An Schlaf dachte niemand. Sabine richtete noch ein Mal für den anbrechenden Tag, denn es galt, voneinander zu scheiden. Nur Jakobus blieb auf inneres Geheiß noch einen Tag, die Freunde aber schieden, da die Pflicht es erforderte. Petro war erfreut, Jakobus noch einen Tag bei sich zu haben, aber Jakobus sagte: „Petro, der Herr will es. Großes wirst du noch heute erfahren, denn die Freunde werden nicht schweigen über das Wunder des Herrn, denn du wurdest von vielen bemitleidet um deines Weibes und Sabine willen. Viele werden dich besuchen und sich erkundigen, aber auch geheim, um Linderung ihres Leiden zu erfahren. Sei dir bewusst, dass ein jeder Gast, sei es ein Fremder oder nicht, ein Gott-Suchender und Ringender ist, dann wird dir der Herr die rechten Worte und Sabine die rechte Hilfe geben“. Was Jakobus voraus sagte, traf ein. Schon am Nachmittag kamen die ersten Gäste, getrieben von Neugierde, wie auch von Sehnsucht nach Hilfe. Sabine war allen ein Wunder. Zu ihr hatte man Zutrauen, während man Jakobus mit einiger Scheu betrachtete. Sabine hatte alle Mühe, um alle Fragen zu beantworten. Petro aber war klüger, er ließ Brot und Wein auf den Tisch bringen. Ein Eselskarren kommt angefahren, begleitet von zwei Frauen, die recht zaghaft in das Gastzimmer eintreten. Petro, der diese bemerkte, geht hin, begrüßt dieselben auf das Freundlichste und fragt nach ihren Wünschen. Ob sie recht seien, ein Prophet sei hier und könne alle Kranken gesund machen. Petro: „Ihr seid schon am rechten Ort, aber ob der Prophet euch helfen kann, hängt von euch ab, denn dieser Prophet ist ein solcher Mensch wie wir, aber erfüllt von einem Glauben an einen lebendigen Gott. Bringt erst einmal eure Kranken herein und führt euer Tier in den Stall, denn es ist hungrig und durstig“. Spricht die Eine: „Petro, du Lieber, das Tier können wir versorgen, aber meinen Mann muss ich auf dem Karren lassen, da er Schmerzen hat, die ihn ganz schwach machen. Vielleicht könnte doch der gute Mann an den Karren kommen“. Jakobus, welcher gerade auf dem Hof war, sieht das Eselsgespann, geht hin und betrachtet den darauf befindlichen Menschen, der auf Stroh gebettet war- Die Sonnenhitze, wie auch das Fahren auf den schlechten Wegen bewirkten, dass eine wohltuende Ohnmacht ihn befiel. Er streichelte das von Schmerzen verzerrte Gesicht und ließ durch seine Hände den Strom von Liebe auf ihn wirken. Da erwachte der Mann und spricht: „Welche Wohltat tatest du mir, ich habe doch gar keine Schmerzen mehr. Würdest du mir von dem Wagen helfen? Meine Frau und meine Schwestern müssten in das Haus gegangen sein, um sich nach dem Propheten umzusehen“. Jakobus: „Mann, wenn du an den lebendigen Gott glauben könntest, würdest du meine Hilfe nicht benötigen, da ja Er der eine und wahre Gott von Ewigkeit ist“. Da fragt der Mann: „Darf ich denn noch wagen, die Götter zu verlassen, die mich so empfindlich straften?“ „Du bist im Irrtum“, erwiderte Jakobus, „Nicht die Götter straften dich, sondern dein eigener Ehrgeiz. Du wolltest deinen Nachbarn beweisen, dass du ohne ihre Hilfe und ohne die Götter dein Haus bauen konntest. Dabei fielest du vom Dache und hast das Rückgrat gebrochen. Du aber warst der Meinung, die Götter haben dich gestraft!“ Der Kranke: „Wie kannst du dieses alles wissen, bist du doch ein Fremdling. Haben die Frauen dir dieses gesagt?“ Jakobus: „Nein, aber der wahre Gott, dessen Diener ich bin. Darum habe du Vertrauen zu mir, auch ich möchte, dass du wieder froh und glücklich wirst“. Der Kranke: „Ich will vertrauen, guter Mann, ich muss dir ja glauben, wenn ich leben will, denn mit diesen Schmerzen ist ein Leben unmöglich“. Jakobus berührte ihn mit der Hand und sprach: „Stehe auf und steige vom Wagen im Namen des Herrn! Glaube fortan an den wahren, lebendigen Gott! Und betrachte von nun an alle Menschen als deine Brüder und Schwestern. Gott will, dass du gesund wirst!