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Witwe – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Durch Witwe werden diejenigen verstanden, die im Stand des Guten sind, und nicht so im Wahren, und die im Stand des Wahren sind und nicht so im Guten, und doch darin zu sein wünschen; weil durch jene drei, nämlich die Waisen, die Fremdlinge und Witwen, etwas Ähnliches im Zusammenhang bezeichnet wird, darum werden sie in den meisten Stellen miteinander erwähnt. <HG 3703>

Die Witwe bedeutet auch das Wahre der Kirche ohne sein Gutes, weil die Gattin im vorbildlichen Sinn das Wahre bedeutet und der Gatte das Gute, deshalb ist die Gattin ohne den Gatten das Kirchenwahre ohne sein Gutes, und wenn von ihr gesagt wird, sie sei im Haus ihres Vaters geblieben, so wird bezeichnet, daß das Kirchenwahre entfremdet, wie auch, daß es in seinem Hause nicht aufgenommen wurde. Das konnte auch die jüdische Völkerschaft nicht, weil sie nicht im Guten, sondern im Bösen war. Die Witwe wird im Wort oft erwähnt, und wer den inneren Sinn nicht weiß, kann nicht anders glauben, als daß durch Witwe bezeichnet wird eine Witwe, aber durch Witwe wird im inneren Sinn daselbst das Kirchenwahre ohne das Gute bezeichnet, d.h. diejenigen, die im Wahren sind ohne das Gute, und dennoch verlangen im Guten zu sein, folglich die, welche sich gerne durch das Gute leiten lassen; der Gatte ist das Gute, das leiten sollte. Solche wurden in der Alten Kirche durch die Witwen im guten Sinn verstanden, mochten es Frauen oder Männer sein, denn die Alte Kirche unterschied den Nächsten, gegen den man Liebtätigkeit üben sollte, in mehrere Klassen: einige nannte sie Arme, einige Elende und Niedergebeugte, einige Gebundene im Gefängnis, einige Blinde und Lahme, einige Fremdlinge, Waisen und Witwen, und je nach ihren Beschaffenheiten richteten sie die Werke der Liebtätigkeit ein. Ihre Lehren gaben dazu Anweisung; jene Kirche kannte keine anderen Lehren. Deshalb haben die, welche zu damaliger Zeit lebten, gemäß ihren Lehren sowohl gelehrt als geschrieben; mithin, wenn sie Witwen nannten, verstanden sie nichts anderes als solche, die im Wahren ohne das Gute waren, und dennoch verlangten, durch das Gute geleitet zu werden. Hier, wie in mehreren anderen Stellen werden nebeneinander genannt der

Fremdling, die Waise und die Witwe, weil durch den Fremdling diejenigen bezeichnet werden, die in den Wahrheiten des Glaubens belehrt sein wollen, durch den Waisen die, welche im Guten sind ohne das Wahre, und verlangen, durch das Wahre zum Guten geleitet zu werden, und durch die Witwe die, welche im Wahren sind ohne das Gute, und verlangen, durch das Gute zum Wahren geleitet zu werden. Jene drei werden hier und sonst im Wort nebeneinander genannt, weil sie im inneren Sinne eine Klasse bilden, denn durch sie werden zusammen diejenigen bezeichnet, die belehrt und zum Guten und Wahren geleitet werden wollen. Die Witwen aber innerhalb der verwüsteten Kirche, zu denen Elias nicht gesandt wurde, sind die, welche nicht im Wahren sind, weil nicht im Guten; denn wo kein Gutes, da ist auch kein Wahres, mag immerhin bei ihnen das Wahre in äußerer Form als wahr erscheinen, sondern es ist wie eine Schale ohne Kern. Die, welche in einem solchen Wahren und auch die im Falschen sind, werden durch Witwen im entgegengesetzten Sinn bezeichnet. Weil durch Witwen diejenigen bezeichnet wurden, die nicht im Wahren sind, weil nicht im Guten, darum war es eine Schmach für die Kirchen, auch für die, welche im Falschen aus dem Bösen waren, Witwen genannt zu werden. Weil Witwe das Kirchenwahre ohne sein Gutes vorbildete und daher auch bezeichnete, sofern die Gattin das Wahre und der Gatte das Gute ist, darum war es in den Alten Kirchen, wo alles und jedes vorbildete, den Priestern verboten, eine Witwe zur Frau zu nehmen, die nicht die Witwe von einem Priester war. Auch eine Witwe von einem Priester die Neigung zum Wahren vom Guten; denn Priester im vorbildlichen Sinn bezeichnet das Gute der Kirche; darum durften auch die Witwen von einem Priester, die kinderlos waren, von den Opfern oder vom Heiligen essen. <HG 4844>

