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15. Ludmilla

Nach einigen Augenblicken spricht Jakobus: „Fürchtet euch nicht, die ewige Liebe ist ja unter uns in unserer Mitte. Schaut hin, an der Tür steht Er und spricht: `Sehet Meine Hände und Füße, sie sind das Zeichen Meiner sichtbaren Liebe. Durch dieses Opfer seid ihr alle Mein ewiges Eigentum geworden. Lasset euch dieses Bewusstsein nicht mehr nehmen, bemühet euch durch Meinen Heilandsgeist, dass auch Ich euer ewiges Eigentum werde, dann leben wir ein Leben der Freude und Seligkeit bis in Ewigkeit. Amen`. Segnend breitet Er die Arme aus und mit freundlichem Lächeln vergehet langsam die von Licht durchflossene Gestalt. Niemand sprach ein Wort in dieser Stille. Endlich spricht Darius: „Freund Jakobus, hast du etwas beigetragen zu dem Erscheinen des Herrn, ich war völlig unvorbereitet“. Jakobus: „O Darius, nur dieser Mädchenblume ist es zu danken, die in glühender Sehnsucht ihr Leben Ihm weihte, ohne Ihn zu kennen. Bist du enttäuscht?“ Darius: „O nein, im Gegenteil, hoch beglückt. Sein Auge ist milder und Sein Gesicht ernster geworden“. Aber nun ging ein Reden los, es war die reinste Judenschule. Da sagte Darius: „Höret Freunde, so verlieren wir das schöne Erlebnis! Bleiben wir doch recht schön in der Ruhe unseres Herzens, denn der Herr und Meister ist doch noch unter uns und wir wollen Ihn alle recht bitten, dass Er uns noch etwas schenke. Er als das Leben, kann uns auch Einblicke in das Leben gewähren. Darum Bruder Jakobus, bitte du den Herrn, da du mit Ihm am engsten verbunden bist, Er möchte uns aus Seiner Liebe, uns allen noch etwas schenken, was zu unserem Heile dient“. Jakobus: „Eure Bitte ist zu verstehen. Seit heute lebt ihr mit eurem Herzen in einem Himmel und mit eurem Kopf in der Welt. Nun kann aber ein jedes nur den Himmel in sich tragen, den die Liebe schuf. Jesus, der Herr und Meister, schuf einen Himmel, der alle und alles in der ganzen Unendlichkeit einschloss. Wir Menschen aber, die wir nur einen Teil Seiner Liebe unser eigen nennen, können darum auch nur in einem Teilhimmel leben, der aus Seiner Liebe in uns geworden ist. Um nun keine langen Erklärungen zu geben, wird der Herr und Meister einen jeden von euch den Himmel erleben lassen, der in eurer Innenwelt seinen Grund und Anfang hat. Schließet die Augen und versenket euch in die Stille und in den Herrn, der euch so liebevoll segnete“. Jakobus machte das Zeichen des Kreuzes, dann sah er, wie die Menschen völlig entrückt und andere, welche völlig enttäuscht waren. Er sagte: „Unterhaltet euch mit euren Lieben, es sind keine Truggestalten, sondern genau so voll Leben, wie wir“. Ein Reden ging los, ein Fragen und Wundern, und doch störte keiner den anderen. Dieser Gnadenakt dauerte eine Stunde, kontrolliert von Jakobus und einem Stab von Engeln, damit der Feind des Lebens keinen Schaden anrichten konnte. „Erwachet alle wieder in die Wirklichkeit“, mit diesen Worten waren sie alle wieder in ihrem natürlichen Zustand. Da fragte Darius: „Jakobus, ich habe viele und große Dinge gehört von dem Herrn und Meister Jesus, dass Er sich liebenden und sehnenden Herzen offenbart, und das ist Liebe, große und heilige Liebe. Dass Er aber Dinge offenbaren lässt von denen, die längst nicht mehr sind, ist mehr als ein Wunder, denn hier geht der Verstand einfach nicht mehr mit. Siehe, mein Vater trug ein Geheimnis mit sich herum. In seiner Sterbestunde verlangte er nach mir, seinem einzigen Sohne. Durch die allergrößten Anstrengungen meiner Mutter gelang es, mich holen zu