“ Der Kranke stand auf, stieg vom Wagen und sagte: „Verlange, was du willst, was in meiner Kraft und in meinem Willen liegt, werde ich tun, denn vor dieser Macht und Kraft muss alle menschliche Torheit weichen!“ Jakobus nimmt ihn an der Hand und spricht: „Komm ins Haus, die Frauen sind um dich in Sorge. Du hast an dir die Kraft Gottes erlebt, nun sollst du auch um deiner Brüder willen Seine Liebe erleben!“ Da kommen auch schon die Frauen. Eine stürzt hin und schreit: „Krischan, Krischan, was ist mit dir geschehen?“ – „Nichts, Omelie, der ewige Gott gab mir die Gesundheit zurück, die ich mir verscherzte“. Die andere Schwester wusste nicht, wie ihr geschah, ganz still ging ein Leuchten aus ihren Augen. Sie ging zu dem Esel, spannte ab und sagte: „Was sind wir für Esel gewesen, hielten die Kunde von dem Heiland für ein Märchen und hängten uns an tote Götzen!“ Immer mehr Menschen kamen. Die, welche den Krischan kannten, entsetzten sich über diese Heilung, aber Omelie mit ihrer sanften Art, beruhigte die Neugierigen. In der großen Gaststube war ein Durcheinander. Jakobus konnte zu keiner segensreichen Wirkung kommen, die Wucht dieser Heilungen waren Sensation. Da kommt noch ein Besucher. Die Leute waren ganz still geworden bei seinem Eintritt, denn er war ein fanatischer Heidenpriester. Ohne zu grüßen, geht er auf Krischan zu und spricht: „Krischan, musste das sein, dass du diesen Juden zur Hilfeleistung aufsuchst? Warum fandest du den Weg nicht zu mir? Was dieser launische Judengott vermag, ist jedem unserer Götter Leichtigkeit“. Sabine, die jedes Wort hörte, war entsetzt über diese Anmaßung. Sie kannte diesen Priester zur Genüge. Ihr ganzes Innere drängte, aber die ewige Liebe mahnte zur Ruhe! Krischan sagte: „Bonja, du kommst mit deinen Vorwürfen zu spät. Seit Tagen weißt du um mein Unglück, es wäre deine Pflicht gewesen, zu mir zu kommen. Wenn es etwas zu holen gibt, bist du ja auch gekommen. Dass ich den Göttern nicht mehr meine ganze Aufmerksamkeit zuwandte ist nicht meine, sondern deine Schuld. Wundert es dich, wenn wir die Kunde von der Heilung der Sabine erhielten, dass wir unter den größten Anstrengungen hierher eilten? Es war nicht vergebens, denn nicht ich bettelte um Heilung, sondern der von dir verachtete Judengott bot mir Seine Hilfe an, wenn ich an Ihn glauben könnte. Ich tat es, und im nu war ich geheilt!“ Petro trat hin zu dem Priester und sagte: „Bonja, du bist in einem freien Hause und nicht in deinem Heim! Deine Art, über meine Gäste zu herrschen, ist eine Beleidigung des lebendigen Gottes, der gerade mir Seine größte Liebe und Gnade schenkte. Für Sabines Leiden hattest du ein Achselzucken! Beim Tode meines Weibes war in dir kein fühlendes Herz. Kalt waren deine Worte, aber noch kälter war dein Wesen! Da, schau dir Sabine recht an. Warum versagten die Götter – und du als ihr Priester? Zu jedem Opfer war ich bereit. Alles hätte ich dahingegeben, um Sabine und um meines Weibes willen“. Da spricht Bonja: „Petro, ich habe dir kein Recht gegeben, über meine Wesensart zu kritisieren. Was ich bin, bin ich durch die Götter, deren Priester ich bin und bleiben werde“. Petro legte seinen Arm auf Bonja`s Schulter und sagte: „Bonja, dann müssen wir uns trennen. Mit dir länger zu verkehren hieße ja, den lebendigen Gott schlagen. Oder meinst du, deine toten Götter könnten Ähnliches oder Größeres vollbringen? Jedenfalls ist eine Gemeinschaft mit dir, solange du in deinem Irrtum verbleibst, nicht mehr denkbar“. Bonja erwiderte: „Petro, ich verstehe dich nicht, mir die Gefolgschaft aufzusagen! Was ich tat, geschah es nicht zum Nutzen der Götter?