Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Die Geister essen und trinken auch hier und verrichten daher auch ihre Notdurft. So besagt das Essen und Trinken die Aufnahme des göttlich Guten und göttlich Wahren. Was besagt denn die der naturmäßigen ähnliche geistige “Notdurftverrichtung” der Geister? Was besagt denn die naturmäßige? Sie besagt nichts anderes, als die Hinwegschaffung der formellen Äußerlichkeit, wenn diese als Trägerin lebenhaltender Substanzen eben diese Substanzen abgegeben hat. Nun sehet, das Leben kann
sich unmöglich anders manifestieren und kundgeben als nur unter einer ihm entsprechenden Form. Diese Form entspricht aller äußeren häutigen Umfassung der Dinge. Sind auch diese Früchte, die ihr hier sehet, nichts als lauter lebendige Entsprechungen ursprünglich der Liebe und Weisheit des Herrn, - und dann aber, wie hier erscheinlich, auch Entsprechungen vom Glaubenswahren und Liebtätigkeitsguten, so können sie dennoch nicht ohne erscheinliche Form dargestellt werden, so wenig als ein Gedanke ohne Wort darstellbar ist. Wenn ihr demnach Worte höret, so esset ihr geistige Früchte; die Worte als Formen werden von euch gar bald wieder geistig hinweggeschafft, aber der Sinn der Worte bleibt in euch. Sehet, solches entspricht völlig dieser geistige Notdurftverrichtung. Die Formen sind die Träger des Lebendigen. Da aber das Lebendige pur Göttliches ist und somit das Allerinwendigste und sonach allerreinst Geistige, daher kann es auch von keinem äußeren Geiste ganz rein für sich aufgenommen werden. Darum erschafft der Herr dann entsprechende Liebformen, welche da Träger sind Seines Lebens. Wollen wir demnach dieses Leben in uns aufnehmen, so müssen wir es samt der Form aufnehmen. In uns erst wird die Form als der Lebensträger zerstört; das Leben wird dadurch frei und vereinigt sich sobald mit dem ebenfalls göttlichen Leben in uns, dasselbe lebendig stärkend und erhaltend. Die Form selbst, als zerstörte Hülse, aber wird dann nach der Ordnung des Schöpfers aus unserer ganz lebendigen Wesenheit hinausgeschafft. Bei euch auf der Erde nennt man solches den “Unrat”; hier aber wird solches die Scheidung genannt. Bei euch ist die Form grobmateriell, bei uns ebenfalls geistig, daher alsogleich flüchtig und gänzlich verschwindend. <GS I,45/4,12-15>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 230 →
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