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stehlen – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Gestohlen sei es von mir” bedeutet, es wäre nicht sein. Stehlen heißt im inneren Sinn sich zueignen das, was des Herrn ist, nämlich das Gute und das Wahre, und weil im Anfang der Wiedergeburt solches alle tun, und dies der erste Zustand der Unschuld ist, darum ist es ein milderer Ausdruck,

als es im Buchstaben lautet; mithin bedeutet “gestohlen von mir”, es wäre nicht sein. <HG 4002>

“Was gestohlen ward bei Tag, und gestohlen bei Nacht” bedeutet, das Böse des eigenen Verdienstes auf gleiche Weise. Dies erhellt aus der Bedeutung von gestohlen oder Diebstahl, insofern es das Böse des Verdienstes bezeichnet. Das Böse des eigenen Verdienstes ist vorhanden, wenn der Mensch das Gute sich zuschreibt und glaubt, daß es von ihm stamme, und dadurch die Seligkeit verdienen will. Dieses Böse ist es, das im inneren Sinn bezeichnet wird durch Diebstahl. Mit diesem Bösen verhält es sich jedoch auf folgende Weise: Im Anfang glauben alle, die gebessert werden, das Gute sei aus ihnen, und deshalb auch, daß sie durch das Gute, das sie tun, die Seligkeit verdienen, denn die Meinung, daß man die Seligkeit verdiene durch das Gute, das man tut, kommt daher, daß die Menschen glauben, das Gute sei von ihnen; das eine hängt nämlich mit dem anderen zusammen. Diejenigen jedoch, die sich wiedergebären lassen, begründen dies nicht durch ihr Denken, und überreden sich nicht, daß es so sei, sondern es wird allmählich zerstreut; denn solange der Mensch im äußeren Menschen ist, wie es alle sind im Anfang ihrer Besserung, kann er nicht anders, als so denken; aber so denkt er nur vom äußeren Menschen aus. Wenn aber der äußere Mensch mit seinen Begierden entfernt wird, und der innere anfängt, tätig zu sein, d.h., wenn der Herr durch den inneren Menschen mit dem Lichte der Einsicht einfließt, und von da aus den äußeren Menschen erleuchtet, dann fängt er an, anderes zu glauben, und schreibt nicht sich das Gute zu, sondern dem Herrn. Hieraus erhellt, was das Böse des Verdienstes sei, das hier gemeint ist, und durch das ebenso Gutes entsteht, wie durch das Böse ohne Schuld, wovon im vorigen. Wenn dagegen der Mensch, wenn er in das reifere Alter kommt, jenes durch sein Denken begründet, und sich völlig davon überzeugt, daß er durch das Gute, das er tut, sich die Seligkeit verdiene, dann bleibt dieses Böse festgewurzelt, und kann nicht verbessert werden; denn solche maßen sich an, was des Herrn ist, und so nehmen sie nicht das Gute auf, das vom Herrn einfließt, sondern sobald es einfließt, leiten sie es sogleich in sich und in ihr Eigenes über, und verunreinigen es dadurch. Dieses Böse ist es, was im eigentlichen Sinne bezeichnet wird durch Diebstahl. <HG 4174>

“Denn gestohlen, ja gestohlen bin ich worden” bedeutet, das Himmlische sei durch das Böse entfremdet worden. Dies erhellt aus der vorbildlichen Bedeutung Josephs, der jene Worte von sich sagt, sofern er das Himmlische im Natürlichen bezeichnet, folglich das Himmlische daselbst; und aus der Bedeutung von gestohlen werden, sofern es heißt entfremdet werden durch das Böse; denn stehlen heißt entfremden, und Diebstahl bezeichnet das Böse, das entfremdet. Und es findet wirklich ein Diebstahl statt durch das Böse, das sich das, was dort ist, zueignet. Der Diebstahl bedeutet Entfremdung in Beziehung auf den Platz, den das Böse

