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Liebe und Vertrauen! (oder das göttliche Wort als geistiges Blut)

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 5. Oktober 1871

Darum haltet nichts für groß, als Meiner Liebe Treue. Und was ihr wohl am nächsten kommt, des Sünders
wahre Reue. Matth. 23, 36–40. D, Hsg.

Und warum siehst du diese Hand nicht? Sieh, Mein Schreiber, weil deine geistigen Augen noch um vieles trüber sind, als deine körperlichen.
Wie viel habe Ich dir und euch Allen schon gesagt, wie ihr Mich lieben, wie ihr Mir vertrauen sollet, und doch noch Niemand hat diese beiden Worte „Liebe und Vertrauen“ im rechten Sinn verstanden wie Ich es will, dass ihr selbe auffassen sollet.
Siehe, dein krankes Pflegekind beschämt euch jetzt Alle (?), eilt euch Allen voraus; und doch auch ihr fehlt es noch an dem gediegenen Vertrauen zu Mir, und an der rechten Liebe, die wie ein Faden durch’s ganze Leben sich durchspinnen und in jeder Tat, in jedem Wort ersichtlich sein soll!
Wohl weiß Ich, es ist nicht so leicht – die Welt und das Weltliche auf Einmal abzustreifen; wohl weiß Ich, es ist nicht so leicht stets so zu handeln, dass selbst alle Handlungen, alle Worte, ja alle Gedanken Meiner würdig, Mir zur Ehre gereichen.
Aber ebendeswegen überkleidete Ich eure Seelen mit solchen Körpern, wie ihr sie besitzet, ebendeswegen stellte Ich euch, Jedem individuell anpassend, in solche Verhältnisse, wo gerade der in eure Seele gelegte (Liebe-) Funke von Mir euch stets antreibt zum Kampfe, zum Streit gegen das von außen hervortretende weltliche Treiben, gegen die in eurer Seele sitzenden seelischen Leidenschaften und physischen Reizbarkeiten, auf dass durch stetes Kämpfen, stetes Ringen, das Geistig-seelische geläutert, erhoben, und so endlich Mir zur Ehre eine geistige Stufe erreicht werden könne, die Meiner als Gott und Erschaffer alles Endlichen und Unendlichen, würdig sein kann und muss; denn noch begreifet ihr nicht im höchsten Sinne, was es heißen will „Mein Kind“ genannt zu werden!
Daher nur mutig gekämpft! und beharrlich auf Mich vertraut! dann werdet ihr Stunden der Weihe erleben, wie die eine war, wo dir dein Pflegekind ihren Brief schrieb. –
Sieh, du kennst wohl den Kreislauf des Blutes im menschlichen Körper, aber du durchschaust nicht den Kreislauf des geistigen Blutes oder Lebenslichtes mit welchem Ich eure Herzen ernähre, und euren künftigen Seelenmenschen ausbaue.
Du schickest deiner Pflegetochter Trost, sie gibt dir Beruhigung zurück, was du ihr reichen wolltest, wird dir durch sie in reichem Maße zu teil.
Deine Gesellschaft, jetzt von dir getrennt, lebt durch Meine Worte, die teils schon früher für sie gegeben, aber leider nie genug beachtet, nie genug verstanden, und noch weniger ausgeübt wurden; sie Alle müssen allein gehen lernen, die weltlichen Verhältnisse drücken bald auf den Einen bald auf den Andern.
Was Ich dir in die Feder gebe für den Einen, davon fühlt sich ein Anderer getroffen, und wie das pulsierende Herz sein Blut in alle körperlichen Teile des menschlichen Organismus hinaustreibt, dort anregend Neues bringt, und das Alte ausscheidet, ebenso Mein göttlich Wort bei euch Allen; überall wo es hin dringt bringt es neues Leben, und wie das menschliche Blut in diesem Organe dies, in jenem das absetzt und neu belebt; so ist auch der Eindruck Meiner Worte auf Jeden von euch verschieden; dieser fühlt sich getroffen, wo nur er und Ich seine Denkweise weiß; Jener glaubt einen Fingerzeig zu lesen, für die nicht immer ganz richtige und reine Quelle seiner Handlungen; Diese fühlte die schwere Schuld des Vorwurfs wegen Mangel an Vertrauen, Jene wegen Mangels an Liebe zu Mir und ihrem Nächsten; und so ist Mein Wort wie das Blut, ein Träger des Neubelebenden, ein Läuterer und Reiniger des Alten; wenngleich überall auf verschiedenen Wegen, und mit verschiedenen Mitteln. –
So, Mein liebes Kind, führe und leite Ich auch dich; durch Trübsale, Leiden und Kämpfe wirst du gereinigt werden, wirst Mir naher und stets näher kommen, und während du dich selbst Mir näherst, ziehst du auch – wie am Schlepptau – Andere mir dir, wo bei dem
Einen oder dem Andern die eigene Kraft nicht ausreicht.
Fahre so fort! du wirst belohnt werden für deine Leiden und Kämpfe, und wirst stets klarer und klarer sehen, dass, wenn auch Wolken den Himmel oft verdecken und den Sonnenschein euch zeitweise rauben, die Sonne deswegen doch nicht am Firmament verschwunden ist, ja dass sie gerade nach Stürmen schöner und herrlicher leuchten wird.
Du kennst jetzt deinen Vater von Oben; schon hast du angefangen, alle Missgeschicke, die dir auch begegnen, nur als Führungen Seiner liebenden Hand anzusehen, lass nicht ab von diesem Glauben, er führt dich zum echten Ziele, lässt dich die Welt in ihrer Nichtigkeit und dein geistiges Ziel in seiner Wichtigkeit immer deutlicher erkennen, und so wirst du leidend und kämpfend dein Ziel dennoch erreichen, das dein Vater dir schon längst vorausbestimmt hat. Dieses dir zum Troste und Segen, von deinem Alle liebenden Vater, Der auch dich nie verlassen wird!
Amen.

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