oder: im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen etc. (1. Mosis 3, 19)
Empfangen durch G. Mayerhofer, am 19. Juni 1871
Meine liebe Tochter, du wartest schon einige Tage auf Worte von Mir und Meinem Schreiber; allein Ich habe gezaudert, dir zu antworten, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil Mein Schreiber nicht geistig genug gesammelt war, sich Mir zu deinem Heil ganz hinzugeben; aber heute, wo seine moralische Ruhe zum Teile zurückgekehrt ist, und sein inneres Ohr Meiner Geistesstimme mehr offen steht, heute will Ich also dir auf alle die Gedanken deines letzten Briefes antworten, damit du, Mein liebes Kind, stets aufwärts steigend, immer mehr die Wonne und Seligkeit empfinden mögest, und trotz den momentanen körperlichen Schmerzen, die dich manchmal beschleichen, entschädigt werdest durch diese Gefühle, und damit du stets mehr begreifen lernst: „Es war der Mühe wert, um solche geistige Genüsse zu haben, geduldig die körperlichen Kämpfe und Leiden zu ertragen.“ Du bist jetzt da angekommen, wo Ich dich haben wollte, du siehst jetzt und begreifst, dass nur Liebe Mein Grundgedanke der ganzen Schöpfung materiell und geistig, und auch der Hauptbestandteil Meines Ichs ist.
Du siehst nun klar, dass wer lieben kann, d.h. lieben wie Ich es will, nichts Dunkles, nichts Schwarzes, Lichtloses in der ganzen Welt und auch nicht in seinem eigenen Herzen findet.
Wer liebt, kann also nur diese hohe zarte Seelenruhe besitzen, die dazu gehört, um inmitten von all dem Gewühle menschlicher Kalamitäten und weltlicher Ereignisse stets denselben Gleichmut zu besitzen, stets mit festem Vertrauen auf Mich, mit kaltem Blute allem entgegenzusehen, was da kommen mag, denn, wer liebt, wer liebt, weil Ich es lehrte, der weiß, dass, was auch über seinem Haupte sich als Gewitterwolke zusammenziehen möchte, es aus Meiner Hand, aus dem Bereiche Meiner Liebe kam, und ihn Nichts aus selbem vertreibt, – und so duldet er, was auch über ihn hereinbricht, duldet es, nicht als Strafe eines zürnenden Gottes, sondern er duldet es als Prüfungsschule zu einem höheren Leben voll Wonne und Seligkeit, gesendet von der liebenden Hand eines treuen Vaters!
So hast du auch schon deine ganze Krankheit aufgefasst, du erkennst jetzt, dass Alles so kommen musste, um aus dir die alte Eva auszutreiben, und die neue geistige, als Ebenbild Meiner Liebe, anzuziehen.
Wohl sagte Ich zu Adam und seiner Gefährtin: „Von nun an sollet ihr euer Brot im Schweiße des Angesichtes erwerben!“ Du hast recht, es war kein Fluch; denn Gott als Vater kennt keinen Fluch, keinen Zorn und keinen Hass; aber er kannte die menschliche Natur, weil er sie so gestaltet hatte, weil sie so sein musste.
Nachdem Ich den Menschen nach Meinem Ebenbilde geschaffen, ihm Eigenschaften gegeben, die ihn fähig machen, zum Höchsten oder zum Niedrigsten sich zu gestalten, was es in der geistigen Schöpfung gibt, – so musste Ich ihm auch die Gelegenheit geben, alle diese Eigenschaften selbst im praktischen Leben zu üben, zu fühlen, die Wonne des hohen geistigen, als wie das Bittere des niedrig Bösen; er musste, nachdem das Böse, Schlechtere, mit mehr weltlicher Pracht und Verführung ausgestattet war, eben sein hohes geistiges Ich tätig anspornen, um den scheinbaren Genuss des Wohlbehagens in der Ausführung des Bösen verleugnend, doch am Ende das anspruchlose, aber in der Folge weit mehr Wonne bringende Gute vorziehen und erkämpfen zu lernen; er musste im Schweiße seies Angesichtes, nicht allein seinen eigenen Lebensunterhalt, sondern auch im Schweiße seines geistigen Antlitzes unter Kampf und Duldung auch das geistige Brot, die Speise für seine Seele gewinnen, die ihn dann fähig machen konnte, ein Abkömmling von Mir, Meiner würdig zu werden!
Und so siehst du auch heute überall diesen Kampf des Menschen, seine anscheinlich „gute“ Welt verleugnen, und das Geistige vorziehen zu müssen.
Du siehst diesen Kampf im Schweiße des Angesichts, unter Gewissensbissen und geistigen Torturen überall sich vollführen, im Kleinen wie im Großen.
Überall lockt die Welt den Menschen an sich, und stößt ihn dann erst mit Verachtung
zurück. Und dieses Hin- und Herwanken, dieses Nichtwissen, was eigentlich der Zweck des menschlichen Lebenswandels ist, – dieser Zweck war es auch, der Mich einst bestimmte, allen Geistern und Wesen der ganzen Schöpfung als Beispiel voranzugehen, und ihnen allen zu zeigen, wie Ich es verstehe: „Im Schweiße des Angesichts sein Brot zu verdienen“.
