Sie verließ, ohne noch ein Wort zu sagen, das Haus. Die anderen aber sagten: „Was ist denn in die alte Wurka gefahren, so viel hat sie in ihrem Leben noch nicht zusammenhängend gesprochen“. Spricht Jakobus: „Ja, liebe Leute, wundert euch nicht, sie bringt alle Aussätzigen, damit sie gesund werden sollen“. Da rissen die anderen schnell aus, denn ein Schrecken war in sie gefahren, sie hatten Angst vor der schrecklichen Krankheit. Nur einige wenige waren geblieben. Zu ihnen sagte Jakobus: „Warum geht ihr nicht mit den Furchtsamen, denn auch euch trieb die Neugierde ins Haus zu Amalie“. Sagte eine: „Nun ist es nicht mehr Neugierde, sondern Verlangen, auch diesen Gott kennen zu lernen“. Jakobus: „Dann bleibet, ihr alle werdet dann die Herrlichkeit Gottes schauen und Seine große Liebe erfahren“. Es kamen immer mehr, Angst und Entsetzen packte sie, als sie hörten, die alte Wurka bringe die Aussätzigen. Da sagte Jakobus: „Liebe Leute, fürchtet euch nicht um Dinge, die euch allen dem ewigen Heil dienen sollen. Schauet eure Amalie an, sie ist gesund durch die Kraft und Liebe des wahren und lebendigen Gottes, der euch bisher unbekannt war. Ihr habt gehört von dem Heiland und Wundermann Jesu aus dem jüdischen Land, dessen Bote ich bin. Ich darf euch die Botschaft des ewigen Gottes und Seines Sohnes Jesus überbringen, welche lautet: `Ich lebe und alle, die an Mich glauben, werden auch leben`. Denket ja nicht, wir leben ja, was soll uns diese Botschaft. O liebe Leute, ein Leben aus Gott ist ein anderes Leben, da Jesus Christus, der Sohn Gottes, uns erlöst hat vom Tod und Gericht, und allen Fluch, der auf dem Menschengeschlecht lag, gesühnt hat“. Arius: „Lieber Mann, was ist das für ein Fluch, der auf allen Menschen lastete, was ist es mit dem Tod und Gericht, es müssen doch alle Menschen sterben“. Jakobus: „Arius, was wisset ihr alle vom Leben, nichts. Jeder Pulsschlag deines Herzens zeugt wohl auch vom Leben, aber ein Leben, welches jederzeit ausgelöscht werden kann, da es gerichtet ist. Dieses Leben aber ist der Fluch, der auf dem Menschengeschlecht liegt, dass es dem Fleische zinspflichtig ist, und alles geistige Leben schwer erkämpft werden muß. Darum braucht das gesamte Menschengeschlecht einen Erlöser, sonst wäre es dem ewigen Tode verfallen. In Jesus, dem Menschen- und Gottessohn, ist der Retter erstanden, und der Weg und das Tor zum ewigen Leben frei geworden für alle Menschen, die da eines guten Willens sind“. Arius: „Aber Freund, du schilderst das Menschengeschlecht, als ob es am Abgrund stünde. Was wird aus denen, die schon im Grabe ruhen und aus denen, die deine Botschaft nicht erreicht?“ Jakobus: „Sorge dich dessen nicht. Gott ist Liebe und der Retter und Erlöser hat auch den Weg zu denen gefunden, die das irdische Sein verlassen haben. Seine Liebe und Weisheit findet auch Mittel und Wege, dass sie alle diese Botschaft erfahren“. Arius: „Freund, noch eine ganz wichtige Frage, sie lastet schwer auf mir. Wer gibt mir Garantie, dass, so ich an Gott und Seinen Sohn glaube, auch wahrhaft das ewige Leben überkomme. Bis jetzt sind alle gestorben und keiner konnte sein Leben beweisen noch offenbaren“. Jakobus: „Arius, und ihr alle, höret: Jesus Christus ist der Garant für euer ewiges Leben und Sein, denn, obwohl Er Mensch war, erfüllte Er das Gesetz bis zum letzten Buchstaben und ließ es zu, dass man Ihn verfolgte, verschmähte und zuletzt an das Kreuz heftete und Sein Leben opferte für die Wahrheit Seiner Lehre. Sein in Ihm geeinter Geist mit dem Gottesgeist aber überwand den Tod, und nach drei Tagen stand Er im unzerstörbaren Leibe unter uns und brachte die Kunde: `Ich lebe, und die an Mich glauben und Meine Lehre ausleben, werden auch leben`. Sehet, so lebt in allen, die an Ihn glauben und in Seinem Geiste, Seiner Liebe leben, Seine Kraft und Herrlichkeit, und alles wird möglich, so ich recht glaube und mit Ihm verbunden bin im Geiste“. Obeth: „Lieber Menschenfreund, jetzt habe ich nicht nur dich, sondern auch deinen Gott und den Retter und Heiland Jesus verstanden. Ich wollte keine Einwendungen machen, und ich wünschte, ich könnte Manches ungeschehen machen in meinem Leben. Da schaut ja die Menschheit und die gesamte Welt ganz anders aus. Was habe ich wohl zu tun, dass ich das ewige Leben erringe?