“ Petro: „Zu deinem Nutzen, wolltest du sagen, denn man kann für niemand was tun, der nicht da ist“. Bonja, höhnisch lächelnd: „Ach, sieh einer an, auf einmal sind unsere Götter ein Nichts, ein Niemand – und nur darum, weil ein zweifelhafter Jude es verstand, mit seinen Künsten einige Heilungen zu vollbringen. König Abgarus hätte ein noch viel größeres Opfer dem Judengotte gebracht, wenn sein Sohn gesund geworden wäre. Trunken seid ihr alle, darum ist es meine Pflicht, euch wieder nüchtern zu machen“. Jakobus, der zu allem schwieg, trat hin zu Bonja und sagte: „Ich bin der zweifelhafte Jude, was gedenkst du mit mir zu tun?“ Bonja: „Was habe ich mit dir zu schaffen? Mit Juden verkehre ich nicht. Das Wohl meiner Gemeinde liegt mir am Herzen“. Jakobus: „Eben, weil das Wohl aller mein Lebenszweck ist, musst du dir gefallen lassen, dass ich mich mit dir beschäftige. Auch dein ewiges Wohl liegt mir am Herzen, denn es geht nicht an, dass ich, als Diener des lebendigen Gottes, einen oder den anderen ausschließen würde. Deine herabwürdigende Art tut mir nicht weh. In einer halben Stunde kannst du ja die Kraft deiner Götter beweisen! Die alte Mirja mit ihrem Enkelkind kommt, um Heilung zu erbitten“. Entsetzt schauen die meisten der Anwesenden auf Jakobus. Da spricht Bonja: „Was weißt du von Mirja und ihrem Enkelkinde, die draußen im Kalten hausen?“ Jakobus, dem Priester fest in die Augen sehend, spricht: „Mirja ist mit ihrem Enkelkind auf dem Wege nach hier. Gute, hilfsbereite Menschen brachten ihr die Kunde meines Hierseins und die Heilung von Sabine. Warum entsetzt du dich darüber? Freuen müsstest du dich darüber, denn nun hast du Gelegenheit, mit deinen Göttern ihre lebendige Kraft zu beweisen. Mein ewiger Gott lässt dir das Vorrecht! Wird es dir durch die Kraft deiner Götter möglich sein, ihren Aussatz zu heilen, dann will ich lebenslang ein Aussätziger bleiben. Vermagst du aber mit deinen Göttern nichts, sollst du so lange aussätzig bleiben, bis du dich vor dem lebendigen Gott gedemütigt, und dein herrisches Wesen abgelegt hast! Denke ja nicht, dass du dem lebendigen Gott entfliehen kannst. Seine Macht und Kraft kennst du!“ Bonja ist entsetzt. „Teufel, du“, schreit er laut auf, „was habe ich mit dir zu schaffen?“ Da spricht Petro: „Bonja, ich bin der Vorsteher dieser Gemeinde und ein römischer Untertan. Den Vorschlag des Jakobus finde ich sehr gut, denn sollte es dir gelingen, wird Jakobus lebenslang ein Aussätziger sein, während du nur so lange, bis du dich zu dem wahren Gott bekennst. Ich wüsste nicht, wie du dich darüber entsetzen könntest“. Sich zu den anderen wendend, spricht er weiter: „Freunde, habet keine Angst, euch wird nichts geschehen. Wer von euch schwach ist, mag sich ruhig entfernen, ehe Mirja kommt. Ich kann euch aber versichern: Keinem wird ein Leid geschehen, wer gläubig den wahren Gott annimmt!“ Sabine: „Auch ich schließe mich meinem Vater an, ja ich will die beiden umarmen und ihnen eine Bleibe in unserem Hause anbieten“. Jakobus: „Bonja, ich will dir weiter entgegen kommen, im Sinne des lebendigen Gottes. Sabine soll die beiden Unglücklichen im Namen des Herrn heilen, damit auch nicht der geringste Zweifel von geheimnisvollen Kräften aufkommen kann. Sabine, bist du bereit, diese Liebe den Heiden zu schenken? Lasse nicht den Gedanken aufkommen, dass es nicht gelingen könnte, sondern glaube, dann wirst du allen ihre Sehnsucht stillen!