54. Vers 27: Mann und Weib schuf Er sie.
Was unter Mann und Weib (Foemina) im inneren Sinne verstanden wird, war der Ältesten Kirche sehr wohl bekannt, dagegen aber bei den Nachkommen ging mit dem inwendigeren Sinn des Wortes auch dieses Geheimnis verloren. Ihre höchsten Seligkeiten und Freuden waren die Ehen, und alles, was nur je den Ehen nachgebildet werden konnte, bildeten sie nach, um daraus die Seligkeit der Ehe inne zu werden; und weil sie innerliche Menschen waren, hatten sie nur Freude am Innern. Das Äußere sahen sie bloß mit den Augen, dachten aber an das, was es vorbildete, so daß das Äußere ihnen nichts war, nur daß sie etwas von demselben zurückbeziehen konnten auf das Innere und vom Innern auf das Himmlische und so auf den Herrn, der ihnen alles war, folglich auf die himmlische Ehe, von der, wie sie inne wurden, die Seligkeit ihrer Ehen herkam; darum nannten sie im geistigen Menschen den Verstand das Männliche und den Willen das Weibliche, die sie, wenn sie übereinwirkten, eine Ehe nannten. Von dieser Kirche stammt jene Redensart her, die nachher gewöhnlich wurde, daß die Kirche selbst von ihrem Trieb zum Guten genannt wurde Tochter, dann Jungfrau, wie: Tochter Zion, Jungfrau Jerusalem, wie auch Weib (Uxor). Doch hierüber sehe man 1. Mose 2/23 (Nr. 151-156) und 1. Mose 3/15 (Nr. 250-253).
55. Vers 28: Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde und machet sie untertan und herrschet über die Fische des Meeres und über den Vogel der Himmel und über alles Lebendige, das kriecht auf der Erde.
Weil die Uralten die Verbindung des Verstandes und des Willens oder des Glaubens und der Liebe eine Ehe hießen, so nannten sie alles Gute, das aus dieser Ehe erzeugt wurde, Befruchtungen und alles Wahre Vermehrungen. Daher bei den Propheten ähnliches steht, wie bei Hes. 36/8-11: „Ich will mehren über euch den Menschen und das Tier, und sie werden sich mehren und befruchten, und Ich will euch wohnen lassen, wie in euren alten Zeiten und wohltun, mehr denn bei euren Anfängen, und ihr werdet erkennen, daß Ich Jehovah bin, und Ich will über euch wandeln machen den Menschen, Mein Volk Israel“: unter dem Menschen wird hier verstanden der geistige Mensch, der auch Israel genannt wird, unter den alten Zeiten die Älteste Kirche und unter den Anfängen die Alte Kirche nach der Flut. Daß die Vermehrung, die dem Wahren angehört, und die Befruchtung, die dem Guten angehört, nachfolgt, kommt daher, daß vom Wiederzugebärenden, nicht vom schon Wiedergeborenen die Rede ist. Wenn der Verstand mit dem Willen oder der Glaube mit der Liebe vermählt (copulatus) ist, so wird der Mensch vom Herrn ein vermähltes (maritata) Land genannt. Jes. 62/4: „Nicht mehr wird man sagen zu deinem Land: Wüste; sondern dich wird man nennen: Mein Wohlgefallen an ihr, und dein Land: vermählt, weil Wohlgefallen hat Jehovah an dir und dein Land vermählt werden wird“. Die Früchte hiervon, die dem Wahren angehören, werden genannt Söhne und die Früchte, die dem Guten angehören, Töchter, und dies sehr oft im Worte. Die Erde wird erfüllt, wenn viel Wahres und Gutes da ist, denn wenn der Herr segnet und spricht, das ist wirkt, so wächst das Gute und Wahre ins Unermeßliche, wie der Herr sagt bei Matth. 13/31, 32: „Ähnlich ist das Himmelreich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Acker säte, das zwar kleiner ist denn alle Samen, wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kohlkräuter und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und nisten in seinen Zweigen“: das Senfkorn ist das Gute des Menschen, ehe er geistig ist, welches das kleinste ist von allen Samen, weil er meint, aus sich Gutes zu tun. Was von ihm selbst ist, ist nichts als Böses, weil er jedoch im Stande der Wiedergeburt ist, so ist es etwas Gutes, aber das kleinste von allen. Später, sowie der Glaube verbunden wird mit der Liebe, wird es größer und ein Kohl. Zuletzt, wenn er verbunden ist, wird es ein Baum, und dann nisten die Vögel der Himmel, die auch hier Wahres oder Verständiges sind, in seinen Zweigen, die Wißtümliches sind. Wenn der Mensch geistig ist, sowie wenn er geistig wird, ist er im Kampf, daher es heißt, machet die Erde untertan und herrschet.
Swedenborg, Die Himmlischen Geheimnisse, Band 1, Kap.54, Verse 27 und 28
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