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Wermut – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Und der Name des Sterns heißt Wermut” bedeutet das Wahre vermischt mit dem Falschen des Bösen. Dies erhellt aus der Bedeutung des Namens, sofern er die Beschaffenheit eines Zustands und die Beschaffenheit einer Sache bezeichnet; aus der Bedeutung des Sterns, hier des großen Sterns, der wie ein Fackel brannte, sofern er das Wahre des Wortes bezeichnet, das aus der eigenen Liebe verfälscht wurde; und aus der Bedeutung des Wermut, sofern er das Wahre, vermischt mit dem Falschen des Bösen bezeichnet. Daß der Wermut dies bedeutet, beruht auf seiner Bitterkeit, die Bitterkeit aber kommt her vom Süßen, das vermengt ist mit dem entgegengesetzten Unsüßen; daher bedeutet im geistigen Sinn Bitterkeit, wie die des Wermuts und der Galle, das Wahre, vermischt mit dem Falschen, das dem Wahren entgegengesetzt und das Falsche des Bösen ist; denn der Geschmack und das Schmecken bedeutet die Neigung zu wissen und weise zu sein, daher bedeutet das Schmackhafte das Angenehme und Liebliche der Weisheit, und die Leckerbissen, weil schmackhaft, sind das Wahre, das der Weisheit angehört. Daß Wermut und auch Galle wegen der Bitterkeit das Wahre, vermischt mit dem Falschen des Bösen bedeutet, erhellt auch aus dem, was in diesem Vers folgt, denn es wird gesagt, daß viele Menschen gestorben seien von den Wassern, weil sie bitter geworden waren, wodurch bezeichnet wird, daß durch verfälschte Wahrheiten alle, die so beschaffen waren in Ansehung des geistigen Lebens, zugrunde gegangen seien; denn das Wahre macht geistiges Leben, das Falsche des Bösen aber löscht es aus. Wenn aber das Wahre mit dem Falschen des Bösen vermischt wird, so ist es nicht mehr wahr, sondern verfälscht, und verfälschtes

Wahres ist an sich Falsches. Solches Falsche war beim jüdischen Volk, aber das Falsche, das bei gutartigen Heiden sich fand, war anderer Art: dieses Falsche wird bezeichnet durch Essig, jenes aber durch Galle und Myrrhenwein. <EKO 519>

“Und der dritte Teil der Wasser ward Wermut” bedeutet, daß solcherart geworden sei alles Wahre im Verstand und in der Lehre. Dies erhellt aus der Bedeutung des dritten Teils, sofern er das Ganze bezeichnet; hier alles Wahre im Verstand und in der Lehre, weil es gesagt wird von den Flüssen und Wasserquellen, durch die das Verständnis des Wahren und die Lehre aus dem Wort bezeichnet wird. Ferner aus der Bedeutung des Wermuts, sofern er das Wahre, vermischt mit dem Falschen des Bösen, bezeichnet, wovon im gleich vorhergehenden Artikel. Aus diesem kann erhellen, daß durch: der dritte Teil der Wasser ward Wermut, bezeichnet wird, alles Wahre im Verstand und in der Lehre sei vermischt mit dem Falschen des Bösen. Das Wahre wird aber dann mit dem Falschen des Bösen vermischt, wenn Böses des Lebens, nämlich Ehebruch, Hurerei, Mord, Haß aller Art, Feindschaft, Ungerechtigkeit um des Gewinns willen, heimlicher und öffentlicher Diebstahl und Raub, List, Betrug, durch den Buchstabensinn des Wortes begründet wird; ebenso das Falsche der Religion von denen, die in der Selbstliebe und daher im Dünkel eigener Einsicht sind. Daß alsdann das Wahre vermischt wird mit Falschem des Bösen, beruht darauf, weil alles im Wort wahr ist, wenn es aber angewandt und hinübergezogen wird zur Begründung des Lebensbösen und falscher Religionsgrundsätze, alsdann wird das Wahre des Wortes mit Falschem des Bösen vermischt, und die Folge davon ist, daß die Wahrheiten nicht mehr Wahrheiten bleiben, sondern verfälschte Wahrheiten werden, die an sich Falschheiten sind. Die Wahrheiten des Buchstabensinns des Wortes müssen, wenn sie Wahrheiten bleiben sollen, zur Begründung des Lebensguten und zur Begründung wahrer Religionsgrundsätze angewandt werden; diese Anwendung muß der Zweck sein; werden sie aber diesem Zweck entzogen und entführt, so sind sie keine Wahrheiten mehr, weil kein Innewerden des Wahren darin ist. Aus dem Guten kommt das Innewerden des Wahren, nicht aber aus dem Bösen. Es ist im einzelnen des Wortes eine Ehe des Wahren und Guten; wenn daher den Wahrheiten nicht das Gute innewohnt von seiten dessen, der es inne wird, so sind die Wahrheiten ohne ihren Genossen, und können zu allen möglichen bösen Begierden und zu allen möglichen falschen Grundsätzen angewandt, und so Falsches des Bösen werden. <EKO 520>

