← Zurück zu „Leben und Tod – Licht und Finsternis“

Über die Todesfurcht

Das Wort Gottes – Die größte Bibliothek göttlicher Offenbarung / Heilung und Gesundheit / Alter, Sterben, Tod – 2. Über die Todesfurcht

GrEv IV/127(1-8) — DER HERR: "Das Werden einer Sache, eines Dinges, eines Wesens oder gar eines Menschen hat gewiß stets etwas Erheiterndes in sich, aber das sichtliche Vergehen und das Sich-Auflösen, besonders eines Menschen, hat in sich wieder nur etwas Trauriges, das jedes Menschen Gefühl stets mit einer Wehmut erfüllt. Ich aber frage: Ja, warum denn das, so die Menschen doch an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele noch irgendeinen Glauben haben?! Vorerst entstammt diese Trauer der Furcht vor dem Tode.

Ist eine Seele einmal völlig wiedergeboren und in alle wahre Lebenstätigkeit übergegangen, so ist wohl natürlich alle Trauer und alle die leere Furcht vor dem Sterben oder Vergehen vergangen; aber bei Seelen, die noch nicht den rechten Grad der innern Lebensvollendung erreicht haben, bleibt noch immer etwas von der Trauer um ihre verstorbenen Nächsten und in ihnen selbst etwas von der Furcht vor dem Tode zurück, von der sie auf dieser Welt nur dann erst völlig los werden, wenn ihre Seele in ihrem Geiste und der Geist in ihr groß geworden ist.

Wie aber in einer trägen Seele eine große Furcht vor aller ernsten und anhaltenden Tätigkeit stets daheim ist, so ist in der Seele auch aus derselben Quelle herrührend die Furcht vor dem Tode, ja sogar vor einer etwas gefährlicheren Krankheit vorhanden.

Ihr werdet auch schon öfter zu erleben die Gelegenheit gehabt haben, daß so recht fleißige und sehr arbeitsame Menschen bei weitem keine so große Furcht vor dem Sterben haben wie jene arbeitsscheuen, aber dabei doch wohllebensheiteren und lüsternen sie haben; und diese Furcht verliert sich nicht eher, als bis solche Seelen eine rechte Tätigkeit ergriffen haben.

Ihr meinet freilich, diese Furcht sei nur eine Folge der Unbestimmtheit im Wissen und Erkennen des Jenseits. Ich aber sage es euch allen: Es ist das nur eine Folge der tief wurzelnden Tätigkeitsscheu der Seele, und weil die Seele es geheim ahnt, daß mit der Wegnahme des Leibes ihre Weiterexistenz eine höchst tätige werden wird, so ist sie ganz untröstlich darüber und gerät in eine Art Fieber, in welchem dann auch eine Art Ungewißheit über das einstige Fortbestehen sich herausstellt."

GrEv VI/133(6-7) — DER HERR: "Sowie eine Seele anfängt, den wahren Gott wie außer sich seiend zu erkennen und durch das Gefühl ihrer Liebe zu Ihm Ihn ordentlich wesenhaft wahrzunehmen, dann ist sie schon von den Banden der göttlichen Allmacht frei und gehört dann auch schon stets mehr und mehr sich selbst an und ist sonach Selbstschöpferin ihres eigenen Seins und Lebens und dadurch eine selbständige Freundin Gottes für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten. Wenn aber also, so verliert das eigentliche Wesen ja eigentlich gar nichts, so demselben der für weiterhin unbrauchbare Leib abgenommen wird, damit es dann schneller seine endliche Bestimmung erreichen kann."

GrEv V/133(7-8) — DER HERR: "Wie aber sollte sich der vor dem Tode fürchten, der in der höchsten Klarheit das ewige Leben in sich trägt und ganz vollkommen ein Herr des Lebens in sich selbst geworden ist und gar wohl wissen muß, daß diejenigen, die wohl den Leib töten können, der Seele und ihrem ewigen Lebensgeiste durchaus keinen Schaden mehr zuzufügen vermögen, und daß die Seele mit dem Wegfalle des schweren Leibes für ewig einen nie aussprechbaren Gewinn macht, den alle Schätze dieser Erde ewig nimmer aufzuwiegen irgend imstande wären! — Wer aber solches in sich selbst in höchster und tiefster Lebensgrundklarheit erschaut, der wird dann ja doch etwa keine Furcht vor dem Tode des Leibes haben?!"

GrEv VI/68(1-4) — DER HERR: "Die Furcht vor des Leibes Tode liegt eigentlich nicht in dem unbestimmten Bewußtsein des Lebens der Seele nach dem Abfalle des Leibes, als vielmehr in der Liebe zur Welt und in der Selbstliebe. Durch diese beiden Liebearten wird die Seele stets mehr in ihr Fleisch vermengt, und die Folge davon ist, daß sie eben dadurch das Gefühl des Sterbens, Vergehens und Aufhörens stets mehr und mehr zu ihrem eigenen machen und übergehen muß in allerlei Angst und Furcht.

Siehe, die Urväter der Menschen dieser Erde hatten keine Furcht vor dem Tode des Leibes, sondern oft nur Sehnsucht danach, daß sie befreit würden von dem gebrechlich gewordenen Leibe! Sie hatten ob ihres Gott wohlgefälligen Lebenswandels von Zeit zu Zeit helle Blicke und Gesichte ins Jenseits und hatten sich dadurch ein klares und wahres Bewußtsein über das Leben der Seele nach dem Abfalle des Leibes erworben.

Aber in dieser Zeit ist ja beinahe aller Glaube an Gott bei den Menschen erloschen! Wo sollte dann bei den Menschen das helle Bewußtsein des Lebens der Seele nach dem Leibestode noch herrühren?! — Wo man am Grunde alles Lebens schon beinahe allgemein zweifelt, da ist es dann nicht verwunderlich, wenn man über das Fortleben der eigenen Seele nach des Leibes Tode in starkem Zweifel ist."

