Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
In Syrien, woher Abram war, waren Überreste der Alten Kirche geblieben, und dort hatten mehrere Familien einen Gottesdienst beibehalten, wie dies an Eber erhellt, der von daher war, und woher die hebräische Völkerschaft stammte, und ebenso hatten sie auch den Namen Jehovahs beibehalten, und an Bileam, der ebenfalls aus Syrien war, und Opfer darbrachte, und Jehovah seinen Gott nannte. Hingegen das Haus Therachs, des Vaters Abrams und Nachors, nicht also. Dieses war dort unter den Familien der Heiden, die nicht allein den Namen Jehovahs verloren hatten, sondern auch anderen Göttern dienten, und statt Jehovah den Schaddai verehrten, den sie ihren Gott nannten. Abraham war in seiner Jugend ein Götzendiener und verehrte den Gott Schaddai. Daß der Herr ihnen zuerst unter dem Namen Schaddai vorgestellt werden wollte, geschah darum, weil der Herr nicht plötzlich, noch weniger im Augenblick, den jemanden von Kindheit an eingepflanzten Gottesdienst zerstören will, denn das hieße die Wurzel ausraufen, und so das tief eingeprägte Heilige der Anbetung und des Gottesdienstes zerstören, das der Herr niemals bricht, sondern lenkt. Das von Kindheit an eingewurzelte Heilige hat das an sich, daß es keine Gewalt leidet, sondern nur ein sanftes und mildes Lenken. Das gleiche geschieht mit den Heiden, die bei Leibesleben Götzen verehrt, und doch in tätiger Liebe zueinander gelebt hatten. Das Heilige ihres Gottesdienstes wird, weil es von ihrer Kindheit her eingewurzelt ist, im anderen Leben nicht augenblicklich abgetan, sondern allmählich; denn solchen, die in tätiger Liebe gegeneinander gelebt haben, kann Gutes und Wahres des Glaubens leicht eingepflanzt werden, das sie dann nachher mit Freuden aufnehmen; denn die Liebtätigkeit ist der eigentliche Boden: so geschah es mit Abraham, Jischak, und Jakob, daß nämlich der Herr duldete, daß sie den Namen des Gottes Schaddai behielten, ja, daß Er sogar so weit ging, zu sagen, Er sei der Gott Schaddai; und zwar dies wegen dessen Bedeutung: die Ausleger geben Schaddai wieder durch den Allmächtigen, andere durch den
Blitzenden; allein eigentlich bedeutet er den Versucher, und den nach den Versuchungen Wohltuenden, wie dies bei Hiob erhellt, der, weil er in Versuchungen war, seiner so oft gedenkt. Das Wort Schaddai bedeutet Verwüstung, somit Versuchung, denn die Versuchung ist eine Art von Verwüstung; weil es aber seinen Ursprung von den Völkerschaften in Syrien her hat, so heißt Er nicht Elohim Schaddai, sondern El Schaddai, und bei Hiob nur Schaddai, und El oder Gott wird besonders genannt. Weil nach den Versuchungen Trost kommt, so schrieben sie ebendemselben Schaddai auch das Gute zu, das daraus entsteht, wie bei Hiob; sodann das Verständnis des Wahren, das ebenfalls daraus kommt; und weil Er so für den Gott des Wahren gehalten wurde (denn Verwüstung, Versuchung, Züchtigung und Schelten, ist durchaus nicht Sache des Guten, sondern des Wahren); und weil dem Abraham, Jischak und Jakob durch ihn der Herr vorgestellt wurde, so wurde der Name beibehalten, auch bei den Propheten, bei denen jedoch unter Schaddai das Wahre verstanden wird. Der Schaddai-Dienst hatte bei ihnen seinen Entstehungsgrund darin, daß, wie bei einer gewissen Völkerschaft, von der vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden die Rede sein soll, wie auch bei den Angehörigen der Alten Kirche, öfter Geister gehört wurden, die schalten, sodann auch solche, die nachher trösteten; die Geister, die schalten, vernahm man zur linken Seite unter dem Arm; Engel waren dann vom Haupt aus zugegen, welche die Geister regierten, und das Schelten mäßigten; und weil sie meinten, daß alles, was durch die Geister ihnen gesagt wurde, göttlich sei, nannten sie jenen scheltenden Geist Schaddai; und weil er nachher auch tröstete, Gott Schaddai. Zu jener Zeit waren sie, wie auch die Juden, weil sie den inneren Sinn des Wortes nicht verstanden, der Religionsansicht, daß alles Böse, somit alle Versuchung ebensowohl von Gott komme, als alles Gute, somit aller Trost. <HG 1992>
