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Über den freien Willen

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 21. Februar 1872

Du hast mittelst Meines Schreibers dich an Mich gewendet, und fragst in einer weltlich irdischen Angelegenheit um Rat.
Dass du in dieser Hinsicht Mich um Rat fragst, beweist schon deutlich, dass du nie so recht aufgefasst hast, was eigentlich Ich und was Du bist!
Denn hättest du selbes genau überdacht, so würdest du nicht direkt von Mir Rat erholen wollen, wo du eigentlich in deinem eigenen Herzen die Stimme eher vernehmen kannst, was sie dir sagt, als dass du ein schriftliches Zeugnis Meines Willens willst, welches dich dann auch so fesseln würde, dass du keinen freien Willen zum eigenmächtigen Handeln mehr hättest. –
Um dir in dieser Hinsicht und in der Folge den rechten Weg zu zeigen, den du stets gehen solltest, so will ich dir vorerst sagen, wie das Verhältnis zwischen uns Beiden beschaffen sein solle, damit du Meine Macht und aber auch meine Befugnis genauer erkennst, in wie fern Ich auf die Schicksale der Menschen und besonders derjenigen einwirken will, welche, wie du, so ganz sich Mir ergeben haben.
Aus allem, was du bis jetzt gelesen hast, wirst du doch ersehen haben, dass – wie Ich einst sagte – Mein Reich nicht von dieser Welt ist. – Das will sagen: Ich bekümmere Mich nicht um eure weltlichen Verhältnisse, sondern um eure geistigen; oder mit andern Worten, Ich lasse Manches, oft alles zu, was der Mensch tun will, betrachte bloß die geistigen Gründe und ob selbe für oder gegen Mich gerichtet sind.
Mich kümmert bloß das Seelenheil Meiner Kinder, und Ich kann in dieser Hinsicht nur
Meinen Wunsch ausdrücken, was mir wohlgefällig und was euch selbst zum moralischen Nutzen gereicht; euch aber in weltlichen Dingen Gesetze vorschreiben, hieße euch zu Maschinen herabwürdigen, denn wenn Ich befehle, hört euer freier Wille auf, ihr wäret gebunden, und kein Vorwurf, keine Schuld fiele auf euch, sondern auf Mich allein.
Dass Ich die Verhältnisse und Wehe Meiner Kinder, so wie die Menschen- und Geisterwelt beeinflusse, hat allerdings seine Richtigkeit; aber dieser Einfluss ist stets so, dass er die Freiheit des Willens des Menschen nicht im Mindesten beeinträchtigt.
Ich ziehe nur durch Verkettung der Umstände den bestmöglichen Nutzen für Mein geistiges Reich aus den freien Handlungen der Menschen, bestimme aber sie selbst nie, das oder jenes zu tun oder zu unterlassen; deswegen kann Ich dir auf deine Frage keine andere Antwort geben, als: tue, was dein Herz dir eingibt, da sind leise Andeutungen wohl möglich, hier aber (auf dem Papier) ein direkter Wunsch von Mir ein barster Unsinn. –
So fasse du die Sache auf! die Folgen werden dir zeigen, ob und wann Ich einwirke, deines Seelenheils wegen; aber die Freiheit des Handelns muss dir selbst überlassen bleiben, diese kann Ich als Gott nicht antasten; denn ihr seid und sollet Alle Kinder eines freien Gottes werden.
Da muss Selbständigkeit der erste Grundsatz sein; denn ohne diese gibt es auch keine Verantwortlichkeit. Wie sollte Ich wohl strafen, wo Ich Selbst befohlen? Deswegen sei ruhig! sammle dich im Gebet! erhebe deine Seele zu Mir und vertraue deiner Stimme im Herzen! die wird dir den rechten Weg schon zeigen, welchen du wandeln sollst, um – was der eigentliche Hauptzweck eurer Lebensbahn ist – Mir näher zu kommen! –
Schon lange sehe Ich mit Fanden, wie – du und auch deine geistige Schwester Meinen Worten Gehör gebend – ihr handelnd beweisen wollet, dass das Herz euch begeistert; fahret so fort und seid überzeugt, dass Ich als himmlischer Vater nicht in der Liebe eines irdischen Vaters zurückbleiben werde; Ich werde euch führen, so wie ein Gott und Vater Seine Kinder führen kann und muss, sollen selbe je Seiner würdig werden.
Dieses zu deiner Danachachtung und zum Trost!
Amen.

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