Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Daß du lässest das Weib Jesabel” bedeutet den Lustreiz der Selbst- und Weltliebe. Dies erhellt aus der Bedeutung des Weibes Jesabel, sofern sie die ganz verkehrte Kirche bezeichnet, denn durch Weib wird im Wort die Kirche bezeichnet, hier die verkehrte Kirche. Und weil alle Verkehrtheit der Kirche aus zwei Arten der Liebe herkommt, nämlich aus der Selbstliebe und Weltliebe, deshalb wird durch Jesabel der Lustreiz dieser Liebesarten bezeichnet. Die Kirche, in der diese Liebesarten herrschen, wird Jesabel genannt, weil durch Jesabel, das Weib Achabs, im Wort der Lustreiz dieser Liebesarten und die Verkehrung der Kirche hierdurch vorgebildet wurde. Denn alles, was im Wort, auch im historischen, geschrieben ist, bildet solche Dinge vor, die sich auf die Kirche beziehen. Der Grund, weshalb alle Verkehrtheit der Kirche von jenen zwei Liebesarten herkommt, wenn sie über die himmlischen Liebesarten herrschen, liegt darin, daß jene zwei Liebesarten ganz entgegengesetzt sind den zwei Liebesarten, die
den Himmel und die Kirche machen. Nämlich der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten, und daß aus jenen zwei Liebesarten alles Böse und auch das Falsche herkommt. Hier soll zuerst von den Lustreizen der Liebesarten etwas gesagt werden: Ein jeder Mensch ist so beschaffen, wie seine Liebe und jeder Lustreiz seines Lebens kommt aus seiner Liebe; denn alles, was seiner Liebe günstig ist, das empfindet er als Lust und alles, was seiner Liebe zuwider ist, das empfindet er als Unlust. Deshalb ist es gleich, ob man sagt, der Mensch sei wie seine Liebe beschaffen, oder ob man sagt, der Mensch sei so beschaffen, wie seine Lebenslust beschaffen ist. Diejenigen, die Selbst- und Weltliebe sind, d.h. bei denen diese Liebesarten herrschen, haben daher keine andere Lebenslust oder kein anderes Leben als das höllische Leben, denn diese Liebesarten, oder die Lustreize des Lebens aus ihnen, die beständig bleiben, wenden alle ihre Gedanken und Absichten auf sich und auf die Welt, und in dem Maß als sie diese auf sich und auf die Welt wenden, versenken sie dieselben ins Eigene des Menschen, das ihm aner erbt ist, somit zugleich in Böses aller Art. In dem Maß aber, als die Gedanken und Absichten des Menschen sich zu seinem anererbten Eigenen hinwenden, das an sich nichts als böse ist, wenden sie sich vom Himmel ab. Denn das Inwendigere des Menschen, das seinem Gemüte, d.h. seinem Denken und seiner Absicht oder seinem Verstand und Willen angehört, wendet sich in Wirklichkeit zu den Trieben seiner Liebe, abwärts, d.h. zu sich selbst, wenn die Selbstliebe und ihre Lustreize herrschen, und auswärts, d.h. vom Himmel zur Welt, wenn die Weltliebe und ihre Lustreize herrschen. Anders aber verhält es sich, wenn der Mensch Gott über alles liebt und den Nächsten wie sich selbst: alsdann wendet der Herr das Inwendigere, das dem Gemüt des Menschen oder seinem Denken und seiner Absicht angehört zu Sich hin; dadurch wendet Er sie (sein Denken und seine Absicht) von seinem Eigenen ab und erhebt sie und zwar, ohne daß der Mensch etwas davon weiß. Daher kommt es, daß der Geist des Menschen, welcher der eigentliche Mensch ist, nach der Ablösung vom Körper sich in Wirklichkeit zu seiner Liebe wendet, weil diese seine Lebenslust, d.h. sein Leben ausmacht. Hieraus kann nun erhellen, daß die Verkehrtheit der Kirche, die durch das Weib Jesabel bezeichnet wird, bei den Menschen einzig die Folge der Triebe der Selbstund Weltliebe ist, weil diese das Inwendigere des Menschen, das seinem Gemüt angehört, abwärts und somit vom Himmel abwenden. Verkehrtheit der Kirche bei den Menschen wird dies genannt, weil die Kirche im Menschen ist, wie der Himmel im Engel. Jede Kirche wird nämlich aus denen gebildet, die selbst Kirchen sind und nicht aus anderen, wenn sie auch geboren sind, wo die Kirche ist. Dies kann man deutlich daraus erkennen, daß die Liebe und der Glaube die Kirche machen, die Liebe aber und der Glaube müssen im Menschen sein, mithin auch die Kirche. <EKO 159>
