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Mahnung zur Einmütigkeit

"Sehet, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, da ihr euch zerstreuen werdet, jeder an seinen Ort, und Mich allein lasset!"

Dieser Text besagt, was heute offenkundig vor euren Augen liegt! — Was wird denn hier unter dem Wort "Zerstreuung" verstanden? Etwa das persönliche Auseinandergehen Meiner Jünger und Apostel? — O nein! Das war ja ihre Bestimmung und zu dem habe Ich sie berufen, daß sie ausgehen sollten in alle Lande und predigen das Evangelium aller Kreatur!

Von einer persönlichen und örtlichen Zerstreuung ist in jener Vorhersage also nicht die Rede, wovon ja auch schon der Text selbst zeugt, da es weiter heißt: "Wenn ihr Mich aber auch verlassen werdet, so werde Ich dennoch nicht allein sein; denn der Vater ist in Mir."

Und urteilet selbst: Kann Mich persönlicher- und örtlicherweise jemand verlassen? Wohin wohl sollte er gehen, daß er Mir ferner oder näher zu stehen komme? Wo wird er wohl weiter von Mir sein, ob er ist an diesem oder jenem Ende der Welt? Ich meine, das wird für Mich, den Allgegenwärtigen, doch sicher ein und dasselbe sein!

Was für eine Zerstreuung ist denn nun aber hier gemeint? — Sehet hin auf die Sekten, die gegenwärtig vor euren Augen bestehen und schon zu Meinen Lebzeiten kleinspurlich vorhanden waren. In wenigen Jahrhunderten nach Meiner Auffahrt war die Zerstreuung schon so groß, daß niemand mehr recht wußte, wer da Koch und Kellner ist! Man mußte zu großartigen Konzilien schreiten, blieb aber nach dem Konzil so wie vor demselben — zerstreut. Und wie es jetzt aussieht, brauche Ich euch sicher nicht zu zeigen; denn wo ihr nur immer hinblicket, werdet ihr die Zerstreuung entdecken!

Es heißt in jenem Worte: "Ein jeglicher an seinen Ort". Das besagt soviel als: "Eine jede Sekte hält sich für die beste und reinste".

Bin Ich aber darum allein? —   O nein! Der Vater oder die Ewige Liebe ist ja in Mir!

An der Liebe erkenne Ich die Meinigen, aber nicht an der Sekte! Wer Mich liebt und hält Mein Wort, der hat die Liebe des Vaters in sich, wie Ich den Vater habe in Mir — und der ist eins mit Mir, wie Ich eins bin mit dem Vater! Darum bin Ich nicht allein; denn wie der Vater in Mir ist, so bin Ich in einem jeden. Und ein jeder ist in Mir, der Mich liebt und Mir nachfolgt.

Da gibt die Sekte keinen Unterschied. Und verflucht sei derjenige, der vorzugsweise aus weltlichen Rücksichten eine Sekte vor der andern bevorzugt! Denn in keiner unduldsamen Sekte ist Wahrheit und Leben; alles wird da auf den Zwangsglauben und auf den Überredungsglauben, der um kein Haar besser ist, angelegt. — Wo bleibt da der freie Mensch? — Wann habe Ich jemanden je zum Glauben genötigt? — Ich ließ es einem jeden frei! — Wem Meine Werke nicht genügten zur inneren Überzeugung, der wurde durch kein anderes Mittel gezwungen. Denn Ich habe Meine Lehre nicht für den bloßen Glauben, sondern für die Tat gegeben.

Und so viel mußte ich ja doch voraussehen, daß ein und dasselbe Licht die Gegenstände, dahin es fällt, so verschieden beleuchtet, wie verschieden die Gegenstände selbst sind! — So ist es auch mit dem Licht des Glaubens! Je nachdem es auf ein verschieden gefärbtes menschliches Gemüt fällt, so muß es dasselbe auch beleuchten. Eine Forderung aber, daß ein und dasselbe Licht von all den tausendfarbigen Gemütern vollkommen gleich zurückstrahle, ist daher eine große Torheit.

Die Wirkung des Lichtes muß verschieden sein. Aber die Wirkung der Liebe bleibt dieselbe, wie an und für sich die Wärme nur eine Wirkung hat, nämlich: Sie erwärmt das Rot auf dieselbe Weise wie das Blau, und alles kann glühend gemacht werden. Und die Farbe der wahren, lebendigen Liebesglut ist ewig eine und dieselbe, und ein glühendes Gold unterscheidet sich nicht von einem glühenden Stück Eisen.

Sehet, das ist die Bedeutung dieses Textes! — Zerstreuet euch daher nicht in den Glaubensauffassungen, sondern bleibet eins in der Liebe, so werdet ihr leben! — Amen.

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