Die sieben Urgeister Gottes
02] Die urgeschaffenen großen Geister sind ja eben die Gedanken in Gott und die aus ihnen hervorgehenden Ideen.
03] Unter der mystischen Zahl Sieben wird verstanden das vollkommen ursprünglich Göttliche und Gottähnliche in jedem von Ihm ausgehenden Gedanken und in jeder von Ihm gefaßten und wie aus Sich hinausgestellten Idee.
04] Das erste in Gott ist die
Liebe. Diese läßt sich finden in allen geschaffenen Dingen; denn ohne sie wäre kein Ding möglich.
05] Das zweite ist die
Weisheit als das aus der Liebe hervorgehende Licht. Auch diese kannst du in jedem Wesen in seiner Form ersehen; denn für je mehr Licht ein Wesen empfänglich ist, desto entfalteter, entschiedener und schöner wird auch seine Form sein.
06] Das dritte, das aus der Liebe und Weisheit hervorgeht, ist der wirksame
Wille Gottes. Durch ihn bekommen die gedachten Wesen erst eine Realität, daß sie dann wirklich sind und da sind, – ansonst wären alle Gedanken und Ideen Gottes eben das, was deine hohlen Gedanken und Ideen sind, die niemals ins Werk gesetzt werden.
07] Das vierte, das wieder aus den dreien hervorgeht, ist und heißt die
Ordnung. Ohne diese Ordnung könnte kein Wesen irgend eine bleibende und stetige Form und somit auch nie einen bestimmten Zweck haben. Denn so du einen Ochsen vor den Pflug spanntest, und er würde seine Form und Gestalt verändern, zum Beispiel in einen Fisch oder in einen Vogel, würdest du da wohl mit ihm je einen Zweck erreichen? Oder du wolltest eine Frucht essen, und sie würde dir vor dem Mund zu einem Steine werden, – was würde dir die Frucht nützen? Oder du gingest irgendwohin auf festem Wege, und der Weg würde dir unter den Füßen zu Wasser, – könnte dir da selbst der festeste Weg etwas nützen? Siehe, alles das und zahllosfach anderes wird verhütet durch die göttliche Ordnung als den vierten Geist Gottes!
08] Der fünfte Geist Gottes aber heißt der göttliche
Ernst, ohne den kein Ding als etwas Bestehendes möglich wäre, weil er gleich ist der ewigen Wahrheit in Gott und erst allen Wesen den wahren Bestand, die Fortpflanzung, das Gedeihen und die endliche Vollendung gibt. Ohne solchen Geist in Gott stünde es mit allen Wesen noch sehr schlimm. Sie wären gleich den Fata-Morgana-Gebilden, die wohl etwas zu sein scheinen, solange sie zu sehen sind; aber nur zu bald ändern sich die sie erzeugt habenden Bedingungen, weil in ihnen kein Ernst waltet, und die schönen und wunderbaren Gebilde zerrinnen in nichts! Sie sind zwar auch sehr wohlgeordnet anzusehen, aber weil in dem sie hervorbringenden Grunde kein Ernst waltet, so sind sie nichts als leere und höchst vergängliche Gebilde, die unmöglich einen Bestand haben können.
09] Siehe, da haben wir nun schon einmal die fünf großen Urgeister Gottes, und wir wollen denn noch zu den zwei letzten übergehen, und so höre mich noch weiter an!
10] Wo die höchste Liebe, die höchste Weisheit, der allmächtige Wille, die vollkommenste Ordnung und der unwandelbar festeste Ernst vorhanden sind, da muß doch offenbar auch die höchste und ewig nie erreichbare
Geduld vorhanden sein; denn ohne sie müßte sich alles überstürzen und endlich in ein unentwirrbares Chaos der alten Weisen übergehen.