einnimmt, aus diesem wirft es das Gute und Wahre hinaus und füllt ihn mit Bösem und Falschem an. Diebstahl bedeutet auch die Zueignung von fremdem Eigentum, insofern derselbe Gutes und Wahres, das in jenem Platz sich befindet, sich zuschreibt und zu dem seinigen macht, und auch zu Bösem und Falschem anwendet. Damit man wisse, was Diebstahl im geistigen Sinn ist, soll gesagt werden, wie es sich mit Bösem und Falschem verhält, wenn es eindringt und den Platz einnimmt, und auch wenn es sich Gutes und Wahres, was dort ist, zueignet. Von der Kindheit an bis zum Knabenalter und zuweilen bis zum ersten Jünglingsalter nimmt der Mensch Gutes und Wahres durch Unterricht von Eltern und Lehrern in sich auf, denn alsdann ergreift er es und glaubt es einfältiglich. Der Stand der Unschuld ist hierzu förderlich. Dann befestigt es der Mensch in seinem Gedächtnis, aber er legt es gleichsam auf der ersten Schwelle nieder, denn die kindliche und knabenhafte Unschuld ist noch keine innere Unschuld, die das Vernünftige anregt, sondern es ist eine äußere Unschuld, die bloß das äußere Natürliche anregt. Wenn aber der Mensch älter wird, und nicht wie früher aus den Eltern und Lehrern, sondern aus sich selber zu denken anfängt, dann nimmt er wieder vor, und wiederkaut gleichsam dasjenige, was er vorher gelernt und geglaubt hatte, und begründet es entweder, oder zweifelt daran, oder leugnet es. Wenn er es begründet, so ist es ein Zeichen, daß er im Guten ist, leugnet er es aber, so ist es ein Zeichen, daß er im Bösen ist. Zweifelt er aber daran, so ist es ein Zeichen, daß er bei zunehmendem Alter entweder zur Bejahung oder zur Verneinung kommt. Was der Mensch als Kind in der ersten Lebenszeit ergreift oder glaubt, und was er nachher entweder begründet, oder woran er zweifelt, oder was er leugnet, besteht hauptsächlich in folgenden Wahrheiten: Daß ein Gott ist, und Derselbe einer ist, daß Er alles geschaffen hat, daß Er diejenigen belohnt, die Gutes tun, und diejenigen bestraft, die Böses tun, daß es ein Leben nach dem Tode gibt, und daß die Bösen in die Hölle und die Guten in den Himmel kommen, somit daß es eine Hölle und einen Himmel gibt, daß das Leben nach dem Tod ewig ist, sodann, daß man täglich beten soll, und zwar in Demut, daß man den Sabbath heilig halten, die Eltern ehren, nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen soll, und dergleichen mehr; dies faßt der Mensch auf und dies wird ihm von Kind an eingeprägt. Wenn er aber anfängt, aus sich zu denken, und sich selbst zu bestimmen, und dann solches bei sich begründet, und noch mehreres dazu bringt, was noch inwendiger ist, und danach lebt, alsdann steht es gut mit ihm. Hingegen wenn er anfängt, es zu entkräften, und endlich zu leugnen, mag er dann immerhin um der bürgerlichen Gesetze und der gesellschaftlichen Verhältnisse willen im Äußeren danach leben, alsdann ist er im Bösen. Dieses Böse ist es, was durch Diebstahl bezeichnet wird, sofern dasselbe wie ein Dieb den Platz einnimmt, wo früher das Gute war, und sofern es bei mehreren Gutes und Wahres, das früher dort gewesen war, wegnimmt und zur Begründung von Bösem und Falschem anwendet. Der Herr entfernt alsdann, soweit es möglich ist, Gutes und Wahres der Kindheit von jenem Platz und zieht es einwärts und legt es im inneren Natürlichen zum künftigen Gebrauch nieder. Dieses im inneren Natürlichen

