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b) Segen der Keuschheit

GrEv IV/230-231 — DER HERR: "Würden die Menschen das Laster der Unzucht meiden und den Beischlaf nur so oft begehen, als er zur Erweckung einer Frucht in eines Weibes Leibe notwendig ist, Ich sage es euch: Nicht einen gäbe es unter euch, der nicht mindestens ein Hellseher wäre! So aber, wie es unter euch Sitte ist, vergeudet der Mann wie das Weib die besten Kräfte durch das oft tägliche Verpuffen der alleredelsten und seelenverwandtesten Lebenssäfte und hat demnach nimmer einen Vorrat, aus dem sich am Ende ein stärkeres Licht in der Seele ansammeln könnte!

Darum aber werden solche Menschen stets mehr und mehr träge und polypenartig genußsüchtige Wesen. Sie sind selten eines hellen Gedankens fähig und sind furchtsam, feig, materiell, launisch und wetterwendisch, selbstsüchtig, neidisch und eifersüchtig. Sie können schwer oder oft gar nimmer etwas Geistiges begreifen; denn ihre Phantasie schweift immer im Reize des stinkenden Fleisches umher und mag sich nimmer zu etwas Höherem und Geistigem empor erheben. Und gibt es darunter schon auch dann und wann etwelche Menschen, die wenigstens in nüchternen Stunden einen flüchtigen Blick nach oben senden, da kommen gleich, wie schwarze Wolken am Himmel, fleischsinnliche Gedanken und verdecken das Höhere derart, daß die Seele dessen rein vergißt und sich gleich wieder in die Fleischeslust stürzt!

Darum aber sei es euch auch für vollwahr gesagt, daß Hurer und Huren, Ehebrecher und Ehebrecherinnen und Unzüchtlinge aller Art und jeden Geschlechts in Mein Gottesreich schwer Eingang finden werden!

So du nun in deinem Herzen das für etwas zu stark hältst, da versuche du, so einen fleischsinnlichen Menschen umzugestalten. Fange an, ihn auf die Gebote Gottes aufmerksam zu machen, sage zu ihm: "Der Friede sei mit dir, das Reich Gottes ist dir nahegekommen! Laß ab von deinem lasterhaften Leben, liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst! Suche die Wahrheit, suche das Reich Gottes in deines Herzens Tiefen! Laß ab von der Welt und ihrer losen Materie und suche zu wecken in dir des Geistes Leben! Bete, forsche und handle in der Ordnung Gottes!" — und du wirst diese Worte an völlig taube Ohren gerichtet haben! Er wird dich verlachen, dir den Rücken kehren und zu dir sagen: "Fahre ab, du frömmelnder Narr, reize mich mit deiner Dummheit nicht, sonst nötigst du mich, dich ins Gesicht zu schlagen!"

Ermahnst du ihn zum zweiten Male, so hast du noch eine ärgere Grobheit zu erwarten, als da war die erste!

Darum ist ein Hurer nicht nur ein sinnlicher Sündenbock, sondern in seiner Gereiztheit auch ein gar böser Mensch; er ist voll des wilden Feuers und blind und taub für alles Gute und Wahre des Geistes. Einen Räuber bekehrst du lange eher denn einen echten Hurer und Ehebrecher.

Wo unter den Menschen die Unzucht als eine wahre Seelenpest eingerissen ist, da hat das Predigen des Evangeliums sein Ende erreicht. … Sorget darum vor allem, daß dieses Laster nirgends einreiße! Und die Eheleute sollen nur soviel tun, als da zur Zeugung eines Menschen unumgänglich notwendig ist. Wer sein Weib stört während ihrer Schwangerschaft, der verdirbt die Frucht schon im Mutterleibe und pflanzt derselben den Geist der Unzucht ein. Denn welch ein Geist die Gatten reizt und nötigt, sich über die natürliche Gebühr zu beschlafen, derselbe Geist geht dann potenziert (verstärkt) in die Frucht über.

Daher soll auch bei der Zeugung dieses wohl und sehr gewissenhaft beachtet werden, daß erstens die Zeugung nicht aus gemeiner Sinnengier, sondern aus wahrhafter Liebe und seelischer Neigung ausgeübt werde — und zweitens, daß das einmal empfangen habende Weib noch gut sieben Wochen nach der Ausgeburt ihrer Frucht in der Ruhe ungestört belassen werde!

Kinder, auf diese ordentliche Art gezeugt und im Mutterleibe ungestört ausgereift, werden erstens schon leiblich vollkommener in die Welt kommen, weil die Seele in einem vollkommen ausgebildeten Organismus doch sicher eher und leichter für ihren geistigen Herd sorgen kann als bei einem ganz verdorbenen, an dem sie gleichfort zu bessern und zu flicken hat. Und zweitens ist sie selbst in sich reiner und heller, weil sie nicht von den Unzuchtsgeistern, die durch die oft täglichen Nachzeugungen in des Embryo Fleisch und auch Seele hineingezeugt werden, gestört wird. Wie leicht kann solch eine Seele ihr Gemüt schon in der zartesten Kindheit gleich einem Samuel zu Gott erheben aus wahrer kindlicher, allerunschuldigster Liebe! Bei solchen Kindern fängt schon frühzeitig eine Außenlebenssphäre sich zu bilden an, und sie werden bald und leicht hellsehend, und ihrem Willen wird sich alles in Meiner Ordnung Seiende zu fügen anfangen.

Was sind dagegen die schon im Mutterleibe verdorbenen Kinder? Ich sage es euch: Kaum mehr als scheinbelebte Schattenbilder des Lebens! Und was ist hauptsächlich daran schuld? Das, was Ich euch bisher sattsam als Folge der Wollust gezeigt habe!

Wo irgend in der späteren Zeit Mein Wort von euch gepredigt wird, sollte diese Lehre nicht fehlen! Denn sie bearbeitet des Lebens Grund und Boden und macht ihn frei von Dornen, Gestrüppen und Disteln, von denen noch nie ein Mensch Trauben und Feigen geerntet hat."

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