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Die Befolgung des Willen Gottes

Der Weg zum Vater….

Die Befolgung des Willen Gottes….

Auszug aus: Von der Hölle bis zum Himmel, empfangen durch Jakob Lorber

[RB.01_112,10] Ist es denn gar so schwer, seinen eigenen Willen zu verabschieden und an dessen Stelle den Willen der göttlichen Ordnung zu setzen und diesen tatsächlich zu befestigen? Hättest du das schon auf der Erde getan, so wärst du auch schon lange aus dem letzten Mutterleibe herausgeboren worden und befändest dich schon längst im wahrsten Licht alles Lichtes! Aber es hat dir wohl nie gemundet, deinem Herrlichkeitswillen nur den geringsten Abbruch zu tun. Und so muß es dir nun auch munden, blind zu sein – gleich allen denen, die ebenso beschaffen waren und noch sind, wie du es leider noch bist!

[RB.01_112,11] Wolle du, was Gott will, so wirst du zum Licht gelangen! Willst du aber nur stets, was du willst, da wird es mit dir verzweifelt lange nicht anders werden. Hast du diese Worte wohl verstanden?“

[RB.01_112,12] Spricht der Grobianus: „Ja, Bruderchen St. Hebammius, ich hab’s verstanden! Hör einmal, du bist aber sehr dumm und redest etwas daher, was weder Fuß noch Kopf hat! Und wenn es schon irgendeinen Kopf hat, so den von einem auf Reisen begriffenen Stockfisch!

[RB.01_112,13] Sage mir, wer kann denn seinen eigenen Willen verbannen und dafür einen fremden in seine Seele einpfropfen? Es ist merkwürdig, wie du als ein Sehender das nicht einsiehst, daß ich den Willen eines Fremden unmöglich anders als nur durch meinen höchsteigenen Willen zu meinem eigenen machen kann. Hätte ich aber durchaus keinen eigenen Willen, da möchte ich denn doch erfahren, mit welchem Willen ich das soll wollen können, was irgendjemand anderer mir zum Wollen auferlegen sollte. Ich habe dich wohl immer für ein wenig dumm gehalten, aber daß du so enorm dumm wärst, das wäre mir nicht einmal im Traum eingefallen! – Nein, keinen Willen haben, und dabei aber dennoch unbeugsam wollen, was ein zweiter will! Das will noch mehr sagen, als jemandem eine Herrschaft schenken, während man selbst nicht einmal der Inhaber eines Schneckenhauses ist! – Sage mir doch gefälligst, hast du dir diese Weisheit etwa gar vom hl. Ignatius von Loyola zu eigen gemacht? Oder hast du dir einmal dein Gehirn mit einem schlecht ausgebackenen Schöpsenen verdorben?

[RB.01_112,14] Aber nun Spaß beiseite! Sage mir aufrichtig, bist du wirklich so dumm oder foppst du uns bloß so zu deinem Privatvergnügen? Schau, ein Mensch ohne Willen wäre ja doch nichts anderes als ein organomechanisches Uhrwerk ohne Feder oder Gewicht. Ich meine, der Mensch kann wohl seinen Willen einem andern auf eine Zeitlang zu Diensten stellen und das wollen und tun, was irgendein anderer haben will, mag es nun etwas Vernünftiges oder Unvernünftiges sein.
Aber seines eigenen Willens ganz ledig werden, so wie ein schwangeres Weib ihrer Frucht, und sich sodann einen andern Willen gewisserart einsetzen lassen, das geht sogar über den Horizont des letzten Fixsterns! Haue du dir ganz evangelisch wohlgemeint beide Hände und zugleich auch beide Füße ab und laß dir dann ein paar fremde anheften, und wir werden sehen, welche Bocksprünge du damit machen wirst! – Also nur gescheit, Freunderl, gescheit! Hast du eine Kraft, so handle zu unserem Besten! Aber mit deinen leeren Worten verschone uns für immer, Herr Brunissimus!“

[RB.01_112,15] Bruno wendet nun alles auf, sein etwas erregtes Gemüt zu beruhigen, aber der Grobianus will ihm nicht so ganz aus dem Herzen weichen. Nachdem er sein Inneres mehr und mehr beruhigt hat, spricht Bruno zum Grobian: „Freund, deiner absichtlich beleidigenden Einrede habe ich klar entnommen, daß du meine Rede nicht im Geringsten verstanden hast. Ich habe euch vorerst zu einer rechten Geduld ermahnt, ohne die kein Mensch je zu etwas Ausgezeichnetem gelangen kann. Darauf habe ich euch gezeigt, wie ein Mensch nur dadurch vorwärts und zum erwünschten Ziele gelangt, wenn er seinen eigenen, nichts werten Willen dahin gefangen nimmt, daß er durch ihn den Willen eines Weisen in sich aufnimmt und dann nicht mehr den verkehrten eigenen, sondern lediglich nur den besseren fremden Willen als Tatkraft in sich wirken läßt.

[RB.01_112,16] Ich meine, die Sache sollte doch klar sein? Aber du findest in dieser wichtigsten Wahrheit nur eine Dummheit, weil du die Sache so auffaßt, daß man zuvor sich ganz willenlos machen müsse, um erst dann einen fremden Willen als den eigenen in sich wirkend aufzunehmen. Wer aber hat dir je eine solche Lehre gegeben? Das weiß ich so gut wie du und vielleicht noch etwas besser, daß man ohne Willen durchaus nicht wollen kann, was ein zweiter will. Denn ein Mensch ohne Willen wäre entweder ein stummer Automat oder eine bare Statue. Und so versteht es sich doch von selbst, daß ein Mensch nur so seinen Willen in den eines andern übergehen lassen kann, wenn er eben mit dem eigenen Willen den eines andern fest will und danach seine Handlungen einrichtet.

[RB.01_112,17] Der Wille ist der Arm der menschlichen Bedürfnisse. Wer demnach seinen Willen ändern will, muß zuvor seine Bedürfnisse ändern. Ist dem Menschen die Trägheit ein angestammtes Bedürfnis, so bindet dies Bedürfnis der Seele die Notwendigkeit auf, nichts zu tun. Ist dem Menschen die Befriedigung seines Fleisches ein Bedürfnis, so muß die Seele alles aufbieten, um eine Sättigung dem Fleische zuzuführen. Der Mensch aber hat auch ein höheres Erkenntnisvermögen, durch das er das Schädliche der groben Bedürfnisse einsieht. Damit kann er solche unlautere Bedürfnisse bekämpfen, sie endlich ganz verbannen und an ihre Stelle bessere, d.h. göttliche, setzen. Das heißt dann seinen materiellen Willen gegen einen wahren göttlichen vertauschen! Das aber ist es, was ich von euch im Namen des Herrn verlange.

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