Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Diejenigen, die in den ältesten Zeiten lebten, bezeichneten das, was Sache des Verstandes ist, und was Sache des Willens ist, durch Tiere; daher wird bei den Propheten und allenthalben im Worte des Alten Testaments ähnliches durch die Gattung der Tiere vorgebildet. Die Tiere sind von zweierlei Art; es sind böse, weil sie schädlich, und es sind gute, weil sie sanft sind; was böse ist im Menschen wurde durch solcherlei Tiere bezeichnet, wie durch Bären, Wölfe, Hunde; das Gute und Sanfte, auch durch solcherlei Tiere, wie durch Stiere, Schafe und Lämmer; die Tiere (weil hier von denen gehandelt wird, die wiedergeboren werden sollen, so sind es gute und sanfte) bedeuten die Neigungen; die, welche niedriger sind und mehr vom Körper an sich haben, werden genannt wilde Tiere jener Erde, und sind Begierden und Wollüste. <HG 45>
Lamm, sofern es die Unschuld ist. Weil der Herr die Unschuld selbst ist, die in Seinem Reich waltet (denn von Ihm ist das Ganze der Unschuld), deshalb wird der Herr genannt das Lamm.<HG 3994>
Daß durch Rinderherde das äußere Gute bezeichnet wird und durch die Herden von Kleinvieh das innere, kommt daher, weil die Tiere, welche die Rinderherde ausmachten, wie Rinder und Stiere, bei den Opfern das äußere Gute der Liebtätigkeit bezeichneten, wie auch das Gute des äußeren Menschen; die aber, welche die Herden von Kleinvieh bildeten, wie Lämmer, Schafe, Ziegen, bezeichneten das innere Gute der Liebtätigkeit, wie auch das Gute des inneren Menschen. <HG 5913>
Das Lamm bezeichnet das Gute der Unschuld im allgemeinen und im besonderen das Innerste der Unschuld. Das Gute der Liebe vom Herrn zum Herrn ist das Gute der Unschuld und heißt auch das himmlisch Gute. <HG 10132>
“Und ich sah in der Rechten Dessen, Der auf dem Thron saß” bedeutet den Herrn in Ansehung der Allmacht und in Ansehung der Allwissenheit. Dies erhellt aus der Bedeutung der Rechten, wenn vom Herrn die Rede, sofern sie die Allmacht und auch die Allwissenheit bezeichnet; und aus der Bedeutung des Sitzenden auf dem Thron, sofern es der Herr ist in Ansehung des göttlich Guten im Himmel, denn der Thron bedeutet im allgemeinen den Himmel, im besonderen den geistigen Himmel, und im abgezogenen Sinn das ausgehende göttlich Wahre, aus dem der Himmel und durch welches das Gericht. Daß der Herr verstanden wird unter dem Sitzenden auf dem Thron und auch unter dem Lamm, das von dem auf dem Thron Sitzenden das Buch nahm, beruht darauf, daß unter dem Sitzenden auf dem Thron verstanden wird der Herr in Ansehung des göttlichen Guten, und unter dem Lamm der Herr in Ansehung des göttlich Wahren. Es sind nämlich zwei Dinge, die vom Herrn als der Himmelssonne ausgehen: das göttlich Gute und das göttliche Wahre. Das göttlich Gute vom Herrn wird genannt der Vater in den Himmeln, und Dieser wird verstanden unter Dem, Der auf dem Throne saß, und das göttlich Wahre vom Herrn wird genannt der Sohn des Menschen, hier aber das Lamm; und weil das göttlich Gute niemanden richtet, sondern das göttlich Wahre, darum wird hier gesagt, daß das Lamm das Buch genommen habe von Dem, Der auf dem Throne saß. Daß der Herr es ist, Der unter dem Sitzenden auf dem Thron verstanden wird, und kein anderer, den sie von Ihm unterscheiden und Gott Vater nennen, kann einem jeden schon daraus erhellen, daß es kein anderes Göttliche gewesen ist, das der Herr Vater nannte, als Sein eigenes Göttliches, denn dieses nahm das Menschliche an, daher war dieses Sein Vater. Daß aber dieses unendlich, ewig, unerschaffen, allmächtig, Gott, Herr, und in gar nichts unterschieden ist vom Göttlichen Selbst, das sie von Ihm unterscheiden und Vater nennen, kann erhellen aus dem angenommenen Glauben, welcher der athanasische genannt wird, wo auch gesagt wird, daß keiner von ihnen der Größte und der Kleinste, und keiner von ihnen der Erste und der Letzte, sondern daß sie ganz gleich seien, und daß wie der eine so auch der andere unendlich, ewig, unerschaffen, allmächtig, Gott, Herr sei, und doch nicht drei Unendliche seien, sondern einer; nicht drei Ewige, sondern einer, nicht drei Unerschaffene, sondern einer, nicht drei Allmächtige, sondern einer, nicht drei Götter und Herren, sondern einer. Dies wurde gesagt, damit man erkenne, daß nicht zwei Unterschiedene verstanden werden unter Dem, Der auf dem Throne saß und dem Lamm, und im Folgenden unter Gott und dem Lamm, sondern daß unter dem einen verstanden wird das göttlich Gute und unter dem anderen das göttlich Wahre im Himmel, beides ausgehend vom Herrn. <EKO 297>
