Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Blut des Lammes bezeichnet das heilige Wahre, das dem Guten der Unschuld angehört. <HG 7846>
Blut des Lammes bezeichnet das Wahre des Guten der Unschuld. Das Gute der Unschuld ist das Gute der Liebe zum Herrn, denn diejenigen, die in dieser Liebe sind, sind in der Unschuld. Daher kommt es, daß diejenigen, die im innersten oder dritten Himmel sind, vor den übrigen in Unschuld sind, weil in der Liebe zum Herrn. Das Wahre des Guten der Unschuld das sich bei ihnen findet, ist nicht das Glaubenswahre, sondern das Gute der Liebtätigkeit, denn diejenigen, die im dritten Himmel sind, wissen nicht was Glaube ist, also auch nicht, was das Wahre desselben, denn sie sind in dem Innewerden des Wahren, das dem Glauben angehört, und vermöge desselben wissen sie sogleich, daß etwas so ist, und stellen auch keine Erörterungen darüber an, ob etwas so sei oder nicht, noch weniger streiten sie darüber. <HG 7877>
Im Buchstabensinn des Wortes wird durch das Blut des Lammes das Leiden am Kreuz bezeichnet, aber im inneren oder geistigen Sinn wird das vom Herrn ausgehende göttlich Wahre bezeichnet; denn durch dieses wird der Mensch vom Falschen und Bösen gereinigt, d.h. seine Kleider weiß gemacht. Das Leiden am Kreuz war die letzte Versuchung des Herrn, durch die Er die Höllen völlig unterjochte und Sein Menschliches verherrlichte. Nachdem dies vollbracht und erfüllt war, sandte der Herr den Paraklet, den Geist der Wahrheit, unter dem das von Seinem verherrlichten Menschlichen ausgehende göttlich Wahre verstanden wird, wie Er selbst lehrt: Joh.7/39 und anderwärts. Durch dieses göttlich Wahre, wenn es aufgenommen wird, wird der Mensch gebessert und wiedergeboren vom Herrn und selig gemacht, nicht aber durch das Blutvergießen am Kreuz. Über diesen Gegenstand sehe man mehreres: NJ 293, 294; und in den aus den
Himmlischen Geheimnissen dort gesammelten Stellen. Dies kann auch daraus erhellen, daß die Kleider der Engel weiß- und hellglänzend erscheinen nicht vom Glauben und Denken an das Blut des Herrn auf dem Kreuz, sondern kraft des göttlich Wahren vom Herrn bei ihnen; denn wie oben gesagt wurde, ihre Kleider sind ganz den Wahrheiten bei ihnen gemäß. Auch darf kein Engel an das Leiden des Herrn denken, sondern an Seine Verherrlichung und an die Aufnahme des Göttlichen von Ihm. <EKO 476>
“Und sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes” bedeutet den Widerstand und den Sieg durch das göttlich Wahre, das aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn hervorgeht. Dies erhellt aus der Bedeutung des Blutes, wenn vom Herrn die Rede ist, insofern es das hervorgehende göttlich Wahre bezeichnet; aus der Bedeutung des Lammes, insofern es den Herrn in Ansehung des Göttlich-Menschlichen bezeichnet. Hieraus kann man ersehen, daß den Drachen durch das Blut des Lammes besiegen bedeutet, ihn besiegen, d.h. die, welche durch den Drachen und seine Engel bezeichnet werden, durch das göttlich Wahre, das aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn hervorgeht; und zwar deshalb, weil alles göttlich Wahre, das die Himmel erfüllt und die Weisheit der Engel im Himmel ausmacht, aus dem Göttlich- Menschlichen des Herrn hervorgeht; denn das Göttlich-Menschliche ist so vereinigt mit dem Göttlichen Selbst, das in Ihm von der Empfängnis her war, daß es eins ist mit demselben. Das Göttliche Selbst, das von der Empfängnis her in Ihm war, ist das, was Er Seinen Vater nennt; dieses ist mit Seinem Menschlichen so vereinigt, wie die Seele mit dem Körper. Daher kommt es, daß der Herr sagt, Er sei eins mit dem Vater: Joh.10/30,38; und Er sei im Vater und der Vater in Ihm: Joh.14/7- 11; und weil eine solche Vereinigung besteht, deshalb geht das göttlich Wahre seit der Verherrlichung Seines Menschlichen aus Seinem Göttlich-Menschlichen hervor. Das göttlich Wahre, das aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn hervorgeht ist das, was “Heiliger Geist” genannt wird, und daß dieser aus dem verherrlichten Göttlichen-Menschlichen hervorgehe, lehrt Er selbst: Joh.7/39: “Der Heilige Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verklärt war”; das verklärte Menschliche ist aber das Göttlich-Menschliche. Hieraus kann man sehen, wie sehr der Buchstabensinn des Wortes verschieden ist vom geistigen Sinn desselben, und auch, wie das Wort verfälscht wird, wenn es nur äußerlich und nicht zugleich innerlich aufgefaßt wird. Wie groß die Verschiedenheit ist, kann man daraus erkennen, daß unter dem Blut des Lammes im buchstäblichen Sinn das Leiden des Herrn am Kreuz verstanden wird, dagegen im geistigen Sinn das göttlich Wahre, das aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn hervorgeht. Wenn man nun statt dieser wahren Bedeutung annimmt, daß Michael den Drachen durch das Leiden des Herrn am Kreuz besiegt habe, so folgt daraus, daß der Herr durch dieses Leiden alle Sünden der Welt weggenommen und auch durch dasselbe Seinen Vater zur Barmherzigkeit gegen das menschliche Geschlecht bewogen habe, während doch weder dieses, noch jenes mit dem göttlich Wahren übereinstimmt, das bei den Engeln im Himmel gilt und auch nicht im
Einklang steht mit dem echten Verständnis des Wahren. Wer kann jemals verstehen, daß der Herr durch das Leiden am Kreuz alle Sünden der Welt weggenommen habe, während doch jeder Mensch nach seinem Tode so beschaffen ist wie sein Leben in der Welt war, und die, welche Böses tun, in die Hölle kommen und die, welche Gutes tun, in den Himmel? Wer kann verstehen, daß Gott der Vater durch das Blut Seines Sohnes am Kreuz zum Erbarmen bewogen werden mußte und daß Er eines solchen Mittels dazu bedurfte, während Er doch die Barmherzigkeit, die Liebe und das Gute in Sich selber ist? Hieraus erkennt man deutlich, daß das Wort hier und an tausend anderen Stellen verfälscht wird, wenn man es nur äußerlich und nicht zugleich innerlich betrachtet. Äußerlich betrachten heißt, bloß nach dem Buchstaben, innerlich betrachten dagegen heißt, es nach der Lehre des echten Wahren betrachten. Wenn man gemäß der Lehre glaubt, daß der Herr die Höllen unterjocht und Seine Menschheit verherrlicht hat durch Versuchungen, und daß das Leiden am Kreuz die letzte Versuchung und der vollständige Sieg war, durch den Er die Höllen unterjochte und Sein Menschliches verherrlichte, dann kann es der Verstand fassen und der Glaube aufnehmen, und dann erscheint die Behauptung, daß Michael durch das Leiden am Kreuz den Drachen besiegt habe, als eine Scheinwahrheit, dagegen, daß er durch das göttlich Wahre, das aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn hervorgeht (gesiegt habe) als eine wirkliche Wahrheit. Wenn aber die Scheinwahrheit statt der wirklichen Wahrheit angenommen und begründet wird, dann wird das Wort verfälscht. <EKO 748>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 228 →
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