Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Daß durch die Erstgeburten Herde bezeichnet werde, was allein Sache des Herrn ist, kann erhellen aus den Erstgeburten in der vorbildlichen Kirche, die alle heilig waren, weil sie sich bezogen auf den Herrn, Der allein der Erstgeborene ist. Man merke, daß das Erstgeborene der Gottesverehrung den Herrn bedeutet; das Erstgeborene der Kirche aber den Glauben bezeichnet. <HG 352>
Unter dem Ersteren oder dem Vorrang, welcher ist die Erstgeburt, wird nicht nur verstanden der Vorrang der Zeit, sondern auch der Vorrang des Grades, was nämlich herrschen soll, das Gute oder das Wahre; denn das Wahre, ehe es verbunden ist dem Guten, ist immer von der Art; oder was das gleiche, die, welche im Wahren sind, daß sie, ehe sie wiedergeboren sind, glauben, das Wahre sei eher und höher denn das Gute, so erscheint es dann auch. Aber wenn das Wahre dem Guten bei ihnen verbunden ist, d.h. wenn sie wiedergeboren sind, dann sehen sie und werden inne, daß das Wahre das Hintere und Untere sei, und dann ist bei ihnen die Herrschaft des Guten über das Wahre. Der Herr wurde in der jüdischen Kirche in Ansehung der Erstgeburten vorgebildet, und auch diejenigen, die in der Liebe zu Ihm, denn diese sind im Herrn; aber
die Erstgeburten haben im Wort eine doppelte vorbildliche Bedeutung, sie bilden den Herrn vor in Ansehung der himmlisch göttlichen Liebe, und in Ansehung der geistig göttlichen Liebe. Die himmlisch göttliche Liebe ist bezüglich auf die himmlische Kirche, oder diejenigen, die zu jener Kirche gehören, die Himmlische genannt werden wegen der Liebe zum Herrn. Die geistig göttliche Liebe des Herrn ist bezüglich auf die geistige Kirche, oder auf diejenigen, die zu jener Kirche gehören, die Geistige heißen von der Liebe zum Nächsten. Die göttliche Liebe des Herrn ist gegen alle; weil sie aber von den Menschen verschieden aufgenommen wird, anders vom himmlischen Menschen und anders vom geistigen Menschen, heißt sie eine bezügliche. Die Erstgeburt Ägyptens ist die Glaubens- und Liebtätigkeitslehre, die durch Wißtümliches verkehrt wurde. <HG 3325>
Die Neigung zum Guten im Natürlichen, und daher das Gute des Lebens ist es, was der ältere Sohn heißt. Dagegen die Neigung zum Wahren, und daher die Lehre des Wahren ist es, was der jüngere Sohn. Daß die Neigung zum Guten und daher das Gute des Lebens der ältere Sohn ist, d.h. der Erstgeborene, erhellt augenscheinlich daraus, daß die Kinder zuallererst im Guten sind, denn sie sind im Stand der Unschuld und im Stand der Liebe gegen die Eltern und die Pflegerin und im Stand der gegenseitigen Liebtätigkeit gegen andere Kinder, ihre Gespielen, so daß bei jedem Menschen das Gute ist das Erstgeborene. Dieses Gute, in das so der Mensch als Kind eingeweiht worden ist, verbleibt; denn alles, was von Kind auf eingepflanzt wird, zieht Leben an, und weil es verbleibt, wird es das Gute des Lebens. Denn wenn der Mensch ohne ein solches Gute wäre, das er von der Kindheit her angenommen hatte, so wäre er kein Mensch, sondern er wäre noch wilder als ein wildes Tier des Waldes. Es scheint zwar nicht daß es da sei, weil alles, was im Kindesalter eingepflanzt wird, nicht anders als etwas Natürliches erscheint, wie man es deutlich sehen kann am Gange, an den übrigen Leibesbewegungen, an den Sitten und dem anständigen Benehmen des bürgerlichen Lebens, sodann an der Rede, und an mehrerem anderem. <HG 3494>
Der Erstgeborene Jakobs, Ruben, bedeutet das Gute des Glaubens. Der Glaube ist auch an sich betrachtet das Gute des Glaubens schon deshalb, weil der Glaube nicht möglich ist, wenn er nicht aus der Liebtätigkeit kommt, oder weil das Wahre nicht möglich ist, wenn es nicht vom Guten kommt; deswegen nimmt das Gute, wenn der Mensch wiedergeboren ist, die erste Stelle ein, oder ist der Erstgeborene; man sehe HG. 3325, 3494; daher kommt es, daß durch den Erstgeborenen Jakobs, Ruben, hier das Gute des Glaubens bezeichnet wird. <HG 4605>
“Und sie empfing und gebar einen Sohn” bedeutet, daß daher das Falsche der Kirche komme. Daß durch diesen Sohn das Falsche der Kirche bezeichnet wird, kommt daher, weil er der Erstgeborene war, und durch den Erstgeborenen in den alten Kirchen
das Wahre des Glaubens bezeichnet wurde, somit im entgegengesetzten Sinn das Falsche, wie auch die Erstgeborenen und die Erstgeburten Ägyptens. <HG 4821>
