Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Meinen Bogen habe Ich gegeben in der Wolke” bedeutet den Zustand des wiedergeborenen geistigen Menschen, der einem Regenbogen gleicht. Jeder kann sich wundern, daß der Bogen in der Wolke oder der Regenbogen, im Worte für ein Bundeszeichen genommen wird, da doch der Regenbogen nichts anders ist, als etwas, was aus der Modifikation der Lichtstrahlen von der Sonne
in den Wassertropfen des Regens stets hervorgeht, und nichts anderes als etwas Natürliches ist, und nicht wie die anderen Bundeszeichen in der Kirche, von denen kurz zuvor die Rede war. Daß aber der Bogen in der Wolke die Wiedergeburt vorbildet, und den Zustand des wiedergeborenen geistigen Menschen bezeichnet, kann keinem bekannt sein, dem nicht vergönnt worden ist zu sehen, und infolgedessen zu wissen, wie sich die Sache verhält. Wenn die geistigen Engel, die alle waren wiedergeborene Menschen der geistigen Kirche, im anderen Leben, dem Anblicke als solche dargestellt werden, so erscheint um ihr Haupt her, wie ein Regenbogen; aber die Regenbogen, die erscheinen, verhalten sich ganz ihrem Zustande gemäß und daran wird dann auch im Himmel und in der Geisterwelt erkannt, wie sie beschaffen sind: der Grund, warum das Bild eines Regenbogens erscheint, ist der, daß ihr dem Geistigen entsprechendes Natürliches einen solchen Anblick gewährt, es ist die Modifikation des geistigen Lichtes vom Herrn, in ihrem Natürlichen. Diese Engel sind es, welche heißen wiedergeboren mit Wasser und Geist, die himmlischen Engel aber wiedergeboren mit Feuer. Im Natürlichen verhält es sich so: Wenn eine Farbe entstehen soll, muß etwas Dunkles und etwas Helles, oder Schwarz und Weiß da sein, wenn in diese die Lichtstrahlen aus der Sonne einfallen, so entstehen je nach der verschiedenen Mischung von Dunkel und Hell, oder von Schwarz und Weiß infolge der Brechung der einfließenden Lichtstrahlen, Farben, deren einige mehr oder weniger vom Dunkeln und Schwarzen haben, andere mehr oder weniger vom Hellen und Weißen, daher ihre Verschiedenheit. In gleicher Weise verhält es sich im Geistigen, das Dunkle ist hier das Eigenverständige oder Falsche, und das Schwarze ist das Eigenwillige des Menschen oder das Böse, das die Lichtstrahlen einsaugt und auslöscht. Dagegen das Helle und Weiße ist das Wahre und Gute, das der Mensch meint aus sich selbst zu tun, das die Sonnenstrahlen von sich reflektiert und zurückwirft. Die Lichtstrahlen, die in dasselbe einfallen, und sie gleichsam modifizieren, sind vom Herrn, als von der Sonne der Weisheit und Einsicht, denn die Strahlen des geistigen Lichtes sind keine anderen und nicht anderwärts her. Weil das Natürliche dem Geistigen entspricht, darum erscheint um den wiedergeborenen geistigen Menschen her im anderen Leben, wenn es so sich sichtbar darstellt, etwas einem Bogen in der Wolke Ähnliches, welcher Bogen die Vorbildung des Geistigen in dessen Natürlichem ist. Beim wiedergeborenen geistigen Menschen ist es das Eigenverständige, dem der Herr einflößt Unschuld, Liebtätigkeit und Barmherzigkeit; gemäß der Annahme dieser Gaben vom Menschen erscheint sein Regenbogen, wenn er sich sichtbar darstellt, um so schöner, je mehr das Eigenwillige des Menschen entfernt, unterworfen und zum Gehorsam gebracht ist. <HG 1042, 868>
Daß die Wolke das dunkle Licht bedeutet, in dem der geistige Mensch im Vergleich mit dem himmlischen ist, kann aus demjenigen erhellen, was über den Bogen soeben gesagt worden ist. Denn der Bogen oder die Farbe des Bogens existiert nirgends als in der Wolke, das Dunkle selbst, durch das die Sonnenstrahlen
durchschimmern, ist es, das sich in Farben verwandelt, somit wie das Dunkel, das vom Strahlenschimmer durchdrungen wird, so die Farbe. Ebenso verhält es sich beim geistigen Menschen: das Dunkle bei ihm, das hier Wolke genannt wird, ist das Falsche, welches dasselbe ist, was sein Eigenverständiges. Wird diesem Eigenen Unschuld, Liebtätigkeit und Barmherzigkeit vom Herrn eingeflößt, dann erscheint diese Wolke nicht mehr als Falsches, sondern als die Erscheinung des Wahren zusammen mit dem Wahren aus dem Herrn, daher das Bild eines gefärbten Bogens. Es ist eine gewisse geistige Modifikation, die gar nicht beschrieben werden kann, und wenn sie nicht vom Menschen wahrgenommen wird an den Farben und ihren Entstehungen, so glaube ich (Swedenborg) nicht, daß sie der Fassungskraft gemäß