lassen, der Vater habe mir etwas anzuvertrauen, aber ich kam zu spät. Bei meiner Ankunft war er schon verschieden. Und jetzt offenbarte er mir in Gegenwart meiner Mutter, dass seine letzte Bitte an mich heute seine Erfüllung gefunden habe. Ich solle mich von den toten Göttern lossagen, da er auch an den lebendigen, den uns unbekannten Gott glaube, den er durch einen alten Freund gefunden habe. So weilte ich in seiner Welt und, o heilige Liebe, der Herr und Meister war dort sein Gast. Es war alles so gediegen, so einfach und doch so schön, ganz dem Charakter meines Vaters angepasst. So führte er mich, trotzdem ich diese Stube nicht verlassen habe, durch große Ländereien, wo viele Menschen ein glückliches Leben führten. Auf meine Frage: `Vater und auch du Mutter, ihr seid doch gestorben, um euch ist aber alles Leben, was ist denn geschehen?` Da wurde mir gesagt: `Seit Jesus, der Gekreuzigte, uns Erlösung brachte, ist Leben über Leben uns geworden, aber nur nach dem Grade, wie wir Liebe gegen unsere Mitmenschen und auch Tiere hatten. Mir ist vieles geschenkt worden, aber es gibt auch viele, denen wenig Freude beschieden war, da sie dem Jesus keinen Glauben entgegenbrachten`. Dann sagte er noch: `Darius, heute ist mein Geburtstag im Leben, ihr nennt es immer noch Sterbetag. Darum dieses Fest, wo der Herr, mein Alles, unser Gast und Freude ist. Die größte Freude aber ist die, dass du nun endlich den gefunden hast, der dein und unser aller Heil ist`“. Auch andere wollten Jakobus ihre Visionen anvertrauen. Jakobus aber sagte: „Meine Freunde, seid ruhig und voller Freude. Behaltet es für euch und bemüht euch, recht in der Liebe tätig zu sein. Ihr vor allem, die ihr euer Glück, eure Freiheit, nur dem Herrn und Meister zu danken habt, seid getreu, seid bewusst, dass euch allen viel, viel Größeres noch erwartet, denn der Herr will euer Vater sein und ihr sollet Seine Kinder werden. Was ihr jetzt erschauen durftet, war Gnade über Gnade, und Vorgänge in und um euch. So ihr aber in der Liebe tätig und ganz in Seinem Geiste lebendig seid, werdet ihr Herrlichkeiten aus Seiner Vaterliebe erleben, für die es keine Worte gibt. Vergesset ja das Danken nicht, denn noch nie ist ein solches Opfer gebracht worden, wie es Jesus, der herrliche Heiland, brachte. Vergebt einer dem anderen, liebet die Liebe und das Leben, dann wachset in Seinem Geist, damit ihr freie und frohe Kinder werdet“. Ludmilla hielt es nicht mehr aus, glühend vor Liebe spricht sie: „Ich kann nicht mehr schweigen, denn zu viel Freude hat sich in mir aufgespeichert. Ich muss über meine Lippen fließen lassen, was mich erfüllt. Ich sah meinen armen Vater, wie er mich trostlos anschaute und sagte: `Ludmilla, ich habe viel leiden müssen, denn meine toten Götter waren ohne Leben, und ich glaubte doch nie an ein Fortleben nach dem Tode. O, wie arm bin ich noch, um mich ist Freude, aber ich kann sie nicht fassen. Es ist alles so schwer, es ist niemand da, der mir Hilfe und Befreiung aus meiner Verwirrung bringt. Auch ich habe die Botschaft des Gekreuzigten vernommen, aber ich blieb taub, bis endlich durch viel Leiden und schwere Mühen sich doch ein guter Geistesbote meiner annahm. O hätte ich doch mit beiden Händen nach der Botschaft des Gekreuzigten gegriffen, mir wäre viel erspart geblieben. O Ludmilla, wir haben oft von Liebe gesprochen, wie du noch ein junges kleines Mädchen warst, aber was ich heute von Liebe vernehme, von meinem Geistesboten und Führer, ist etwas ganz anderes. Nicht Liebe fordern, sondern Liebe üben und geben ist das Grundgesetz in dieser Welt. O, wer es nur fassen und verstehen könnte, da bin ich eben noch zu dumm und blöde. Mein Führer belehrt mich und die anderen, dass ich nicht so denken soll, sondern dass ich auch berufen sei zu der Gemeinde der Seligen, die der Auferstandene gegründet hat. Eins ist das Schlimme hier in diesem Leben, dass alles so tausendfach erschwert ist, während es als Mensch so