niedergelegte Gute und Wahre wird im Wort durch Überreste bezeichnet. Wenn aber das Böse daselbst Gutes und Wahres stiehlt, und es zur Begründung von Bösem und Falschem anwendet, hauptsächlich durch Arglist, dann verzehrt es jene Überreste; denn alsdann vermischt es Böses mit Gutem und Falsches mit Wahrem, so daß es nicht getrennt werden kann, und dann ist es um den Menschen geschehen. Daß durch Diebstahl solches bezeichnet wird, kann schon aus der Anwendung des Diebstahls auf das, was zum geistigen Leben gehört, erhellen: im geistigen Leben gibt es keine anderen Güter, als Erkenntnisse des Guten und Wahren, und keine anderen Besitztümer und Erbschaften, als die Beseligungen des Lebens, die aus dem Guten und hierdurch aus dem Wahren herkommen. Dieselben stehlen, ist ein Diebstahl im geistigen Sinn; deshalb wird durch Diebstähle im Wort nichts anderes im inneren Sinn bezeichnet. <HG 5135>

“Du sollst nicht stehlen” bedeutet, daß man niemanden seiner geistigen Güter berauben, und nicht sich zuschreiben soll, was dem Herrn angehört. Dies erhellt aus der Bedeutung von stehlen, insofern es heißt, jemanden seine geistigen Güter nehmen. Dies wird aber durch stehlen bezeichnet, weil Reichtümer und Schätze im geistigen Sinn Erkenntnisse des Guten und Wahren bedeuten, und im allgemeinen alles, was zum Glauben und zur Liebtätigkeit gehört, d.h. was Sache des geistigen Lebens beim Menschen ist. Deshalb bedeutet stehlen im geistigen Sinne, jemand dieser Güter berauben. Und weil alle geistigen Güter, d.h. das Ganze des Glaubens und der Liebtätigkeit einzig vom Herrn stammt, und gar nichts vom Menschen, so wird durch stehlen auch bezeichnet, sich das zuschreiben, was Eigentum des Herrn ist. <HG 8906>

“Und wer einen Mann stiehlt und ihn verkauft” bedeutet die Anwendung des Glaubenswahren zum Bösen und die Entfremdung. Dies erhellt aus der Bedeutung von “einen Mann stehlen”, insofern es die Anwendung des Glaubenswahren zum Bösen bezeichnet. Daß der Mann, hier der Mann aus den Söhnen Israels, das Glaubenswahre bedeutet; und daß stehlen die Anwendung desselben zum Bösen bezeichnet. Und aus der Bedeutung von verkaufen, insofern es eine Entfremdung bezeichnet. <HG 9018>

“Noch für ihre Diebereien” bedeutet, von der Entwendung der Erkenntnisse des Wahren und Guten, und so der Mittel, womit man sich ein geistiges Leben verschafft. Dies erhellt aus der Bedeutung von Diebstahl und stehlen, sofern es heißt, einem die Erkenntnisse des Guten und Wahren rauben, die als Mittel dienen, sich geistiges Leben zu verschaffen. Daß Diebstahl und stehlen dieses bedeuten, kommt daher, weil durch Schätze, Kleider und Gerätschaften und mehreres, was die Diebe wegnehmen, die Erkenntnisse des Wahren und Guten bezeichnet werden; daher ist geistiger Diebstahl oder Diebstahl im geistigen Sinn, diese wegnehmen, wie der natürliche Diebstahl

oder im natürlichen Sinn ist, jene wegnehmen. Daß dieses durch Diebstahl bezeichnet wird, kann daraus erhellen, daß in diesem Vers insbesondere von der Auslöschung des geistigen Lebens bei anderen gehandelt wird, und das geistige Leben ausgelöscht wird durch Verkehrungen des Guten und durch Verfälschungen des Wahren, wie auch durch Beraubungen der Erkenntnisse des Wahren und Guten, durch die das geistige Leben erworben wird, und dieses und jenes ist es, was durch Menschenmorde, Zaubereien, Hurereien und Diebereien bezeichnet wird, wie bis jetzt gezeigt wurde. <EKO 591>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 371 →

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