein rechter Sabbat, und die wahre und lebendige Predigt trägt er in seinem Herzen, die ihm vom Geiste eingegossen wird.«
Das Große Evangelium Johannes – Band 8 / 89. Kapitel — Sabbat und Priesterstand
Die wahre Sabbatfeier
[PH.01_042] Luk.14,1-6: Und es begab sich, daß Jesus in ein Haus eines Obersten der Pharisäer kam auf einen Sabbat, das Brot zu essen; und sie hatten acht auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: „Ist es auch recht, am Sabbat zu heilen?“ Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen. Und er sprach zu ihnen: „Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt und der nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbattage?“ Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben.
23. April 1872
[PH.01_042,01] Der Anfang dieses Kapitels spricht von der Heilung eines Wassersüchtigen, und zwar im Hause eines Obersten der Pharisäer und an einem Sabbat, an dem nach den strengen Vorschriften der Juden nichts weiter getan werden sollte, als den kirchlichen Gebräuchen und Zeremonien nachzukommen.
[PH.01_042,02] Daß diese Heilung unter den angeführten Umständen vorgenommen wurde, hatte seinen guten Grund. Dieser Oberste war zwar ein Anhänger Meiner Lehre, jedoch faßte er die Satzungen des Tempels nur im buchstäblichen Sinne auf; auch hörte er Mich gern an, wenn Ich nur nichts unternah??m, was gegen seine Ansichten und gegen seine Würde als Pharisäer verstieß. Ich ließ es daher zu, daß, während Ich am Tisch bei ihm saß, ein mit der Wassersucht behafteter Mann ins Zimmer trat und Mich um Heilung seiner Krankheit anflehte.
[PH.01_042,03] Daß Ich ihn heilte, bezeugt das Evangelium. Aber weil Ich ihn gerade an einem jüdischen Sabbat heilte, war das ein Stein des Anstoßes. Gerade dadurch wollte Ich den Pharisäern klar zeigen, wie schlecht sie ihre eigenen Satzungen verstehen, und wie falsch sie diese dem Volk beibringen. Daher der Einwurf, indem Ich sagte: „Wenn euch ein Ochse oder ein Esel am Sabbat in den Brunnen fällt, so ziehet ihr ihn doch heraus, weil es eben euer eigenes Interesse verlangt; aber am Sabbat ein gutes Werk an anderen oder für andere zu verrichten, das haltet ihr für Sünde!“
[PH.01_042,04] Ich wollte ihnen dadurch beweisen, daß Wohltaten und gute Handlungen nicht den vorgeschriebenen Feiertag oder Sabbat entheiligen, sondern ihn eher heiligen als viele nutzlose Gebräuche und Zeremonien, welche gedankenlos vollführt werden.
[PH.01_042,05] Bei dem jüdischen Volke gab es derlei Mißstände in Menge. Obwohl sie die Gesetze Mosis und die Propheten hatten, so wußten sie doch ihren Wortlaut nicht geistig zu deuten. Sie wurden von den Pharisäern und Schriftgelehrten im Wahne buchstäblicher Auffassung bestärkt, weil den letzteren sehr viel daran lag, die Gesetze so auszulegen, und daß es nicht viel Mühe kostete, ein Jude im Buchstabensinn zu sein.
[PH.01_042,06] Daher Mein Darniederkommen gerade inmitten dieses Volkes, welches schon lange eine Religion besaß, die als Unterbau zu Meiner Lehre am ehesten tauglich war. Es kam nur darauf an, die alten Gesetze nicht umzustoßen, sondern sie dem Judenvolk gereinigt wiederzugeben, geistig zu erklären und auf diese Weise die Menschenwürde zu retten, welche nahe daran war, in lauter zeremoniellen Gebräuchen des Tempels und in egoistischen Weltgenüssen unterzugehen.
[PH.01_042,07] Während Meiner drei Lehrjahre ve??rfolgte Ich stets diesen Zweck. Ich suchte Gelegenheiten auf oder ließ solche zu, welche den Anlaß gaben, gegen die falschen Ansichten und Vorurteile der Juden anzukämpfen.
