Empfangen durch G. Mayerhofer, am 14. Mai 1870
(Bei dem Lesen dieses Diktates vom 10. Mai kamen einige Zweifel eines Freundes vor über obige Worte, die er nicht im rechten Sinne auffasste; der Herr diktierte darüber Folgendes:)
Nachdem dein Freund zwar von seinen Zweifeln so geheilt worden ist durch die Aufklärungen, die Ich dir und deinem Bruder auf die Zunge gelegt habe, so will Ich doch eben dieses vorgelesene Wort von Mir noch etwas besser beleuchten, damit Alle sehen mögen, dass doch stets Ich allein am Ende Recht habe!
Was sagte Ich also denn eigentlich? Ich sagte, „dass alles von Mir Ausgegangene wieder geläutert zurückkehrend Mich ergänzen und vervollkommnen solle!“ „Wie ist dieses wohl möglich bei Mir als höchstem Wesen?“ so war die Frage.
Aus diese Frage antwortete Ich mit einem Beispiel aus eurem Leben und eurem eigenen Ich.
Was ist denn die ganze sichtbare Schöpfung? Ist sie nicht ein Emporringen alles Geistigen zu einer edleren Stufe, und ist das nicht in der ganzen Schöpfung sichtbar, dass da hundert, dort tausend kleinere Teilchen geistig endlich Eine größere Seele ausmachen, die wieder eine Stufe Mir näher gerückt ist? oder was seid ihr selbst als Kinder, was als Jünglinge, Männer und Greise? Immer mehr der Reife entgegengehend, immer mehr euch Mir nähernd!
Nun gut, und was bezeichnet dies Alles? Nichts anderes, als ein ewiges Fortschreiten in geistiger Hinsicht, welches Fortschreiten als Gesetz von Mir allen Dingen eingeprägt wurde, und an welchem auch Ich – nicht als Gott in Person, sondern als Komplex alles Geschaffenen Selbst Teil nehme; denn was das Wachsen der Pflanzen, des Kindes u.s.w. im Physischen, so ist das Fortschreiten im Geistigen ebendasselbe, ein immer währendes Vervollkommnen und Ergänzen, bis endlich alles Geistige so rein und erhaben ist, dass Mein geistig fortschreitendes Ich mit dem schöpferischen in Eins verschmilzt, und dann alles Geschaffene Eine Seele, Ein Gedanke und Eine immerwährende Tat ist! Wollet ihr das begreifen, so müsset ihr es wohl überdenken, und ihr werdet sehen, dass die „Ergänzung“ und „Vervollkommnung“ von Meinem Ich nicht allein möglich, sondern zu allem geistigen Leben unbedingt notwendig ist!
Dieses für heute, und Ich hoffe, du und dein Bruder werdet euch damit zufrieden stellen können!
Amen!
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