Von den ältesten Zeiten her hat man darüber gestritten, was das Erstgeborene sei, ob das Gute, das der Liebtätigkeit oder ob das Wahre, das dem Glauben angehört; und weil das Gute, wenn der Mensch wiedergeboren und eine Kirche wird, nicht erscheint, sondern sich im inwendigeren Menschen verbirgt, und bloß sich in einer gewissen Gefühlsregung offenbart, die nicht deutlich in den Sinn des äußeren oder natürlichen Menschen fällt, ehe er wiedergeboren ist, hingegen das Wahre sich offenbart; denn dieses geht ein durch die Sinne, und setzt sich im Gedächtnis des äußeren oder natürlichen Menschen, deswegen sind mehrere in den Irrtum geraten, das Wahre sei das Erstgeborene, und zuletzt auch in den, daß das Wahre das Wesentliche der Kirche sei, und zwar so sehr das Wesentliche, daß das Wahre, das der Glaube genannt wird, selig machen könne, ohne das Gute, das der Liebtätigkeit angehört. Aus diesem einen Irrtum gingen sehr viele andere hervor, die nicht bloß die Lehre, sondern auch das Leben vergiftet haben. Das Gute wird nicht eher als das Erste anerkannt, als nachdem der Mensch wiedergeboren ist, denn dann handelt er aus dem Guten, und schaut aus demselben das Wahre und dessen Beschaffenheit. Weil der Herr im höchsten Sinn der Erstgeborene ist, und daher auch die Liebe zu Ihm und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten, deswegen wurde in der vorbildlichen Kirche das Gesetz gegeben, daß die Erstgeburten dem Jehovah angehören sollten. <HG 4925>
“Und Joseph nannte den Namen des Erstgeborenen Menasche” bedeutet, das neue Wollen im Natürlichen und seine Beschaffenheit. Daß der Erstgeborene, der Menasche genannt wurde, das geistig Gute im Natürlichen oder das neue Wollen in demselben bedeutet, hat den Grund, weil das Gute in Wirklichkeit das Erstgeborene ist in der Kirche oder beim Menschen, der eine Kirche wird. Das Wahre dagegen ist nicht das Erstgeborene, aber dennoch scheint es, als ob es sei; was auch daraus erhellen kann, daß beim Menschen der Wille vorangeht; denn das Wollen des Menschen ist das Erste seines Lebens, und sein Verstehen folgt danach und schließt sich seinem Wollen gemäß an. Was aus dem Willen hervorgeht, das wird gut genannt bei denjenigen, die ein neues Wollen durch die Wiedergeburt vom Herrn empfangen haben, aber böse bei denjenigen, die es nicht empfangen wollten. Was aber aus dem Verständigen hervorgeht, das wird wahr genannt bei den Wiedergeborenen, aber falsch bei den Nichtwiedergeborenen. Weil aber das Wollen des Menschen nur durch das Verständige für den Sinn wahrnehmbar erscheint, denn der Verstand ist der Wille in Gestalt oder der für den Sinn gestaltete Wille, deshalb meint man, das Wahre, das vom Verständigen ausgeht, sei das Erstgeborene, während doch dieses nur Schein ist aus dem angegebenen Grund. <HG 5351>
“Erstling meiner Stärke” bedeutet, daß durch den Glauben die erste macht dem Wahren zuteil wird. Alle Macht in der geistigen Welt stammt vom Guten durch das Wahre. Ohne das Gute vermag das Wahre gar nichts, denn das Wahre ist gleichsam der Körper, und das Gute gleichsam die Seele dieses Körpers; wenn die Seele etwas bewirken soll, muß es durch den Körper geschehen. Hieraus erhellt, daß das Wahre ohne das Gute gar keine Macht hat, wie der Körper keine Macht hat ohne die Seele; denn der Körper ist dann eine Leiche, und so auch das Wahre ohne das Gute. Sobald der Glaube an das Wahre geboren wird durch das Gute, erscheint auch eine Macht im Wahren; diese Macht ist es, welche die erste Macht im Wahren durch den Glauben genannt, und durch den Erstling der Stärke bezeichnet wird. Weil durch den Erstgeborenen im eigentlichen Sinn das Gute der Liebtätigkeit bezeichnet wird, dagegen in dem Sinne, der sich nach dem Anschein richtet, das Wahre des Glaubens, und weil diese beiden die Grundlagen der Kirche sind, deshalb wurde von den Alten der Erstgeborene die Kraft des Vaters und der Erstling seiner Stärke genannt. Daß diese Dinge durch den Erstgeborenen bezeichnet wurden, erhellt ganz deutlich daraus, daß Jehovah oder dem Herrn alle Erstgeburt gehörte, und daß statt aller Erstgeburten der Stamm Levi angenommen, und ihm das Priestertum gegeben wurde. <HG 6344>
Wenn der Mensch wiedergeboren wird, wird er durch den Glauben im Verstand oder in der Lehre zum Glauben im Willen oder im Leben geführt, d.h. durch das Glaubenswahre zum Guten der Liebtätigkeit. Wenn der Mensch im Guten der Liebtätigkeit ist, dann ist er wiedergeboren; und dann erzeugt er aus diesem Guten Wahres, welches das Wahre des Guten heißt. Diese Wahrheiten sind die eigentlichen Glaubenswahrheiten, die unter den Erstgeborenen verstanden werden; denn die Erzeugungen oder Geburten der Wahrheiten aus dem Guten verhalten sich wie die Generationen oder Nachkommenschaften der Söhne und Töchter von ihrem Vater, und später der Enkel und Enkelinnen, dann der Urenkel und Urenkelinnen, usf. Die erste oder unmittelbare Nachkommenschaft oder Generation, welche die der Söhne und Töchter ist, wird durch den Erstgeborenen bezeichnet, soviel ihrer auch sein mögen, nicht aber die zweite und dritte, außer in bezug auf ihre Eltern. <HG 8042>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 102 →
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