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Herling – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Und es wird in deinem Bauche Bitterkeit erregen” bedeutet, es sei innerlich unangenehm, weil äußerlich geschändet. Dies erhellt aus der Bedeutung von bitter oder Bitterkeit, sofern es bezeichnet unangenehm infolge des geschändeten Wahren, wovon unten; und aus der Bedeutung des Bauches, sofern er das Inwendigere bezeichnet. Daß der Bauch das Inwendigere bezeichnet, beruht darauf, daß nachher folgt, daß es im Munde süß wie

Honig war, und unter dem Mund das Auswendigere verstanden wird; denn was mit dem Munde genommen wird, wird gekaut und in den Bauch hinabgebracht, und so geht es von außen nach innen. Es geht nach innen, denn es geht in die Eingeweide des Menschen. Daß das Bittere und die Bitterkeit das Unangenehme infolge des geschändeten Wahren bedeutet, und daß daher verbittern bedeutet, unangenehm machen, beruht darauf, daß das Süße bitter und daher unangenehm wird durch Vermischung mit etwas Widrigem; daher kommt die Bitterkeit des Wermuts, der Galle, der Myrrhe. Weil nun süß das Angenehme aus dem Guten des Wahren und dem Wahren des Guten bedeutet, deshalb bedeutet bitter das Unangenehme aus dem geschändeten Wahren. Das Unangenehme daraus wird von keinem Menschen in der natürlichen Welt als bitter empfunden und gefühlt, sondern von einem Geist und von einem Engel in der geistigen Welt; denn alles Gute des Wahren, das geschändet ist, wird, wenn es bei ihnen in den Geschmack übergeht, als bitter empfunden; denn die Geister und Engel haben ebenso einen Geschmackssinn wie die Menschen, aber der Geschmack der Geister und Engel hat einen geistigen Ursprung, der Geschmack der Menschen dagegen einen natürlichen Ursprung. Den Geschmack des Bitteren haben die Geister aus dem geschändeten Wahren des Guten, aber die Menschen haben den Geschmack des Bitteren aus der Vermischung des Süßen und des Widrigen. Das Gefühl des Süßen hatte auch Johannes aus geistigem Ursprung, denn er war im Geist, sonst hätte er das Büchlein nicht essen können. Durch das geschändete Wahre wird bezeichnet das Wahre des Guten, das angewandt ist zum Bösen und vermischt mit seinem Falschen, was geschieht, wenn die Wahrheiten des Buchstabensinnes des Wortes zu unreinen Liebesneigungen angewandt und so mit Bösem vermischt werden. Dieses Unangenehme ist es, was hier durch die Bitterkeit im Bauch bezeichnet wird. Es soll noch mit wenigem gesagt werden, was durch das Inwendigere im Wort, d.h. durch das Innere des Wortes bezeichnet wird: Das Innere des Wortes ist das, was sein inwendiger oder geistiger Sinn enthält; das sind die echten Wahrheiten, diesen entsprechen die auswendigeren Wahrheiten des Wortes, und das sind die, welche in seinem äußeren oder natürlichen Sinn sich finden, welcher der Buchstabensinn und der buchstäbliche genannt wird. Wenn das Auswendigere des Wortes oder die Wahrheiten des Wortes im Buchstaben oder buchstäblichen Sinn verfälscht und geschändet werden, dann sind die inwendigeren Wahrheiten des Wortes verfälscht und geschändet. Wenn daher der Mensch das Wort im Buchstabensinn zum Bösen irdischer Liebesneigungen anwendet, dann wird es den Engeln, die im inneren oder geistigen Sinn des Wortes sind, unangenehm, und dieses Unangenehme ist wie das Unangenehme des Bitteren. Aus diesem kann erhellen, daß dadurch, daß das Büchlein im Bauch Bitterkeit erregte, bezeichnet wird, das Wort sei innerlich unangenehm geworden. Aber das Unangenehme, wovon bis jetzt gehandelt wurde, ist das geistig Unangenehme, dagegen das geistig natürlich Unangenehme, das hier auch unter jener Bitterkeit verstanden wird, ist, daß das Wahre der Lehre, das inwendiger aus dem Buchstabensinn des Wortes hergenommen und sein buchstäblicher Sinn

genannt wird, denen unangenehm ist, die im Falschen des Bösen sind; denn es wird gehandelt vom Verständnis des Wortes von seiten der Menschen der Kirche an ihrem Ende, wo die meisten in Falschem aus dem Bösen sind, und dann ist das Falsche des Bösen, das aus dem Buchstabensinn des Wortes begründet ist, ihnen angenehm, dagegen das Wahre, das aus dem buchstäblichen Sinn des Wortes begründet ist, unangenehm. Auch dieses wird dadurch bezeichnet, daß das Büchlein im Bauche Bitterkeit erregte, und daß es im Munde süß war wie Honig. Aus diesem kann erhellen, daß durch das Bittere und die Bitterkeit im allgemeinen die Verfälschung und Schändung des Wahren und Guten bezeichnet wird, und daß die verschiedenen Arten derselben durch Galle, Wermut, Myrrhe, Herlinge, Koloquinten, usw. bezeichnet werden. <EKO 618>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 82 →

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