Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Daß “jeder Findende wird ihn töten” heiße, alles Böse und Falsche werden ihn zugrunde richten, folgt hieraus; es verhält sich nämlich damit so: Wenn der Mensch sich der Liebtätigkeit beraubt, so trennt er sich vom Herrn; die Liebtätigkeit oder die Liebe gegen den Nächsten und die Barmherzigkeit ist es allein, die den Menschen mit dem Herrn verbindet; ohne Liebtätigkeit ist Trennung; besteht Trennung, so ist er sich selbst oder dem Eigenen überlassen; alles, was er alsdann denkt, ist falsch, und alles, was er alsdann will, ist böse; dies ist es, was den Menschen tötet, oder macht, daß er kein Leben hat. <HG 389>
“Sie werden mich töten um meines Weibes willen”, daß dies bedeutet, daß so auch die himmlischen Dinge des Glaubens verlorengingen, wenn sie denken würden, daß allein das geistig Wahre hätte verbunden werden können mit dem himmlisch Guten, erhellt aus der Bedeutung von töten, sofern es ist verlorengehen; und aus der Bedeutung des Weibes, sofern es ist das mit dem himmlisch Guten verbundene geistig Wahre. <HG 2554>
“Nahe werden kommen Tage der Trauer meines Vaters, und ich werde töten Jakob, meinen Bruder” bedeutet Umkehrung und Beraubung des selbstischen Lebens des Wahren. Dies erhellt aus der Bedeutung der Tage des Trauerns, sofern sie ist Umkehrung des Zustandes, und aus der Bedeutung von töten Jakob, den Bruder, sofern es bedeutet, das Wahre des selbstischen Lebens berauben. Dies verhält sich ebenso wie das, was gleich oben von der Bedeutung des Hasses im inneren Sinn gesagt wurde, daß es nämlich nicht Haß sei; und kann auch erhellen aus demjenigen, was im anderen Leben fortwährend geschieht: dort wird alles Gute, das vom Himmel zu denen herabfließt, die im Bösen sind, in Böses verwandelt, und bei den Höllischen ins Entgegengesetzte, ebenso das Wahre ins Falsche. Darum ist umgekehrt das Böse und Falsche, das bei solchen, im Himmel das Gute und Wahre. Damit es auch gut werde, sind Geister unterwegs, welche die Vorstellungen des Bösen und Falschen verwerfen, damit die Vorstellung des Guten und Wahren eintrete; und außerdem, wenn das Böse und Falsche sich heranmacht zu denjenigen, die im Guten und Wahren sind, so erscheint es nicht als bös und falsch, sondern unter einer anderen Gestalt, gemäß der Art und dem Zustand der Güte bei ihnen.
Hieraus kann auch erhellen, daß “Jakob den Bruder töten” im inneren Sinn nicht ist töten, sondern daß es die Beraubung desjenigen Lebens bezeichnet, das dem Wahren nicht gebührt; denn das Wahre hat das Leben nicht aus sich, sondern vom Guten; denn das Wahre ist nur ein Aufnahmegefäß des Guten; und im Guten ist Leben, nicht aber im Wahren, außer das, welches vom Guten stammt. Daher ist die Beraubung des selbstischen Lebens des Wahren nicht ein Auslöschen des Wahren, sondern sie ist ein Lebendigmachen desselben, denn wenn das Wahre sich dünkt, es habe Leben von sich, dann hat es kein Leben als ein solches, das an sich nicht Leben ist. Dagegen wenn ihm dasselbe genommen wird, dann wird es mit dem eigentlichen Leben begabt, nämlich durch das Gute vom Herrn, Der das Leben selbst ist. <HG 3607>
“Daß es ein Sohn ist, so tötet ihn” bedeutet, wenn es Wahres ist, so sollen sie es wo möglich zerstören. Dies erhellt aus der Bedeutung des Sohnes, sofern er das Wahre bezeichnet; und aus der Bedeutung von töten, sofern es heißt zerstören, denn es wird vom Wahren gesagt; aber sie sollen es zerstören, wofern es möglich, denn die Bösen können bei den Guten die Wahrheiten nicht zerstören. <HG 6676>
“Gedenkst du mich zu töten?” bedeutet, willst du meinen Glauben zerstören? Dies erhellt aus der Bedeutung von töten, sofern es heißt zerstören, worüber folgt; und aus der Bedeutung des hebräischen Mannes, der hier durch “mich” verstanden wird, sofern es der Angehörige der Kirche ist, somit auch der Glaube, denn der Glaube gehört der Kirche an, und diese sind so vereinigt, daß wer den Glauben bei jemand zerstört, zugleich auch die Kirche bei ihm zerstört; und das heißt auch ihn töten, denn wer den Glauben nimmt, der nimmt das geistige Leben weg. Das Leben, das alsdann übrigbleibt, ist ein Leben, das Tod genannt wird. Hieraus wird klar, daß durch: Gedenkst du mich zu töten? bezeichnet wird: Willst du meinen Glauben zerstören. Daß töten heißt das geistige Leben wegnehmen, erhellt aus mehreren Stellen im Wort. <HG 6767>
