GrEv VII/222(9ff) — Ein römischer Freund des Kulturfortschritts wünschte eine Verbesserung der Seeschiffahrt.
DER HERR erwiderte ihm: "Die späteren Geschlechter werden noch gar wunderbar kunstvolle Schiffe erbauen, mittels welcher sie, an Schnelligkeit Vögeln gleich, nach allen Richtungen über alle Meere hin fahren können. Aber es wird dies das Glück der Menschen weder leiblich und noch weniger geistig erhöhen, sondern gar gewaltig vermindern.
Darum bleibet nur recht lange bei dem, was ihr habt! Denn eine zu große Verbesserung in irdischen Dingen ist stets eine wahre und dauernde Verschlimmerung im Geistigen, das der Mensch mit allen Kräften seines Lebens doch nur allein kultivieren soll.
Was nützt es dem Menschen, so er auch alle Schätze der Welt für sich gewinnen könnte, litte aber dadurch den größten Schaden an seiner Seele?! Kennt ihr denn noch nicht die kurze Lebensdauer alles Fleisches auf dieser Erde und das endliche Los des Fleisches?! Ob du nun als ein Kaiser oder als Bettler stirbst, so ist das für jenseits alles eins!
Wer hier viel hatte, der wird jenseits viel entbehren müssen, wer aber hier wenig oder auch wohl nichts hatte, der wird jenseits auch wenig oder nichts zu entbehren haben und wird um so leichter und eher zu den inneren und allein wahren, lebendigen Geistesschätzen gelangen.
Darum waren die Urväter dieser Erde so glückliche Menschen, weil sie ihre diesirdischen Lebensbedürfnisse so einfach als möglich befriedigten. Wie aber dann besonders jene Menschen, die sich in den tieferliegenden Tälern aufhielten, Städte zu erbauen anfingen, so ist damit auch die Hoffart in sie gefahren. Sie verweichlichten, wurden träge und verfielen bald in allerlei Laster und mit ihnen in allerlei Elend. Was Gutes hatten sie davon? Sie verloren Gott aus den Augen ihrer Seelen, und alle innere Lebenskraft des Geistes verließ sie, so daß sie gleich vielen von euch an kein Leben nach dem Tode des Leibes mehr glauben konnten.
War das nicht ein gar entsetzlicher Umtausch, so man für die größere Bequemlichkeit des materiellen Lebens das Geistige so gut wie völlig verlor?!
Wer darum ein Weiser unter euch ist, der suche nun wieder für das unnötigerweise zu gute und bequeme Materieleben das reine, wahre, geistige einzutauschen, und er wird da besser tun um ein endlos Großes, als so er die größten Erfindungen machte, wie man ganz sicher und vogelschnell über alle Meere fahren kann. Einmal wird er dennoch sterben müssen! Was werden ihm dann seine großen Erfindungen für seine Seele nützen?!
Bleibet darum bei dem, was ihr habt! Suchet vor allem, wie ihr mehr und mehr auf dem Wege des Geistes wandeln könnet, so werdet ihr dadurch die größte und beste Erfindung für die große Schiffahrt aus diesem Irdischen ins andere, jenseitige Geistige gemacht haben.
Was sicher für ewig währt, das zu erreichen setzet alle eure Kräfte und Mittel in die vollste Bewegung. Ums Irdische für den Leib aber sorget euch nur insoweit, als es vernunftgemäß nötig ist!
Daß ein Mensch essen und trinken und seinen Leib schützen muß gegen Kälte und große Hitze, das ist eine ganz natürliche Sache; aber wer für den Leib mehr tut als für die Seele und am Ende gar für den Leib allein sorgt, dagegen für die Wohlfahrt der Seele, die doch ewig leben soll, gar nicht, der ist wahrhaftig ein blinder und überdummer Narr.
Wenn ihr das nun wohl verstanden habt, so fraget Mich nicht mehr, wie ihr eitle, irdische Dinge um ein gar Großes verbessern könntet. Denn Ich bin nur darum in diese Welt gekommen, um euch die Wege zum ewigen Leben zu zeigen und fest anzubahnen, auf daß ihr sicher und leicht auf denselben fortkommen könnet!"
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