393. – Den 20. April 1884 „Eines fehlt dir! – – -„
„Und da Er hinausgegangen war auf den Weg, lief Einer vorne vor, kniete vor Ihn und fragte Ihn: guter Meister, was soll ich tun, daß ich das ewige Leben erbe?“ (Mark. 10. 17.)
Liebe Kinder
Dieser Akt, wo eine Seele durch irgend ein Vorkommnis, sei es eine Predigt oder sonst ein Fall mehr angeregt wird, sich an Mich zu wenden, mit der Frage: Was soll ich tun, daß ich selig werde? Findet bei vielen Seelen statt. Es kommt solches von Meinem starken Anklopfen her; denn sie hören Meine Stimme und sind willens derselben zu folgen: aber lieber durch Verehrung, als durch Liebe, welche sich tätig beweisen soll.
Ich sah den inneren Zustand dieses Mannes, welcher von Mir ein Lob zu erhalten hoffte über seinen bisherigen, vor den Menschen strengen Lebenswandel; denn er liebte das Gesetz und hielt es; darum sah Ich denselben auch an und liebte ihn mit den Worten: „Eines fehlet dir!“ Und so muss Ich gar vielen suchenden Seelen sagen: „Eines fehlet dir!“ Es ist die tätige Liebe, wie sie in diesen Versen beschrieben ist, und das Vertrauen zu Mir, daß wer in Meine Nachfolge mit voller Verleugnung seiner selbst eintritt, dennoch – sowohl äußerlich als geistig keinen Mangel leidet.
Obschon viele Seelen es glauben, daß sie geistig dabei gewinnen, wenn sie sich auf Mich verlassen, so ist doch die Selbstsorge im Äußeren so tief bei denselben eingewurzelt, daß sie stets ihre Opfer auf Meinen Liebesaltar mehr mit dem Verstande als mit dem Herzen geben. Sehet, solches war auch bei diesem Jünglinge der Fall; er nahm Ärgernis an diesen Worten, weil sein Vertrauen noch zu schwach war; ebenso war auch für Meine übrigen Jünger diese Probe des Vertrauens vor ihren Augen zu groß, (V. 23) „sie entsetzten sich aber noch viel mehr, und sprachen untereinander: „Wer kann dann selig werden?“ Und Ich antwortete: „Solche, die ihre ganze Kraft aus Meiner Hand nehmen.“
Leider gibt es aber gar wenige Seelen, welche so fest im Glauben stehen, daß auch diese Meine Worte der Verheißung (V. 29 – 30.) sie tüchtig machen, im Fall es Not tut, ihre ganze zeitliche Habe aus Liebe zu Mir aufzuopfern. Obgleich Ich Mich an den Wenigen, die es um Meinet willen schon getan haben, als einen starken, reichen und allmächtigen Gott beweise, wie die Geschichte ausweist, daß Ich alle Unternehmungen im Glauben an Meine Durchhilfe reichlich segne, so schleicht sich doch bei allen Unternehmungen auch viel Schwäche ein.
Die Triebfeder dazu oder die völlige Übergabe an Mich bewirkt allein den rechten Segen. Hat eine unbedingte Übergabe stattgefunden, so gehört das Herz Mein oder der freie Wille, und dann wird derselbe von Mir also geleitet, daß der Verstand schweigt, wenn es gilt im Glauben und Vertrauen zu handeln. So leset dieses Kapitel als eine wahre Antwort auf die Frage: „guter Meister, was soll ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?“
Amen. Euer Vater!
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