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Die Kirche des Herrn

Betrachtet ihr euch nun als Menschen, in denen das wahre Himmelreich sollte gezeugt werden, und zwar mit der heiligen Braut des Lebens, welche da ist das Wort Gottes, lebendig und heißet die Kirche des Herrn.

So aber die Kirche eine hölzerne und tote Bildsäule ist, in der kein Leben ist, aber von den habsüchtigen, falschen Freunden, welche sich Priester Gottes nennen, dennoch ums Geld trüglicherweise als lebendig und zur Zeugung des Lebens einzig und allein tauglich verkauft wird, während das Leben doch nur durch das Leben kann gezeugt werden, da ist ja doch solch eine Kirche ein allerschnödester Betrug, dass man sich keinen größeren denken kann. Und dass die Anhänger solch einer Kirche doch sicher nicht minder allerblödsinnigste Toren sind als unser Mann im Beispiele, muss doch einem jeden nur einigermaßen helleren Denker auf den ersten Blick sonnenklar in die Augen springen.

Hat nicht Paulus mit großer Erregtheit seines Gemütes gepredigt, dass ein jeder verflucht sein soll, der da ein anderes Evangelium predigen möchte als allein das nur, was der Herr gepredigt hat, nämlich den Herrn Selbst, der da gekreuzigt worden ist, also Jesum Christum im Geiste und in der Wahrheit werktätig, der da spricht: „Wer nicht wiedergeboren wird, der wird nicht in das Reich der Himmel eingehen!?“

Nun betrachtet aber eine Kirche, die aus Steinen erbaut ist, eine Kirche, deren Hauptmotto Gold und Silber ist, eine Kirche, die einen Himmel verspricht, den sie selbst nicht im geringsten kennt, eine Kirche, die ihre törichten Gläubigen zur Erlangung eines noch törichteren Himmels mit allerlei geheimnisvollen Mitteln, ums Geld noch dazu, plagt, treibt, richtet und noch obendrauf fleißig verdammt, und ihr müsset bei der Betrachtung solch einer Kirche die hölzerne Bildsäule im Bette unseres törichten Mannes ja ebenfalls auf den ersten Blick unwiderlegbar erkennen, da dem Manne am Ende nichts übrig bleibt als der lebendige Wunsch, lebendige Nachkommen zu haben, ohne jedoch sich solcher je erfreuen zu können.

Sehet, also stehen die Aktien des Lebens auf der Welt, nicht nur allein in eurer katholischen, sondern auch in jeder anderen sich ebenfalls für katholisch haltenden Sektenkirche.

Wenn ihr nun nach diesem Beispiele unseren vorliegenden Himmel betrachtet, so werdet ihr ihn ebenfalls sicher auf den ersten Augenblick als vollkommen entsprechend erschauen. Denn da er eine Frucht ist aus einer Kirche, die da einer toten Bildsäule gleich ist, so ist auch dasjenige, was das eigentliche Leben in sich selbst sein soll, ebenfalls nur eine plumpe, tote Plastik und nichts als eine Ausgeburt eines törichten, betrüglichen und somit auch unmöglich lebendig erfüllten Wunsches. Dass aber ein solcher Himmel von keinem Bestande sein kann, das kann ja daraus sehr leicht ersehen werden, so ihr bedenket, dass er nichts anderes ist als eine Trugplastik des Geistes, der wohl das Leben hätte zeugen mögen, aber dasselbe nicht zeugen konnte, weil ihm dazu das lebendige Mittel mangelte. Da wir aber nun solches wissen und diesen Himmel entsprechend kennen, so können wir uns nun auch schon über die nähere Entwicklung und Enthüllung desselben hermachen, bei welcher Enthüllung euch noch so manches Trugrätsel klar werden wird.

Gleichnis vom wahren Weg zum eigentlichen Himmel
Geistige Sonne, Band 1, Kap.79

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