“ Bonja gebärdete sich wie ein Wilder. Er möchte fliehen, kann aber nicht, er möchte brüllen, muss aber stumm sein. Sabine sieht diesen Kampf, geht zu ihm und spricht: „Bonja, warum willst du die Liebe des wahren Gottes nicht sehen? Dir wird ja nichts genommen, sondern gegeben! Wie viele in deiner Gemeinde fürchten sich vor dir, da deine unbarmherzige Härte ihnen unverständlich ist. Wenn nun der wahre und barmherzige Gott sich über uns erbarmt und durch Seinen Boten uns allen Seine heilige Liebe offenbart, uns allen Seine helfende Hand anbietet, kann doch nur Grund zum Freuen und Danken sein, und nicht Hass, wie er sich durch dich offenbart! Wir möchten dich doch nicht verlieren, sondern du sollst weiter unser Priester sein, aber im Geiste der erlösenden Liebe Jesus, des lebendigen Gottes, der uns im Jakobus Seine Liebe, Sein Leben, Seine Macht und Seine Herrlichkeit anbietet!“ Mirja mit ihrem Enkelkind war angekommen. Weit vom Hause standen sie, da sie sich nicht näher getrauten. In noch größerer Entfernung standen noch etliche, die sich Mirjas wegen nicht heranwagten. Jakobus: „Bonja, sie sind gekommen. In ihren Herzen ist Hoffnung und Zweifel. Bist du bereit, sie hereinzuholen oder bestimme du, wer zu den beiden gehen soll. Noch liegt die Entscheidung bei dir. Einen größeren Beweis von der Liebe Gottes wirst du nicht verlangen können!“ Bonja schwieg. Sabine aber eilte hinaus zu den Wartenden, nahm ihre Hände und sagte: „Mutter Mirja, komme schnell mit Katinka ins Haus. Nun sollst du erlöst sein von allem Übel, uns allen ist Großes widerfahren“. – „Darf ich noch hoffen, du gutes Kind? Dort sind vorn noch welche, die sich vor mir fürchten“. – „Das hat nun keine Not mehr, Mutter Mirja. Kommt mit mir herein, ihr werdet erwartet, denn der wahre, ewige Gott ließ uns wissen, dass du auf dem Wege – mit Katinka – zu uns bist.“ Vor der Türe zögerten die Mutter Mirja mit Enkelkind. Sabine sagte, allen hörbar: „Tretet ein als Gereinigte in unser Haus nach dem Willen des Herrn! Sein Name sei hochgelobt und gepriesen! Seine Macht und Seine Liebe aber soll unsere Liebe werden! – Gehet hin zu Bonja, dem Priester, damit ihr euch wieder frei bewegen könnt.“ Die beiden Kranken sahen sich an, ihr Aussatz war verschwunden. Mirja wollte vorwärts gehen, da wurde sie ohnmächtig und fiel vor Sabine, die sie nicht aufhalten konnte, auf den Boden. Da drängten sich die anderen heran, doch Jakobus sagte: „Sabine, lege deine Hände auf den Kopf, die Freude war zu groß über die Wohltat, dann wird sie wieder zu sich kommen“. Sabine tat, wie Jakobus ihr geraten hatte. Da erwachte die alte Mirja, kniete, lange um sich sehend, und sagte: „O welch eine Freude, welche Großtat der Liebe dürfen wir erleben, wir sind rein! Komm, Katinka, auf den Knien wollen wir danken dem Gott, den wir nicht kannten, der aber Leben sein muss, weil wir ein neues Leben leben dürfen! O Du lebend Wesen Du, lasse uns durch Deinen Priester erfahren, wie wir Dich gebührend loben und preisen können! Dein Wille sei unser Gesetz für immer!“ Sie stand auf, ging, Katinka bei der Hand nehmend, zu Bonja und fragte, ob sie noch immer unrein sein sollen. Bonja besah die beiden, sein Auge konnte nicht das Geringste erblicken. Da sagte er: „Ihr seid rein, eure Schritte sind frei, aber ich werde dafür büßen müssen. An meinen Händen fühle ich schon das fressende Übel“. Jakobus sprach: „Nur so lange, bis du den wahren Gott findest, denn auch du sollst leben! Denke an die Liebe, die dir Sabine anbot. Da du dich aber noch nicht entschließen kannst, dich zu demütigen, zwingt dich dein eigenes Gesetz, uns zu verlassen. Im kalten Winkel kannst du Gericht mit dir halten. Eine Gnade schenkt dir der rechte Gott! Um deinen Lebensunterhalt sollst du nicht betteln, wie Mirja und Katinka, sondern Mirja wird dir jeden Tag bringen, was du benötigst. Es liegt an dir, deine Leidenszeit abzukürzen! Durch Sabine kann dir dann Gottes Hilfe werden. Mit deinen Göttern konntest du deine Mitmenschen beherrschen, mit dem