Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Und hub die Stimme auf und weinte”, daß dies einen höheren Grad des Schmerzes bedeutet, kann erhellen aus der Bedeutung von die Stimme aufheben und weinen, sofern es ist der äußerste Grad des Schmerzes, denn das Weinen mit hoher Stimme ist nichts anderes. Der Zustand der Verödung des Wahren, sodann der Entfernung von den Wahrheiten, bei denen, die geistig werden, ist in diesem Vers beschrieben. Wie sich dies verhält, soll mit wenigem gesagt werden. Diejenigen, die nicht gebessert werden können, wissen gar nicht, was es ist Schmerzen empfinden deswegen, daß man der Wahrheiten beraubt wird; sie meinen, daß niemand wegen so etwas beängstigt werden könne; sie glauben, es könne nur eine Angst deswegen geben, daß man der Güter des Leibes und der Welt beraubt wird, als der Gesundheit, der Ehre, des guten Namens, des Vermögens, und des Lebens. Die aber gebessert werden können, glauben ganz anders; sie
werden vom Herrn in der Neigung zum Guten und im Denken des Wahren erhalten, daher kommen sie in Angst, wann sie dessen beraubt werden. Es ist bekannt, daß alle Angst und Schmerz daher kommt, daß jemand dessen beraubt wird, wovon er angeregt wird, oder was er liebt. Die, welche bloß von leiblichen und weltlichen Dingen angeregt werden, oder bloß solche lieben, die empfinden Schmerz, wenn sie derselben beraubt werden. Die aber von geistig Gutem und Wahrem angeregt werden, und dies lieben, die empfinden Schmerz, wann sie dessen beraubt werden. Das Leben eines jeden ist nichts als Neigung (Regung) oder Liebe. Hieraus kann erhellen, welches der Zustand derjenigen ist, die abgeödet werden in Ansehung des Guten und Wahren, von dem sie angeregt werden, oder das sie lieben, daß nämlich der Zustand ihres Schmerzes heftiger, weil inwendiger ist, und in Beraubung des Guten und Wahren, nicht absehen auf den leiblichen Tod, um den sie sich nicht einmal kümmern, sondern auf den ewigen Tod. Derselbe Zustand ist es, der hier beschrieben wird. <HG 2689>
“Und er erhob seine Stimme und weinte” bedeutet die Glut der Liebe. Dies erhellt aus der Bedeutung von “die Stimme erheben und weinen”, sofern es ist die Glut der Liebe; denn das Weinen ist Sache der Traurigkeit und ist Sache der Liebe, und ist von beidem der höchste Grad. <HG 3801>
“Und sie weinten” bedeutet die Wirkung. Dies geht offenbar hervor aus der Bedeutung von weinen, insofern es die Wirkung des Schmerzes und auch die Wirkung der Freude ist; hier die Wirkung der Freude aus der Verbindung des Guten mit den Wahrheiten durch die Liebe. <HG 4354>
“Und es beweinte ihn sein Vater” bedeutet die inwendigere Trauer. Dies erhellt aus der Bedeutung von weinen, sofern es der äußerste Grad des Schmerzes und der Traurigkeit ist, somit die inwendigere Trauer. Zu den äußeren Dingen, durch die Inwendiges vorgebildet wurde, gehörte in den alten Kirchen auch das Klagen und Weinen über die Toten, womit die inwendigere Trauer bezeichnet wurde, obwohl es keine inwendigere war. <HG 4786>
“Und weinte” bedeutet Barmherzigkeit. Dies erhellt aus der Bedeutung von weinen, wenn es vom Herrn, Der hier durch Joseph vorgebildet ist, gesagt wird, sofern es heißt sich erbarmen. Daß das Weinen eine Äußerung des Schmerzes und der Liebe ist, ist bekannt, folglich eine Äußerung der Barmherzigkeit; denn die Barmherzigkeit ist leidtragende Liebe. Die göttliche Liebe wird deswegen Barmherzigkeit genannt, weil das Menschengeschlecht aus sich in der Hölle ist; und wenn der Mensch dieses in sich wahrnimmt, so fleht er die Barmherzigkeit an. Weil das Weinen auch Barmherzigkeit im inneren Sinn ist, deswegen wird einigemal im Wort ein Weinen von Jehovah oder dem Herrn gesagt. <HG 5480>
“Und es brach seine Stimme in Weinen aus” bedeutet Erbarmen und Freude. Dies erhellt aus der Bedeutung des Weinens, insofern es die Wirkung des Erbarmens ist; und wie es eine Wirkung der Traurigkeit, so ist es auch eine Wirkung der Liebe, und somit der Freude. <HG 5873>