[PH.01_042,08] So war auch die Feier des Sabbats eine Frage, die Ich als Stifter Meiner göttlichen und einzig wahren Religion nicht gleichgültig übergehen konnte. Um diese Vorurteile auszumerzen, fing Ich gerade im Hause eines Obersten der Pharisäer an, dagegen zu handeln, damit diese Handlung einen Grund zur Aussprache geben sollte. Weil nun die Pharisäer die ersten sein und alles besser wissen und verstehen wollten, darum mußten auch sie zuerst von ihren irrigen Begriffen gereinigt werden, wenn je dem Volk reiner Wein eingeschenkt werden sollte. Deshalb wirkte Ich diese Heilung gerade vor ihren Augen und antwortete ihnen, daß sie verstummen mußten, wie die Verse 5 und 6 bezeugen.
[PH.01_042,09] Die Obersten des Tempels hatten vom Wohltaten erweisen eine ganz andere Ansicht, so daß Ich Mich oftmals genötigt sah, ihnen die Worte von der Nächstenliebe in Beispielen und Gleichnissen näher auseinanderzusetzen; denn nach ihrer Ansicht waren Wohltaten nur dem Tempel und ihrer Person zu erweisen. Alles andere, das an Menschen getan wurde, war für sie nicht der Beachtung wert.
[PH.01_042,10] Schon in jener Zeit wurde die Feier des Ruhetags jede Woche falsch aufgefaßt; und heutzutage wird dieser Tag ebensowenig richtig gefeiert oder – mit anderen Worten gesagt – der geistigen Erziehung gewidmet wie damals. Es ist deshalb wohl auch jetzt nicht unrecht, wenn Ich, anschließend an diesen Heilungsakt am Sabbat, über die Feier dieses Tages einige Bemerkungen anknüpfe und euch zeige, daß auch ihr noch sehr weit davon entfernt seid, diesen Tag so zu feiern, wie es Moses gemeint hatte und Ich selbst es verstanden wissen möchte!
[PH.01_042,11] In der Welt, wie sie war und noch ist, gibt es stets Befehlende und Gehorchende. Es war von jeher der Fall, daß die Befehlenden, nur ihren eigenen Nutzen im Auge behaltend, oft die Gehorche??nden und ihre Arbeitskraft mißbrauchten, ihnen wenig Ruhe, wenig Zeit gönnten, um auch nur wenigstens einmal in der Woche das Zeitliche beiseitesetzen und entweder ein Wort geistigen Sinnes vernehmen oder eine Betrachtung höherer Art anstellen zu können über den wahren Grund ihrer eigenen Existenz, darüber, was sie als Menschen sind oder als mit göttlichem Geist begabte Wesen werden sollen.
[PH.01_042,12] Dies war der Grund, warum Moses in seinen Gesetzen das, was die Mächtigen nicht freiwillig wollen, als von Gott anbefohlen hinstellte. In der bildlich dargestellten Schöpfungsgeschichte ließ er den obersten Herrn und Schöpfer selbst nach sechstägiger Arbeit den siebenten Tag als den Tag der Ruhe einsetzen.
[PH.01_042,13] Diese Anordnung, die zur Bewahrung der moralischen Würde des Menschen notwendig war, ist auch von anderen Völkern angenommen worden und besteht jetzt fast überall. Wenn auch die damalige Woche anders eingeteilt war, als es eure jetzige Zeitrechnung tut, so ist doch immer ein Tag in der Woche festgesetzt, der zum Ausruhen von körperlicher Anstrengung, zur Einkehr in sich selbst und zum Nachdenken über die geistige Mission des Menschen bestimmt ist.
[PH.01_042,14] Was die Juden zuviel taten, indem sie durch buchstäbliche Auffassung ihrer Satzungen zu weit gingen, das ist bei den christlichen Völkern schon seit langer Zeit umgekehrt der Fall. Während bei jenen als strenges Gebot die Heiligung des ganzen Tages anbefohlen war, genügt bei den Christen zeitweiser Kirchgang; die übrige Zeit wird mit Vergnügungen, Prassen und Schlemmen zugebracht. Am Sonn- und Feiertag wird im ganzen mehr Schlechtes getan als während der ganzen Woche, wo wegen Beschäftigung und Mangel an Mitteln die nötige Zeit und Gelegenheit fehlt.