“Und es wird in deinem Bauche Bitterkeit erregen” bedeutet, es sei innerlich unangenehm, weil äußerlich geschändet. Dies erhellt aus der Bedeutung von bitter oder Bitterkeit, sofern es bezeichnet unangenehm infolge des geschändeten Wahren, wovon unten; und aus der Bedeutung des Bauches, sofern er das Inwendigere bezeichnet. Daß der Bauch das Inwendigere bezeichnet, beruht darauf, daß nachher folgt, daß es im Munde süß wie Honig war, und unter dem Mund das Auswendigere verstanden wird;

denn was mit dem Munde genommen wird, wird gekaut und in den Bauch hinabgebracht, und so geht es von außen nach innen. Es geht nach innen, denn es geht in die Eingeweide des Menschen. Daß das Bittere und die Bitterkeit das Unangenehme infolge des geschändeten Wahren bedeutet, und daß daher verbittern bedeutet, unangenehm machen, beruht darauf, daß das Süße bitter und daher unangenehm wird durch Vermischung mit etwas Widrigem; daher kommt die Bitterkeit des Wermuts, der Galle, der Myrrhe. Weil nun süß das Angenehme aus dem Guten des Wahren und dem Wahren des Guten bedeutet, deshalb bedeutet bitter das Unangenehme aus dem geschändeten Wahren. Das Unangenehme daraus wird von keinem Menschen in der natürlichen Welt als bitter empfunden und gefühlt, sondern von einem Geist und von einem Engel in der geistigen Welt; denn alles Gute des Wahren, das geschändet ist, wird, wenn es bei ihnen in den Geschmack übergeht, als bitter empfunden; denn die Geister und Engel haben ebenso einen Geschmackssinn wie die Menschen, aber der Geschmack der Geister und Engel hat einen geistigen Ursprung, der Geschmack der Menschen dagegen einen natürlichen Ursprung. Den Geschmack des Bitteren haben die Geister aus dem geschändeten Wahren des Guten, aber die Menschen haben den Geschmack des Bitteren aus der Vermischung des Süßen und des Widrigen. Das Gefühl des Süßen hatte auch Johannes aus geistigem Ursprung, denn er war im Geist, sonst hätte er das Büchlein nicht essen können. Durch das geschändete Wahre wird bezeichnet das Wahre des Guten, das angewandt ist zum Bösen und vermischt mit seinem Falschen, was geschieht, wenn die Wahrheiten des Buchstabensinnes des Wortes zu unreinen Liebesneigungen angewandt und so mit Bösem vermischt werden. Dieses Unangenehme ist es, was hier durch die Bitterkeit im Bauch bezeichnet wird. Es soll noch mit wenigem gesagt werden, was durch das Inwendigere im Wort, d.h. durch das Innere des Wortes bezeichnet wird: Das Innere des Wortes ist das, was sein inwendiger oder geistiger Sinn enthält; das sind die echten Wahrheiten, diesen entsprechen die auswendigeren Wahrheiten des Wortes, und das sind die, welche in seinem äußeren oder natürlichen Sinn sich finden, welcher der Buchstabensinn und der buchstäbliche genannt wird. Wenn das Auswendigere des Wortes oder die Wahrheiten des Wortes im Buchstaben oder buchstäblichen Sinn verfälscht und geschändet werden, dann sind die inwendigeren Wahrheiten des Wortes verfälscht und geschändet. Wenn daher der Mensch das Wort im Buchstabensinn zum Bösen irdischer Liebesneigungen anwendet, dann wird es den Engeln, die im inneren oder geistigen Sinn des Wortes sind, unangenehm, und dieses Unangenehme ist wie das Unangenehme des Bitteren. Aus diesem kann erhellen, daß dadurch, daß das Büchlein im Bauch Bitterkeit erregte, bezeichnet wird, das Wort sei innerlich unangenehm geworden. Aber das Unangenehme, wovon bis jetzt gehandelt wurde, ist das geistig Unangenehme, dagegen das geistig natürlich Unangenehme, das hier auch unter jener Bitterkeit verstanden wird, ist, daß das Wahre der Lehre, das inwendiger aus dem Buchstabensinn des Wortes hergenommen und sein buchstäblicher Sinn

genannt wird, denen unangenehm ist, die im Falschen des Bösen sind; denn es wird gehandelt vom Verständnis des Wortes von seiten der Menschen der Kirche an ihrem Ende, wo die meisten in Falschem aus dem Bösen sind, und dann ist das Falsche des Bösen, das aus dem Buchstabensinn des Wortes begründet ist, ihnen angenehm, dagegen das Wahre, das aus dem buchstäblichen Sinn des Wortes begründet ist, unangenehm. Auch dieses wird dadurch bezeichnet, daß das Büchlein im Bauche Bitterkeit erregte, und daß es im Munde süß war wie Honig. Aus diesem kann erhellen, daß durch das Bittere und die Bitterkeit im allgemeinen die Verfälschung und Schändung des Wahren und Guten bezeichnet wird, und daß die verschiedenen Arten derselben durch Galle, Wermut, Myrrhe, Herlinge, Koloquinten, usw. bezeichnet werden. <EKO 618>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 126 →

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