“ Jakobus: „Glaube an Jesus, den Lebendigen, dann wird Sein Geist in dir lebendig werden. Und hemme diesen Geist nicht, denn er führt zu Gott, dem Ewigen“. Amelia kommt ganz erhitzt und spricht: „Die halbe Stadt weiß um dieses Wunder, du wirst dir viele Fragen gefallen lassen müssen, du edler Menschenfreund!“ Jakobus: „Amelia, was wird wohl die ganze Stadt sagen, wenn der ewige Gott eure Aussätzigen heilen wird, die die alte Wurka bringt, denn sie ist schon auf dem Weg nach hier“. Amelia: „Die alte Wurka, die kaum zehn Worte sagen konnte? O, Du unbekannter Gott, lass Dich nicht so lange suchen, verbirg Dich nicht hinter Deinem Priester, damit wir Dir den gebührenden Dank entgegenbringen können“. Jakobus: „Amelia, würdest du im rechten Glauben dem dir noch unbekannten Gott ein Opfer bringen und Ihm einen Dienst erweisen, der deinen kranken und aussätzigen Schwestern und Brüdern zum Heile werden würde?“ Amelia: „Bedingungslos tue ich, was dein Gott, der auch der meine sein soll, von mir verlangt“. Jakobus: „Dann fülle einen Kübel mit reinem Wasser und einem reinen Lappen, damit wäschst du einen jeden Kranken. Tue es im Namen deines Herrn und ewigen Gottes, dann wirst du Seine Herrlichkeit sehen“. Amelia: „Ja, ich tue es. Es genügt mir zu wissen, dein Gott ist auch mein Gott“. Eilig füllte sie einen Kübel mit reinem Brunnenwasser, die Mutter gab ihr ein Tuch. Da kommt auch schon die Wurka mit einer großen Anzahl Aussätziger, alt und jung. Vor dem Hause warten sie auf Geheiß der Wurka. Von weitem verfolgten die Neugierigen die Kranken, aber die Wurka nahm keine Rücksicht. „Kommet, der Retter ist da“ waren ihre Worte. Im nächsten Augenblick war das Häuschen leer, alle waren sie auf die Straße geeilt, Jakobus und Amalie als die Letzten. Spricht Jakobus: „Wurka, hast du die Überzeugung, dass dich der wahre und heilige Gott nicht enttäuscht, denn ohne zu fragen, bist du von hier geeilt?“ Wurka: „Wenn der wahre Gott Liebe ist, wie ich an Amalie erlebte, dann wird mich keine Enttäuschung berühren, denn Liebe will ja allen helfen“. Jakobus: „Auf deinen Glauben hin sage ich dir, du treue Wurka, dass der heilige Gott und Vater aller Menschenkinder dich für würdig befunden hat, Dienerin der heiligen und erlösenden Liebe zu sein, dir geschehe nach deinem Glauben. Euch aber, ihr Kranken und Leidgeprüften, lasset euch sagen, dass eure Zeit des Leidens vorüber sein soll, so ihr an den Gott, der Liebe und ewiges Leben ist, glauben wollt. Wer da nicht glauben kann, mag ruhig zurücktreten. Wer da glauben kann, setze sich auf den Boden, damit Amelia mit dem Wasser, welches ich im Namen des Herrn segnen werde, euch waschen kann. Bist du bereit, Amelia?“ – „Ja, mein Herr und Gott“, rief Amelia mit lauter Stimme. Da kniete Jakobus nieder und betete: „O, Herr und Meister, Deine Liebe führte es, dass viele Kranke Hilfe bei Dir suchen, der Du die Kraft, Macht und Herrlichkeit bist. Erfülle mich ganz mit dem Strom Deiner Kraft und Macht und lass das Werk Deiner Liebe gelingen. Wir danken Dir mit kindlichem Herzen und bitten Dich, sei unter uns und offenbare Deine Liebe, Macht und Herrlichkeit. Amen“. Sei gesegnet im Namen des Herrn Jesu, du Wasser, sei belebt durch die Kraft