wahren Gott aber sollst du dienen! Deine Götter ließen sich betrügen, da sie nicht sind. Der ewige Gott sieht aber einem jeden ins Herz und weiß um alle Gedanken. Darum entferne aus dir, was sich noch entfremdend zwischen dich und Gott stellt, und du wirst angenommen werden. Aber nun gehe, damit dir nicht noch Ärgeres widerfahre“. Bonja ging, ohne sich umzusehen, aus dem Hause. Er war unfähig, auch nur ein Wort zu sagen. Jakobus sagte: „Nicht traurig sein, bald werdet ihr rechte Freude erleben. Für ihn gibt es keinen anderen Weg! Er muss das Leid am eigenen Leibe kennen lernen, um für das Leid anderer Verständnis aufzubringen, denn eines Menschen innerer Wert wird offenbar, wie er sich zum Leid anderer stellt“. Da sagte Mirja: „Jeden Tag werde ich bei ihm sein. Ich werde nicht aufhören ihn zu bitten, dass er auch den Weg nach hier zurückfindet“. Petro: „Kinder, nun schließet euch aber zusammen in der Liebe, die uns geoffenbart wurde. Sabine wird ein Mahl richten, ihr alle seid für heute meine Gäste“. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sich die Gemüter beruhigten und zur rechten Freude aufschwangen. Krischan und Mirja wurden nicht müde, immer Neues von dem guten Heiland zu hören. Es kommt eine Störung. Ein Trupp Römer hält vor der Herberge. Ihr Führer lässt absitzen und betritt die große Gaststube. Petro eilt hin und ruft: „Claudius, du kommst zur guten Stunde. Heute musst du mit deinen Leuten hier bleiben, wir sind alle zusammen deines Glaubens geworden!“ Claudius: „Ich hörte große Dinge von euch, und um die rechte Überzeugung zu haben, machte ich einen Umweg nach hier. Endlich, Bruder Jakobus, sehe ich dich wieder. Deine treuen Augen sind noch dieselben! Die Mühe lohnte sich, da muss ich schon bis morgen hier bleiben“. Als er Sabine sah, sagte er: „Hast du noch Sehnsucht, deiner Mutter ins Grab zu folgen?“
Sabine: „O Herr, du warst es, der mich auf Jesus, den guten Heiland, aufmerksam machte. Du warst es, der die Sehnsucht in mir weckte, zu Dem, der heute mein Gott und Vater ist. O, habe auch du den Anteil an Freude, wie wir uns so unendlich freuen. Da schau Krischan, heute morgen noch ein Mann mit gebrochenem Rückrat. Und die Mutter Mirja mit ihrer Katinka, war noch vor einer Stunde unrein! Soll da unser Herz nicht jubeln?“ Claudius gab seinen letzten Befehl, die Pferde zu versorgen, denn wir bleiben bis morgen früh. Seine Leute, die schon halb überzeugt waren von der Lehre des Herrn, staunten nicht wenig über die Heilungen. Aber noch mehr erstaunten sie, als sie erfuhren, dass Bonja, der Priester der heidnischen Gemeinde, plötzlich vom Aussatz befallen wurde. Claudius sagte: „Es wundert mich, dieses zu hören. Es ist der erste Fall, wo Gott strafend wirkt. Bis heute erlebte ich nur Beweise der allergrößten Liebe!“ Jakobus: „Aber Claudius, Bonja erlebt heute die größte Liebe, denn nur dadurch entgeht dieser Bruder seinem Untergang und wird, was ich glaube, noch eine rechte Säule!
Sabine als Vertreterin der Liebe, und Bonja als Vertreter der Lehre, so sehe ich es in mir! Mit dankbarem Herzen scheide ich morgen von hier, denn nun ist wieder eine Gemeinde gegründet, auf die der Herr sichtbar Seinen Segen legen wird“. Nun musste Jakobus erzählen von seinen Erlebnissen. Alle lauschten seinen Worten, am meisten aber die Soldaten, die noch nie mit einem Jünger Jesu zusammen waren. Beim Mahl brachte Petro Wein. Den einfachen Leuten war es ein Wunder, so bewirtet zu werden. Die alte Mirja aber weigerte sich, sie wollte denselben dem Bonja bringen. Stunden vergingen, die Leutchen dachten an keine Heimkehr, bis endlich Petro sagte: „Liebe Freunde und Nachbarn, ihr müsst nun wieder zurück in euer Heim. Euer Vieh will versorgt sein, eure Arbeit muss getan