“Stand ein Lamm” bedeutet den Herrn in Ansehung des Göttlich-Menschlichen. Dies erhellt aus der Bedeutung des Lammes, wenn vom Herrn die Rede, sofern Er es ist in Ansehung des Göttlich-Menschlichen. Der Grund, warum der Herr in Ansehung desselben Lamm heißt, ist, weil das Lamm das Gute der Unschuld bedeutet, das Gute der Unschuld aber das eigentlich Gute des Himmels ist, das vom Herrn ausgeht; und in dem Maß, als sie dieses Gute aufnehmen, sind sie Engel. Dieses Gute herrscht bei den Engeln, die im dritten oder innersten Himmel sind; deshalb erscheinen diejenigen, die sich dort befinden, vor den Augen der anderen Engel wie Kinder. Man glaubt in der Welt, daß der Herr deswegen Lamm genannt werde, weil das tägliche Brandopfer, d.h., das an jedem Tag Abends und Morgens geschah, aus Lämmern bestand, und hauptsächlich in den Tagen des Passah, wo auch ein Lamm gegessen wurde, und weil der Herr Sich hat opfern lassen; allein diese Ursache der Benennung mag für diejenigen in der Welt gelten, die nicht über den Buchstabensinn des Wortes hinaus denken. Dagegen im Himmel wird nichts derartiges unter dem Lamm, wenn vom Herrn die Rede, verstanden, sondern wenn das Lamm im Wort genannt oder gelesen wird, alsdann verstehen die Engel, weil sie alle im geistigen Sinn des Wortes sind, das Gute der Unschuld, und wenn der Herr so genannt wird, verstehen sie Sein Göttlich-Menschliches und zugleich das Gute der Unschuld, das von Ihm. Ich weiß, daß man nicht gern glaubt, daß es so sei, aber es ist dennoch Wahrheit. Daß das Lamm im Wort das Gute der Unschuld, und wo vom Herrn die Rede ist, Sein Göttlich-Menschliches bedeutet, kann aus mehreren Stellen im Wort erhellen. Weil durch das Lamm die Unschuld bezeichnet wird, die an sich betrachtet die Liebe zum Herrn ist, darum wird durch Lamm im höchsten Sinn bezeichnet der Herr in Ansehung des Göttlich-Menschlichen, denn der Herr war in Ansehung desselben die Unschuld selbst. <EKO 314>
“Dem, Der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme” bedeutet den Herrn in Ansehung des göttlich Guten und in Ansehung des göttlich Wahren. Dies erhellt aus dem, was EKO 297 gesagt und gezeigt wurde, daß nämlich durch den Thron der Himmel bezeichnet wird, durch Den, Der auf dem Thron sitzt, das ausgehende göttlich Gute und durch das Lamm das ausgehende göttlich Wahre, beides die Himmel erfüllend und sie machend. Weil das vom Herrn als Sonne ausgehende göttlich Gute von den Engeln in Seinem himmlischen Reich aufgenommen wird, und das göttlich Wahre von den Engeln im geistigen Reich, darum werden zwei genannt, nämlich der auf dem Thron Sitzende und das Lamm. Dagegen im inneren Sinn wird durch beide das vom Göttlich-Menschlichen des Herrn ausgehende Göttliche verstanden, welches das göttlich Gute ist, vereinigt mit dem göttlich Wahren, aber in zwei unterschieden wird im Buchstabensinn wegen der Aufnahme. Das Göttliche, das den Himmel macht, und den Engeln und Menschen Liebe, Glauben, Weisheit und Einsicht gibt, geht nicht unmittelbar vom Göttlichen des Herrn selbst aus, sondern durch Sein Göttlich-Menschliches,