“Und weinte über ihn” bedeutet die Traurigkeit; dies erhellt ohne Erklärung. Unter der Traurigkeit, die hier durch weinen bezeichnet wird, wird im inneren Sinn nicht wie im äußeren die Traurigkeit wegen des Todes verstanden, sondern darüber, daß das Gute der geistigen Kirche sich nicht erheben kann über das Natürliche. Der Herr will nämlich, indem Er durch das Innere einfließt, fortwährend dieses Gute vervollkommnen und zu Sich hinführen. Gleichwohl aber kann es nicht zum ersten Grad des Guten der himmlischen Kirche erhoben werden, denn der Mensch der geistigen Kirche ist verhältnismäßig noch im Dunkeln, und vernünftelt über die Wahrheiten, ob sie auch wahr sind, oder begründet die, welche die Lehre genannt werden, und zwar ohne ein Innewerden, ob das, was er begründet, wahr oder nicht wahr ist, und wenn er es bei sich begründet hat, glaubt er mit Bestimmtheit, daß es wahr sei, obgleich es falsch sein mag, denn es gibt nichts, was nicht begründet werden kann, weil dies ein Werk des Scharfsinnes ist, nicht der Einsicht, noch weniger der Weisheit, und das Falsche kann noch leichter als das Wahre begründet werden, weil es den Begierden schmeichelt und mit den Sinnestäuschungen übereinstimmt. Weil der Mensch der geistigen Kirche so ist, kann er durchaus nicht über das Natürliche erhoben werden. Daher nun die Traurigkeit, die durch die Worte: “Joseph weinte über ihn” bezeichnet wird. <HG 6500>
“Und die Ägypter beweinten ihn” bedeutet die Traurigkeit des Wißtümlichen der Kirche. Dies erhellt aus der Bedeutung von weinen, insofern es das Höchste der Traurigkeit bezeichnet, und zugleich das Vorbildliche der inneren Trauer; ferner aus der vorbildlichen Bedeutung der Ägypter, insofern sie die wißtümlichen Kenntnisse der Kirche bezeichnen. Die Traurigkeit des Wißtümlichen der Kirche, die ausgedrückt ist durch “die Ägypter beweinten Israel”, bedeutet nicht die Traurigkeit wegen seines Todes, denn dieser Sinn ist nur der Buchstabensinn, sondern Traurigkeit bedeutet hier die Traurigkeit darüber, daß das Gute der Kirche, das durch Israel vorgebildet wird, das Wißtümliche, das die äußere Kirche bildet, verlassen habe, indem es sich von diesem zum Inneren der Kirche erhob, welches das Gute des Wahren ist; denn alsdann betrachtet es das Wißtümliche nicht wie früher, als bei sich, sondern als unterhalb seiner. Wenn nämlich das Wahre der geistigen Kirche zum Guten wird, dann tritt eine Wendung ein, und dann betrachtet es nicht mehr das Wahre aus dem Wahren, sondern das Wahre aus dem Guten, von welcher Wendung schon früher einigemal gehandelt worden ist, und daher entsteht Traurigkeit, zugleich auch deshalb, weil dann eine andere Ordnung unter den wißtümlichen Kenntnissen stattfindet, die auch nicht ohne Schmerz zustande kommt. <HG 6507>
Man wisse, daß die Tränen und das Weinen den Schmerz wegen des Falschen und aus dem Falschen bedeutet, die Tränen aber den Schmerz des Gemüts und das Weinen den Schmerz des Herzens wegen desselben. Der Schmerz des Gemüts ist der Schmerz des Denkens und des Verstandes, die dem Wahren angehören, aber der Schmerz des Herzens ist der Schmerz der Neigung oder des Willens, die dem Guten angehören; und weil überall im Wort eine Ehe des Guten und Wahren ist, darum wird beides sowohl das Weinen als die Träne im Wort gesagt, wenn der Schmerz wegen des Falschen der Lehre oder Religion ausgedrückt wird. Daß das Weinen den Schmerz des Herzens bezeichnet, kann daraus erhellen, daß das Weinen aus dem Herzen ausgestoßen wird und in Wehklagen durch den Mund ausbricht, und daß die Tränen den Schmerz des Gemütes bezeichnen, kann daraus erhellen, daß es aus dem Denken durch die Augen hervorgeht. Bei beidem, sowohl beim Weinen als bei den Tränen kommt Wasser heraus, aber ein bitteres und ergreifendes, welches durch den Einfluß aus der geistigen Welt in den Schmerz des Menschen ausgeht, wo bitteres Wasser dem Mangel des Wahren wegen des Falschen und dem Schmerz darüber entspricht. Daher ist bei denen, die im Wahren sind, Schmerz wegen des Falschen. Hieraus kann man sehen, daß im Wort, wo Träne gesagt wird, auch Weinen gesagt wird, und zwar wegen der Ehe des Guten und Wahren im einzelnen daselbst. <EKO 484>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 89 →
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