Der Tod der Seele.
1902, 4. Juli, Graz. Vater Jesus bespricht den traurigen Zustand der menschlichen Seele, wenn diese ins Geisterreich tritt, wenn sie im irdischen Leben nur der Materie gedient hat.
1. Meine lieben Kinder! es ist Mein Wille, daß ihr in Allem ein rechtes Licht habet, was geistiges Leben anbetrifft, und so höret:
2. Jeder Mensch hat zwei Seiten im Leben, die eine ist materiell, die andere aber geistig; die materielle Seite zieht ihn zur Materie, die geistige zum Geistigen; es ist ein steter Kampf zwischen diesen zwei Naturen im Menschen.
3. Die materielle Seite ist alles, was die Materie an sich zieht und dieses ist: Der Mensch will genießen die Welt im Essen, Trinken, und in allerlei Unterhaltungen und Annehmlichkeiten, die sich ihm bieten, er will eben dem Leibe nichts versagen, was angenehm ist, und dieses ist sein ärgstes Vergehen gegen sich selbst, weil die Materie die Feindin des Geistigen ist. Dieses Vergehen gegen sich selbst besteht aber darin, daß der Mensch die Seele durch fleischliche Gelüste ganz materiell macht und fürs Geistige absterbend, weil das Geistige gerade das Gegenteil des Materiellen ist.
4. Wenn nun der Mensch nur für die Materie strebt, stirbt in ihm alles Geistige und er wird dadurch finster und abhold gegen alles, was nicht materielle Vorteile bringt. Auf Unkosten dieser materiellen Gelüste kommt es dann an, was der Mensch aus sich ausarbeiten wird, und gerade diese Einseitigkeit im Bezug des Lebens ist der Tod des Geistes im Menschen.
5. Wenn also solch ein Mensch stirbt, so kommt er dahin ins Geisterreich wie ein abgehauster Bettler und hat gar nichts an sich, was für ihn einen geistigen Wert hätte. Er ist in Allem ein Fremdling im Geisterreich; denn das Fleisch, für welches er so fleißig gesorgt und es üppig gepflegt hat, liegt im Grabe und fault, und die Seele, welche mit dem Fleische im irdischen Leben ganz Eins wurde, steht da ohne Licht, ohne Wissen und ohne Kraft aus sich etwas zu werden, sie ist wie ein kleines unwissendes Kind und weiß in keiner Art sich zu helfen.
6. In dieser Einsamkeit klammert sie sich an alles, was sie je gehört und erlebt hat und denkt nach, was sie tun und anfangen soll, denn es will nichts recht Passendes ihr auftauchen, darum ist sie im höchsten Grade bedauernswert und daher will sie nichts hören, nichts wissen vom Geistigen, sondern, sie ist noch immer dieselbe, wie sie war im Leben und dieser Zustand der Seele ist der wahre Tod, in welchen sie sich selbst vergraben hat. Amen.
Aus 'Die Christliche Theosophie' Empfangen vom Herrn und herausgegeben von Franz Schumi
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