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2. Ein Gesicht in unsere Zeit

Empfangen durch G. M. T., am 1. November 1870

Du willst, dass Ich dir das gestern geschaute Gesicht wieder gebe, damit es dir besser vor Augen stehen soll, und so höre denn: Ich zeigte dir gestern Nachmittag die wahre moralische Höhe, auf die die Menschen sich eigentlich erheben sollten, und zeigte dir auch nebenbei die niedere Stufe von Moralität, auf der jetzt die Menschen stehen, nebst dem großen Zwecke, den Ich mit der Menschheit verband und meine Geduld mit eben dieser Menschheit, wie lange sie die Verkehrtheiten derselben erträgt.
Ja es ist wahr, Ich habe der gesamten Menschheit ein schönes und erhabenes Ziel gesetzt, habe auch bis jetzt alles dazu beigetragen, damit sie dasselbe erreichen könnte, habe Selbst, als Gott und Herr der Unendlichkeit, die großen Beispiele gegeben, wie weit ein Gott sich demütigen kann, wenn Er einen hohen Zweck dadurch erlangen will, habe aber nebenbei den Menschen als freies Wesen nie dazu gezwungen, diesem schönen Bilde eines Menschen nachzukommen, wenn ihn nicht sein eigen Herz dazu antrieb, selbem gleichen zu wollen.
Als Ich einst durch Moses dem Menschen in der Schöpfungsgeschichte sagen ließ: „und Gott schuf den Menschen nach Seinem Abbilde“, da meinte weder Ich noch Moses das leibliche Abbild, sondern Mein Schreiber aus jener Zeit verstand darunter den geistigen Menschen, der, im Körperlichen eingekleidet, Mein Abbild sein sollte. Bei der Verwirklichung dieser Idee bedingte es sich ja im Voraus, dass am Ende die Außenseite, der Inneren gleichen würde.
Ja, Meine Kinder, Ich schuf die Menschen nach Meinem Abbilde, welches die höchste Moralität und den höchst möglichen Seelen-Adel ausdrücken sollte. Diese Eigenschaften sollten mich den Menschen, Meinen an Kindessatt angenommenen Wesen, zu Teil werden, damit sie einst als große Geister Mir nahe bleiben können, welches nur möglich ist, wenn sie Meine Eigenschaften besitzen, soweit selbe mit ihrer Existenzstufe im Einklage sind.
Um aber zu diesen Eigenschaften zu gelangen, müssen sie auch die Geisteskraft haben, erstens selbe sich anzueignen, und wenn errungen, selbe auch festhalten zu können.
Mein Licht als Gott, bestehend in den göttlichen Eigenschaften, konnte nur dann ein Licht sein, wenn man den Schatten als daseiend eben auch kannte.
So musste, um Mein geistiges, höchstes, moralisches Lichtwesen zu fassen, eben um es zu fassen, und den Drang nach dessen Erlangung zu haben, erst die Schattenseite desselben durchgekämpft werden. (Durch Nacht zum Licht! D. Hsg.)
Wann macht denn aus euch eine heitere Fernsicht einen größeren Eindruck, wenn ihr sie stets vor euch habet, oder wenn nach langem Herumirren in einem finsteren Walde und zwischen engen Felsschluchten ihr auf einmal aus diesem Reiche von Schatten heraustretend euch im Angesichte einer lieblichen Landschaft befindet? – Ohne den finsteren Wald und die engen Bergschluchten wüsstet ihr die schöne, lachende Gegend außer dem Walde nicht zu schätzen.
So ist es auch mit Meinen großen, für eine weit größere Schöpfung gegründeten moralischen Eigenschaften, die nicht bloß für euern Erdball allein noch für euer kurzes Leben auf selbem geschaffen worden sind.
Weit über alle Himmel hinaus, weit über alles Materielle und seine möglichen Veränderungen steht das Gesetz des geistig Schönen, Erhabenen und Wahren.
Kommt ihr als Menschen ihm nahe, so tritt auch bei euch der materielle Leib mit seinen möglich schönsten Formen in den Hintergrund, und nur der geistige Mensch, als wahrer Abkömmling und mögliches Ebenbild Meines Ichs, erscheint dann bei weitem höher; er leuchtet wohl aus der Form durch, weil er ihr das aufdrückt, dessen Abbild er ist; allein dieses Durchleuchten ist nur sekundär, und in diesem Sinne sagte Moses, dass das Bild des ersten Menschen Mein Ebenbild ausdrückte, weil dort der innere (geistige) und der äußere Mensch noch Eins waren.
Nachdem aber nach dem Abfalle des ersten Menschen diese Reinheit verloren ging, als primitives Geschenk, so konnte es den nachher geborenen Menschen nun nicht mehr so gegeben, sondern es musste errungen werden, daher könnt ihr euch denken, dass, nachdem Ich Selbst also den Rückweg zu Mir vorgezeichnet habe, Ich auch mit den Menschen Geduld, ja viel Geduld haben muss, bis sie Alle lernen, alle Schatten zu besiegen und sich Meine Eigenschaften ganz anzueignen.
