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Herz und Gedächtnis

Das Große Evangelium Johannes – Band 4 / 178. Kap

  15] Ihr müsset Meine Worte tiefer ins Herz fassen, so werden sie dann eurem Gedächtnisse nicht gar zu leicht untreu werden; denn alles, was einmal das Herz lebendig erfaßt hat, das bleibt dann sicher auch in der Erinnerung fest sitzen, und ihr habt es bei tauglicher Gelegenheit gut hernehmen. Wollt ihr euch aber das von Mir Gesagte nur allein im Gedächtnisse merken, so werdet ihr es zum größten Teile in einem Jahre wenigstens hundert Male vergessen; denn im Alter ist das Gedächtnis nicht mehr so saftig wie in der Jugendzeit. Es vergißt aber schon die Jugend leicht, was sie gelernt hat, geschweige das Alter. Was aber das Herz einmal ergriffen hat, das ist ins Leben übergegangen und bleibt für ewig!
  16] Ich sage es euch, was ihr immer auf dieser Welt nur ins Gedächtnis aufgenommen habt, davon wird im Jenseits nicht ein Jota verbleiben; darum erscheinen jenseits alle trockenen Weltgelehrten wie Taube, Blinde und Stumme, wissen gar nichts und können sich an nichts erinnern. Sie kommen jenseits nicht selten so jedes Begriffes bar an, wie ein Kind aus dem Mutterleibe in diese Welt. Sie müssen dort alles von den ersten Elementen neu zu lernen und zu erfahren anfangen, sonst blieben sie taub, blind und stumm in Ewigkeit und hätten nichts denn ein dumpfes Gefühl vom Dasein, ohne jedoch zu fühlen, daß sie es sind, die schon auf der Erde da waren. Das muß ihnen allererst so nach und nach auf die sinnigste Weise beigebracht werden.
  17] Wo es beim Menschen im Herzen finster ist, da ist schon gleich der ganze Mensch finster; wo es aber da licht und helle ist, da ist der ganze Mensch helle, und es kann bei ihm nimmer finster werden! Darum fasset das, was ihr vernehmet, gleich ins Herz auf, so wird es in euch bald helle werden!
  18] So ihr das alles begriffen habt und aufgenommen in euer Herz, so lasset uns nun auf etwas anderes vorbereiten! Was da nun bald anlangen wird, wird euch viel Denkens machen; aber ihr werdet daraus sehr vieles ablernen und zu seiner Zeit auch bestens davon Gebrauch machen können.«

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