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Soziale Lebenswinke I

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 7. Januar 1872

Mein Sohn, du hast gestern durch dein Bekenntnis menschlicher Schwächen vor Meinem Schreiber das Zeugnis abgelegt, dass auch du noch sehr weit weg bist von der eigentlich richtigen Auffassung, wie das menschliche Leben, wie das geistige Leben im Menschen und wie das soziale mit Menschen beschaffen ist!
Nun, da du in dem Wirrwarr deiner Ideen und Begriffe nicht zurecht kommen kannst, indem du nicht weißt, wo eigentlich du dich hinwenden sollst, so will Ich Mich ins Mittel legen und dir dein Inneres enthüllen, und zwar wie es eigentlich ist, und nicht wie es dir scheint; denn schon geraume Zeit lügst du dich selbst an und willst behaupten, was nicht existiert. –
Siehe, Mein lieber Sohn, es ist schon eine Zeit her, dass sich in dir Neigungen kund geben, welche dir zwar nicht neu, aber doch diesesmal dir ungelegen kommen. –
Du willst dich selbst belügen, indem du dir selbst ein Herz, d.h. ein Gefühl abstreiten willst, welches nur zu sehr mit der menschlichen Natur verwebt ist. –
Siehe, Mein Kind, du glaubtest in Reduzierung deiner Bedürfnisse, im Entfernen alles dessen, was die Menschen aneinander bindet, in Hintansetzung und Verachtung aller Konvenienz des sozialen Lebens, deine Heimat verlassend, zu leben wie es dir beliebt, frei von allen Fesseln zu sein und nur die allein geduldig tragend, welche im Falle der Not du dir selbst auflegen willst.
Du glaubtest dich auf diese Weise mit Riesenkraft ausgerüstet, nur dem Geistigen allein zu leben, und so in einer idealen Welt schwärmend, der wirklichen nicht mehr zu bedürfen. Du wähntest dich vor jedem äußeren Feinde sicher, und trautest dir zu, den allenfallsigen im Innern dann leicht zu bekämpfen.
Du glaubtest, Herr deiner Selbst zu sein, – und eben jetzt zeigt sich, dass, wenn du auch viele Nebenfeinde besiegt hast, doch der Hauptfeind in deinem Herzen unbesiegt geblieben ist und dir jetzt droht, alle deine Kombinationen über den Haufen zu werfen und dich in Verbindungen und Verhältnisse reißt, denen du längst Meister geworden zu sein glaubst. –
Du kommst Mir vor, wie ein Riese von früher in eurer Zeit, dem seine große Kraft ebenso wenig nützt seit der Erfindung des Schießpulvers, da ein Kind mit ein paar Körnern dieses Pulvers den Riesen darniederstrecken und ihn ohnmächtig machen kann.
Du mit deinen starken, festen Vorsätzen wolltest die Welt und dein eigenes Ich in die Schranken rufen, du fühltest dich stark genug, den Kampf mit beiden aufzunehmen, und siehe, das Kind – die Zivilisation und die bei euch herrschenden sozialen Verhältnisse werfen dich zu Boden, erdrücken dich und lassen dich mit einem Blicke die ganze Verkehrtheit deiner Ansichten und Begriffe fühlen.
Sieh, Mein Sohn, du flohst vom elterlichen Hause, weil du keinen Widerspruch ertrugst; du gingst, weil du nicht verstanden hast die äußerlichen Verhältnisse mit den Bedürfnissen des inneren Menschen zu vereinen.