[PH.01_042,15] Was bei den Juden die Pharisäer taten, das befolgten später die christlichen Priester. Sie dachten nur an ihr eigenes Ansehen und ihre Macht. Die Pharisäer setzten den Tempel als erstes voran, und die Priester der Christen ihre Kirche. Bei den e??rsten dehnte sich die Weihe des Feiertages auf 24 Stunden aus – auch außerhalb des Tempels mußte der Feier des Tages noch gedacht werden –, bei den Christen beschränkt sie sich nur auf einige Stunden in der Kirche. Die meisten Menschen glauben, sich mit Mir abgefunden zu haben, indem sie ein paar Stunden in einer Kirche saßen, standen oder träumten, nichtssagende Gebete herunterplapperten oder gemütlich einschlafend den Predigten der Priester ein natürliches Stillschweigen entgegensetzten. Damit ist freilich dem Ehrgeiz der Priester geschmeichelt, sehen sie die Kirchen voll menschlicher Leiber; aber die Seelen derselben beschäftigen sich entweder mit gar nichts oder mit etwas ganz anderem als mit dem, was die Kirche oder Meine von Mir gestiftete Religion erheischt.
[PH.01_042,16] So greift der Mißbrauch immer mehr um sich, und jetzt fängt man sogar an, auch diesen Tag nicht mehr als Ruhetag gelten zu lassen, da man das Gewissen der Gehorchenden durch Geld zu beschwichtigen weiß und ihnen das wenige, was sie noch glauben, hinwegdisputiert, ohne ihnen dafür etwas Besseres zu geben.
[PH.01_042,17] So geht der Verfall von Stufe zu Stufe fort. Die Befehlenden glauben dadurch einen Gewinn erreicht zu haben, daß ihr Eigennutz nun freiwillig von der arbeitenden Klasse, die ebenfalls wieder aus Eigennutz schafft, unterstützt wird. Doch sie irren sich gewaltig! Sie werden sehen, wohin es führen wird, wenn man dem Minderbegüterten die wenigen geistigen Elemente, die auch den Mächtigen ganz fremd geworden sind, entzieht und ihm durch Vermehrung des Gewinns seine Laster vermehrt. Sie verachten alles, was sich auf Mich und Meine Lehre bezieht. Und dieses Beispiel wird auch von den Untergebenen gewissenhaft befolgt. So siegt endlich das Materielle über das Geistige, bis Ich die Verhältnisse so stellen werde, daß die Machthabenden die Früchte ihres Egoismus – welche ganz anders ausfallen werden, als sie es sich erträumen – ernten müssen.
[PH.01_042,18] Der Sonn- und Feiertag soll ein gewisser Hemmschuh se??in; er soll der Tag sein, an dem die Mächtigen den Niederen eine Anerkennung für das Geleistete zu geben haben. Und für die Gehorchenden soll der Sonn- und Feiertag der Tag sein, an dem sie sich daran erinnern sollen, daß ein Tag zu Betrachtungen über seine eigene geistige Bestimmung nicht zuviel ist; er soll der Tag sein, an dem die Geschäfte zu ruhen haben.
[PH.01_042,19] An diesem Tag spricht Meine Natur ihre ewig gleiche Sprache zu allen Herzen: „Vergeßt über all euren Arbeiten den Schöpfer nicht, der so viel Wunderbares und Herrliches auf dieser Erde geschaffen hat, um euch stets daran zu erinnern, daß ihr nicht für diese Welt allein bestimmt seid, daß eure Arbeit nicht immer materiell, sondern auch geistig sein soll! Erkennt Den, der mit so viel Liebe und Geduld euch schwache Kinder führt, und der euch mitten unter die Herrlichkeiten setzte, die wenigstens an einem Tage der Woche euch eure schwere Arbeit vergessen machen möchten!“
[PH.01_042,20] Ich selbst als Schöpfer setzte den Tag der Ruhe nach Moses Schöpfungsgeschichte am siebenten Tag ein. Er war gleichsam das Bild dafür, daß Ich, nachdem Ich Mich mit Materie beschäftigt hatte, am siebenten Tag in die bis dahin starre Hülle den Geist eintreten ließ. Und dieser Tag, an dem Ich die Materie zu etwas Geistigem erhob, war der Tag der Feier oder der Weihe. Daher soll er auch vom Menschen gefeiert werden, wenn er – gleich Mir – sechs Tage geschafft und gearbeitet hat.
