Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Durch Abgrund wurde vor Alters bezeichnet die Hölle. Es erscheinen einige Höllen wie Abgründe. Der Abgründe sind auch Begierden und Falschheiten im Menschen, die durch die bösen Geister, mit denen der nicht wiedergeborene Mensch verbunden ist, einfließen. <HG 18, 756>
Durch Abgründe werden im Worte Gewässer und Wassermassen in den Tiefen verstanden, und durch Gewässer im guten Sinn das Wahre, und im entgegengesetz-
ten Sinn das Falsche, und durch Tiefen werden die Höllen bezeichnet. Daher kommt es, daß durch Abgründe die Verkehrtheiten aus den Begierden, wie auch die Höllen bezeichnet werden. Weil die Abgründe solches bedeuten, so werden durch sie auch die Versuchungen bezeichnet, denn die Versuchungen geschehen durch das Falsche und Böse, das von den Höllen eingeflößt wird. <HG 8278>
Durch die Tiefen werden die Höllen bezeichnet in bezug auf das Böse, und durch Abgründe die Höllen in bezug auf das Falsche, das aus dem Bösen hervorgeht. <HG 8279>
Daß aber der Abgrund die Höllen bedeutet, wo und woher das Falsche ist, beruht darauf, daß diejenigen Höllen, wo Falsches des Bösen herrscht, wie Meere erscheinen, in deren Tiefen die höllische Rotte sich befindet, die im Falschen des Bösen ist. Daß sie wie Meere erscheinen, kommt daher, weil daraus fortwährend Falsches ausströmt, und das Falsche wie Wasser erscheint, deshalb bedeuten Wasser auch im Wort Falsches. Aus den Wassern selbst wird auch erkannt, welcherart dort das Falsche ist, denn Falsches gibt es von mehreren Arten, nämlich so viel als es Böses gibt. Falsches aus argem Bösen erscheint über jenen Höllen wie dickes und schwarzes Wasser, und Falsches aus Bösem der Selbstliebe wie rotes Wasser; aus der Dicke und Farbe läßt sich ersehen, wie beschaffen die Art des Falschen ist. Es ist wohl zu merken, daß in der geistigen Welt auch die Wahrheiten wie Wasser erscheinen, aber wie dünnes und reines Wasser; der Grund hiervon ist, weil es drei Lebensgrade des Menschen gibt, wie drei Himmel. Diejenigen, denen der dritte Grad geöffnet ist, sind in einer reinen, gleichsam ätherischen Atmosphäre; in solcher befinden sich diejenigen, die im dritten oder innersten Himmel sind. Diejenigen aber, denen nur der zweite Grad geöffnet ist, sind in einer gleichsam luftigen Atmosphäre; in solcher befinden sich diejenigen, die im zweiten oder mittleren Himmel sind. Dagegen diejenigen, denen nur der erste Grad geöffnet ist, sind in einer wie wässerigen, dünnen und reinen Atmosphäre; in solcher sind diejenigen, die im ersten oder letzten (untersten) Himmel sind. Der Grund ist, weil die inwendigeren Gefühle und Gedanken, als die vollkommenen, der gleichen Reinheit der Atmosphäre entsprechen, in der sie sich befinden; denn sie strömen von einem jeden Engel, und mehr noch von einer jeden Engelsgesellschaft aus, und bilden eine entsprechende Sphäre, welche Sphäre in der gleichen Reinheit erscheint, in der die Gefühle und Gedanken der Engel sind, oder in welcher ihre Einsicht und Weisheit ist. Diese Sphäre erscheint als eine Atmosphäre, als eine ätherische Atmosphäre im innersten Himmel, als eine luftige im mittleren Himmel und als eine dünne, wässerige im letzten Himmel, wie gesagt worden. Hieraus wird klar, daß eine gleichsam wässerige Atmosphäre dem natürlichen Denken und Innewerden entspricht, aber eine dünne wässerige dem geistig natürlichen Denken und Innewerden, in der die Engel des letzten Himmels sind; hingegen wie eine dickwässerige, die entweder ins Schwarze oder ins Rote spielt, entspricht dem natürlichen Denken, worin nichts Geistiges ist. Das natürliche
Denken aber, worin nichts Geistiges ist, findet sich bei denen, die in den Höllen sind, wo das Falsche herrscht; denn alle, die sich dort befinden, sind lediglich natürlich und sinnlich. Aus diesem kann erhellen, warum jene Höllen im Wort Meere und Abgründe heißen: Meere, weil sie als Meere erscheinen, und Abgründe wegen ihrer Tiefe. Wie durch die Abgründe Höllen bezeichnet werden, wo und woher das Falsche ist, so werden durch die Abgründe auch die letzten Regionen des Himmels bezeichnet, wo und woher die Erkenntnisse des Wahren sind, die dem natürlichen Menschen angehören. Der Grund ist, weil die letzten Regionen des Himmels ebenfalls erscheinen wie in Wassern, die oben dünn und helle sind; denn wie oben gesagt worden, die Atmosphäre des obersten Himmels ist wie ätherisch, die Atmosphäre des mittleren Himmels ist wie luftig und die Atmosphäre des letzten Himmels ist wie wässerig. Daß diese wie wässerig sind, kommt daher, weil die Wahrheiten bei ihnen Wahrheiten des natürlichen Menschen sind, und die Atmosphäre des natürlichen Menschen wie wässerig ist. Daher kommen auch die Erscheinungen von Flüssen, Seen und Meeren in der geistigen Welt. Durch Meere werden daher auch die Erkenntnisse und das Wißtümliche im allgemeinen oder im ganzen Inbegriff bezeichnet. <EKO 538>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 11 →
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