Du durchzogst die Welt, dir allerlei Entbehrungen auflegend, nur um frei zu sein, du gingst bald da – bald dorthin, und überall war es wieder die Welt, die zuerst dich anzog und dann wieder dich vertrieb. –
Enttäuschungen überall; den Menschen oder die Welt – vollkommen, wie du sie in deinem Gehirne ausgehegt hattest – fandest du nicht; und auch jetzt, wo Ich dich bis an die Quelle alles Geistigen bis zu Meiner direkten Kundgebung führte, auch hier findest du dasselbe, dass selbst das Höchste, was der Mensch sich denken kann, die direkte Führung durch Mein Wort, vermischt ist mit den Kalamitäten des menschlich-sozialen Lebens. –
Du söhntest dich zwar damit aus, alles – um diesen Preis der direkten Mitteilung von Mir – ertragen zu wollen; du wähntest, so entfließe dein Leben, entweder in steter Sucht nach Aufbauung des eigenen geistigen Ichs, oder – wenn es möglich – auftretend als Lehrer und Führer deiner verirrten Brüder und Schwestern.
Mitten unter diesen lobenswerten Plänen überraschte dich dein eigenes Innere, indem es durch die Zusammenkunft mit einem Wesen andern Geschlechtes dich fühlen ließ, dass, so emanzipiert du dich dachtest von allen Neigungen; deren die menschliche Natur fähig ist, doch das Gefühl der Liebe, nicht bloß der Nächstenliebe, sondern das Gefühl, welches ein Herz unwillkürlich zum andern zieht, weil es im selben die nämlichen Triebe erkennt, welche es an ein Drittes (an Mich) drängt, jetzt fühlst du, dass diese Gefühle sich nicht mit Füßen treten lassen, dass sie zwar übertäubt, aber nicht vernichtet werden können.
Jetzt siehst du deine ganze Lage, kennst jetzt die Kluft, die unerbittlich das soziale Leben deinen Wünschen entgegen stellt, und weißt nun nicht, was tun. Jetzt, im Drange des Herzens, weil du nicht weißt, wie du die geistige Ruhe wieder gewinnen kannst, wendest du dich an Mich, du willst fliehen, wieder hinauswandern in die Welt, bis du einen Ort gefunden hast, der deinen Begriffen und Ideen entspricht. – Mein Kind, dein Suchen, dein Irren ist vergebens, überall wirst du den Kampf der materiellen sozialen Welt mit der geistigen antreffen.
Sieh, wenn ihr beide – und alle Meine Kinder – im Jenseits wäret, wo Rang und Geburtsunterschiede aufgehört haben, wo es keine Nahrungssorgen mehr gibt, dort könntet ihr euch leicht vereinigen und den schon eingeschlagenen Weg zu Mir dann fortwandeln, aber hier auf dieser Welt ist solches nicht möglich. Ihr beide müsst noch manche Leidensschule durchkämpfen, müsst lernen, wie – das Harte der materiellen Welt ertragen – man doch sein geistiges Inneres ausbilden und vervollkommnen kann.
Schaue deine Mitbrüder und Schwestern an, wie leiden nicht auch sie unter dem Drucke weltlicher Verhältnisse; gehen wir noch weiter, nehme Mein eigenes Beispiel während Meines Erdenwandels und auch dort siehst du, wie Ich als Gott und Herr der Unendlichkeit Mich dem Bittern nicht entziehen wollte und konnte, und willig den Kelch des Leidens austrank, willig Mein Kreuz auf Meine Schultern nahm, um die Verherrlichung Meiner Mir vorgenommenen Mission zu vollenden, damit Ich am Kreuze dann ausrufen konnte: ,,Es ist vollbracht!“
Was Ich dort mit dem Kreuzestode besiegelte, das müsset auch ihr alle tun, ihr alle müsset das Kreuz ruhig tragen, welches euch die Verhältnisse auflegen, die die Welt, die materielle und die soziale, geschaffen hat.
Niemand entgeht dieser Probe, die Tochter deines Bruders wird des Bittern genug durchmachen müssen, als Prüfungsschule; es ist die Feuerprobe, wie beim Golde, welches, zur Läuterung in einen Schmelzofen gelegt, nicht mit geringen Wärme-Graden, sondern nur durch starke Hitze zum Flusse gebracht wird. Auch sie wird ihr Kreuz tragen müssen, wie alle, die Mir nachfolgen wollen, und du wirst demselben ebensowenig entgehen. –
Gewöhne dich daran, die Welt zu nehmen, wie sie ist, und nicht, wie sie sein sollte!