GrEv XI/30(9-18) — DER HERR: … Als wir allein waren, sagte Rael zu Mir: "Herr und Meister, ich bin ein sündiger Mensch, der nicht wert ist, daß Du mit Deinem Fuße dieses Haus heiligst; aber ich weiß auch, daß Du über die Maßen barmherzig bist und mir daher alle die begangenen Torheiten meines bisherigen Lebens sicherlich vergeben wirst, so ich Dich recht von Herzen darum bitte. Und so bitte ich Dich denn, Herr und mein Gott, zunächst darum: Du mögest meine bisherige große Schwäche nicht ansehen und mir verzeihen, was ich je wissentlich und unwissentlich gesündigt habe!"

Sagte Ich: "Rael, alle deine Sünden sind dir schon lange vergeben; denn Ich bin kein Gott der Strafe, sondern der Liebe. Wie könnte Ich also irgend etwas strafen wollen, wenn es einem Menschen so wie dir ernst ist mit solcher Bitte, wie du sie geäußert?! Ich bin aber in die Welt gekommen, um die große Sündenlast, welche die Menschen in ihrer großen Blindheit auf sich laden, zu zerstören und ihnen die Wege zur größten Glückseligkeit frei zu machen. Habe also keine Sorge mehr um deine Sünden meist nur aus früherer Zeit, die dir als böse Werke bei deinem Ableben von der Erde nachfolgen wie die guten! Sie sind verzehrt von Meiner Liebe. — Jetzt aber rede, was dich noch bedrückt; denn du hast ein besonderes Anliegen, weswegen du insgeheim mit Mir sprechen wolltest!"

Sagte Rael: "Herr und Vater, ich danke Dir für Deine Worte aus tiefstem Herzen! Ich bin nun um so mehr von dem Wunsche erfüllt, der mich beseelte, seit ich Dich gesehen habe. Siehe, ich bin alt, mein Körper ist morsch und wenig tauglich mehr, Behausung dieser Seele zu sein! Die Hoffnung, den Erwählten Gottes noch sehen zu können, hat bisher nur diesen müden Staub aufrechterhalten, und jetzt, wo diese Hoffnung erfüllt ist, bitte ich Dich, Herr und Vater: Lasse Deinen Knecht in Frieden in die Grube fahren, damit er Deinem Reiche, das er nun mit leiblichen Augen gesehen, ein tüchtigeres Werkzeug werde, als er noch im Fleischesleben sein kann! Könnte ich unter Deinen Augen dahinscheiden, so werde ich den Tod gewißlich nicht schmecken und sicher und friedlich einkehren in das Reich, das Du uns verheißen hast!"

Sagte Ich: "Rael, dieser Wunsch ruht schon lange in deinem Herzen und deshalb solltest du ihn äußern, damit deine Seele auch von diesem letzten Drucke frei werde. Siehe, was ist denn der Tod des Menschen?! Weiter nichts als das Abfallen der reifen Frucht vom Baume, welches Fallen auch geschieht wie von selbst, ohne besonderes Zutun der Frucht. Ist der Mensch in seinem innersten Wesen so weit geläutert, um als reife Frucht zu gelten, so wird die Ablösung der reifen Seele von dem Stamme, dem Körper, auch völlig zwanglos geschehen. Dieser Augenblick tritt aber bei dem Menschen, der nach Meinem Willen gelebt hat, derart ein, daß er auch ohne Meine Gegenwart völlig schmerzlos, ja sogar mit den freudigsten Empfindungen, hinübergleitet vom irdischen zum geistigen Leben.

Du aber hast dennoch, trotzdem du nicht am Leben gerade hängst, eine Art Besorgnis vor diesem Augenblicke und denkst, gestärkt von Meiner Gegenwart, am leichtesten über diesen dir unangenehmen Wendepunkt hinwegzukommen. Ich sage dir aber nun, daß du auch diese verzeihliche menschliche Schwäche ablegen mußt, damit dein Glaube, der dich bis jetzt erhalten hat und dieses hohe Alter erreichen ließ, völlig gekräftigt werde; denn der Glaube an Mich soll ja gerade das beste und einzige Mittel sein, alle drohenden Schrecknisse des Todes zu besiegen.

Ist der Mensch völlig gläubig geworden, und habe Ich ihm ins Herz gelegt, es sei Zeit für ihn, die Fleischesbande zu lösen, da sein irdisches Tagewerk vollbracht, so werde Ich ihm sogar die Kraft geben, selbst die Fesseln zu sprengen, und er entschlummert sanft vor den Augen der Seinen in Frieden. Das ist der Tod, wie er sein soll, wie er jedoch in den allerseltensten Fällen nur eintreten kann, weil die Menschen den Augenblick des Abrufens mehr fürchten als alles andere und nicht durch gerechte Abnutzung, sondern durch gewaltsame Zerstörung der Körpermaschinerie den Übergang herbeiführen. Das verkehrte Leben hat daher auch die vielen Krankheiten geschaffen, die mit dem eigentlichen Tod nichts zu tun haben sollen, da nicht diese den Übergang, sondern die seelische Vollreife ihn bedingen soll. Du, Mein Rael, sieh es daher nicht an, als wolle Ich dir einen Wunsch versagen, wenn Ich dir sage: Lebe noch eine kurze Zeit! Sieh das nicht als Strafe an, sondern übe dich, auch noch diesen letzten Rest eines irdischen Anhangens zu tilgen, um mit Mir vereint dann einzugehen in Mein Reich!"

← Zurück zu „Leben und Tod – Licht und Finsternis“