Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Die große Hure für diejenigen, die in einem unheiligen Gottesdienst sind. <HG 2466>
Hure bezeichnet das Falsche. Von der Verbindung mit dem Falschen wird, wie von der Verbindung mit einer Hure, unreine Lust gesagt. Alle diejenigen verbinden sich mit dem inwendigen Wahren wie mit einer Hure, die den äußeren Sinn des Wortes, d.h. seinen buchstäblichen Sinn einzig glauben, und seinen ganzen inneren, d.h. geistigen Sinn verwerfen, aber hauptsächlich diejenigen, die den äußeren oder buchstäblichen Sinn des Wortes zugunsten der Begierden, der Selbst- und Weltliebe, oder der Herrschsucht und Gewinnsucht anwenden; die solches tun, können gar nicht anders als das inwendige Wahre für so etwas ansehen, und wenn sie sich damit verbinden, so tun sie es aus Wollust, wie sie der Verbindung mit einer Hure eigen ist. <HG 4868>
“Und sagte zu mir: Komm, ich will dir das Gericht der großen Hure zeigen” bedeutet, ihre Religionsform, in der alles Gute und Wahre der Kirche geschändet und entweiht ist. Dies erhellt aus der Bedeutung des Gerichtes, insofern es alles bezeichnet was ihre Religion betrifft und zuletzt die Verdammnis (d.i. Verwerfung) derselben, und aus der Bedeutung der großen Hure, insofern sie die Schändung und Entweihung des Guten und Wahren der Kirche bezeichnet. Dies wird unter der großen Hure verstanden, weil unter dieser Babylon zu verstehen ist, wie aus Offenb.17/5 erhellt, wo gesagt wird: “Auf die Stirne der Hure ist ein Name geschrieben: Geheimnis, Babylon, die Große, die Mutter der Hurereien und der Greuel der Erde”, und durch Babylon wird die Schändung und Entweihung des Guten und Wahren bezeichnet. Babylon wird aber deshalb die große Hure und die Mutter der Hurereien und der Greuel der Erde genannt, weil die Liebe (oder Begierde) zu herrschen über alles was der Welt, dem Himmel und der Kirche angehört, und zuletzt über den Herrn selbst, notwendigerweise das göttlich Wahre in Falsches und das göttlich Gute in Böses verkehren muß, und somit die Kirche in eine Religionsform, in der alles Gute und Wahre geschändet und entweiht ist. Denn durch diese Liebe wendet sich der Mensch gänzlich vom Herrn ab und wendet sich zu sich selbst, und dadurch kann er nicht mehr vom Herrn geführt werden, sondern wird von seinem Eigenen geführt; von diesem geführt werden heißt aber, von der Hölle geführt werden. Denn der Mensch wird entweder aus dem Himmel geführt oder aus der Hölle; von beiden zugleich kann er nicht geführt werden. Vom Himmel aus wird er aber geführt, wenn er vom Herrn geführt wird, und aus der Hölle, wenn er von sich selbst geführt wird. Der Mensch ist nämlich so geschaffen, daß er sich über sein Eigenes erheben und in dieser Erhebung denken kann; er wird aber nur dann über sein Eigenes erhoben und denkt bei dieser Erhebung, wenn er vom Herrn erhoben wird, und dies geschieht, wenn er den Herrn anerkennt
und auch Seine Gewalt über Himmel und Erde. Durch dieses Bekenntnis und diesen Glauben seines Herzens kommt er in Verbindung mit dem Herrn, und wenn diese Verbindung eintritt, dann wird das Innere seines Gemütes, d.h. sein Wille und Verstand vom Herrn in Seiner Anschauung erhalten; und dies geschieht durch die Erhebung über das Eigene, und wenn dieser Mensch in dieser Erhebung denkt, dann denkt er das Wahre durch den Herrn und tut das Gute durch Ihn. Das Gegenteil aber geschieht, wenn der Mensch nach der Herrschaft über die Welt, über den Himmel und über den Herrn strebt; dann versenkt der Mensch das Innere seines Gemütes, sein Denken und Wollen in sein Eigenes, und wenn dies geschieht, dann denkt und will der Mensch aus der Hölle, und somit Falsches und Böses, weil das Eigene des Menschen nichts als Böses ist, denn es besteht aus seinem anererbten Bösen. Von solcher Art sind die Babylonier, und daher haben sie alles Gute und Wahre der Kirche geschändet und entheiligt, und deshalb wird Babylon eine Hure genannt und die Mutter aller Hurereien und Greuel der Erde. <EKO 1032>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 169 →
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