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Vom Leben mit und ohne Gott – 10. Beim Uhrmacher

BM Kap. 21 — Ja, mein Gott, du hast recht, und ich liebe und schätze dich überaus ob deiner Weisheit und der damit vereinten Kraft, Liebe, Geduld und Ausharrung! Würdest du nur sanfter mit mir reden, so daß ich aus deinen Worten nicht allzeit meine Fluchwürdigkeit in aller Fülle und Schwere erschauen muß, dann wäre ich schon lange förmlich verliebt in dich! Aber eben diese deine durchdringliche Wortschärfe erfüllt mich eher mit einer Art geheimer Furcht als mit Liebe zu dir! — Rede sonach schonender mit mir, und ich werde dich dann aus allen meinen Kräften lieben!

DER HERR: "Freund, was verlangst du von Mir, daß Ich dir’s nicht angedeihen ließe im höchsten Vollmaße, ohne von dir dazu aufgefordert zu werden?! Meinst du denn, daß da nur ein Schmeichelredner ein wahrer Freund ist oder einer, der sich aus lauter Ehrfurcht nicht getraut, die Wahrheit jemandem unters Gesicht zu bringen?! — Oh, da bist du in großer Irre! Du bist einer, an dem kein gutes Härchen irgendwo steht! Kein edles Werk der Liebe ziert dich! Hast du je etwas getan, das vor der Welt wie lieb-edel schien, so war es aber dennoch eitel Böses. Denn all dein Tun war nichts als eine arge Politik, hinter der irgendein geheimer herrschsüchtiger Plan verborgen lag!

Gabst du irgend jemandem ein karges Almosen, so mußte davon der ganze Umkreis Notiz nehmen; sage — war das evangelisch, wo doch die Rechte nicht wissen soll, was die Linke tut?!

Gabst du jemandem einen sogenannten guten Rat, so war auch der allzeit so gestellt, daß am Ende dessen Wasser dennoch auf deine Mühle laufen mußte!

Zeigtest du dich herablassend, so geschah es nur, um den Untenstehenden so recht anschaulich deine Höhe einzuprägen!

War der Ton deiner Rede sanft, so wolltest du damit das erreichen, was da zu erreichen suchen die Sirenen mit ihrem Gesange und die Hyäne mit ihrem Weinen hinter einem Busche! Du warst fortwährend ein gierigstes Raubtier!

Kurz und gut, an dir war auch nicht ein gutes Haar, und du befandest dich schon vollkommen in der Hölle! Gott der Herr aber erbarmte sich deiner, ergriff dich und will dich nun völlig frei machen von all den Höllenbanden! — Meinst du wohl, daß solches möglich sein könne, ohne dir zu zeigen, wie du beschaffen bist?!

Hast du auf der Erde nie gesehen, was die Uhrmacher mit einer verdorbenen Uhr machen, so diese wieder gut und brauchbar werden soll? — Siehe, sie zerlegen sie in die kleinsten Teile, aus denen sie zusammengesetzt ist, untersuchen da jedes Stückchen sorgfältig und reinigen es, machen das Krumme gerade, feilen das Rauhe hinweg und ergänzen, wo irgend etwas fehlt, und setzen am Ende das Werk wieder zusammen, auf daß es wieder wirkend entspräche seiner Bestimmung! Meinst du wohl, daß solch eine ganz verdorbene Uhr zum Gehen kommen möchte, so der Uhrmacher bloß ihr Äußeres recht blank putzte, das Innere aber beließe, wie es ist?!

Ebenso aber bist auch du ein Uhrwerk, in dem auch nicht eines Rades Zahn in der Ordnung ist! Sollst du gebessert werden, so mußt du auch zerlegt werden in allem deinem verdorbenen Wesen! Es muß alles heraus ans Licht der ewigen, unbestechlichen Wahrheit, auf daß du dich selbst beschauen kannst und sehen, was alles in und an dir völlig verdorben ist!

Hast du erst alle deine Gebrechen erkannt, dann erst kann die Raspel, die Feile, die Zange und endlich auch eine Putz- und Polierbürste angelegt werden, um aus dir wieder einen Menschen in der Ordnung Gottes zu gestalten, und das einen ganz neuen Menschen; denn dieser dein jetziger Mensch ist völlig unbrauchbar! So Ich nun aber alles das an dir tue — sage, verdiene Ich da nicht deine Liebe?!"

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