Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Alles, was des Herrn ist, wird dem Tage verglichen. <HG 21>
Der Tag wird für die Zeit selbst genommen, und weil der Tag für die Zeit steht, wird er auch für den Zustand derselben Zeit genommen. <HG 23>
Unter dem Tag wird das Gute verstanden. <HG 38>
Die Uralten verglichen die Zustände der Kirche den Zeiten des Tages und der Nacht. Die Zeiten des Tages, als sie noch im Lichte war, daher hier dem Hauch oder dem Wehen des Tages, als sie noch einigen Überrest von Innewerden hatten, aus dem sie wußten, daß sie gefallen seien. Auch der Herr nennt den Zustand des Glaubens Tag und den Zustand des Unglaubens Nacht. <HG 221>
Daß durch Tage bezeichnet werden Zeiten und Zustände im allgemeinen, ist 1.Mose 1. Kapitel gezeigt worden, wo die Schöpfungstage nichts anders bezeichnen. Es ist ganz gewöhnlich im Wort, jede Zeit Tag zu nennen, weshalb auch die Zustände der Zeiten im allgemeinen ebenfalls durch Tage bezeichnet werden; und wenn Jahre beigesetzt werden, dann werden durch die Zeiten der Jahre bezeichnet die so oder so beschaffenen Zustände, somit die Zustände im besonderen. <HG 487, 488, 493>
Die Liebtätigkeit wird auch dem Tage verglichen und wird auch Tag genannt. <HG 862>
Eine ganze Periode wird im Wort bezeichnet entweder durch einen Tag, oder durch eine Woche, oder durch einen Monat, oder durch ein Jahr, selbst wenn es eine wäre von hundert oder tausend Jahren, wie der Tag im ersten Kapitel im 1.Mose, durch den die Perioden der Wiedergeburt des Menschen der Ältesten Kirche bezeichnet worden sind; denn Tag und Jahr bedeuten nichts anderes im inneren Sinn, als eine Zeit, und weil eine Zeit bedeuten sie einen Zustand, daher Jahr für Zeit und Zustand hin und wieder im Worte genommen wird. <HG 893, 1335, 5292>
“Am Tage in einer Wolkensäule” bedeutet, daß der Zustand der Erleuchtung gemäßigt wurde durch das Dunkel des Wahren. Dies erhellt aus der Bedeutung von “am Tage”, insofern es den Zustand der Erleuchtung bezeichnet, denn die Tageszeiten, wie Morgen, Mittag, Abend und Nacht entsprechen den Erleuchtungen, die sich auf die Einsicht und die Weisheit im anderen Leben beziehen. Daher bedeutet Tag den Zustand der Erleuchtung oder des klaren Innewerdens, und Nacht den Zustand der Nichterleuchtung oder des dunklen Innewerdens. Und aus der Bedeutung der Wolke, insofern sie das Dunkle (oder Verdunklung) des Wahren bezeichnet, aus dem Grunde, weil die Wolke die Klarheit des Lichtes von der Sonne wegnimmt und auch mildert. <HG 8106>
“So daß der Tag während seines dritten Teils nicht schien, und die Nacht desgleichen” bedeutet, daß das Licht des geistig Wahren und das Licht des natürlich Wahren ganz ausgelöscht worden sei. Dies erhellt aus der Bedeutung des Tages, sofern er das geistige Licht bezeichnet, und aus der Bedeutung der Nacht, sofern sie das natürliche Licht bezeichnet. Dies wird bezeichnet, weil oben gesagt wurde, daß der dritte Teil der Sonne und der dritte Teil des Mondes und der dritte Teil der Sterne verfinstert wurden, und unter dem Tag das Licht der Sonne, unter der Nacht das Licht des Mondes und der Sterne verstanden wird, weil die Sonne Licht gibt bei Tag und der Mond und die Sterne Licht geben bei Nacht. Zuerst soll nun geredet werden vom Licht aus der Sonne, welches das Tageslicht genannt wird, und vom Licht aus dem Mond und den Sternen, welches das
Nachtlicht genannt wird. Unter dem Licht aus der Sonne, das man Tageslicht und Tag nennt, wird das geistige Licht verstanden, wie es die Engel haben, die den Herrn als Sonne sehen; aber unter dem Licht aus dem Mond und den Sternen, das man Nachtlicht und Nacht nennt, wird das natürliche Licht verstanden, wie es die Engel haben, die den Herrn als Mond schauen. Diejenigen Himmel schauen den Herrn als Sonne, die in der geistigen Neigung zum Wahren sind, d.h., die das Wahre lieben, weil es wahr ist; weil dieses geistig ist, darum ist das Licht, das vom Herrn als Sonne erscheint, ein geistiges. Diejenigen Himmel aber schauen den Herrn als Mond, die in der natürlichen Neigung zum Wahren sind, d.h., die das Wahre lieben, damit sie gelehrt werden und andere belehren können. Weil diese um ihres eigenen Nutzens willen es lieben und nicht um des Wahren selbst willen, darum sind sie in dem Lichte, das vom Herrn als Mond ausgeht. Dieses Licht unterscheidet sich von dem Licht, das vom Herrn als Sonne ausgeht, wie das Licht des Tages von der Sonne, und das Licht der Nacht vom Mond und von