Du kennst Meine Leidensgeschichte, aber du sagst, du habest nie verstanden, wie es möglich war, dass ein Gott Sich diesen Leiden freiwillig unterzog.
Siehe, das geschah eben deswegen, weil Ich erstens der Welt und besonders euren auf Erden lebenden Menschen ein ewiges Denkzeichen setzen wollte, was es eigentlich heißt, Mein Ebenbild zu sein, und zweitens, weil Ich auch allen Geistern den höchsten Grad tatsächlich vor Augen führen wollte, inwieweit ein Geist, will er Mein Kind werden, nötigenfalls seine Verleugnung und Selbstdemütigung ausdehnen solle, um diesen Ausspruch: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen“, geistig aufgefasst zu begreifen, und er dann ihn zu verwerten im Stande sein muss, damit eben dieser Ausspruch nicht ein Fluch, sondern für ihn der größte Segen werde! –
So, Meine liebe Tochter, musst du deinen Vater, deinen Jesus beurteilen, Der nur – Ersterer als ewige Liebe, Letzterer als die Liebe leitende Weisheit – durch diese auf Erden vollzogene Demütigung – Seiner eigenen Liebe erst die Krone aufsetzte, und allen Geistern und Menschen dadurch zeigte, auf welchem Wege Er und Sein Herz zugänglich ist.
Du möchtest nur von Liebe reden, lesen, hören. Ich begreife es wohl warum, weil du jetzt deine Ahnungen teilweise verwirklicht siehst, welche Wonne die Liebe gewähren kann, wenn sie, erhaben über alles menschlich weltliche Getriebe, die geistige höhere ist, welcher nur Geister und Menschen mit großer erhabener Begeisterung fähig sind.
Du hast es ja selbst gefühlt in den heiligen Wonne-Stunden, wo du Meine Nähe gewahrtest, wo du Mein Einfließen in dein Herz deutlich vernahmst, da hast du es gefühlt, welche Liebe es ist, deren ein Gott als Vater fähig ist, sie dir in’s müde Herz zu gießen, und jetzt sehnst du dich nur nach dieser geistigen Wollust!
Sieh, Mein Kind, diesen geistigen Wonnegenuss kannst du dir ja selbst täglich und stündlich bereiten; folge Meinen Lehren! übe sie tatsächlich aus! und bei jeder Handlung, wodurch du dich selbst und Andere beglückst, strömt diese Liebe – an Andere gegeben – fruchtbringend wieder in dein Herz zurück, trägt es in wonnevollen Schlägen Mir entgegen, und dann fühlst du die Liebe, wie Ich sie predige, ausübe, und auch von euch verlange!
Diese Liebe gibt dir dann den Frieden, gibt dir die Ruhe, die Welt und ihre Ereignisse und Verhältnisse nur so zu schätzen, als sie es wert sind, um dich mitten unter allem Flimmergolde das echte reine Geistesgold der göttlichen Liebe, der göttlichen Erhabenheit nie vergessen zu lassen.
Folge diesem Zuge, Mein Kind, folge dem Zuge der Liebe, wie Ich sie dich lehrte, und du wirst Segen verbreiten, wo du gehst und wandelst, wirst deinem Manne sein Leben versüßen helfen, und mit ihm Mir stets euch nähern, bis am Ziele der geistigen Vereinigung ihr einst vor Mir stehen werdet als Ein – früher in zwei Körper geteilter – Schöpfungsgedanke, als Ein Gedanke Meiner ewigen, nie versiegenden Liebe!
Amen!
Als Nachtrag.
Auf die Frage des Knechtes: „Wir lange, o Herr, wirst Du mich noch warten lassen?“ (so schrieb Bruder Mayerhofer in seinem Briefe an H. wegen der gänzlichen Heilung derselben)
Antwort: Bis du und dein Kind das rechte und echte Vertrauen zu Mir haben werdet! Führte Ich euch doch Beide bis hierher, glaubst du denn, Ich lasse euch auf halbem Wege stehen? – Nein, dem ist nicht so! Die jetzigen Schmerzen deines geistigen Pflegekindes sind Übergangsschmerzen, die durchgemacht werden müssen! Es gibt in der ganzen Schöpfung keine Sprünge und auch in der Heilung von körperlichen Krankheiten nicht. Alles muss seinen Weg der Ordnung gehen. Wenn dem Kind wieder einige kleine Fehler in ihrer Lebensweise begangen hat, so verzweige du nicht daran, denn jetzt – wo Ich dir dieses sage – ist sie schon wieder besser. Nur Vertrauen und immer Vertrauen! Wie oft muss Ich das euch zurufen, und doch habt ihr es nur halb und halb! Fasset Meine Hand, die Ich euch zur Hilfe darreiche, fest an, haltet sie fest, und lasset nicht ab, Mich zu bitten, und du wirst sehen – ist deine Bitte gerecht – dass sie auch erfüllt werden wird! Dieses sagt dir der Vater, Der dich und deine Schwester gerade so und nicht anders führen kann!
Amen!
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