Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Das Wahre, das beim Menschen ist ohne das Gute, ist ein Äußeres ohne ein Inneres, somit wie eine Schale ohne Kern. Dies läßt sich recht deutlich aus den Vorbildern im anderen Leben erkennen; in diesem stellen sich die Vorbildungen dar je nach den Zuständen des Inneren bei den Geistern, denn es sind Entsprechungen. Um die Geister her, die in den Wahrheiten sind aus dem Guten, erscheinen äußerst schöne Vorbilder, nämlich Häuser und Paläste, die von Gold und Edelsteinen strahlen, wie auch Gärten und Paradiese von unaussprechlicher Schönheit; dies alles vermöge der Entsprechung. Dagegen um die her, die in den Wahrheiten sind, aber nicht aus dem Guten, erscheinen nur steinige Orte, Klippen und Seen, und zuweilen Baumpflanzungen, aber reizlose und unfruchtbare; auch diese kraft der Entsprechung. Aber um
diejenigen her, die im Falschen sind aus dem Bösen, erscheinen Sümpfe, Kloaken und viele ungeheuerliche Dinge. Der Grund hiervon ist, weil alle Vorbilder dort äußere Dinge sind, in denen sich die Zustände des Inneren bildlich gestalten, denn nur in solcher Weise kann sich die geistige Welt dort sichtbar darstellen. Hieraus kann erhellen, was es heißt, auf das Gute gegründet werden. <HG 10194>
Nun aber richten wir unsere Augen wieder auf unseren Wanderer. - Sehet, da ist er schon; langsamen und behutsamen Schrittes schreitet er nunmal vorwärts, bei jedem Schritte den Boden prüfend, ob er wohl noch fest genug wäre ihn zu tragen; denn der Boden wird nun hie und da sumpfig und moorig, was da ein entsprechendes Zeichen ist, daß sich alle seine falsch begründeten Erkenntnisse bald in ein unergründliches Geheimnismeer münden werden; daher sie schon jetzt auf unterschiedliche Geheimnissümpfe in stets dichter werdender Dunkelheit stoßen; ein Zustand, der sich auf der Welt schon bei gar vielen Menschen dadurch kundgibt, daß sie, so ein Weiserer mit ihnen etwas vom Geistes- und Seelenleben nach dem Tode zu reden beginnt, sogleich mit dem Bedeuten davon abzulenken suchen: So 'was mache sie ganz verwirrt, verstimmt und traurig und melancholisch, und der Mensch würde, so er viel über derlei nachgrübeln möchte, am ehesten zu einem Narren. Diese Scheu ist nichts anderes als ein Auftritt des Geistes auf einen solchen Boden, der schon sehr sumpfig ist, und da niemand mehr den Mut hat, die unbestimmten Tiefen solcher Sümpfe mit seinem überaus kurzen Erkenntnismaßstabe zu bemessen, aus Furcht, bei solch einer Arbeit etwa gar ins Grundlose hinabzusinken! Sehet, der Boden, der unseren Mann trägt, fängt an stets gedehntere förmliche kleine Seen zu entwickeln, zwischen denen sich nur noch kleine und schmale, scheinbare Erdzungen durchschlängeln, entsprechend den hirngespinstischen Faseleien eines solchen erkenntnislosen Gottbekenners mit dem Munde, dessen Herz aber dennoch der purste Atheist ist! <BM 10/6-8>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 432 →
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