“Witwen” bedeutet solche, die im Guten ohne das Wahre sind, gleichwohl aber nach dem Wahren verlangen. Dies erhellt aus der Bedeutung der Witwe, sofern sie das Gute ohne das Wahre bezeichnet, das jedoch nach dem Wahren verlangt. Daß die Witwe dies bedeutet, hat den Grund, weil durch den Mann das Wahre und durch sein Weib das Gute bezeichnet wird; deshalb bedeutet das Weib eines Mannes, wenn sie eine Witwe geworden ist, das Gute ohne das Wahre. Aber in einem noch inwendigeren Sinne bedeutet die Witwe des Wahre ohne das Gute; der Grund ist, weil der Gatte in diesem Sinne das Gute und seine Gattin das Wahre bedeutet. In diesem Sinn wird der Herr wegen des göttlich Guten Gemahl und Bräutigam genannt und Sein Reich, wie auch die Kirche, wird wegen der Aufnahme des göttlich Wahren, das vom Herrn ausgeht, Gattin und Braut genannt. Weil aber hier nicht von der himmlischen Kirche des Herrn, sondern von der geistigen gehandelt wird, so wird durch Witwe bezeichnet, wer im Guten und nicht im Wahren ist, und dennoch nach dem Wahren verlangt. <HG 9198>

Im Wort werden hie und da nebeneinander genannt der Fremdling, die Waise und die Witwe. Wenn sie zusammen genannt werden, so fallen sie bei den Engeln

in einen Sinn, nämlich in diesen, daß bei denen, die in der Kirche sind, das Gute und das Wahre verbunden werden soll nach der Ordnung, somit wechselseitig das Wahre mit dem Guten und das Gute mit dem Wahren; denn unter Fremdling werden diejenigen verstanden, die in dem, was zur Kirche gehört, unterrichtet werden wollen, unter Witwen die Verbindung des Guten mit dem Wahren, und unter Waisen die Verbindung des Wahren mit dem Guten, welche Verbindung eine wechselseitige ist. Ebenso verhält es sich mit dem übrigen im Wort, das, wenn es nach dem inneren Sinne erklärt wird, als zerstreut erscheint, bei den Engeln aber zu einem Sinn, ja zu einer Vorstellung verbunden ist. <HG 9200>

“Und Witwe bin ich nicht” bedeutet, daß sie nicht ohne Schutz sei. Dies erhellt aus der Bedeutung der Witwe, insofern sie denjenigen bezeichnet, der in der Neigung zum Guten ist und sich aus dieser nach dem Wahren sehnt; hier aber wird durch Witwe der Schutz bezeichnet, und also durch “nicht Witwe”, daß man nicht ohne Schutz sei, weil das Gute und seine Neigung sich nicht selbst schützt, sondern durch das Wahre und dessen Einsicht beschützt wird; denn der Mann, der es beschützt, ist das Verständnis des Wahren und also das Wahre selbst. Die Ehe des Mannes und des Weibes ist nämlich ganz wie die Ehe des Wahren und Guten, denn der Mann ist geschaffen, um das Verständnis des Wahren zu sein, deshalb ist der Verstand bei ihm vorherrschend; das Weib aber ist geschaffen, um die Neigung des Guten zu sein, deshalb herrscht diese bei ihr vor; und wie das Gute und Wahre sich gegenseitig liebt und verbunden sein will, so auch das Verständnis des Wahren, und die Neigung des Guten. Unter Witwen werden auch in anderen Stellen des Wortes sowohl Weiber als Männer bezeichnet, die im Guten sind, aber nicht im Wahren und dennoch sich nach Wahrheit sehnen, somit die, welche ohne Schutz sind gegen das Falsche und Böse, aber doch vom Herrn beschützt werden; und auch im entgegengesetzten Sinn. <EKO 1121>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 158 →

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