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3.b) Das Herz als Lebensträger

GrEv V/114 u. VIII/56 ff. (zit. n. V.M.) — (JESUS sprach): … "Der Leibesorganismus des Menschen hat nahe in der Mitte des Herzens seinen Lebensnerv: ein winziges Klümpchen, von dem aus der ganze andere Leib belebt wird. Die Teile dieses einen Herzensnervklümpchens besitzen die Einrichtung, den Lebensäther aus dem Blute und der eingeatmeten Luft derart an sich zu ziehen, daß sie zunächst selbst überaus lebenstätig bleiben und sodann diese Regsamkeit dem gesamten Organismus mitteilen, wodurch der ganze Leib auf geeignetem Wege belebt wird. Die geringste Verletzung dieses Teils des Herzens, in dem sich der genannte Hauptlebensnerv befindet, zieht den augenblicklichen Tod nach sich.

Der für den Menschen so lebenswichtige kleine Nerv liegt nicht gerade im Zentrum des Herzens, sondern mehr auf dessen linker Seite. Zwar befindet sich in der Herzmitte auch ein sehr großer Lebenskomplex, aber er ist nicht der Hauptlebenssitz, sondern bildet nur eine Werkstätte zur Aufnahme und Bewahrung des Lebensnährstoffs aus dem Blute und der Luft. Von da nimmt ihn erst der Hauptlebensnerv auf und befruchtet ihn als eine zum Leben taugliche Substanz, das heißt zum einstweiligen Mitnaturleben der Seele, die ohne diesen Nerv mit dem Organismus des Leibes überhaupt nicht in Verbindung treten könnte.

Dieser Hauptlebensnerv an der linken Herzseite ist ein höchst unansehnliches, überaus kleines Wärzchen, ähnlich einem kleinsten Gefühlswärzchen am untersten Ballen der kleinen Zehe des linken, und einem entsprechenden des rechten Fußes. [Diese Gefühlswärzchen, nur durch die äußere Haut bedeckt, sind die Hauptgefühlsleiter des ganzen Fußes. Wer daher die kleinen Zehen einbüßt, pflegt um vieles schwerer zu gehen, als wenn er die anderen Zehen verloren hätte.]"

"Weiter befinden sich im Herzen zwei überaus kleine Kämmerlein, die den beiden großen Blutkammern [rechter und linker Herzkammer] entsprechen. Für das Menschenauge sind diese beiden Kämmerlein kaum als kleinste Punkte sichtbar. Und dennoch bedingen sie durch ihre Einrichtung allein das Leben des Herzens und damit auch das ganze Leben des Leibes in seinen zahllosen Teilen und Organen. Das erste und wichtigste Kämmerlein entspricht dem, was des Geistes und seines Lebens ist. Wir wollen es daher das wahre oder bejahende, positive, nennen. Das zweite, gewisserart minder wichtige — obschon zum natürlichen Leibesleben unumgänglich notwendig —wollen wir das der Materie entsprechende, daher das verneinende, negative, benennen. Denn dasselbe hat für sich kein eigenes Leben, sondern ist nur ein Aufnahmegefäß für das Leben, welches es mit jedem Herzschlag wie von neuem aus dem positiven Kämmerlein aufnimmt und dann durch das Blut dem ganzen Leibe mitteilt.

Aus diesem Bild läßt sich leicht entnehmen, wie das Herz in seinem Lebensgrunde beschaffen ist und sein muß, um dem irdischen Leib als Lebensgrundlage zu dienen. Daß darüber hinaus das Herz noch eine sehr weitläufige und überaus kunstvolle organisch-mechanische Einrichtung zur Fortführung des in ihm entwickelten Lebens besitzt, ist ohne weitere Erklärung begreiflich. Denn wo etwas weitergeleitet werden soll, müssen hierfür auch wohlgebahnte Wege und Mittel bestehen.

Das bejahende Lebenskämmerlein im Herzen ist — was seine Leibesteile betrifft — wohl das unansehnlichste Partikelchen des ganzen Leibes. Es wird von den Menschen, denen es doch das Leben schafft und gibt, gar nicht erkannt und bleibt daher unbeachtet. Und doch muß ein jeder Mensch, der sich selbst und Gott wahrhaft erkennen will, geistig in dieses unscheinbare Herzenskämmerlein durch Demut und Fügsamkeit eingehen und das aus ihm empfangene Leben geistig wieder zurückgeben. Tut ein Mensch solches, so erweitert er das Lebenskämmerlein und erleuchtet es durch und durch. Damit wird das ganze Herz und vom Herzen aus der ganze Mensch geistig neu belebt und erkennt Gott in sich. Denn er vermag nun zu erschauen, wie das Leben in diesem Herzkämmerlein aus Gott einfließt und sich hier sammelnd zu einem freien, selbständigen Leben ausbildet. In diesem Kämmerlein wirkt somit der eigentliche Geist aus Gott. Geht die Menschenseele durch Demut und Liebe in dieses Kämmerlein zur ewigen Gottesliebe ein, so erreicht sie die Wiedergeburt der Seele im Geiste aus Gott, was den Menschen erst zum Ebenbilde des Schöpfers macht."

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