erklärt werden kann. Wie diese Wolke beim wiedergeborenen Menschen beschaffen ist, kann aus seinem Zustand vor der Wiedergeburt erhellen: der Mensch wird wiedergeboren durch das, was er für Glaubenswahres hält; jeder hält sein Dogma für wahr, dadurch empfängt er ein Gewissen; nachdem er daher ein Gewissen empfangen hat, ist ihm das Handeln gegen das, was ihm als Glaubenswahres eingeprägt worden ist, gegen das Gewissen; von dieser Art ist jeder Wiedergeborene; denn es werden vom Herrn viele von jedem Bekenntnisse wiedergeboren, und wenn sie wiedergeboren sind, so empfangen sie alsdann keine unmittelbare Offenbarung, außer was ihnen beigebracht wird durch das Wort und die Predigt des Wortes. Weil sie aber Liebtätigkeit empfangen, so wirkt der Herr durch die Liebtätigkeit in ihre Wolke ein, daraus ersteht ein Licht, wie wenn die Sonne eine Wolke durchdringt, die dadurch lichter wird und bunte Farben erhält; so auch entsteht in der Wolke die Ähnlichkeit eines Bogens. Je dünner nun die Wolke ist, d.h. aus je mehreren untermischten Glaubenswahrheiten sie besteht, desto schöner ist der Bogen; dagegen je dichter diese Wolke ist, d.h. aus je wenigeren Glaubenswahrheiten sie besteht, desto unschöner der Bogen; die Unschuld bringt viel Schönheit hinzu, es ist von derselben gleichsam ein lebendiger Glanz in den Farben. Alle Scheinbarkeiten des Wahren sind Wolken, in denen der Mensch ist, wenn er im Buchstabensinne des Wortes ist, denn im Worte ist nach Scheinbarkeiten geredet; wenn er aber dem Worte einfältig glaubt (obwohl er in den Scheinbarkeiten bleibt), und dabei Liebtätigkeit hat, so ist diese Wolke verhältnismäßig dünn; in dieser Wolke wird vom Herrn das Gewissen beim Menschen innerhalb der Kirche gebildet. Alle Unkenntnisse des Wahren sind auch Wolken, in denen der Mensch ist, wenn er nicht weiß, was das Wahre des Glaubens, im allgemeinen, wenn er nicht weiß, was das Wort ist, und noch mehr, wenn er nichts vom Herrn gehört hat; in dieser Wolke wird vom Herrn ein Gewissen beim Menschen außerhalb der Kirche gebildet; denn in der Unwissenheit selbst kann Unschuld, und so Liebtätigkeit sein. Alle Falschheiten sind auch Wolken, aber diese Wolken sind Finsternisse, welche bei denen, die entweder ein falsches Gewissen haben, wovon früher, oder bei denen, die keines haben. Dies sind im allgemeinen die Qualitäten der Wolke. Was die Quantität betrifft, so sind so große Wolken beim Menschen, und so dichte,
daß er, wenn er es wüßte, sich verwundern würde, daß je die Lichtstrahlen vom Herrn durchscheinen können, und daß der Mensch wiedergeboren werden kann. <HG 1043>
Daß der Regenbogen das inwendige göttlich Wahre bedeutet, wie es das Wort im geistigen Sinn ist, beruht darauf, daß das Licht des Himmels, ebenso wie das Licht der Welt, je nachdem es auf Gegenstände fällt und darin modifiziert wird, Farbenspiele und auch Regenbogen erzeugt. Diese habe auch ich einigemal im Engelshimmel sehen dürfen. Aber die Regenbogen, die im Engelshimmel erscheinen, unterscheiden sich von den Regenbogen, die in der Welt erscheinen dadurch, daß die Regenbogen des Himmels aus geistigem Ursprung sind, dagegen die Regenbogen der Welt aus natürlichem Ursprung; denn die Regenbogen des Himmels sind aus dem Licht, das vom Herrn, als der Sonne, herkommt, und weil diese Sonne in ihrem Wesen die göttliche Liebe des Herrn und das Licht daraus das göttlich Wahre ist, deshalb bedeuten die Lichtwechsel, die sich als Regenbogen darstellen, verschiedene Gestaltungen der Einsicht und Weisheit bei den Engeln. Dies ist der Grund, warum die Regenbogen dort die Form und Schönheit des geistig göttlich Wahren bedeuten. Hingegen die Regenbogen der Welt sind aus natürlichem Ursprung, nämlich von der Sonne der Welt und ihrem Licht, und daher sind sie bloß Modifikationen und daher Wechsel des Lichts, die durch die Wasser, die aus der Wolke herabfließen, bewirkt werden. Und weil gleiche Farbenerscheinungen in der geistigen Welt stattfinden wie in der natürlichen Welt, und weil sie entsprechen, darum wird durch die Regenbogen der Welt gleiches bezeichnet, was durch die Regenbogen des Himmels, nämlich geistig göttliche Wahrheiten in ihrer Form und Schönheit. Diese Wahrheiten sind von solcher Art, wie es die Wahrheiten des Wortes sind im geistigen Sinn.<EKO 595>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 378 →
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