leicht gegangen wäre. O, waren die gehörten Worte von dem Menschenbruder schön, und in mein Herz drangen sie wie Wunderbalsam. Wenn du kannst, und du wirst es können, ergreife die Botschaft des Lebens, damit all das Schwere dir erspart bleibt. Sag es allen, die es hören, schrecklich ist der Tod, aber süß das Leben“. Ludmilla schwieg, dann sagte sie zu allen: „Mag das Opfer noch so groß sein, um zu dem neuen Herrn zu kommen, eins aber ist gewiss, es lohnt sich, da es um das Leben geht. In meinem Herzen will ich eine Glut schüren, dass das Feuer der Liebe immer leuchtender werde. Und Du, Herr Jesus, Du uns allen wohlbekannter Gott, nimm unsere kleine schwache Liebe an, die aus unseren schwachen Herzen kommt. Du gabst Dein Leben für uns alle, nimm das unsrige, es ist dein, nicht nur heute, sondern allezeit!“ Jakobus: „Liebe Schwestern und auch liebe Brüder, es ist genug der Worte. Was ihr erlebt habt, ist aus Seiner unermesslichen Liebe und Gnade geschehen. Verlangt nicht mehr danach, damit ihr euch nicht wieder verlieret, sondern wacht und seid tätig im Geiste Jesu, der eure einzige Liebe sein soll und alles nur in dieser Liebe lieben soll. Du, Bruder Veit, und du, Schwester Ilonka, eure Herzen brennen zueinander, aber liebet euch wahr und wahrhaftig in der Liebe, die den anderen glücklich machen will. Der Herr und Meister segnet euren Bund. Du Joram, sei wieder Priester, aber für den lebendigen Christus, und deine erste Handlung sei die, dass du morgen in der Frühe ihren Lebensbund segnest. Mein treuer Darius, im Namen des Herrn und Meisters danke ich dir für deine Mühe, unendlicher Segen wird aus dieser deiner Handlung hervorgehen. Nur noch eine Bitte hätte ich persönlich an dich: Ludmilla mag mit Andree zu dessen Eltern gehen, wo er sich eine kleine, aber gute Gemeinde gründen wird für Jesu. Wird es dir recht sein, Ludmilla?“ Ludmilla: „Recht sein? Schrecklich bist du, denn vor dir ist das Verborgenste nicht sicher. Wenn Andree will, ich habe ihm überhaupt noch kein Wort gegönnt“. Jakobus: „Nun, Andree, sprich ruhig vor allen aus, was dein Herz bewegt. Als Priester deiner Gemeinde musst du ganz frei sein, einmal musst du doch anfangen und dein Herz öffnen“. Andree: „Bruder Jakobus, es ist genug der Gnade und Liebe in diesen Tagen über mich gekommen, ich fange an, mich als Schuldner zu fühlen. Freilich, Ludmilla wäre die rechte Priesterin für mich, ich würde es als das größte Gottesgeschenk betrachten“. Darius: „Jakobus, du lieber Bote und Künder der wahren und reinen Liebe, segne uns alle durch die Kraft des Herrn in dir. Es ist so viel geschehen an diesem Tage, wir wollen diesen Tag beschließen. Nur um diese Liebe bitte ich dich noch, dass du mich und Arnaut zu Levi begleitest, denn ich möchte ihn um jeden Preis retten“. Jakobus: „Darius, der Meister dankt dir für dieses Wort, nun wird es auch gelingen. Und ihr alle, begebt euch zur Ruhe, und so wünsche ich euch eine gesegnete Nacht. Segen über euch und eure Herzen, Segen über euch und über eure Liebe, Segen über euch und über eure Werke, dass sie zeitigen die Frucht der Jesusliebe. Amen“.

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