Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Diejenigen, die in den ältesten Zeiten lebten, bezeichneten das, was Sache des Verstandes ist, und was Sache des Willens ist, durch Tiere; daher wird bei den Propheten und allenthalben im Worte des Alten Testaments ähnliches durch die Gattung der Tiere vorgebildet. Die Tiere sind von zweierlei Art; es sind böse, weil sie schädlich, und es sind gute, weil sie sanft sind; was böse ist im Menschen wurde durch solcherlei Tiere bezeichnet, wie durch Bären, Wölfe, Hunde; das Gute und Sanfte, auch durch solcherlei Tiere, wie durch Stiere, Schafe und Lämmer; die Tiere (weil hier von denen gehandelt wird, die wiedergeboren werden sollen, so sind es gute und sanfte) bedeuten die Neigungen; die, welche niedriger sind und mehr vom Körper an sich haben, werden genannt wilde Tiere jener Erde, und sind Begierden und Wollüste. <HG 45>
Schafe bedeuten im Worte Triebe zum Guten, Liebtätigkeit und was zur Liebtätigkeit gehört; eine ähnliche Bedeutung haben die Schafe bei den Opfern: Schafe werden alle genannt, die mit dem Guten der Liebtätigkeit, das ist dem geistig und natürlich Guten begabt sind, daher heißt der Herr der Hirt der Schafe, und die mit tätiger Liebe begabt sind, werden Schafe genannt, wie jedem bekannt sind. <HG 294>
Schafe sind Besitztümer des äußeren Menschen und bedeuten das Gute. Im entgegengesetzten Sinn bezeichnet das Schaf das Nicht-Gute. <HG 1565>
Schafe werden diejenigen innerhalb der Kirche genannt, die wahrhaft vernünftig sind, d.h. innerliche Menschen. Daher kommt, daß durch die Schafe abstrakt genommen, auch das vernunftmäßige oder innerliche Gute selbst bezeichnet wird. <HG 2566 >
Schafe, sofern sie das Gute bezeichnen und auch diejenigen, die im Guten sind. Unter des Guten schlechthin versteht man das Gute des Willens, unter dem Guten des Wahren aber das Gute der Einsicht; das Gute des Willens ist, aus dem Guten heraus das Gute tun; das Gute aber der Einsicht ist, aus dem Wahren das Gute tun. Diese beiden erscheinen denen, die das Gute aus dem Wahren tun, als ob sie eins wären; gleichwohl aber sind sie unter sich sehr verschieden; denn das Gute aus dem Guten tun heißt, es aus dem Innewerden des Guten tun; das Innewerden des Guten aber findet sich nirgends als bei den Himmlischen; aber das Gute aus dem Wahren tun heißt, es aus der Erkenntnis und infolgedessen aus der Einsicht tun, aber ohne ein Innewerden, daß es wirklich so sei, und nur weil man so belehrt worden ist von anderen, oder aus sich selbst durch sein Verstandesvermögen geschlossen hat, daß es so sei. Dies kann zwar auch ein irrtümlich Wahres sein, dennoch aber, wenn es Gutes zum Zweck hat, wird das, was man aus diesem Wahren tut, als etwas Gutes getan. <HG 4169>
Schafe, sofern sie das innere Gute bezeichnen. Das Kleinvieh bedeutet das innere Gute, weil zu diesem die Lämmer, Schafe, Böcke, Ziegen, Widder und Ziegenböcke gehören, wodurch solches bezeichnet wird, was der Unschuld und der himmlischen und geistigen Liebe im inneren Menschen angehört. <HG 8937, 5913>
“Oder Schaf” bedeutet, vom inneren Wahren und Guten. Dies erhellt aus der Bedeutung des Schafes, sofern es das geistige Wahre und Gute bezeichnet, somit das innere Wahre und Gute. Im Wort ist bald von Herden, bald von Schafen die Rede, und im inneren Sinn wird durch Herden das innere Gute und das daher stammende Wahre bezeichnet, aber durch Schafe wird das innere Wahre und das daher stammende Gute bezeichnet. Was aber für ein Unterschied zwischen demselben stattfindet, kann man nicht erkennen, wenn man nicht weiß, wie es sich mit den zwei Zuständen des Menschen, vor und nach der Wiedergeburt verhält. Der vorhergehende Zustand ist es, wenn er durch Wahrheiten des Glaubens zum Guten der Liebtätigkeit geführt wird, der nachfolgende Zustand aber ist es, wenn er im Guten der Liebtätigkeit ist, und daher auch in den Wahrheiten des Glaubens. Durch den vorhergehenden Zustand wird der Mensch in die Kirche eingeführt, auf daß er eine Kirche werde, und wenn er eine Kirche geworden ist, dann ist er im nachfolgenden Zustand. Das Gute und Wahre bei ihm im nachfolgenden Zustand wird bezeichnet durch diese Herden, aber das Wahre und Gute bei ihm im vorhergehenden Zustand wird bezeichnet durch Schafe. Daher kommt es, daß hier das Wahre an erster Stelle genannt wird, und das Gute an zweiter. <HG 9135>
“Und der dritte Teil der Geschöpfe im Meer, die Seelen hatten, starb” bedeutet, daß dadurch alles lebendige Wißtümliche im natürlichen Menschen zugrunde ging. Dies erhellt aus der Bedeutung von sterben, sofern es heißt, geistig oder in Ansehung des Lebens aus dem Himmel zugrunde gehen; aus der Bedeutung des