11] Wenn ein Baumeister ein Haus aufbaut, so darf er doch nebst seinen anderen dazu erforderlichen Eigenschaften auch die Geduld nicht außer acht lassen; denn fehlt ihm diese, so – glaube es mir – wird er mit seinem Hause niemals zurechtkommen.
12] Ich sage es dir: Wenn Gott diesen Geist nicht hätte, so leuchtete schon gar endlos lange keine Sonne einer Erde im endlosesten Raume, und in der Welt der Geister sähe es ganz absonderlich, gänzlich wesenlos aus. Die Geduld ist die Mutter der ewigen, unwandelbaren Barmherzigkeit Gottes, und wäre dieser sechste Geist nicht in Gott, wo und was wären dann alle Geschöpfe dem allein allmächtigen Gott gegenüber?!
13] Wenn wir nun denn auch irgend fehlen und uns dadurch offenbar dem vernichtenden Fluche der göttlichen Liebe, Weisheit, des göttlichen Willens, dem Sein Ernst offenbar wegen der vorangegangenen Ordnung folgt, preisgeben, so stoßen wir an die göttliche Geduld, die mit der Zeit dennoch alles ins Gleichgewicht bringt und bringen muß, denn ohne sie wären alle noch so vollkommenen Geschöpfe dem ewigen Gerichte des Verderbens anheimgestellt.
14] Die göttliche Geduld würde mit den vorangehenden fünf Geistern in Gott wohl einen oder auch zahllos viele Menschen auf den Weltkörpern erschaffen und sie auch gleichfort erhalten; aber da würde ein Mensch oder auch zahllos viele Menschen im schweren Fleische eine endlose Zeit fortleben, und von einem endlichen Freiwerden der Seele aus den Banden der Materie wäre da schon ewig lange keine Rede. Zugleich würden sich Tiere, Pflanzen und Menschen gleichfort mehren und am Ende in einer solchen Anzahl auf einem raumbeschränkten Weltkörper so eng zusammengedrängt wohnen, daß da einer dem andern nicht mehr ausweichen könnte. Das ist aber nur zu verstehen, wenn ein Weltkörper unter dem Welten der endlosen göttlichen Geduld je noch dahin reif werden würde, daß er Pflanzen, Tiere und Menschen tragen und ernähren könnte. Ja, es ginge mit den alleinigen dir bis jetzt bekanntgegebenen sechs Geistern sogar mit der Erschaffung einer materiellen Welt unendlich saumselig her, und es wäre sehr zu bedenken, ob da je eine Welt zum materiellen Vorscheine käme.
15] Aber die Geduld ist, wie schon gesagt, die Mutter der göttlichen Barmherzigkeit, und so ist der siebente Geist in Gott eben die
Barmherzigkeit, die wir auch die Sanftmut nennen wollen. Diese bringt alles zurecht. Sie ordnet alle die früheren Geister und bewirkt die rechtzeitige Reife einer Welt sowohl, wie aller Geschöpfe auf ihr. Für alles hat sie einen bestimmten Zeitraum gestellt, und die reif gewordenen Geister können demnach bald und leicht der vollen Erlösung gewärtig werden und in ihre ewige Freiheit und vollste Lebensselbständigkeit eingehen.
16] Dieser siebente Geist in Gott bewirkte denn auch, daß Gott Selbst das Fleisch annahm, um dadurch alle die gefangenen Geister aus den harten Banden des notwendigen Gerichtes der Materie in möglichster Kürze der Zeit zu erlösen, darum auch dieses Sein Werk – die Erlösung – die Neuumschaffung der Himmel und der Welten und somit das größte Werk Gottes genannt werden kann, weil in diesem alle die sieben Geister Gottes völlig gleichgewichtig wirken, was vordem nicht so sehr der Fall war und auch nicht sein durfte zufolge des Geistes der Ordnung in Gott. Denn früher wirkte dieser dir nun bekanntgegebene siebente Geist in Gott nur insoweit mit den anderen Geistern mit, daß alle die Gedanken und Ideen Gottes zu Realitäten wurden; von nun an aber wirkt er mächtiger, und die Folge davon ist eben die vollkommene Erlösung.