Schon in einem andern Worte habe Ich euch allen gesagt, dass jedem männlichen Geiste ein weiblicher zugesellt werden wird, der die Ergänzung des ersteren sein soll, dieses ist ein Gesetz Meiner ganzen Schöpfung, es ist das Gesetz der Liebe. Entziehen kann sich niemand demselben ganz, verleugnen teilweise wohl; wo also eben nicht gerade Welt- und Sonderinteressen eine eheliche Verbindung öfters bedingen, da wird es von Mir manchmal zugelassen, dass der Mann seine im Jenseits stete Begleiterin auch schon hier auf Erden findet, was jedoch in der jetzigen Welt zu den Seltenheiten gehört. –
Aber angenommen – es wird einem diese Gnade geschenkt, so ist doch das Erste, das er denken sollte: „es ist da meine erste Pflicht, mich in solchen Verhältnissen zu befinden, die wenigstens die weltlichen Bedürfnisse decken könnten, damit die geistige Vereinigung sich verwirklichen lässt.“
Sieh, Mein Sohn, dieses ist die Hauptfrage, die du an dich selbst machen musst: Hat mein Leben, so wie ich es jetzt führe, einen Zweck?“ oder ist dieser Zweck – so wie ich ihn mir denke – ausführbar! –
Sich ganz des ehelichen Bündnisses entschlagen, straft sich oft von selbst. Mir zu lieb demselben entsagen, ist eben auch nicht so leicht, wie du vielleicht meinst; in dir lebt noch zu viel Lebenskraft, du traust dir noch zu viel zu, das auszuführen du dich stark hältst. –
Als Mein Apostel und Vorläufer, wie einst Johannes, zu leben, das wäre dir wohl möglich, aber mit Takt und wohl erwogener Rede Meine verirrten Kinder auf den rechten Weg zu bringen, dazu fehlt es dir an Erfahrung, denn eben gerade dadurch, weil du dich von der Welt ferne hältst, eben dadurch kennst du ihre schwachen Seiten nicht, wo selbe am leichtesten für Meine Schule tauglich gemacht werden könnten.
Daher sei jetzt dein erstes Augenmerk darauf gerichtet, dir eine bleibende sichere Existenz zu gründen; für Mich wirken kannst du überall und in allen Verhältnissen, nur musst du weise zu Werke gehen, nicht von dir und nicht von andern verlangen, was der menschlichen Natur zuwider ist.
Fange doch einmal an, zu begreifen, dass Meine Worte, welche Ich in Tausenden an euch verschwende, einen tieferen Sinn noch haben, als der nur flüchtig gelesene ist. –
Meine Worte, ja selbst Mein künftiges Wiederkommen werden und sollen dem geselligen Beisammenleben der Menschen nicht zuwiderlaufen, sie sollen nicht soziale Verhältnisse aufheben, die mit Meiner Lehre sich vereinen lassen, sie sollen die Menschen nicht zu Schwärmern, nicht zu Anachoreten (d.h. zu Einsiedlern, oder Sonderlingen) machen; die Menschen sollen durch Meine Worte zu Menschen werden, wie Ich sie schuf, und wie selbe als Meine Ebenbilder Meiner würdig werden können.
Das ist der praktische Sinn all Meiner seit mehr als 30 Jahren (Stand: 7. Januar 1872) an euch alle gerichteten Worte. Verbinde auch du die weltlichen Verhältnisse mit deinen geistigen Überzeugungen, suche, wo du kannst, selbe zu veredeln, zu verbessern, aber entziehe nicht dich, nicht andere deren Bereich, sonst werden sie und auch du religiöse Schwärmer und Kopfhänger, die stets sich nach einem Zustande sehnen, der eben auf dieser Erde nicht ausführbar ist. –
Was deine jetzige Neigung betrifft, so bezähme sie, da dein materieller Zustand, den du dir selbst geschaffen, der größte Hemmstein an der Ausführung von Plänen ist, die unvorhergesehen dich überraschten.
