Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Micha 4/6: Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zuhauf bringen und die Ich geplaget habe. Zur selbigen Zeit will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zu Haufen bringen und diejenigen, die von Mir geplaget worden sind. Das heißt: Zu der weltlosen Zeit eines jeden einzelnen Menschen sollen alle seine darniederliegenden Kräfte geweckt werden und vereinigt zu einer Kraft der Liebe und des ewigen Lebens in ihm; un die verstoßenen und zerstreuten Begierden sollen auf einen Haufen, d.h., unter ein und dasselbe Dach der Liebe gebracht werden. Und endlich die von Mir Geplagten sind die verschiedenen Prüfungen und Versuchungen, die das ganz natürlicherweise ein ewiges Ende nehmen; denn so da in jemandem spricht und wirket der Herr und ihn lehret und ziehet, der ist in gewisser Hinsicht doch nur ein leidender Mensch, da er sich nicht selbst zieht, sondern von Mir gezogen wird, welches ebensoviel heißt als geplaget werden. <HIGA III,S.142/7: Die Fürsten Juda und der Herr>
versuchen (Versuchung) “Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, daß Er euch versuche” bedeutet, daß das Leben des Himmels nicht zugrunde gehen werde, nur solle man wissen, daß es sei und wie es beschaffen sei. Dies erhellt aus der Bedeutung von fürchten, nämlich daß sie sterben würden, insofern es heißt, wie würden zugrunde gehen in Ansehung des himmlischen Lebens; und aus der Bedeutung von “euch versuchen”, insofern es soviel ist als lehren, daß es ein Leben des Himmels gibt und wie es beschaffen ist. Daß versuchen dies bedeutet, kommt daher, daß jede geistige Versuchung den Menschen über dergleichen belehrt und ihn darin bestärkt; denn die Versuchungen finden deshalb statt, damit der Glaube an das Wahre und die Neigung zum Wahren, und nachher die Neigung zum Guten eingepflanzt werde und Wurzel schlage, und so der Mensch ein neues Leben empfange, welches das Leben des Himmels ist, denn die Versuchungen sind Kämpfe mit dem Bösen und Falschen, und wenn der Mensch diese besiegt, dann wird es befestigt, denn er kämpft aus den Wahrheiten und für das Wahre wider das Falsche und Böse. Daß er aus den Wahrheiten und für die Wahrheiten kämpft, fühlt der Mensch alsdann nicht, weil die Wahrheiten im Inneren sind, und deshalb nicht deutlich zur Sinneswahrnehmung gelangen, die dem Äußeren angehört. Daß es aber aus ihnen und für sie geschieht, geht daraus hervor, daß es ein Kampf ist und hernach ein Sieg, die beide nicht möglich sind, als durch einen Zusammenstoß des einander Entgegengesetzten. Diese Gegensätze sind das Böse und das Gute, sowie das Falsche und das Wahre. Man muß jedoch wissen, daß nicht der Mensch kämpft, sondern der Herr für den Menschen, und zwar wider die Höllen, die dann den Menschen anzugreifen und zu unterjochen streben. Hieraus wird klar, daß “fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, daß Er euch versuche” bedeutet, es sei nicht zu befürchten, daß das himmlische Leben zugrunde gehen werde, sondern es geschehe, damit sie belehrt würden und erkennen
möchten, daß es ein Leben des Himmels gebe, und wie es beschaffen sei. <HG 8924>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 282 →
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