17] Und siehe nun, das sind die von dir unverstandenen sieben Geister Gottes, und all das Erschaffene aus den sieben Geistern Gottes entspricht in allem und jedem diesen sieben Geistern Gottes und birgt sie in sich. Und die ewig fortwährende Erschaffung und das ebenso fortwährende Erschaffen ist das, was die Urweisen dieser Erde die "Kriege Jehovas" nannten.«
GEJ, Band 7, Kap.18
Die Kriege Jehovas
01] (Raphael:) »Wie die sieben Geister oder besonderen Eigenschaften in Gott dahin gleichsam in einem fortwährenden Kampfe stehen, daß die eine stets auch die andere zur Tätigkeit herausfordert, also kannst du den gleichen Kampf mehr oder weniger auch in allen Geschöpfen Gottes ganz und gar leicht erkennen.
02] Die
Liebe für sich ist blind, und ihr Bestreben ist, alles an sich zu ziehen. Aber in diesem Bestreben entzündet sie sich, und es wird Licht und somit Verständnis und
Erkenntnis in ihr.
03] Siehst du nun nicht, wie das Licht gegen das vereinzelte Bestreben der puren Liebe kämpft und sie zur Ordnung und Besinnung bringt?!
04] Aus diesem Kampf oder Krieg aber erwacht zu gleicher Zeit der
Wille als der tätige Arm der Liebe und ihres Lichtes, der das, was das Licht weise geordnet hat, ins Werk setzt.
05] Aber da wird aus der Erkenntnis der Liebe durch ihr Licht und durch die Kraft der beiden eben auch gleichzeitig die
Ordnung hervorgerufen, und diese kämpft fort wider alles Unordentliche durch das Licht und durch den Willen der Liebe, und du hast darin wieder einen ewig beständigen Krieg Jehovas in Ihm sowie in allen Geschöpfen.
06] Das wäre nun aber schon alles recht also, wenn man nur dafür gutstehen könnte, daß das, was die vier Geister noch so schön geordnet ins Werk setzten, damit schon einen Bestand hätte. Aber alle die noch so herrlichen Werke der ersten vier Geister gleichen noch sehr den Spielwerken der Kinder, die zwar mit großer Lust und Freude so manches ganz meisterlich geordnet ins Werk setzen, doch kurze Zeit darauf an ihrem Produkte keine Freude mehr haben und es dann noch eifriger wieder zerstören, als sie es ehedem ins Dasein gesetzt haben. Und wahrlich, Freund, da sähe es mit dem Bestande all des Geschaffenen noch sehr übel aus!
07] Um aber das zu verhüten, erhebt sich aus den vier Geistern, und zwar infolge des großen Wohlgefallens an der vollendeten Gelungenheit der Werke, der
Ernst als ein fünfter Geist in Gott sowie in Seinen Geschöpfen, und dieser Geist kämpft dann gleichfort wider die Zerstörung und Vernichtung der einmal hervorgebrachten Werke, gleichwie auch ein verständig ernst gewordener Mensch, der sich zum Beispiel ein Haus erbaut hat und einen Weinberg angelegt, alles auf die Erhaltung und Nutzung des Hauses und des Weinberges verwenden wird, nicht aber etwa auf die baldige Wiederzerstörung des Hauses und des Weinberges, wie ich dir solches ehedem bei den hervorgebrachten Werken der Kinder gezeigt habe. Und siehe, das ist – wie schon gesagt – schon wieder ein Krieg Jehovas!
