Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Auge bedeutet den Verstand (inwendige Gesicht) darum, weil das Gesicht des Leibes dem Gesicht seines Geistes, das der Verstand ist, entspricht, und weil es entspricht, wird durch das Auge im Wort beinahe überall, wo es genannt wird, der Verstand bezeichnet, auch wo man anders meint. Mit den Augen sehen ist verstehen, dann auch Glauben haben; denn der Verstand ist das Geistige des Gesichts, und der Glauben ist das Geistige des Verstandes. <HG 2701>
Weil das Sehen des Auges dem Verstande entspricht, deshalb wird auch dem Verstande ein Schauen zugeschrieben; und dies wird das geistige Sehen genannt; auch werden die Dinge, die der Mensch wahrnimmt, Gegenstände dieses Schauens genannt; und auch in gewöhnlicher Rede wird gesagt, man sehe das, was man versteht; von dem Verstande wird auch Licht und Erleuchtung ausgesagt, und daher Klarheit und umgekehrt Schatten und Verfinsterung und daher Dunkelheit; dieses und ähnliches ging bei dem Menschen in den Sprachgebrauch über, weil es entspricht; denn sein Geist ist im Himmelslicht, und sein Körper im Weltlicht, und der Geist ist es, der im Körper lebt und auch denkt; daher gingen viele Dinge, die inwendiger Art sind, in die Sprache über. <HG 4406>
Durch die Augen im Wort, wo von Menschen die Rede ist, welche die göttlichen Dinge des Herrn aufnehmen, wird der Glaube, wie auch der aufnehmende Verstand bezeichnet; denn der Verstand ist das innere Auge, und der Glaube ist das Wahre, das gesehen und vernommen wird. <HG 10569>
Daß das Auge den Verstand und den Glauben bedeutet, beruht auf der Entsprechung. Denn der Verstand ist der innere Gesichtssinn und dieser Gesichtssinn ist das, was durch das Auge sieht, denn er richtet dieses auf die Gegenstände und disponiert seine inwendigeren Organe, deren mehrere sind, zur Aufnahme. Daher erscheint die Regenbogenhaut und der Augapfel bald erweitert, bald zusammengezogen, bald dunkel, bald helle, bisweilen funkelnd, ganz gemäß der Begierde und dem Verlangen des Verstandes. Daher kommt es, daß man an den Augen die Regung des Denkens einigermaßen sehen kann. Von dieser Entsprechung kommt es auch, daß das Auge den Verstand bedeutet. Daß das Auge auch den Glauben bedeutet, beruht darauf, daß die Wahrheiten des Glaubens nirgends anders als im Verstand ihren Sitz haben. Die Wahrheiten, die dort nicht ihren Sitz haben, sind nicht im Menschen. Daß das Auge im geistigen Sinn der Glaube ist, hat seinen Grund auch in der Anschauung des Herrn von seiten der Engel, denn sie wenden das Angesicht immerfort Ihm zu und sehen Ihn mit dem Glauben und Verstand. <EKO 37>
Das Auge der Seele ist das gute Verständnis. <SCHTXT 6/7>
Matth.13/16: Selig aber eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören. Der Herr: Warum denn sage Ich solches? - Weil dieser Text einen rein himmlischen Sinn hat, der allem Weltverständnisse schnurgerade entgegen ist! In diesem Texte aber liegt eine himmlische Lobpreisung derjenigen, die durch ein wahrhaftiges Liebeleben es dahin gebracht haben, daß die Welt mit ihrer Nacht wie eine schwere Decke von ihren Augen fiel und das Ohr ihres Geistes geöffnet ward, um zu vernehmen Meine Vaterstimme, und sagt im ganzen soviel als: Glücklich sind die Wiedergeborenen! Und in dieser Stellung bezieht es sich in gar keiner äußeren Bedeutung zurück auf diejenigen Menschen, die meine Landes- und Zeitgenossen waren, sondern die Beziehung erstreckt sich auf alle Menschen, die je auf der Erde gelebt haben und noch leben werden, wie auch auf die Bewohner aller anderen Welten. Denn alles muß geistig regeneriert werden, bevor es ins Geistige und somit ewig Lebendige, wahrhaft Beseligende eingehen will. Und so wird hier unter “Augen” das Erkennen des göttlich Wahren und unter “Ohren” das Insichaufnehmen desselben und danach Tätigwerden verstanden, und es heißt dann auch soviel als: Selig ist der Mensch in seinem geistigen Verständnisse, so er das göttlich Wahre in sein Leben aufnimmt und danach ausschließend tätig wird! Denn dadurch erst wird er die Wiedergeburt des Geistes überkommen, aus der heraus er ewig keinen Tod mehr sehen, fühlen und schmecken wird. Das ist also die richtige Bedeutung dieses Textes! Aber ganz irrig wäre dieser Text auf diejenigen angewendet, die mittelst ihrer Augen recht viel Bücher durchschauen und durchlesen und suchen dadurch das Licht, oder auf jene Menschen, die, wenn sie schon nicht lesen können, aber dennoch viel Predigten, Christenlehren und Beichtspiegel anhören; denn die gehen allezeit also wieder aus der Predigt heraus, als wie sie hineingekommen sind! Ja, gar viele wissen schon oft an der Türschwelle des Bethauses kein Wort mehr, was da gepredigt ward, - und bei so mancher Predigt sind die Ohren der Zuhörer nichts weniger als selig, besonders wenn ein eben nicht von zu viel Bruderliebe behafteter Prediger seinen Zuhörern die Hölle so heiß als möglich und den Weg zum Himmel aber überaus schmal, steil und dornig ansetzt, daß am Ende seinen Zuhörern beinahe die Wahl schwer wird, welchen Weg sie wandeln sollen und also denken: Die Hölle ist zwar heiß; aber es führt ein überaus bequemer Weg dahin! Der Himmel bietet wohl die höchste Seligkeit; aber wer mag ihn erreichen, wenn er nur auf einem so nahezu unmöglich besteigbaren Wege zu erreichen ist? Also derlei Ohren dürften gerade nicht die seligsten sein, - ebensowenig als die Augen der Gelehrten, die zwar vieles sehen, aber das, was sie am liebsten erschauen möchten, dennoch nie zu Gesichte bekommen können! Darum sind nur selig, die sich der Wiedergeburt des Geistes befleißen und dieselbe auch stets mehr und mehr erreichen. Es wird aber niemand auf einmal wiedergeboren, sondern nur nach und nach; aber es fängt auch bei niemanden der Akt der Wiedergeburt früher an, als bis er die göttliche Wahrheit zu erkennen hat angefangen, und niemand wird früher
vollends wiedergeboren und zur vollkommenen inneren Anschauung und Anhörung des lebendigen Wortes gelangen, als bis er die Welt - was so ganz eigentlich die Sünde ist - freitätig aus sich verbannt hat. Und da erst kommt also im rein himmlischen Lichte der angeführte Text in die tröstliche Anwendung, und alsdann erst sind auch die Augen selig, die das sehen, und die Ohren, die das hören. <SCHTXT 21/5,13-18>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 106 →
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