Vertraue auf Mich! Ich werde schon die Umstände so fügen, die dir dann Gelegenheit geben werden, deinen grünenden Lebensbaum mit der äußeren atmosphärischen Weltluft in der Art zusammen zu bringen, dass der Baum keinen Schaden leidet, sondern wie alle andern Bäume auf Erden zum Wohlsein und weiteren Fortkommen der übrigen Mitmenschen beitragen wird. –
Dieses Mein Wort an dich möge dich einesteils beruhigen, andernteils dir die geistigen Augen öffnen, damit du erkennen mögest – erstens den wahren und einzigen Sinn Meiner Worte, und zweltens deren richtige Anwendung, ohne gerade alle weltlichen Verhältnisse mit Füßen treten zu wollen.
So wenig du dich jetzt deines Körpers entledigen kannst, weil er innig mit deiner Seele verbunden ist, außer durch einen Selbstmord, wo du aber mit dem Körper auch geistig die Seele zerstören würdest, ebensowenig kannst du dich aller weltlichen Verbindungen entäußern, beide sind da zur Bildungsschule deines geistigen Menschen; dein Körper als steter Antagonist (Behinderer) deiner geistigen Bildung, als Wecker und Anreizer zum Kampfe gegen seine tierischen Leidenschaften, und die Welt mir ihren schlechten Tendenzen und Beispielen, als Übungsmittel, selbst mitten im Schlamme sich nicht zu beschmutzen, inmitten des Lasters doch tugendhaft, rein bleiben zu können.
Hier ist das Verdienst, wo geduldet, gelitten und gekämpft wird, um sein eigenes Ich doch rein und unbefleckt aus diesem Kampfe zu retten; das Fliehen vor der Gefahr ist nicht heldenmütig, sondern das Bestehen, das Siegen über selbe, solches ist Sache Meiner Kinder, Kinder eines Gottes, eines höchsten Geistes.
So wie Ich Mich der Erniedrigung Meines Gottwesens freiwillig unterzog, ebenso sollst auch du und alle Menschen diesen erniedrigenden Verhältnissen, welche oft dem Menschen Schweigen und Dulden aufbürden, euch nicht entziehen.
Was Ich in jener Zeit als Mensch getan, habe Ich ja so nur deswegen erduldet, um euch Menschen und allen Meinen Geistern zu zeigen, dass es möglich ist (mit des h. Vaters Gnade), wenn man nur will!
Schaue die Welt an, wie sie jetzt ist, was geschieht nicht alles! Wie triumphiert nicht überall die schlechteste Leidenschaft, der Egoismus; und sieh, Mein Kind, Ich, der Schöpfer eines Universums, der mit einem Hauche eure ganze Erde zerstören könnte. Ich sehe diesem Treiben geduldig zu; entziehe den, wenn gleich verirrten Menschen Meine Gnade, Meine Liebe nicht, komme zu ihnen, rate ihnen, tröste sie bei Unglücksfällen, die ihre eigene Verblendung angerichtet, – Ich, der Herr der Heerscharen, ziehe Mich nicht zurück, und werde doch durch Meine leisen Einwirkungen am Ende siegen, wie willst du, schwaches Kind, durch Fernhaltung von der Welt, deinen Mitbrüdern und Schwestern und auch indirekt dir selbst nützen wollen!
Daher lasse die Welt gehen, wie sie eben geht, benütze jede Gelegenheit, selbst aus dem Bittersten heilsame Nahrung zu ziehen, stähle dadurch deinen eigenen Charakter, und lerne besiegend deine eigenen Leidenschaften, die Schwächer anderer leichter ertragen!
So wirst du Mein wahres Kind werden, dem Ich nie Meinen Segen entziehen werde und wenn auch Prüfungen über dich hereinbrechen, dir so viel Stärke geben, dass du Meiner Worte und Meiner Taten stets eingedenk Mir ein würdiges Kind und deinen Mitmenschen ein wichtiger Helfer in der Not werden kannst!
Dieses dir zum Troste und geistigen Verständnis!
Amen!

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