08] Aber das erbaute Haus zeigt mit der Zeit dennoch Mängel, und der Weinberg will noch immer nicht die erwünschte Ernte bringen, und der Erbauer fühlt Reue wegen seiner Mühe und wegen seines Ernstes in seinem Tätigkeitseifer, und er möchte darum das Werk auch gleichwohl zerstören und dafür ein ganz anderes und neues errichten; aber da tritt dann der sechste Geist solchem Ernste entgegen und heißt – wie schon gezeigt – die
Geduld. Und siehe, die erhält dann das Haus und den Weinberg! Und das ist schon wieder ein neuer Krieg Jehovas!
09] Nun, die Geduld für sich, wie auch mit den früheren Geistern vereint, würde aber weder am Hause noch am Weinberge besondere Verbesserungen vornehmen, sondern so hübsch alles gehen und stehen lassen; aber da kommt der siebente Geist, nämlich die
Barmherzigkeit, die in sich enthält die Sanftmut, die Besorgtheit, den Fleiß, die Liebtätigkeit und Freigebigkeit. Und siehe, der Mensch bessert dann sein Haus so gut aus, daß dann an ihm keine Mängel von nur irgendeiner Bedeutung mehr vorhanden sind, und gräbt und düngt den Weinberg, so daß er ihm bald eine reiche Ernte abwirft! Und sieh nun abermals, das ist dann wieder ein Kampf oder ein Krieg Jehovas im Menschen gleichwie in Gott und im Engel!
10] Und also ist das wahre, vollkommene Leben in Gott, im Engel und im Menschen gleichfort ein Kampf der dir nun gezeigten sieben Geister. Aber dieser Kampf ist in Gott wie im Engel kein solcher, als wäre in einem oder dem andern der sieben Geister ein Bestreben, die anderen Geister zu unterdrücken und untätig zu machen, sondern der Kampf geht ewig dahinaus, daß ein Geist den andern gleichfort nach aller seiner Kraft und Macht unterstützt und sonach ein jeder Geist in dem andern vollkommen enthalten ist. Es ist also die Liebe in allen den anderen sechs Geistern und ebenso das Licht oder die Weisheit in der Liebe und in den anderen fünf Geistern und also fort, so daß in jedem einzelnen Geiste auch alle anderen ganz vollauf wirken und stets wirkend gegenwärtig sind und sich fort und fort im schönsten Ebenmaße unterstützen.«
GEJ, Band 7, Kap.19
Die Disharmonie der sieben Geister im Menschen
01] Raphael: »Also sollte es auch im Menschen sein; aber es ist leider nicht so. Wohl ist diese Fähigkeit jedem Menschen gegeben, jedoch ohne je völlig ausgebildet und durchgeübt zu werden. Nur wenige Menschen gibt es, die alle die sieben Geister in sich zur vollen und gleichen Tätigkeit bringen und dadurch wahrhaft Gott und uns Engeln Gottes gleich werden; aber, wie gesagt, gar viele sind davon abgewandt und kümmern sich wenig darum und erkennen sonach das wahre Geheimnis des Lebens in sich ganz und gar nicht. Solche blinden und halbtoten Menschen können dann den ihnen zugrunde liegenden Zweck des Lebens nicht erkennen, weil sie sich nur von einem oder dem andern der sieben Geister leiten und beherrschen lassen.
02] So lebt der eine pur aus dem Geiste der Liebe und achtet der anderen Geister gar nicht. Was ist dann ein solcher Mensch anders als ein freßgieriges und nie genug habendes Raubtier? Solche Menschen sind stets voll Eigenliebe, voll Neid und voll Geiz und sind gegen alle ihre Nebenmenschen hartherzig.
03] Andere wieder haben eine erleuchtete Liebe und sind somit auch recht weise und können ihren Nebenmenschen ganz gute Lehren gehen; aber ihr Wille ist schwach, und sie können darum nichts völlig ins Werk setzen.
