Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Und Rachel sprach: In Kämpfen Gottes habe ich gerungen mit meiner Schwester, habe auch obgesiegt” bedeutet im höchsten Sinn die eigene Kraft, im inneren die Versuchung, in der man siegt, im äußeren den Widerstand von seiten des natürlichen Menschen. Dies erhellt aus der Bedeutung der Kämpfe Gottes und des Ringens, sofern es sind Versuchungen; denn Versuchungen sind nichts anderes als Ringkämpfe des inwendigen Menschen mit dem äußeren, oder des geistigen Menschen mit dem natürlichen; denn beide wollen herrschen, und wenn es sich um die Herrschaft handelt, entsteht ein Kampf, der hier ist das Ringen. Daß obsiegen heißt überwinden, erhellt ohne Erklärung. Daß jene Worte im höchsten Sinn die eigene Kraft des Herrn bedeuten, hat den Grund, weil der Herr, als Er in der Welt und im Menschlichen daselbst war, alle Versuchungen aus eigener Kraft bestand und aus eigener Kraft siegte, anders als jeder Mensch, der gar nie aus eigener Kraft eine geistige Versuchung besteht und in ihr siegt, sondern der Herr bei ihm. Daß im inneren Sinn die Ringkämpfe Gottes und das Obsiegen die Versuchungen bezeichnen, in denen der Mensch siegt, erhellt aus dem gleich oben Gesagten, daß es aber im äußeren Sinn ist der Widerstand von seiten des natürlichen Menschen, kommt daher, weil jede Versuchung nichts anderes ist, denn es handelt sich in den geistigen Versuchungen um die Herrschaft, wer nämlich die Gewalt haben soll, ob der inwendige Mensch oder ob der äußere, oder was gleich ist, ob der geistige oder ob der natürliche; denn sie sind einander entgegengesetzt. <HG 3927>
Kanaan (Sohn Chams) Kanaan bedeutet den vom Inneren getrennte äußeren Gottesdienst. Der äußere Gottesdienst ist an sich betrachtet nichts, wofern nicht ein innerer ist, der ihn heilig macht, kann jedem einleuchten; was ist die äußere Anbetung ohne die Anbetung des Herzens anderes als eine Gebärde; was ist die Anbetung des Mundes, wenn nicht Andacht in ihr ist, anderes als ein Plappern; und was ist ein Werk, wenn keine Gesinnung in ihm ist, anderes als ein Nichts? Alles Äußere ist daher an sich etwas Seelenloses, und lebt einzig vom Inneren her. <HG 1093, 1094>
In diesem Kapitel (1.Mose 10. Kap.) und im Folgenden, bis zu Heber (Eber), wird der älteste Stil fortgesetzt, hält jedoch die Mitte zwischen dem Stil der gemachten Geschichte, und dem Stil der wahren Geschichte; denn unter Noach und seinen Söhnen Schem, Cham, Japheth und Kanaan ist nichts anderes verstanden worden, und wird nichts anderes verstanden, als abstrakt die Alte Kirche in Ansehung ihres Gottesdienstes; nämlich unter Schem der innere Dienst, unter Japheth der entsprechende äußere Dienst, unter Cham der verdorbene innere Dienst, unter Kanaan der vom inneren getrennte äußere Dienst; solche Personen hat es nie gegeben; sondern es sind so genannt worden die Gottesdienste, weil auf sie, als auf die grundwesentlichen, sich zurückführen ließen alle verschiedenen anderen, oder alle Unterschiede im besonderen. <HG 1140, 1238>
Daß durch Kanaan oder den Kanaaniten im Worte bezeichnet werden Ritualien, oder äußere Gottesdienste, die getrennt sind vom inneren, erhellt aus sehr vielen Stellen, hauptsächlich in den geschichtlichen Büchern, und weil dieselben von dieser Art waren, zur Zeit, da die Söhne Jakobs ins Land eingeführt wurden, ward zugelassen, daß sie ausgerottet wurden, aber im inneren Sinn des Wortes werden alle die unter den Kanaaniten verstanden, die einen vom inneren getrennten äußeren Gottesdienst haben; und weil die Juden und Israeliten mehr als die übrigen von dieser Art waren, werden im prophetischen Wort sie insonderheit damit bezeichnet. <HG 1167, 1162, 1163>
Kanaan bedeutet den äußeren Gottesdienst, in dem nichts Inneres ist. Der äußere Dienst, der Kanaan genannt wird, ist so beschaffen, wie er vor dem Kommen des Herrn, und dann auch nach Seinem Kommen, bei den Juden war, die einen äußeren Gottesdienst hatten, den sie auch streng beobachteten, dabei aber doch nichts wußten vom Inneren, so wenig, daß sie meinten, sie leben bloß in dem Leibe. Was die Seele, was der Glaube, was der Herr, was das geistige und himmlische Leben, was das Leben nach dem Tode ist, wußten sie gar nicht; daher auch zur Zeit des Herrn die meisten eine Auferstehung leugneten, wie dies erhellt: Matth. 22/23-33; Mark. 12/18-28; Luk.20/27-41. Wenn der Mensch von der Art ist, daß er nicht glaubt, daß er nach dem Tode leben werde, so glaubt er auch nicht, daß es etwas geistig und himmlisch Inneres gibt; solche sind es auch, die in lauter Begierden leben, hauptsächlich die in schmutzigen Geiz versunken sind; diese haben nichtsdestoweniger einen Gottesdienst. So besuchen die einen die Synagogen, die anderen die Kirchen und halten die Gebräuche, einige von ihnen sehr streng; weil sie aber nicht glauben, daß es ein Leben nach dem Tode gibt, so kann ihr Gottesdienst kein anderer als ein äußerlicher sein, in dem nichts Inneres ist, wie eine Schale ohne Kern, und wie ein Baum, an dem keine Frucht ist, und nicht einmal Blätter sind. Solcherlei ist der äußere Dienst, der durch Kanaan bezeichnet wird. Die übrigen äußeren Gottesdienste, von denen oben gehandelt worden, waren Dienste, in denen Inneres ist. <HG 1200>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 286 →
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