werden. Von nun an wird euch Sabine dienen, bis Bonja unser Priester geworden ist. Vergesset diese heiligen Stunden nicht! Du, Krischan, und du, Mirja, bleibt mir euren Lieben hier, da ihr noch die Weihe empfangen sollt. Durch eure Heilung seid ihr in den Mittelpunkt gerückt. Es ist noch manches, was euch zu wissen Not tut. Jakobus wird uns weiter dienen“. Bis weit über Mitternacht diente Jakobus den aufmerksamen Zuhörern. Alle Soldaten waren restlos gewonnen für die Lehre des Herrn. Mirja aber war die Aufmerksamste. Sie sagte: „Mein Herz ist so übervoll von Dank. So viel, wie ich heute erlebte, ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht geworden. Ich kann dieses alles nicht im Gedächtnis behalten, aber eins ist sicher, für diesen Heiland gehe ich gerne wieder in den kalten Winkel, weil ich mich nun nicht mehr ausgestoßen fühle“. Claudius, der um der anderen willen immer schwieg, schilderte nun sein Zusammentreffen mit Jesus. Noch einmal beleuchtete er die Gnadenführungen, die ihn zu der Überzeugung brachten, Jesus lebt und ist wahrhaftig von den Toten auferstanden! „Wer die Stunden von dem Sterben Jesu erlebte und dann hinein geführt wird in das neu erstandene Leben, kann nicht anders, als mit Jesus gehen! Wer dieses nicht begreifen kann, dem ist nicht zu raten, wenn Leid und Weh ihn zusammendrücken. Ich sah welche, die von den Templern gemartert wurden, aber aus ihren Augen leuchtete Freude. Wiederum erlebte ich Heimsuchungen, da wollte ich Tröster und Helfer sein, aber das Gegenteil geschah, ich ging als Getrösteter und Gestärkter von dannen! Das Herrlichste aber ist vor allem das, man fühlt sich mit allen Gleichgesinnten so innig verbunden! Himmlisches Wehen umgibt unsere Herzen und macht uns frei und stark für den besten Vater. – Ja, Du mein Heiland und mein Vater, Gott und Herr, Du hast die Wege geebnet für einen jeden Menschen – als Sohn, um uns jetzt zu begleiten – als Vater, bis wir ganz und auf ewig Dein Eigentum geworden sind. So nimm denn unsere Hände und führe uns nach Deinem Liebewillen! Amen“. Da wurde an der Türe der heilige Vater sichtbar. Näher kommend, spricht Er: „Mein heiliger Friede sei mit euch! Endlich ist auch Mir die Freude geworden, euch zu beglücken und euch aufs Neue den Beweis zu geben, wie Ich euch liebe! Nicht mit Worten will Ich es bekunden, sondern ein jeder empfinde in sich Mein himmlisches Wehen. Keinen schließe ich aus, keiner sei Mir gering. Aber sein kann Ich jedem nur so viel, wie Mir Raum in euch gegeben wird! So empfanget aus Meiner Liebe Meinen Vatersegen, damit Ich in euch verbleiben kann. Mehr kann Ich heute nicht geben, um der Schwachen willen. Ihr aber, die ihr Mir mit allen Kräften dient, ersetzt Mich ganz, damit ja keiner Mich vermisst. Mein Friede mache euch stark und Meine Liebe sei euer Leben! Amen.“ Langsam verschwand der Herr. Erst war Ruhe, dann aber wurden sie alle frei. Einige gingen zur Ruhe. Claudius aber, sowie Petro, Sabine, Krischan und Mirja blieben um Jakobus, der sie tiefer in das Wesen der ewigen Liebe hinein führte, damit sie diese Liebe noch mehr verstehen möchten. Mit Tagesanbruch rief die Pflicht, dann aber gab es ein Auseinandergehen, aber nur nach Außen. Innerlich waren sie zusammengefügt und ganz willens, nur noch dem Herrn und Seinem heiligen Werke zu dienen. Als Jakobus sie segnete, leuchteten Tränen des Dankes und der Freude aus ihren Augen. Neu gestärkt, ging Jakobus nur noch einen Tag, um nach Edessa zu gelangen. Jakobus sagte für sich: „Du, mein Jesus, bist mit alles. Nur um Deinetwillen bin ich Zimmermann für Dein Reich geworden!“
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34. Krischan, Mirga und Bonja
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