04] Wieder andere gibt es, bei denen die Geister der Liebe, des Lichtes und des Willens ganz tätig sind; doch mit dem Geiste der Ordnung und des rechten Ernstes sieht es ganz schwach aus. Diese Art Menschen werden auch recht klug und manchmal sogar recht weise reden und auch hie und da etwas Vereinzeltes ins Werk setzen; aber der recht und ganz aus allen sieben Geistern weise Mensch wird nur zu bald aus ihren Worten, Reden und Werken ersehen, daß darin keine Ordnung und kein Zusammenhang waltet.
05] Und wieder gibt es Menschen, die Liebe, Licht, Willen und Ordnung besitzen; aber es fehlt ihnen der Geist des Ernstes. Sie sind darum ängstlich und furchtsam und können ihren Werken selten eine ganz volle Wirkung verschaffen.
06] Wieder andere sind dabei auch voll Ernst und Mut; aber mit der Geduld sieht es schwach aus. Solche Menschen überstürzen sich gewöhnlich und verderben mit ihrem geduldlosen Eifer oft mehr, als sie irgend gut machen. Ja, Freund, ohne eine gerechte Geduld gibt es nichts; denn wer keine gerechte Geduld hat, der spricht sich selbst ein gewisses Todesurteil! Denn der Mensch muß warten, bis die Traube vollends reif wird, wenn er eine gute Ernte machen will. Ist er damit widerwillig, nun, so muß er es sich denn am Ende doch selbst zuschreiben, so er statt einen edelsten Wein nur einen untrinkbaren Säuerling geerntet hat.
07] Die Geduld ist also in allem und jedem ein notwendiger Geist: erstens für Beherrschung und zur Zurechtbringung des oft ins Unendliche gehen wollenden Geistes, den ich Ernst nannte – weil dieser Geist in Verbindung mit der Liebe, Weisheit und dem Willen in den größten Hochmut ausartet, der bekanntlich beim Menschen dann keine Grenze findet, – und zweitens, weil die Geduld zunächst, wie ich dir schon gezeigt habe, die Mutter des Geistes der Barmherzigkeit ist, welcher Geist als rückdurchwirkend erst allen vorhergehenden Geistern die göttlich-geistige Vollendung verleiht und der Menschenseele zur vollen und wahren Wiedergeburt im Geiste verhilft.
08] Darum hat der Herr Selbst nun euch allen die Liebe zu Gott und zum Nächsten vor allem ans Herz gelegt und dazu gesagt: "Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist, und seid sanftmütig und demütig, so wie auch Ich von ganzem Herzen sanftmütig und demütig bin!"
09] Der Herr gebot euch Menschen sonach, den siebenten Geist vor allem darum auszubilden, weil eben in diesem letzten Geiste alle vorhergehenden enthalten sind und durchgebildet werden. Wer demnach diesen letzten Geist mit allem Eifer bildet und stärkt, der bildet und stärkt auch die vorangehenden Geister und wird dadurch am ehesten und sichersten vollendet. Wer aber seine Bildung mit einem oder auch mehreren der früheren Geister beginnt, der gelangt schwer oder oft auch gar nicht zur ganzen und vollen Lebensvollendung, weil diese ersteren Geister als pur für sich den siebenten Geist nicht in sich enthalten, er aber für sich alle die ihm notwendig vorangehenden.
10] Und siehe nun, darin besteht dann auch fortwährend insolange der Fall der Engel oder der Gedanken und Ideen aus Gott – die wir auch als die von Gott beständig ausgehenden Kräfte benamsen können -, als wie lange sie in ihrer Gesamtheit im Wesen des Menschen nicht den siebenten Geist in sich zur wahren und höchsten Vollendung gebracht haben. Denn alle die früheren Geister sind beinahe allen Geschöpfen teilweise mehr oder weniger frei gegeben; aber der siebente Geist muß erst von dem Menschen durch seinen höchsteigenen Fleiß und Eifer gewonnen werden.