und dieses Göttliche, das ausgeht, ist der Heilige Geist. So ist auch zu verstehen, was die Lehre der Kirche lehrt, daß vom Vater der Sohn ausgeht und durch den Sohn der Heilige Geist, sodann daß das Göttliche des Herrn und Sein Menschliches nicht zwei sind, sondern eine einzige Person oder ein Christus; denn das Göttliche des Herrn ist es, was das Menschliche angenommen hat, und das Er ebendarum Seinen Vater genannt hat, somit hat Er nicht ein anderes Göttliches Vater genannt, Der an Seiner Statt heutzutage als Sein Vater angebetet wird; und das ausgehende Göttliche ist es, was genannt wird der Heilige Geist, der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit und der Paraklet, denn es ist das Heilige des Geistes oder das heilige Göttliche, das der Geist redet, und nicht ein anderes Göttliches, das als die dritte Person der Gottheit angebetet wird. Daß es so ist, können alle verstehen, die in einigem Himmelslicht sind; wiewohl aus der Lehre von der Dreieinigkeit, die von Athanasius gegeben worden ist, mit vielen Worten gesagt wird, daß drei eins sind. Jeder möge bei sich prüfen, ob er nicht, wenn er mit dem Mund sagt, es sei ein Gott, drei denkt, da doch ein Gott ist, und die drei Namen des Göttlichen die eines Gottes sind. Weil Athanasius diese nicht verstanden hat, so glaubte er, die drei Namen seien drei Götter, aber dem Wesen nach eins; aber dennoch kann man nicht sagen, sie seien eins dem Wesen nach, wenn dem einen etwas anderes zugeschrieben wird als dem anderen, denn so wird das Wesen geteilt; daher wird einem jeden Wesen der Name einer Person beigelegt. Aber ein Wesen sind sie, wenn die drei einer Person angehören, nämlich das Göttliche Selbst, welches der Vater, das Göttlich-Menschliche, das der Sohn, und das Göttlich-Ausgehende, welches der Heilige Geist genannt wird. Dies wurde gesagt, weil unter dem auf dem Thron Sitzenden und das Lamm nicht zwei verstanden werden, sondern einer, nämlich der Herr in Ansehung des ausgehenden Göttlichen. <EKO 343>
“Und der dritte Teil der Geschöpfe im Meer, die Seelen hatten, starb” bedeutet, daß dadurch alles lebendige Wißtümliche im natürlichen Menschen zugrunde ging. Dies erhellt aus der Bedeutung von sterben, sofern es heißt, geistig oder in Ansehung des Lebens aus dem Himmel zugrunde gehen; aus der Bedeutung des dritten Teils, sofern er das Ganze bezeichnet; aus der Bedeutung der Geschöpfe im Meer oder der Fische, sofern sie das Wißtümliche bezeichnen, worüber folgt; und aus der Bedeutung von “Seelen haben”, sofern es heißt, lebendig sein. Daher wird durch: es starb der dritte Teil der Geschöpfe im Meer, die Seelen hatten, bezeichnet, daß dadurch alles lebendige Wißtümliche zugrunde gegangen sei. Unter dem lebendigen Wißtümlichen wird das Wißtümliche verstanden, das von der geistigen Neigung Leben hat, denn diese Neigung gibt den Wahrheiten Leben und daher auch Leben dem Wißtümlichen, denn das Wißtümliche ist der Behälter geistiger Wahrheiten. Daß die Geschöpfe des Meeres, oder die Fische Wißtümliches bedeuten, beruht darauf, daß das Meer den natürlichen Menschen bedeutet, daher bedeuten die
Fische im Meer das Wißtümliche selbst, das im natürlichen Menschen ist. Daß die Fische dieses bedeuten, beruht auch auf der Entsprechung; denn die Geister, die nicht in geistigen Wahrheiten sind, sondern nur in natürlichen, die Wißtümliches sind, erscheinen in der geistigen Welt in Meeren, wenn sie von denen, die oben sind, gesehen werden, wie Fische; nämlich die Gedanken, die aus dem Wißtümlichen bei ihnen hervorkommen, sind es, die so erscheinen; denn alle Denkvorstellungen der Engel und Geister verwandeln sich in verschiedene Vorbilder außerhalb ihrer. Wenn in solche, die dem Pflanzenreich angehören, so verwandeln sie sich in Bäume und Gesträuche verschiedener Gattung, wenn aber in solche, die dem Tierreich angehören, so verwandeln sie sich in Tiere der Erde und in Vögel verschiedener Gattung; aber wenn die Gedanken der Engel des Himmel sich als Tiere der Erde darstellen, so verwandeln sie sich in Lämmer, Schafe, Ziegen, junge Stiere, Pferde, Maultiere und in andere dergleichen; wenn aber als Vögel, dann verwandeln sie sich in Turteltauben, Tauben und mehrere Arten von Vögeln, die schön sind. Dagegen die Denkvorstellungen derer, die natürlich sind, und aus bloß Wißtümlichem denken, verwandeln sich in Formen von Fischen. Es erscheinen daher auch wirklich in den Meeren mehrere Arten von Fischen, die auch ich mehrmals sehen durfte. Daher kommt es, daß durch Fische im Wort das Wißtümliche bezeichnet wird, wie in mehreren Stellen im Wort. <EKO 513>