Deswegen, als Ich dir gestern die ganze Stufenleiter aller möglichen moralischen Abstufungen zeigte, bis zum letzten Grade eines sinnlichen, schlechten Menschen, der dem Tiere am nächsten steht, oder wohl gar unter ihm, da wollte Ich dir damit beweisen, dass so viele Millionen Welten es gibt, die alle, jede anders, wieder in ihren Bewohnern auch eine gewisse Stufe Meiner geistigen Eigenschaften ausdrücken, alle diese Welten mehr oder weniger gelichteten Wäldern gleichen, wo mehr oder weniger eine geistige Finsternis herrscht. Dieses sind große Stufen, auf welchen sich alle geschaffenen Wesen zu Mir emporringen, die Einen leichter, die Andern schwerer, die Einen geschwinder, die Andern langsamer, und so seid auch ihr auf einer dieser Stufenleitern und zwar nicht auf der untersten, welches ihr aus den Opfern und Gnaden erkennen möget, die Ich für euch gebracht habe, um euch den Weg zu Meinem Herzen abzukürzen.
Meine Geduld hat daher noch einen andern Grund, als den ihr begreifet; denn die eure wäre schon oft ausgegangen, wo die Meine noch gar nicht in Anspruch genommen wurde. Das ist der Grund, warum Ich so lange zusehe, helfe und mildere, wo Ich kann, um den Weg zu erleichtern, welchen Ich für Meine Kinder bezeichnete. Er ist mühsam und muss es sein; denn Meine Kinder müssen auch mit dem Beispiele einst vielen anderen nachstrebenden Geistern und Seelen dienen.
Darum auch die oftmaligen körperlichen und geistigen Leiden, die Ich ihnen sende.
Sehet, wie weich das Eisen ist, wie es sich biegen und schmieden lässt, allein um ein harter Stahl zu werden, dazu gehört die große Feuerprobe, zwei Elemente müssen dazu einwirken: Feuer und Wasser, um es dazu zu mache.
So auch eure Seelen; sie müssen die größten Extreme ertragen können, von dem Höchsten bis zu dem Tiefsten, um so gestählt jeder Widerwärtigkeit zu widerstehen und einst siegreich und zufrieden auf die zurückgelegte Bahn blicken, und sich der Krone ihres Sieges erfreuen zu können; denn nur das Erkämpfte und Errungene gewährt wahren Genuss! –
Da Ich also diese Gesetze so gestellt habe, so schaue Ich auch dem Treiben der Menschen lange und lange zu; gebe ihnen zwar Winke und Mahnungen auf verschiedene Art, und nur am Ende, wenn alle diese Mittel nicht mehr helfen, nehme Ich die Zuchtrute zur Hand, um durch Leiden auf kürzerem Wege Meine Kinder schneller zum Ziele zu führen. –
Nachdem Ich in Meiner Anordnung schon von Anbeginn an ein zweites oder eigentlich ein siebentes Wiederkommen auf eurer Erde beschlossen habe, und der Zeitpunkt
zu diesem wichtigen Ereignis; für euch sich nähert, so ist es doch natürlich, dass, wenn Ich wieder wie jetzt unter anderen Verhältnissen zu Meinen Kindern kommen will, Ich den Acker doch vom Unkraut zuvor reinigen muss; denn Ich kann ja als Vater nur zu Meinen Kindern kommen, und nicht zu Wesen, die zwar von außen Meinen Kindern ähnlich sehen, aber im Innern es nicht sind.
Wenn Ich also jetzt komme, so muss hinweg, was Schatten wirft, und Ich das Licht Selbst, will nur wieder Mein helles, widerstrahlendes Licht in euren Herzen, wo kein Mackel sich zeigen soll. Daher die jetzigen Zeitverhältnisse so tatenvoll, so bewegt und mit Unglücksfällen angehäuft sind.
Fürchtet euch aber nicht! Es ist der Reinigungs-Prozess nur Dem gefährlich, der nicht rein genug ist oder der Reinigung sich widersetzt. Ein williges Herz, das sich Meiner Waschung gerne unterzieht, hat nichts zu fürchten. Meine Sichtung ist nur Denen schädlich, die am Wesen dieser Welt hängen, und bei dem Verluste ihrer Güter sich unglücklich fühlen.
Wer aber andere Schätze und andere Güter, d.h. geistige hat, dem nimmt weder Ich noch ein Unglück dieselben, wenn letzteres auch noch so stark über ihn hereinbrechen sollte.
Denn diese geistigen Schätze sind nicht für die kurze Erdendauer, sondern für eine Ewigkeit gesammelt, und aus denen wird einem Jeden einst sein geistiges Kleid gewoben werden.
Sehet zu, dass der Stoff, woraus euer künftiges Kleid bestehen soll, dauerhaft, eurer und Meiner würdig ist, damit ihr im vollen Schmucke als Meine Kinder einst in Mein Reich eingehen könnt!
Dort werdet ihr so manches in anderem Lichte ansehen, als hier von eurem beschränkten Gesichtskreise aus; dort erweitert sich die geistige Sehe, und weit über Vergangenheit und Zukunft erhaben stehen Meine einzigen Gesetze geschrieben; dort begreift ihr dann Mein Ich und eure noch werden sollende (Mir-)Ähnlichkeit; dort erkennt ihr dann erst ganz, was es heißt: Der Mensch soll das Abbild Gottes, seines Schöpfers, werden, wie Moses es sagte und Ich will, dass von euch geistig verstanden und auch demselben nachgestrebt werde!
Mein Abbild! Schon das Wort allein genügt, zu begreifen, dass eines Gottes Abbild zu werden, man nicht so spielend erreichen kann, sondern dass es mit Kraftanstrengungen errungen werden muss. Befleißet euch daher, dieses Abbild eurem Geiste und so auch eurer angeblichen Form aufzudrücken, und seid unbekümmert um Alles, was um euch vorgeht.
Der euch nach Seinem Bilde formen will, (hat er dieses Werk einmal begonnen) wird Er es nicht halbvollendet lassen, und wird euch alle Mittel dazu an die Hand geben, damit ihr das werdet, zu was Er euch bestimmt hat, das ist: zu Seinen Kindern!
Amen.

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