den Sternen in unserer Welt. Ebenso wie die Lichter unterscheiden sich auch die Wahrheiten bei ihnen aus dem Grund, weil das göttlich Wahre, das vom Herrn ausgeht, alles Licht in den Himmeln bewirkt. Daher sind diejenigen, die im geistigen Licht sind, in den echten Wahrheiten, und auch, wenn sie Wahrheiten hören, die sie vorher nicht gewußt hatten, erkennen sie diese sogleich an und sehen, daß sie wahr sind. Anders diejenigen, die im natürlichen Licht sind: wenn diese die Wahrheiten hören, so nehmen sie sie an, obwohl sie sie nicht sehen und innewerden, sondern weil sie von berühmten Männern, denen sie Glauben schenken, gesagt werden; daher sind die meisten von ihnen in einem Glauben von anderen her, aber dennoch in einem dem Glauben gemäßen Leben. In diese Himmel kommen alle, die gut gelebt haben, obwohl sie im Falschen der Lehre waren; aber dennoch wird bei ihnen das Falsche immerfort gereinigt, bis es zuletzt als wahr erscheint. <EKO 527>
“Und ihre Tore werden nicht geschlossen werden des Tages, denn Nacht wird nicht da sein” bedeutet, daß in das neue Jerusalem fortwährend die aufgenommen werden, die im Wahren aus dem Guten der Liebe vom Herrn sind, weil es hier keinen Glaubensirrtum gibt. Die Tore werden nicht geschlossen werden bei Tag bedeutet, daß immerfort zugelassen wird, wer hineingehen will. Bei Tag, bedeutet fortwährend oder immerfort, weil dort immer Licht ist. <EKO 1331>
Und ferner heißt es: “Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.” Was ist der “Abend”, und was ist hier der “Morgen”? - Der Abend ist hier derjenige Zustand, in dem sich die Vorbedingungen zur endlichen Aufnahme des Liebelebens aus Gott durch den Einfluß des allmächtigen Gotteswillens zu konstatieren und zu ergreifen anfangen, gleich den einzelnen Gedanken und Begriffen zu einer Idee. Sind diese einmal konstatiert bis zum letzten Ringe unter der Fruchtähre, so hat da die Verrichtung des Abends ein Ende, und es beginnt dann die freie
und selbständige Tätigkeit zur eigenen Sichselbstbildung in der Frucht. Wie die Menschen aber den Übergang der Nacht in den Tag den Morgen nennen, so auch ward entsprechend der Übergang des vorhergehenden gerichteten, unfreien Zustandes der Kreatur in den freien, selbständigen der Morgen genannt. Und sehet, da hat Moses durchaus keinen logischen Fehler begangen, so er aus dem Abende und aus dem Morgen den ersten und alle darauffolgenden Tage entstehen läßt! Daß Moses sechs solche Tage aus dem Abende und Morgen entstehen läßt, hat zum Grunde, weil nach sorglicher Beobachtung und Forschung ein jedes Ding von seinem Urbeginne bis zu seiner Vollendung als das, was es ist, genau im Wege ein und derselben göttlichen Ordnung die sechs Perioden durchzumachen hat, bis es als das, was es vorderhand sein soll, vollendet dasteht, gleich einer vollreifen Weizenähre am abgestorbenen Halme. Die Samenlegung ins Erdreich bis zum Erkeimen: erster Tag; von da die Bildung des Halmes und der Saug- und Schutzblätter: zweiter Tag von da die Bildung des letzten Ringes knapp unter dem sogleichen Ansatze der ersten Anlagen zur Bildung der Ähre: dritter Tag; von da die Bildung und Einrichtung der hülsenartigen Gefäße gleich den Brautgemächern zur Einzeugung des freien, selbständigen Lebens, wozu auch der Blütenstand zu nehmen ist: vierter Tag; von da der Abfall der Blüte, die Entstehung der eigentlichen, schon ein freies Leben tragenden Frucht und deren freie Tätigkeit - obschon noch im Verbande mit den früheren, unfreien Zuständen, aus denen noch ein Teil der Nahrung zur Bildung der Häute genommen wird, obschon von da die Hauptnahrung aus den Himmeln des Lichtes und der wahren Lebenswärme genommen wird - bis zur vollen Ausbildung der Frucht: fünfter Tag; endlich die gänzliche Ablösung der in der Hülse reif gewordenen Frucht, wo der Kern dann schon ganz allein zu seiner vollsten Konsolidierung und eben so allein und nun schon vollkommen selbständig die reine Kost der Himmel verlangt, sie annimmt und sich damit frei sättigt fürs freieste, ewig unzerstörbare Leben: sechster und letzter Tag zur Bildung und vollen Freiwerdung des Lebens. Am siebenten Tage tritt dann die Ruhe ein, und das ist der Zustand des nun fertigen, vollreifsten und für die Ewigkeit bestandfähig aus den früheren Zuständen konsolidierten Lebens, ausgerüstet mit der vollen Gottähnlichkeit. <JE II,221/3-6>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 5 →
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