“Du sollst nicht töten” bedeutet, niemanden des geistigen Lebens berauben; ferner, den Glauben und die Liebtätigkeit nicht auslöschen, wie auch, keinen Haß gegen den Nächsten haben, erhellt aus der Bedeutung von töten, insofern es soviel ist, als des geistigen Lebens berauben. Dies bedeutet aber töten im inneren Sinn, weil in diesem Sinn von dem geistigen Leben oder von dem Leben des Himmels bei dem Menschen gehandelt wird; und weil das geistige Leben oder das Leben des Himmels bei dem Menschen das Leben des Glaubens und der Liebtätigkeit ist, deshalb wird auch durch nicht töten bezeichnet, bei niemand den Glauben und die Liebtätigkeit auslöschen. Daß “nicht töten” im inneren Sinn auch bedeutet, keinen Haß gegen den Nächsten haben, kommt daher, weil derjenige, der Haß hegt, beständig töten will, und auch mit der Tat töten würde, wenn er nicht durch die Furcht vor Strafe, vor Verlust des Lebens, des Rufes und anderes dergleichen abgehalten würde; denn der Haß stammt aus dem Bösen, als das Gegenteil der Liebtätigkeit, und trachtet nach
nichts anderem , als nach dem Morde dessen, gegen den er Haß hegt: in dieser Welt nach dem Morde seines Leibes, in der anderen Welt nach dem Morde seiner Seele. <HG 8902, 9013>
“Und tötet, ein jeglicher seinen Bruder, und ein jeglicher seinen Genossen, und ein jeglicher seinen Nächsten” bedeutet die Verschlossenheit für den Einfluß des Guten und Wahren und des ihm Verwandten, so daß keine Aufnahme und Gemeinschaft stattfindet. Dies erhellt aus der Bedeutung von töten, sofern es heißt, das geistige Leben, somit das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens nehmen; hier also verschließen, so daß keine Aufnahme desselben und Gemeinschaft stattfindet, und wenn diese benommen ist, so ist auch das geistige Leben dahin; es bleibt nur noch das natürliche Leben. Aus der Bedeutung des Bruders, sofern er das Gute der Liebe und Liebtätigkeit bezeichnet; aus der Bedeutung des Genossen, sofern er das Wahre jenes Guten bezeichnet; und aus der Bedeutung des Nächsten, sofern er das bezeichnet, was mit jenem verbunden ist; somit was verwandt ist, denn die Verwandten sind die Nächsten. Hieraus wird klar, daß durch “tötet ein jeglicher seinen Bruder, und ein jeglicher seinen Genossen, und ein jeglicher seinen Nächsten” bezeichnet wird die Verschlossenheit des Inneren bei jener Völkerschaft für den Einfluß des Guten, des Wahren und des damit Verwandten, so daß keine Aufnahme desselben und keine Gemeinschaft damit stattfindet. <HG 10490>
Getötet werden ist aber soviel als gehaßt werden, weil der, der haßt, fortwährend tötet, denn er hat nichts anderes im Sinn und will nichts anderes als töten, und er würde auch töten, wenn es die Gesetze nicht hinderten. Dies liegt im Haß verborgen, weshalb der, welcher den Nächsten haßt, im andern Leben, wo die äußern Bande weggenommen werden, fortwährend nach dem Mord des anderen strebt. Davon bin ich durch viele Erfahrung überzeugt worden. <EKO 137>
“So daß sie einander töten” bedeutet die Verfälschung oder Auslöschung der Wahrheiten. Dies erhellt aus der Bedeutung von töten, sofern es heißt, die Wahrheiten auslöschen, denn durch töten wird im Wort bezeichnet, geistig töten, d.i. das Geistige des Menschen oder seine Seele töten, und das ist die Wahrheiten auslöschen. Daß es auch verfälschen bedeutet, beruht darauf, daß die Wahrheiten, wenn sie verfälscht werden, auch ausgelöscht werden, denn durch die Verfälschung entsteht ein anderes Verständnis derselben. Das Wahre aber ist für einen jeden wahr, je nachdem er ein Verständnis davon hat, denn die Liebe und der Grundsatz (Prinzip), die im Menschen herrschen, ziehen alles zu sich herüber und passen es sich an, auch die Wahrheiten selbst. Wenn daher die Liebe eine böse ist und der Grundsatz ein falscher, alsdann werden die Wahrheiten vom Bösen der Liebe und vom Falschen des Grundsatzes angesteckt, und so ausgelöscht. Dieses nun
ist es, was hier bezeichnet wird dadurch, daß sie einander töten werden. <EKO 366>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 131 →
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