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Geistiger Hochmut, Eigendünkel, Selbstgerechtigkeit

Vaterbriefe Band 2 / 328.  Über Nächstenliebe – der Herr im Umgang mit Zöllnern

25. Februar 1883
Lukas 5, 27

Meine Kinder!
In diesem Kapitel wird euch erzählt, wie Ich mit den Zöllnern verkehrte, und dieselben Meine volle Liebe genießen ließ, weil auch sie Mir Liebe entgegen brachten. – Sie richteten ein Mahl an, und Ich aß und trank mit ihnen; denn nicht das Mahl, sondern ihre Liebe stärkte Mich, und bereitete Mir einen Genuß nach Meinem Sinne.
Es war zu damaliger Zeit den Pharisäern und Schriftgelehrten gegenüber eine große Herablassung Meinerseits, daß Ich Mich so brüderlich unter die Zöllner mischte; doch dadurch wollte Ich zeigen, daß die Nächstenliebe keine Schranken sich ziehen solle durch Vorurteile, welche so viele zu der Frage veranlassen: Gehört diese oder jene Person auch zu den Unsrigen? Und glaubt man, dadurch Mir noch gefälliger zu werden, wenn man solche meidet, die andere Glaubensansichten an den Tag legen, während dieselben im Stillen ebenso eifrig Mich und die Wahrheit suchen, wie jene, die weit über ihnen in der Erkenntnis zu stehen scheinen.
Ich gab deshalb in diesem Akte Meines Erdenwandels wiederum ein Beispiel für alle Zeiten und für alle Meine Nachfolger, welche mehr oder weniger vergessen, im Austeilen der Liebe Meinem Beispiele zu folgen und auf Mich zu blicken; denn Meine Liebe richtet gerade dahin, wo dieselbe mangelt, ihren Gang, und läßt sie desto mehr dorthin fließen, wie es in den Worten ausgedrückt ist: "Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken", – "Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu leiten, und nicht die Gerechten", oder vielmehr die Selbstgerechten, die in ihrem Eigendünkel vergessen, sich vor Mir zu demütigen; denn wo nicht ein Gefühl der eigenen Schwachheit vorherrscht, kann Ich mit Meiner Gnade und Kraft nicht einwirken, und wäre es gerade so, als wenn man einem Gesunden eine Arznei aufdrängen wollte, welche dieser wohl unbeachtet lassen würde.
So geht es auch bei den Seelen, die zu viel von sich selbst halten; sie denken sich eine eigene Weisheit aus, und wollen dieselbe oft Mir als einen erlernten Schatz vortragen, damit Ich ihnen Mein Wohlgefallen bezeugen solle, und zwar auf eine Weise, wodurch sie sich gegenüber ihren Mitmenschen brüsten könnten.
Solche Seelen auf den richtigen Weg (der wahren Demut) zurückzubringen, muß Meine unerforschliche Liebe und Weisheit eingreifen, wozu Ich leider meist schwere Demütigungen und Heimsuchungen anwenden muß, damit sie den Sinn der Worte verstehen lernen: "Laß dir an Meiner Gnade genügen, denn Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig".
Die Gnade ist es also, welche ihnen nachgeht und die Demut als Begleiterin bei sich hat, um desto mächtiger auf die Seelen eindringen zu können. – Ebenso sind die Leiden und Heimsuchungen stets wieder nur Gnade und Erbarmung, um den geistigen Menschen zu erlösen von den Übeln, mit welchen er behaftet ist, *) und es ist solches ein Anklopfen von Mir; denn Ich besuche nicht allein die Gesunden, sondern auch die Kranken.
Wollet ihr daher Meine wahren Nachfolger sein, so wachet über eure Liebe, damit sie sich nicht überhebe und nur solche derselben für würdig halte, die eurem Eigendünkel mehr huldigen als oft andere tun, sondern liebet in den Schwachen und Unmündigen gleichfalls eure Brüder; denn nur so kann Ich eure Liebe jeden Tag mehr segnen. Wenn ihr aber euren Lohn in der Gegenliebe von euren Mitmenschen verlanget, so habt ihr denselben von Mir nicht mehr zu erwarten! Euer Vater.

*) Wohl zumeist geistiger Hochmut, Dünkel, Sicherheit, die viel schlimmer und dem inneren Leben gefährlicher sind, als so manche vor der Welt groß scheinende andere Fehler. -d.Hsg.-

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