des Herrn und ewigen Gottes und so erfülle sich der Wille Gottes an diesen Kranken. Du, Amelia, des Herrn Segen über dich und deine Liebe! Vollbringe im Glauben, was Liebe sich ersehnt. Jesus mit euch“. Da wollte Amelia das Tuch in das Wasser tauchen, da kam Wurka und sagte: „So nicht, Amelia, mit einer Schüssel schöpfe ich dir, denn diese Tat erfordert doppelten Glauben“. Schnell war eine Schüssel zur Hand. Amelia wusch die ersten Drei mit Beten und Bitten, o Wunder, das Wasser nahm den Aussatz. Da jubelten die Drei, aber Wurka sagte: „Kinder, danket und bittet, alle sollen gereinigt werden, so will es der wahre Gott“. Zehn mal brauchte Wurka Wasser, alle wurden rein, da knieten noch alle 30 auf dem Boden. Sagte Jakobus: „Bruder Arius, walte deines Amtes als Priester und Diener des lebendigen Gottes. Amen“ Da besah Arius die Gereinigten und sagte: „Ihr seid rein durch die Gnade des Herrn und Gottes. Ihr dürft wieder dort hingehen, wohin ihr wollt. Vergesst das Danken nicht, und eingedenk dieser großen Gnade, bleibt diesem wahren Gott getreu“. Da wich die Menge bestürzt zur Seite. Vor diesem allgewaltigen Werk der unbekannten Gottheit wagte niemand ein Wort zu sagen. Aber Wurka, ihre beiden Enkel bei den Händen nehmend, sagte zu Jakobus: „Du Bote der Liebe und Vertreter deiner Gottheit, gib uns ein Wort, wie ich zu leben habe. Was uns hier geschehen ist, kann nur einem lebenden Gott möglich sein“. Spricht Jakobus: „Kinder, schaffet erst einmal Ruhe in euch. Es sind noch viele unter euch, die noch an den toten Göttern hängen, denn der wahre Gott, der auch der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Will ganz und gar nicht angenommen sein. Heute Abend werde ich euch dienen wie ein Bruder, werde euch hineinführen in den Geist, der unser aller Glück und Leben will, und euch Kunde geben von dem Sohne Jesu, der uns allen der Weg zum Vater ist. Reinigt zuvor eure Herzen von den Anhängseln falscher und toter Götter, damit Jesus, der Heiland, ein gereinigtes Herzenshaus vorfinde. Wer sich aber nicht trennen kann und mag von seinen toten Göttern, bleibe ruhig dabei“. Wurka: „Dein Wort, du Bote Gottes, ist wie ein Licht, was da erstrahlt in einer Nacht und mir leuchtet in froher Hoffnung. Ich wollte, ich wäre noch jung, um ganz Dienerin der Liebe zu sein. Nun aber sterbe ich gerne, da ich diese Armen der Armen, Ausgestoßenen vom Glück, wieder glücklich sehe. Nur so lange lass mich noch leben, Du herrlicher und unbekannter Gott, bis ich Dich ganz erfasst habe und dir danken kann für die Erfüllung meiner Sehnsucht“. Jakobus: „Wurka, bleibe mit deinen Sorgenkindern, dein Herzenstor ist offen, ihr anderen aber tut nach meinen Worten“. Es kommt die Wirtin, um Amelia zu holen, denn die Arbeit häufte sich an. Aber Amalie sagte: „Lass heute Amelia hier, denn vor diesem großen Gotteswunder muss alles stille stehen. In treuem und doppeltem Fleiß wird sie alles wieder einholen“. – „Ach was, Gotteswunder, wenn man vor Arbeit nicht weiß, wo aus und ein. Für mich gibt es nur ein Wunder, wenn die viele Arbeit nicht mehr wäre, auch ich sehne mich nach Ruhe“. Jakobus: „Beschaue dir Amaliens Hände und Füße, sie hatte bis jetzt Ruhe“. Amalie: „Frage die Wurka, die alle Aussätzigen holte. Sie alle wurden rein“. Die Wirtin: „Ach, darum dieser Auflauf, so etwas hat Rakka noch nicht gesehen. Aber nun weiß ich immer noch nicht, was geschehen ist“. Wurka: „Gott ist zu uns gekommen, der wahre, wirkliche und lebendige Gott, von dem uns kein Priester und Mensch je eine Mitteilung machte“. Wirtin: „Haben wir noch nicht genug Götter? Aber von dem Gott möchte ich etwas erfahren“. Jakobus: „Jetzt nicht, die Pflicht bindet dich an dein Haus. Dein Mann ist ungehalten, weil du überall fehlst, aber morgen sollst du mehr erfahren. Mache dich aber mit dem Gedanken vertraut, der wahre Gott möchte auch in dein Haus einkehren“. Wirtin: „Da muss ich aber eilen, sonst ist der Unfriede eher da, als der wahre Gott“. Auch Obeth verließ das Haus der Amalie. Aber zuvor dankte er Jakobus noch und sagte: „Ich habe noch mehr Verlangen nach dem lebendigen Gott, der allen Erlöser sein will. Ich weiß nur, dass Er da ist, aber ich finde noch nicht den rechten Weg zu Ihm“. Jakobus: „Obeth, die alte Wurka hat allen den Weg zu Ihm gezeigt. Liebe ist Sein wahres Wesen und Liebe Sein Vermächtnis, das Er allen, allen Menschen als Trieb in das Herz legte. Darum liebe die Liebe und werde ihr Diener, dann hast du den ewigen Gott nicht nur gefunden, sondern bist Sein Diener und mit Ihm verbunden“.
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19. Wurka
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