[PH.01_042,21] Am siebenten Tag soll der Mensch sein Werk betrachten, um darin die geistige Idee wahrzunehmen, welche ihn leitete, solches hervorzubringen. Es soll dieser Tag ein Tag der Feier in geistiger Hinsicht werden, an dem er erkennen soll, daß sein wöchentliches Schaffen und seine eigene Existenz nicht eine materielle, sondern eine geistige Grundlage hat, deren er sich eben an diesem Tag mehr als an anderen erinnern soll. An diesem Tag, wo keine Pflicht, keine Arbeitsstunde ihn zum materiellen Handwerk zwingt, soll er sich Meiner Schöpfung, Meiner Lehre, Meiner L??iebe und Meiner Aufopferung für ihn im einzelnen, wie für die ganze Menschheit erinnern.
[PH.01_042,22] Dieser Tag soll ihm deswegen ein Tag der Weihe werden, weil er an ihm das Materielle abstreifend sich mehr dem geistigen, hehren und erhabenen Ziel nähern kann, zu welchem er und die Gesamtschöpfung gelangen sollen.
[PH.01_042,23] So soll ein jeder Mensch den Sonntag feiern als einen Erinnerungstag Meiner Liebe und zum Andenken an alles, was Ich für ihn getan habe. Dann wird dieser Tag für alle Werktage ein sanftes, religiöses Gefühl zurücklassen, durch welches auch die materiellste Arbeit geheiligt wird. So kann der Mensch allem, was er tut und leistet, den Stempel seiner eigenen Göttlichkeit aufdrücken.
[PH.01_042,24] So soll der Sonn- oder Ruhetag von euch verstanden und gefeiert werden. Ihr sollt euch stets erinnern, daß es einst einen solchen Tag für Mich gegeben hat, und daß ein jeder einen solchen Festtag dann erleben wird, wenn er, der materiellen Hülle ledig, in der anderen, ewigen Welt als vergeistigter Seelenmensch ankommt und als Erinnerung das Bewußtsein mitbringt, allen seinen materiellen Beschäftigungen den Stempel eines großen Menschengeistes, der ihn adelte und dessen er würdig war, aufgedrückt zu haben.
[PH.01_042,25] Daher haltet auch ihr diese Ruhetage in einem höheren, geistigen Sinn! Seht durch des Buchstabens harte Rinde das Geistige hindurchleuchten! Dieses ist, was beseligt. Vergeistigt alles, eure Umgebung, euch selbst, eure Taten und Worte!
[PH.01_042,26] Nicht allein der siebente, sondern ein jeder Tag, an dem ihr geistig vorwärtsschreitet, wird dann für euch ein Sonn- und Feiertag sein, der – wie die Sonne, nach welcher dieser Tag bei euch benannt ist – Licht, Wärme und Leben über euch und eure Umgebung ausströmen wird. Jeder Tag wird ein Tag der Feier oder der Wonne werden, wenn ihr – eures Schöpfers würdig und euer Ziel klar erkennend – von Stufe zu Stufe vorwärtsschreitet, bis euch der ewige, nie endende Feiertag, der Tag der Feier der ewig??en Seligkeit in jenen Räumen zuteil wird, in denen jeder Tag ein Tag der Weihe und des Friedens ist, wie ihn ein liebender Vater Seinen Kindern schon von unendlichen Zeiten her bereitet hat. Amen.
Predigten des Herrn / 42. Predigt – Die wahre Sabbatfeier
Re: Vom Sabbat-Heiligen
Zu Kirche und Sabbat:
Wir sind nicht mehr im Alten Bund, denn Gott hat mit den Menschen durch JESUS einen Neuen Bund geschlossen. Wir wissen, dass der Vorhang im Tempel zerriss nach JESU Kreuzigung als entsprechendes Zeichen dafür. Denn das Allerheiligste befindet sich nun in keinem steinernen Tempel mehr, sondern in einem, durch den neuen Pfingstgeist lebendigen Herzen… Nur dort finden wir Gott, und Christus hat eben das alte, äußere, zeremonielle Kirchentum aufgehoben, weil dessen Zeit erfüllt war, und ein neues, inneres Geistes-Christentum gesftiftet, das die Liebe als oberstes Gebot hat. Denn Gott ist ja die Liebe Selbst, und diese Gottesliebe wohnt im Herzen desjenigen Menschen, der Diese begehrt, ganz lebendig… dort ist jetzt die wahre Kirche!…
Durch JESU Erlösungswerk und den Pfingstgeist gibt es nun keine Trennung mehr zwischen Gott und Mensch, wie es noch vorher der Fall war, wo ein Vorhang im Tempel uns als Entsprechungsbild von der Bundelslade trennte und nur der Hohepriester Einlass in das "Allerheiligste" erhielt durch allerlei Zeremonie. Seither gibt es keine vermittelnden Priester mehr, keine Zeremonien und keine Standesunterschiede, und wir alle sind gleichermaßen Geschwister eines Herrn, Der jeden Menschen Selbst im Herzen lehrt und zieht.