Daß der Gott Schaddai bedeutet Versuchungen, kommt daher, weil man in den alten Zeiten den höchsten Gott oder den Herrn mit verschiedenen Namen bezeichnete, und zwar nach Seinen Eigenschaften, und nach dem Guten, das von Ihm, und auch nach dem Wahren, dessen vielerlei gibt, wie ein jeder weiß. Die Angehörigen der Alten Kirche verstanden unter all jenen Benennungen nur einen Gott, nämlich den Herrn, den sie Jehovah nannten. Hingegen nachdem die Kirche vom Guten und Wahren abgekommen, und zugleich von jener Weisheit, da fing man an, ebenso viele Götter zu verehren, als Benennungen des einen Gottes waren, bis daß eine jede Völkerschaft, und zuletzt eine jede Familie einen von ihnen als ihren Gott anerkannte. Ebendaher gab es so viele Götter, die auch hie und da im Wort genannt werden. Das gleiche geschah in der Familie Therachs, des Vaters Abrahams, und auch im Hause Abrahams selbst. Diese verehrten andere Götter hauptsächlich den Gott Schaddai. <HG 3667>
Gott Schaddai, insofern es die Versuchung bezeichnet und den Trost nach derselben, denn Jehovah oder der Herr war von den Alten Gott Schaddai genannt
worden in Beziehung auf die Versuchungen und auf den Trost nach denselben: daher kommt es, daß der Gott Schaddai den vorübergegangenen Zustand der Versuchung bezeichnet, und nun den göttlichen Trost. <HG 4572>
Gott Schaddai bedeutet Trost nach harten Prüfungen. Dies erhellt aus der Bedeutung von Schaddai, sofern er die Versuchung, und nach der Versuchung den Trost bezeichnet; daher hier Trost nach harten Prüfungen, die sie in Ägypten erduldet haben. Daß es Trost nach harten Prüfungen ist, wird auch aus den Worten klar, die unmittelbar darauf folgen: “er gebe euch Barmherzigkeit (oder Gnade) vor dem Manne”. Daß Schaddai die Versuchung und nach der Versuchung den Trost bedeutet, hat den Grund, weil die Alten den einigen Gott mit verschiedenen Namen bezeichnet haben, je nach den verschiedenen von Ihm ausgehenden Wirkungen; und weil sie glaubten, daß auch die Versuchungen von Ihm herkämen, nannten sie Gott alsdann Schaddai, verstanden aber unter diesem Namen keinen anderen Gott, sondern den einigen in betreff der Versuchungen. Als es aber mit der Alten Kirche abwärts ging, fingen sie an, so viele Götter zu verehren, als es Namen des einigen Gottes gab, und taten auch von sich aus noch mehrere dazu. Hiermit kam es am Ende so weit, daß eine jede Familie ihren Gott hatte, und daß sie ihn ganz unterschieden von den übrigen Göttern, die von anderen verehrt wurden. Die Familie Therach, von der Abraham abstammte, verehrte als ihren Gott den Schaddai, daher wurde er nicht allein von Abraham, sondern auch von Jakob als sein Gott anerkannt, und zwar auch im Lande Kanaan. Damit sie aber nicht in betreff ihrer Religion genötigt würden, denn niemand wird in betreff seines Gottesdienstes genötigt, wurde ihnen dieses zugelassen. Weil aber von den Alten unter jenem Namen Jehovah oder der Herr selbst verstanden wurde, und Er so genannt wurde, wenn sie Versuchungen bestanden, darum nahm Jehovah oder der Herr diesen Namen an bei Abraham. Daß nicht nur die Versuchung, sondern auch der Trost durch Schaddai bezeichnet wird, hat den Grund, weil nach allen geistigen Versuchungen wieder Trost folgt. Davon durfte ich (Swedenborg) mich aus Erfahrung im anderen Leben überzeugen, denn wenn dort jemand von bösen Geistern Hartes erduldet, durch Anfechtungen, Anreizungen zu Bösem und Beredungen zu Falschem, so wird derselbe hernach, wenn die bösen Geister entfernt sind, von den Engeln aufgenommen, und in den Zustand des Trostes durch einen seiner Sinnesart angemessenen Lustreiz versetzt. <HG 5628>
“Und mit Schaddai” bedeutet den Herrn als Wohltäter nach den Versuchungen. Dies erhellt aus der Bedeutung von Schaddai, insofern der Herr so genannt worden in bezug auf die Versuchungen und auf die Wohltaten nach den Versuchungen. <HG 6429>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 72 →
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