11] Und wie durch solche Gewinnung alle die früheren sechs Geister erst ihre wahre Bedeutung und den wahren Lebenszweck erreichen, so erreicht denn auch der ganze Mensch durch ihn erst die vollste Lebensfreiheit und Selbständigkeit. – Und nun frage ich dich aber, ob du das alles auch wohl verstanden hast?«
12] Sagte Lazarus: »Ja, du von Gottes Geist erfüllter Diener des Herrn, ich kann dir für solche deine große Geduld und Gnade wahrlich ewig nie genug danken! Nun verstehe ich erst der alten Bücher Weisheit! Nur ist es ewig schade, daß ich das nun ganz allein verstehe, der ich ein zu schlechter Schreiber bin, um mir solche Lehren in ein Buch aufzuzeichnen. Das solltest du wohl auch den andern Jüngern des Herrn kundgeben, auf daß sie es, weil einige unter ihnen des Schreibens wohl kundig sind, für alle Zeiten und Völker aufzeichneten; denn sie werden davon noch nichts wissen.«
13] Sagte Raphael: »Sorge du dich nur darum nicht; denn in eben der Stunde, als ich dir alles das von den Wundern, von den Kriegen Jehovas und von den sieben Geistern Gottes erklärte, hat im Saale der Herr Selbst ganz auf ein Haar das gleiche und dasselbe allen ebenso verständlich erklärt, wie ich selbst dir nun solches erklärt habe, und Johannes und Matthäus haben sich davon die Hauptpunkte auch notiert! So du aber ein leeres und unbeschriebenes Buch hast, so will ich dir das denn auch selbst im Momente von Wort zu Wort aufzeichnen.«
14] Sagte Lazarus: »Ein solches Buch besitze ich nun wohl; soll ich es dir hierherbringen?«
15] Sagte Raphael: »Hat keine Not! Gehen wir aber nun auch ins Haus, und da wirst du dein Buch schon vollgeschrieben finden!«
16] Darob hatte Lazarus eine gar große Freude, und beide kamen bald zu uns in den großen Speisesaal.
GEJ, Band 7, Kap.20
Das große Geheimnis Seines Reiches
Dir, Mein Henoch, soll es gegeben sein, das große Geheimnis Meines Reiches zu erfahren und zu erfassen, aber sonst keinem außer dir!
07] Und so versiegle auch in dir diese Worte, die Ich jetzt zu dir reden werde; denn nur du und sonst niemand soll bis zur großen Zeit der Zeiten deren Sinn erfassen, – die Welt aber soll mit Blindheit geschlagen sein bis ans Ende.
08] Und also höre denn: Liebe und Leben sind eines – und sind doch zwei: Liebe der Grund und Leben die Wirkung. Also sind auch Licht und Weisheit eines und sind dennoch wieder zwei: Licht der Grund und Weisheit die Wirkung.
09] Aus Liebe und Leben aber geht noch ein Drittes hervor, und das ist die Tatkraft, welche aber ist der mächtige Geist. Und aus dem Lichte und der Weisheit geht auch ein Viertes hervor, und das ist die Ordnung, aus welcher da ist das Gestaltliche aller Dinge und das den Endzweck Bestimmende.
10] Und aus der Liebe und dem Leben und aus dem Lichte und der Weisheit geht hervor der Geist aller Heiligkeit, und dieser ist das Wort aus dem Munde Gottes.
11] Dieses Wort ist wesenhaft und ist der Grund, aus dem alle Dinge urwesentlich geschaffen sind.
12] Wenn du nun betrachtest das Wesen der Liebe und des Lebens und die aus den beiden hervorgehende Tatkraft und betrachtest das Wesen des Lichtes und der Weisheit und die aus den beiden hervorgehende Ordnung und endlich noch betrachtest die aus all dem Früheren hervorgehende Heiligkeit oder das Wesen des ewigen Wortes aus dem Munde Gottes, so hast du sieben Geister, welche alle hervorgehen aus der Liebe, und die Liebe selbst ist der erste aus sich gehende Geist und die anderen sechs zu gleicher Zeit hervorgehend aus der Liebe und mit ihr dennoch eines von Ewigkeit seiend.