Immer wenn der Mensch in die kindliche, selbstlose und dienende Liebe eingeht, da betet er wahrhaft im Geist und in der Wahrheit. Und nur dann stellt er auch die lebendige Verbindung zu Gott in sich selbst her, und es braucht da ewig kein äußeres, materielles Gebäude mehr dazu, keine Regeln und auch keinen festgelegten Tag!… Denn bei Gott sind alle Tage gleich, und so ist auch der wahre Sabbat nur der Tag, an dem wir unserem Nächsten Gutes getan haben und mit Gott verbunden sind durch die Liebe.
Die alten Zeiten der Einhaltung des puren Gesetzes sind vorbei, und Gott verlangt von uns nun nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die Liebe zu IHM und zum Nächsten im Herzen und durch diese den lebendigen Tat-Glauben… Denn dafür wurde ER Selbst ein Mensch dieser Erde und eben dafür brachte ER uns das größte Liebesopfer dar auf Golgatha, DAMIT wir nun frei sind vom Gesetz, weil tätige Liebe auch alles Gesetz erfüllt. Zum Beispiel wird ein liebender Mensch seinen Nebenmenschen nicht bestehlen, ihn nicht umbringen oder ihm seinen Partner ausspannen, usw. … Aber was tun die Gläubigen? Sie wollen wieder das Gesetz aufrichten, und die heutigen Gemeinden pleuen solches den Mitgliedern ein und sind wieder zum Gesetz zurückgekehrt!
Wollen die Menschen schon ein sogenanntes Gotteshaus bauen, da sollen sie Häuser für Arme, Kranke und Verfolgte errichten, und ihre armen Brüder und Schwestern darinnen mit allem Nötigen versorgen. DANN erst werden sie den wahren Gottesdienst tun, an dem der Vater im Himmel eine große Freude haben wird. Alle anderen „Gotteshäuser“ aber, wie auch der alte Judensabbat, sind im Neuen Bund ein Greuel vor Gott, weil sie das Erlösungswerk Gottes durch JESUS CHRISTUS nicht zum Inhalt haben und die Gläubigen, statt sie vom Gesetz durch ein Leben in der Liebe zu befreien, wieder in dasselbe führen und bannen!
Wer jeden Lohngedanken aus seinem Herzen schafft und Gott um Seiner Selbst willen sucht… der wird IHN finden in der Liebe! Wer aber durch die Liebe lebendig geworden ist, der kann auch einen heute sogenannten "Gottesdienst" besuchen, denn dem Lebendigen ist alles lebendig und dem Reinen alles rein. Nur wird er sein Heil nicht mehr darin suchen, sondern allein nur in seiner Liebe zu Christus im eigenen Herzen.
Re: Vom Sabbat-Heiligen
Des Sabbats wegen darf ein jeder Mensch Gutes tun!
Die Feier des Sabbats besteht nicht so sehr im Müßigsein den ganzen Tag hindurch, sondern vielmehr in guten Werken!
Moses hat wohl die Feier des Sabbats hoch geboten und in seinem Gebote jede unnötige und knechtlich bezahlte Arbeit als eine Schändung des Sabbats Bezeichnet, die vor Gott ein Greuel ist;
aber an einem Sabbate den Willen Gottes zu tun, hat Moses nie verboten!
Es steht nirgends im Gesetze, daß man an einem Sabbate einen Bruder soll zugrunde gehen lassen!
Ich aber, als der Herr des Sabbats, sage: Tuet auch am Sabbate allzeit Gutes, so werdet ihr den Sabbat am besten feiern!
Aus: Kindheit und Jugend Jesu, 149,11-16
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