Als ich den ersten Menschen schuf und aus ihm seine Gefährtin, so war es in jener Zeit Mein Zweck, dem großen abgefallenen Geiste Luzifer einen Weg offen zu lassen, wenn auch nicht ganz, doch in einzelnen Teilen nach und nach wieder zu Mir zurückzukehren.
Was euch die Mosaische Schöpfungsgeschichte, oder was Mein euch diktiertes Buch „die Urschöpfung“ (89) darüber sagt, ist euch genug bekannt; jedoch den geistigen Verband, das tiefere Verständnis alles dieses schon oft Gelesenen habt ihr doch noch nie geahnt noch erfasst, und eben dieses ist es, in welches Ich euch einführen und wodurch Ich euch wieder zeigen will, dass auch hinter den anscheinend leicht zu erfassenden Dingen eine weit größere geistige Handlung verborgen gelegen ist und stets liegen wird.
Ihr wisst den Vorgang des ersten Sündenfalles; aber ihr wisst nicht, was eigentlich diese erste Sünde war, noch ist es euch je in den Sinn gekommen, diese so zu deuten, wie sie geistig aufgefasst werden sollte.
Ich habe euch schon oben gesagt, dass um dem großen gefallenen Geiste einen Rückweg zu lassen, so kleidete Ich wieder eine Parzelle seines Ichs in materielle Form, gab dieser Form sogar noch den göttlichen Funken, um sich selbst zu reinigen, und so einst für eine andere Welt sich tauglich zu machen.
Ihr wisst, Ich gab diesem ersten Menschen „eine Gehilfin“, was soviel sagen will, als: eine Helferin, welche ihn in seinem Kampfe zwischen der angestammten (eigenliebigen Satans-) Natur und dem göttlichen Funken von Mir unterstützen sollte.
Diese Gehilfin ist, war und wird stets das Ergänzende des Mannes sein, ohne welche er nie die Liebe, nie Meine Schöpfung, nie sein eigenes Ziel je ganz verstehen wird; denn nur durch die Gattenliebe, nur durch die Kinderliebe ist ein Weg angebahnt worden, dem menschlichen Herzen die Gefühle zugänglich zu machen, welche Mich einst bewogen, das ganze Universum zu schaffen und so aufzustellen, wie es wirtlich gebaut und vollendet ist.
Dass Ich mit dem ersten Menschen zunächst andere Absichten und andere Zwecke hatte, als Ich ihn schuf, ist wohl wahr; allein Ich schuf ja einen Menschen mit freiem Willen, und keine Maschine, und so konnte Ich Mich nicht widersetzen, wenn etwa der Mensch nicht das geworden ist, was er werden sollte. Die erste Probe dazu war das Verbot: „die Frucht von einem gewissen Baume zu essen.“
Nun, was war dieses Verbot eigentlich? Hier muss Ich eine von vielen gehegte Idee zerstören, welche an die Handlung gegen dieses Gesetz sich knüpft. Dieses Verbot war nicht so gemeint, als sollten die beiden ersten Menschen nie von der Zeugung etwas wissen – nein! – Dieses Verbot war: dem Menschen eben diese große Tugend einzuprägen, gegen welche Luzifer als größter Geist gesündigt hat, und also ein Ableger von ihm, wie der erste Mensch es war, wohl auch in dieser Hinsicht sündigen werde.
Dieses Verbot war die Probe des Gehorsams; diesen sollten die Menschen an sich erproben, um vielleicht im Kleinen zu erreichen, was dem großen Geiste im Ganzen nicht gelungen ist!
Dieser Fehler des Ungehorsams ist die Erbsünde, welche der Mensch von seinem Stammvater (Luzifer, dann Adam?) ererbt hat, und welche noch der Hauptfehler aller Menschen ist, indem alle entweder gegen Meine Gesetze oder gegen Gesetze, welche ihnen das Beisammenleben auferlegt, sündigen.
Ungehorsam ist überall, in der Hütte wie im Palaste, in der materiellen wie in der geistigen Welt!
Der weitere Verlauf der Schöpfungsgeschichte sagt euch auch, dass dann das erste Menschenpaar sich versteckte, sich schämte; ja, sie schämten sich ihres Ungehorsams wegen, dass sie etwas vollzogen hatten, was noch nicht in der Schöpfungs-Idee (oder -Ordnung) gelegen, also verfrüht war.
Das Ergebnis ihrer Erkenntnis oder ihres Falles, der erste Sohn, welchen Eva gebar, war auch wieder, wie der große abgefallene Geist selbst, der Widerspruch gegen Meine göttlichen Gesetze in Person, oder der Ungehorsam in menschlicher Form.
Nochmals versuchte Ich es, durch die Erzeugung des zweiten Sohnes ein Sinnbild Meines Schöpfungsmenschen gegen die rohe brutale Menschennatur des Kain, den Menschen mit den göttlichen Eigenschaften hinzustellen, aber vergebens; er fiel unter den Schlägen des Kain; und so musste natürlich in Kurzem dann die Ausweisung aus einem Paradiese folgen, wo Ruhe, himmlischer Friede dem Menschen bestimmt war, um als Herr der ihn umgebenden Natur sich derselben freuen zu können.
Wo ein Kain leben wollte, waren diese Gärten des Friedens nicht anwendbar, und so erfolgte also das Hinausweisen aus dem Friedenstempel dieser ersten Menschen, eben wegen Ungehorsams sie sich selbst überlassend, was nichts anderes heißen will, als: „Ihr waret nicht wert, durch die Hand eures Schöpfers geführt, geleitet und ernährt zu werden, sondern habt euch selbst den Weg des Ungehorsams erwählt, und so erwerbet euch nun auch selbst den materiellen Bedarf zu eurem Fortkommen, im Schweiße eures Angesichts!“
Dieses war kein Fluch, weder eines Engels, noch weniger eines liebenden Vaters, wie Ich war, bin und ewig bleiben werde; es war die notwendige Folge des selbstgewählten Weges!
Sobald der Mensch nicht mehr Herr der Welt war, so war die Welt Herr des Menschen; sie gehorchte nicht mehr seinem geistigen Willen, sie verweigerte ihm alles, und so musste derselbe, je mehr er sich von seiner geistigen Mission entfernte, der Erde mit Gewalt abzwingen, was selbe ihm früher mit liebender Hand dargereicht hätte.
Der Ungehorsam also ist die große Erbsünde, die sich von Mensch zu Mensch, von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzt, und eben alle Welt- und alle Elementar-Ereignisse, Unglücke und Krankheiten hatten von jeher keinen anderen Zweck, als eben diesen Starrsinn zu brechen, und den Menschen insoferne zu überzeugen, dass Auflehnung gegen Meine Gesetze, also Ungehorsam, sich selbst straft!
So lange der Mensch nicht seine geistige Natur ganz erkennt, und sie auffassen lernt, so lange er dem Materiellen huldigt, ist er in dieser Erbsünde befangen, ist er ungehorsam und eben deswegen meistens ungläubig und leidend.
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