13] Liebe und Leben aber kann getrennt werden, und dann gleicht die Liebe einem Eisklumpen, da keine Wärme innen ist; das Leben für sich aber wird ein ledig Feuer, welches zerstört und sucht sich darin eine erträgliche Sänftung.
14] Also kann auch Licht und Weisheit geschieden werden; das Licht ist dann im zerstörenden Feuer wie tot, und die Weisheit wird zur Nacht, zum Truge, zum Falschen und zur Lüge.
15] Also kann auch das aus der Liebe und dem Leben und aus dem Lichte und der Weisheit hervorgehende Wort getrennt werden wesenhaft.
16] Daß solches möglich ist, zeigt dir die ganze Schöpfung, und in der Schöpfung magst du alle die vorbenannten Trennungen erschauen; sie sind schon alle aus Mir bewerkstelligt worden, und ihr Grund bin Ich, und der Endzweck alles dessen heißt: die Lebensprobe oder des ewigen Lebens fortwährende Übung und Stärkung.
17] Und siehe, trotz aller dieser Trennungen bin Ich dennoch ungeteilt da im Vollbesitze aller Meiner Geister!
18] Also wird es auch sein in der großen Zeit der Zeiten, da das ewige Wort als der wesenhafte Grund aller Dinge in Sich Selbst Fleisch wird, in dem da wohnen wird alle Fülle Meines Wesens.
19] Das Fleisch aber wird die Welt töten; aber die im Fleische wohnende Gottesfülle, also die ewige Liebe, wird das Fleisch alsbald wieder beleben aus Sich, und dann wird wohnen die Fülle Gottes ewig in Seinem fleischgewordenen Worte als ein Mensch gegenüber Seinen Geschöpfen, und diese werden Ihn schauen und sprechen wie einen rechten Bruder.
20] Dieser Gottmensch erst wird euch allen bringen das wahre, ewige Leben; bis dahin aber werdet ihr leben nur ein aus Meiner Liebe getrenntes Leben.
21] Siehe, das ist der Sinn Meiner Worte; du fasse ihn, aber sonst keiner außer dir, und die Welt nicht – bis ans Ende! Amen.
Die Haushaltung Gottes, Band 2, Kap.252
Die sieben Geister Gottes
Da stieg wieder das Wort in der Gottheit empor, und in der Gottheit ertönte das Wort, und das Wort ward zum Gesetze, und das Gesetz war die Liebe und strömte in alle über.
Und siehe, da wurden gebildet drei, und aus ihnen gingen hervor sieben! Und die drei waren gleich der Liebe, dem Lichte und der Gottheit; und die sieben waren gleich den sieben Geistern Gottes, und sie heißen und werden ewig heißen:
1. Liebet die Liebe.
2. Fürchtet die Gottheit, welche tötet – damit ihr nicht getötet werdet.
3. Die Liebe in euch ist heilig; darum achtet euch untereinander, wie euch die Liebe in der Gottheit achtet und Freude hat an euch.
4. Jeder ist sein Eigentum und das Eigentum der Liebe Gottes; daher werde keiner dem andern zum Raube.
5. Keiner verdecke je sein Antlitz vor dem andern, damit der andere nicht wisse, wie die Liebe ist, – damit ihr seid wie die Liebe, die
euch werden hieß.
6. Euer Inneres sei auch euer Äußeres, damit keine falsche Regung in euch entstehe und ihr zugrunde gehet.
7. Euer Äußeres sei der getreue Widerschein eures inneren Spiegels, in welchem Sich die Liebe der Gottheit beschaut; sonst wird
der innere Spiegel zerbrochen werden und eure Gestalt wird schrecklich werden.
Die Haushaltung Gottes, Band 1, Kap.5, 11-12
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