“Die da sagt, sie sei eine Prophetin, lehren und verführen Meine Knechte” bedeutet, daß von daher die Lehre alles Falschen komme. Dies erhellt aus der Bedeutung des Propheten, sofern er den bezeichnet, der die
Wahrheiten lehrt, und abgesehen von der Person, die Lehre des Wahren. Daher werden im entgegengesetzten Sinn unter dem Propheten die verstanden, die Falsches lehren und abgesehen von der Person, die Lehre des Falschen; ebenso hier unter der Prophetin. Weil hier durch die Prophetin die Lehrerin des Falschen und die Lehre alles Falschen bezeichnet wird, darum wird hinzugesetzt, daß sie des Herrn Knechte lehre und verführe. Lehren und Verführen wird gesagt, weil lehren vom Wahren und Falschen, verführen aber vom Guten und Bösen ausgesagt wird, und Knechte des Herrn heißen im Wort die, welche in den Wahrheiten sind und Diener, die im Guten sind. Von Jesabel wird bemerkt, sie sage, daß sie eine Prophetin sei, nicht als ob Jesabel, das Weib Achabs, gesagt hätte, sie sei eine Prophetin, sondern weil durch sie der Lustreiz der Selbst- und Weltliebe bezeichnet wird, und dieser Lustreiz diejenigen lehrt und verführt, die in den Wahrheiten sind. Denn ein jeder denkt, wenn aus sich, aus seiner Liebe und dadurch füllt er sich mit Falschem an, was eben durch lehren und verführen bezeichnet wird. Von Jesabel liest man im Wort, Achab, der König der Israeliten, habe Jesabel, die Tochter des Königs der Sidonier, zum Weib genommen, sei aber abgefallen und haben dem Baal gedient und ihm einen Altar in Samaria errichtet und einen Hain gemacht: 1.Kön.16/31-33. Daß Jesabel die Propheten Jehovahs getötet habe: 1.Kön.18/4,13 und daß sie auch den Elias habe töten wollen: 1.Kön.19/1,2f. Daß sie mit List, indem sie falsche Zeugen aufstellte, dem Naboth einen Weinberg genommen und ihn getötet habe: 1.Kön.21/6,7f. Daher wurde von Elias vorausgesagt, daß Hunde sie fressen würden: 1.Kön.21/23; 2.Kön.9/10; ferner, daß sie auf Befehl des Jehu vom Fenster herabgestürzt wurde und von ihrem Blute an die Wand und an die Pferde spritzte, die sie zertraten: 2.Kön.9/32-34. Durch dies alles wurde die Verkehrung der Kirche durch den Lustreiz der Selbstund Weltliebe und durch das daraus entspringende Böse und Falsche vorgebildet. Denn alle Geschichten im Wort sind ebenso wie die Weissagungen Vorbilder solcher Dinge, die sich auf die Kirche beziehen. Durch Baal, dem er diente und dem er einen Altar errichtete, wird ein Gottesdienst aus dem Bösen der Selbstund Weltliebe bezeichnete; durch den Hain, den er machte, ein Gottesdienst aus dem Falschen daher. Dadurch daß sie die Propheten Jehovahs tötete, wird die Zerstörung der Kirche in Ansehung ihrer Wahrheiten bezeichnet. Dadurch daß sie auch den Elias töten wollte, wird bezeichnet, daß sie auch das Wort vernichten wollte; denn dieses hat Elias vorgebildet. Durch den Weinberg, den sie durch falsche Zeugen dem Naboth wegnahm, wird die Verfälschung des Wahren und die Schändung des Guten bezeichnet; durch die Weissagung des Elias, daß Hunde sie fressen werden, wird die Unreinheit und die Entweihung bezeichnet. Dadurch daß sie vom Fenster herabgeworfen wurde und daß von ihrem Blut an die Wand und an die Pferde, die sie zertraten, spritzte, wird das Los derjenigen bezeichnet, die so beschaffen sind. Wie sich das Los solcher gestaltet, kann aus dem einzelnen dort im inneren Sinn erkannt werden. Hieraus kann man sehen, daß unter dem Weib Jesabel, die da sagt, sie sei eine Prophetin, keine andere verstanden wird, als Jesabel, das Weib Achabs, von der das Wort berichtet; und daß durch sie
diejenigen beschrieben werden, die in der Lehre alles Falschen sind aus den Lustreizen der Selbst- und Weltliebe. <EKO 160>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 233 →
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