dritten Teils, sofern er das Ganze bezeichnet; aus der Bedeutung der Geschöpfe im Meer oder der Fische, sofern sie das Wißtümliche bezeichnen, worüber folgt; und aus der Bedeutung von “Seelen haben”, sofern es heißt, lebendig sein. Daher wird durch: es starb der dritte Teil der Geschöpfe im Meer, die Seelen hatten, bezeichnet, daß dadurch alles lebendige Wißtümliche zugrunde gegangen sei. Unter dem lebendigen Wißtümlichen wird das Wißtümliche verstanden, das von der geistigen Neigung Leben hat, denn diese Neigung gibt den Wahrheiten Leben und daher auch Leben dem Wißtümlichen, denn das Wißtümliche ist der Behälter geistiger Wahrheiten. Daß die Geschöpfe des Meeres, oder die Fische Wißtümliches bedeuten, beruht darauf, daß das Meer den natürlichen Menschen bedeutet, daher bedeuten die Fische im Meer das Wißtümliche selbst, das im natürlichen Menschen ist. Daß die Fische dieses bedeuten, beruht auch auf der Entsprechung; denn die Geister, die nicht in geistigen Wahrheiten sind, sondern nur in natürlichen, die Wißtümliches sind, erscheinen in der geistigen Welt in Meeren, wenn sie von denen, die oben sind, gesehen werden, wie Fische; nämlich die Gedanken, die aus dem Wißtümlichen bei ihnen hervorkommen, sind es, die so erscheinen; denn alle Denkvorstellungen der Engel und Geister verwandeln sich in verschiedene Vorbilder außerhalb ihrer. Wenn in solche, die dem Pflanzenreich angehören, so verwandeln sie sich in Bäume und Gesträuche verschiedener Gattung, wenn aber in solche, die dem Tierreich angehören, so verwandeln sie sich in Tiere der Erde und in Vögel verschiedener Gattung; aber wenn die Gedanken der Engel des Himmel sich als Tiere der Erde darstellen, so verwandeln sie sich in Lämmer, Schafe, Ziegen, junge Stiere, Pferde, Maultiere und in andere dergleichen; wenn aber als Vögel, dann verwandeln sie sich in Turteltauben, Tauben und mehrere Arten von Vögeln, die schön sind. Dagegen die Denkvorstellungen derer, die natürlich sind, und aus bloß Wißtümlichem denken, verwandeln sich in Formen von Fischen. Es erscheinen daher auch wirklich in den Meeren mehrere Arten von Fischen, die auch ich mehrmals sehen durfte. Daher kommt es, daß durch Fische im Wort das Wißtümliche bezeichnet wird, wie in mehreren Stellen im Wort. <EKO 513>
“Und Rindvieh und Schafe” bedeutet die Entweihung des Gottesdienstes aus dem Wahren und Guten, das aus dem natürlich Geistigem stammt. Dies erhellt aus der Bedeutung von Rindvieh, insofern es das Wahre bezeichnet, das auf tätige Liebe gerichtet ist; und aus der Bedeutung der Schafe, insofern sie das Gute der tätigen Liebe bezeichnen. Durch Schafe werden diejenigen bezeichnet, die im Guten der Liebtätigkeit sind, und daher im abgezogenen Sinn das Gute der Liebtätigkeit. Durch das Rindvieh aber wird das Wahre bezeichnet, welches das Gute der tätigen Liebe bezweckt, und besonders werden hier die Esel verstanden, die zum Reiten dienten und auch Lasten trugen, und dadurch wird solches bezeichnet, was Nutzen bringt und sich auf den Unterricht bezieht.
Es wird gesagt, daß durch Rindvieh und Schafe das Wahre und Gute bezeichnet wird, das aus dem geistig Natürlichen stammt, weil das Wahre und Gute verstanden wird, wie es bei denen ist, die in der äußeren Kirche des Herrn sind, und daher im ersten oder untersten Himmel; diese sind zwar natürlich, nehmen aber doch das Geistige auf, deshalb werden sie geistig Natürliche genannt. Hier wird, wie bei den anderen Stellen verstanden, daß der Gottesdienst aus diesem Wahren und Guten entweiht worden sei. <EKO 1154>
Seht nun, unser Mann geht in seiner Bauernkleidung mit einem ziemlich voluminösen Buche unter dem Arme hinaus, allwo ihm die Herde gezeigt wurde, die sich in der Entfernung - d.h. geistiger Entfernung - der Erscheinlichkeit nach wirklich als Schafe und Lämmer ausnahm; in der geistigen Nähe aber nur aus lauter frommen und sanftmütigen Menschen bestand, und zwar zumeist aus weiblichen Seelen, die auf der Welt so recht kreuzfromm gelebet haben, aber dabei auf die römische Geistlichkeit doch bei weitem größere Stücke hielten, denn auf Mich, den Herrn, da sie Mich nicht kannten und jetzt auch noch nicht erkennen; daher sie denn in einiger geistigen Ferne sich noch jetzt als Tiere sanftester Art ausnehmen. <BM 6/1>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 75 →
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