H II/245(8-16) — Henoch, der erste Hohepriester der Urzeit, zu dem bekehrten König Lamech von Hanoch und dessen Gefolge: "Siehe, nicht allein vom irdischen Brote lebt der Mensch, sondern viel mehr vom Worte Gottes! So du aber ißest das natürliche Brot und wirst dadurch gesättigt und genährt, da frage dich: "Warum und wie hat mich denn das naturmäßige Brot oder überhaupt die naturmäßige Speise gesättigt und genährt? — und du wirst in dir die allzeit vollgültige Antwort bekommen: "Weil auch all die naturmäßige Leibeskost dem ewigen, allmächtigen Worte Gottes entstammt!"
Nun siehe, wenn dich aber schon das gefestete und hart gebannte Wort Gottes sättigt und nährt, um wieviel mehr wird solches das freie, ungebannte, lebendige Wort, frisch aus dem Munde Gottes gehend, zu bewirken imstande sein.
Wir alle entstammen dem Worte Gottes. Also kann es ja auch für uns ewig nichts Ernährenderes und Sättigenderes geben als eben das lebendige Wort Gottes! Und es lebt der Mensch nicht allein vom Brote und aller anderen weltlichen Kost, sondern er lebt viel mehr von jeglichem Worte, das dem Munde Gottes entstammt.
Es soll aber damit nicht gesagt sein, als solle der Mensch darum die natürliche Kost nicht genießen, da sie doch Gott darum erschaffen und sogar sichtbar mit uns gegessen hat. Nur zum Hauptbedürfnisse soll sie uns nicht werden!
Siehe, auch solches gehört in die Ordnung der göttlichen Dinge! Ich sage dir: Sei allzeit mäßig im Genusse der naturmäßigen Kost, denn in ihr liegt eine große Versuchung. … Wenn wir das natürliche Brot essen und die Früchte des Erdbodens, so müssen wir dabei sehr behutsam sein, daß wir durch ihre grobe, sinnliche Last nicht den unsterblichen Geist erdrücken! Denn solches magst du schon an gefräßigen Kindern klar erschauen, wie sie durch ihre starke Gefräßigkeit verdummen und dann zu nichts geistig Tüchtigem fähig sind. Dagegen die stets mehr nüchternen Kinder werden bald feine Denker. Wie aber solches leicht ersichtlich bei den Kindern der Fall ist, also ist es um so mehr der Fall beim erwachsenen Menschen, da dieser ausgebildeter Leidenschaften fähig ist, die dem Kind noch fremd sind.
In der natürlichen Kost nimmst du Naturmäßiges auf, und dieses wird in dir nicht vergeistigt, sondern es vernaturmäßigt deinen Geist. Aber im Worte Gottes nimmst du Geistiges auf, und dieses sättigt, nährt und stärkt den Geist zum ewigen Leben. In der naturmäßigen Kost wird der Leib genährt und der Geist gedrückt und zum Fasten genötigt; aber durch die geistige Kost gewinnen beide: der Geist wird kräftig und mächtig und seine Sinne endlos scharf, und der Leib wird dann durch den Geist geschmeidig, genügsam, dauerhaft und wird kräftig erhalten wie ein gut gewebtes Kleid aus feinen, aber in sich zähen und starken Fäden.
In der naturmäßigen Kost ruhen verdorbene Geister, und hat der Mensch deren zu viel in sich aufgenommen, so werden sie des eigenen Geistes Meister und untergraben seine Wesenheit gleich also, wie die argen Nagekäfer und Nagewürmer einen Baum untergraben, seine Wesenheit zerstören und ihn endlich ganz zugrunde richten.
Die geistige Kost aber ist dem Geiste ein belebender Regen vom Himmel, unter welchem er gar bald zu einer herrlich kräftigen und wohlduftenden Blume des ewigen Lebens erblühen wird."
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