Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Unter Bauch wurde das bezeichnet, was der Erde am nächsten ist. <HG 247>
Matth.15/11,17-19: “Nicht das, was in den Mund eingehet, macht den Menschen unrein, sondern was aus dem Munde herausgeht, das macht den Menschen unrein.” Alles, was zum Mund eingehet, das gehet in den Bauch und wird in den Abort ausgeworfen; was aber aus dem Munde herauskommt, das gehet aus dem Herzen hervor, und das macht den Menschen unrein; denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken hervor: Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsches Zeugnis, Lästerung.” Hieraus, wie aus allem übrigen kann man ersehen, wie die Rede des Herrn beschaffen war, daß nämlich Inneres und Geistiges gemeint war, aber durch Äußeres und Natürliches ausgedrückt wurde, und zwar gemäß den Entsprechungen. Der Mund entspricht nämlich dem Denken, wie auch alles, was zum Munde gehört, als Lippen, Zunge, Kehle; das Herz aber entspricht der Neigung der Liebe, somit dem Willen. Daß eine Entsprechung des Herzens mit solchem stattfindet; in den Mund eingehen, bedeutet daher, in den Gedanken eingehen, und aus dem Mund ausgehen, heißt aus dem Willen hervorgehen; in den Bauch gehen und in den Abort oder in die Grube geworfen werden, bedeutet in die Hölle geworfen werden. Denn der Bauch entspricht dem Weg zur Hölle, und der Abort oder die Grube entspricht der Hölle; die Hölle wird auch wirklich im Worte Grube genannt. <HG 8910>
“Und als ich es verschlungen hatte, ward in meinem Bauche Bitterkeit erregt” bedeutet, es sei vernommen und erforscht worden, daß das Wort innerlich unangenehm sei infolge der Schändung des Wahren seines Buchstabensinnes. Daß der Bauch hier das Inwendigere des Wortes, welches Inwendigere geistig genannt wird, bedeutet, kommt daher, weil die Erforschung vorgebildet wurde durch das Verschlingen oder Essen des Büchleins, unter dem das Wort verstanden wird, und durch seinen Geschmack, unter dem das Innewerden verstanden wird; daher wird die erste Empfindung bezeichnet durch den Geschmack im Munde, wo das Büchlein süß war wie Honig. Die erste Empfindung des Wortes ist so, wie die Empfindung seines Buchstabensinnes beschaffen ist, somit wie das Wort äußerlich beschaffen ist. Die andere Empfindung aber wird bezeichnet durch seinen Geschmack, wenn es in den Bauch kommt, in dem, wie gesagt wird, Bitterkeit erregt wurde. Diese andere Empfindung des Wortes ist so, wie die Empfindung seines geistigen Sinns beschaffen ist, oder wie das Wort innerlich beschaffen ist. Dies ist der Grund, warum hier, weil durch den Mund das Äußerliche bezeichnet wird, durch den Bauch das Innerliche bezeichnet wird, weil es innerlich aufgenommen und erforscht wurde. Daß der Bauch des Inwendigere bedeutet, beruht darauf, daß der Bauch innerlich die Speise birgt und durch Speise alles bezeichnet wird was die Seele nährt, und der Bauch, wie die übrigen Eingeweide, inwendig oder in der Mitte des Körpers ist, darum wird durch den Bauch und auch durch die Eingeweide das Inwendigere bezeichnet. Daß durch den Bauch und durch die Eingeweide das Inwendigere bezeichnet wird, kann aus mehreren Stellen im Wort erhellen. Gleiches wie durch Bauch wird durch die Eingeweide bezeichnet. Daß der Bauch oder die Eingeweide das Inwendigere des Denkens oder Verstandes bedeuten, beruht darauf, daß der Mensch zweierlei Leben hat, nämlich das Leben des Verstandes und das Leben des Willens. Diesen zwei Lebensquellen entsprechen alle Teile des Körpers; deshalb werden sie auch nach jedem Winke desselben bewegt und in Tätigkeit gesetzt, so daß jeder Teil des Körpers, der sich nicht von ihnen bewegen läßt, nicht lebendig ist. Daher kommt es, daß der ganze Körper der Herrschaft jener zwei Leben unterworfen ist, denn alles im Körper, was vom Atmen der Lunge bewegt wird und soweit es bewegt wird, das ist der Herrschaft des Verstandeslebens unterworfen; und alles im Körper, was getrieben wird und soweit es getrieben wird vom Pulsschlag des Herzens, das ist der Herrschaft des Willenslebens unterworfen. Deshalb wird im Wort öfter gesagt: Seele und Herz, und die Seele bedeutet das Verstandesleben, wie auch das Glaubensleben, denn Seele wird vom Atem gesagt; und daß Herz bedeutet das Willensleben, wie auch das Leben der Liebe. Hieraus ergibt sich auch, daß Bauch und Eingeweide gesagt werden vom Denken, das Sache des Verstandes ist, und daß Herz gesagt wird von der Neigung, die Sache des Willens ist. <EKO 622>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 140 →
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