Es soll einiges von den Böcken und Schafen gesagt werden, über die das Gericht gehalten werden wird nach den Worten des Herrn Matth.25/31-46. Die gewöhnliche Meinung ist, daß hier unter den Böcken alle Bösen zu verstehen seien, und es war bisher unbekannt, daß hier unter den Böcken diejenigen zu verstehen sind, die im natürlich Guten sind und daher auch in den Wahrheiten, die man die Erkenntnisse des Wahren und Guten aus dem natürlichen Sinn des Wortes nennt. Diese, oder dieses Gute und Wahre wird durch die Böcke bezeichnet, die geopfert wurden. Alle Tiere, die als Opfer dargebracht wurden, bezeichneten solche Dinge, die zur Kirche gehörten und sich insgesamt auf das Gute und Wahre bezogen. Das himmlisch Gute und das daraus hervorgehende Wahre, in dem die Engel des dritten Himmels sind, wurde durch die Lämmer bezeichnet, aber das geistig Gute und Wahre, in dem die Engel des mittleren Himmels sind, wurde durch Widder bezeichnet, und das natürlich Gute und Wahre, in dem die Engel des untersten Himmels sind, wurde durch Böcke bezeichnet. Das himmlisch Gute und Wahre ist bei denen, die in der Liebe zum Herrn sind, aber das geistig Gute und Wahre ist bei denen, die in der Liebe gegen den Nächsten sind, und das natürlich Gute und Wahre bei denen, die ein gutes Leben führen gemäß den Wahrheiten aus ihrer natürlichen Neigung. Eben dieses wird durch diese drei Tiere in verschiedenen Stellen des Wortes bezeichnet. Weil aber die meisten Ausdrücke im Wort auch einen entgegengesetzten Sinn haben, so ist dies auch bei den Böcken der Fall, die in diesem Sinn diejenigen bezeichnen, die in dem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben sind, und zwar deshalb, weil die Böcke vor anderen Tieren geil sind, und im echten Sinn diejenigen
bedeuten, die im natürlichen Guten und Wahren sind. Daß solche unter den Böcken im Wort zu verstehen sind, wurde mir in der geistigen Welt in lebendiger Anschauung gezeigt. Daselbst erscheinen verschiedenartige Tiere, aber es sind keine wirklichen und geborenen Tiere wie in unserer Welt, sondern Entsprechungen der Neigungen und Gedanken der Geister und Engel, und sobald diese Neigungen und Gedanken wechseln oder aufhören, so verschwinden jene Tiere. Damit ich nun erkennen könnte, daß die, welche in dem von der Liebe getrennten Glauben sind, oder vielmehr ihre Neigungen und Gedanken aus diesem Glauben, durch Böcke vorgebildet werden, durfte ich einige von diesen Geistern sehen, und sie erschienen vor meinen Augen und vor den Augen vieler anderen ganz und gar wie Ziegenböcke mit Hörnern; auch wurden Widder und Schafe unter sie geschickt, gegen welche die Böcke sogleich zornentbrannt losstürzten um sie niederzuwerfen, aber es war vergebens, denn in der geistigen Welt haben die Böcke keine Gewalt gegen die Widder und Schafe; daher wurden die Böcke in die Flucht geschlagen. Späterhin wurde mir erlaubt, dieselben als Menschen zu sehen, wodurch mir völlige Gewißheit gegeben wurde, daß jene Böcke eben diese Menschen waren, die in der Welt in dem von der Liebe getrennten Glauben gelebt hatten. Hieraus kann man deutlich erkennen, was durch den Widder und den Ziegenbock, sowie durch den Kampf derselben Dan.Kap.8 bezeichnet wird, nämlich, daß unter dem Widder die zu verstehen sind, die in dem aus der Liebe hervorgehenden Glauben leben, unter dem Ziegenbock aber die, welche in dem von der Liebe getrennten Glauben stehen. Es wird daher in dieser Stelle der zukünftige Zustand der Kirche beschrieben, daß nämlich der getrennte Glaube alle Liebtätigkeit oder das Gute des Lebens vertreiben, und dadurch in der Christenheit das Falsche zur Herrschaft gelangen werde. <EKO 817>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 402 →
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