← Zurück zu „Lebensgarten“

10. Evangelium Johannis 11. Kap. 17

17. Da kam Jesus und fand ihn, dass er schon vier Tage im Grabe gelegen war.

Empfangen durch Gottfried Mayerhofer, am 23. Juni 1870

Dieser Text besagt eine Begebenheit, als Ich nach Bethanien kam und dort den Lazarus gestorben fand, ja sogar, wie es der Vers selbst andeutet, dass er schon vier Tage im Grabe gelegen war.
Um diesen Text also nun für euch belehrend auszubeuten und selben in geistiger Hinsicht zu erklären, und an selben auch noch andere wichtig Lehren anzuknüpfen, so will Ich euch vorerst auf den eigentlichen Sachverhalt aufmerksam machen, warum es in jener Zeit gerade so und nicht anders geschehen, und sich alles so ereignen musste. So vernehmet denn:
Ihr wisst aus den Evangelien, dass Lazarus und sein ganzes Haus eifrige Anhänger Meiner Lehre und noch eifrigere Werktäter in der Ausübung derselben waren, weswegen Ich auch in seiner Herberge und Behausung Mich oft tagelang aufhielt.
Dass er deswegen bei den Juden nicht gut angeschrieben war, versteht sich von selbst, wie überhaupt dort und auch jetzt keiner Meiner Anhänger bei der Welt gut angeschrieben sein wird, der Mich liebt und an Meine Lehre glaubt und sie befolgt.
Da aber Lazarus auch noch nebenbei sehr begütert war und den Armen viel Gutes tat, so war der Hass der Juden gegen ihn noch ärger wegen seiner hervorragenden Stellung unter ihnen.
Ihr könnt euch denken, welch satanische Freude also seine Gegner hatten, als sie hörten, er sei gestorben und zwar in Meiner Abwesenheit.
Die Kurzsichtigen glaubten sich auf diese Weise erstens eines gefürchteten Gegners entledigt, und zweitens um eine Wundertat weniger von Meiner Seite, weil sie gewiss versichert waren, dass Ich den Lazarus, wäre Ich bei ihm gewesen, weder krank werden, noch hätte sterben lassen.
Allein da alles, was in jener Zeit geschah, für jene und für alle Seiten eine Bedeutung hat, da es so und nicht anders geschehen musste, so ist auch gerade Meine Abwesenheit ebendeswegen mit dem Krankwerden und dem Tode des Lazarus zusammengetroffen, um Meine Aufgabe und Meine Lehre zu verherrlichen, und eben dadurch noch mehr ihren göttlichen Ursprung zu zeigen, und ebendeswegen war auch Meine Ankunft im Hause des Lazarus nicht gleich nach seinem Tode, sondern geflissentlich vier Tage später beschlossen, um durch die Wiedererweckung desselben noch mehr Meine Göttlichkeit zu zeigen, da, nachdem ein Leichnam vier Tage im Grabe liegt, er gewiss nicht schein-, sondern wirklich tot war, wie auch die Schwestern des Lazarus aussagten, indem sie sprachen: „Herr, er liegt nun schon vier Tage im Grabe und riecht schon!“
Dass Ich den Freund Lazarus durch Meinen Machtspruch wieder aus dem Grabe rief, wisst ihr; dass Ich durch dieses Ereignis sein ganzes Haus, außer der Freude des Wiederfindens eines auf immer verloren Geglaubten, im Glauben bestärkte, könnt ihr euch wohl denken; und dass dann die geschäftige Martha, und die Maria, seine Schwestern, erst ganz davon überzeugt waren, dass Ich Der bin und war, für Den Ich Mich überall ausgab, und es auch durch viele Taten bewies, die nur einem Gott, aber nicht Menschen, seien es Propheten oder Seher, möglich gewesen waren. Auch könnt ihr euch denken, dass Ich durch diese Tat noch manchen Ungläubigen gläubig machte, und manchen Feind zum Freund erhielt.
Ihr wisst auch, dass diese Tat kurz vor Meinem Einzuge in Jerusalem geschah, wo Ich dann mit Meinem Blute besiegeln musste, was Ich seit drei Jahren dort gelehrt und gepredigt hatte.
Aber die Bedeutung des Ganzen im geistigen Sinne wisset ihr nicht, was Ich mit dieser Tat den Menschen dort und allen später Kommenden damit sagen wollte, und was auch ewig dasselbe verbleiben wird. Alle Nebenumstände in Betracht nehmend, so möchte es auffallen, dass gerade diese Tat kurz vor Meinem Tode auch die letzte dieser Art war. Was will denn das sagen?
Sehet, das will eigentlich bedeuten, dass Ich auch dortmals der ganzen jüdischen Menschheit damit sagen wollte: „Sehet, ihr Toten, die ihr auch schon länger als vier Tage, ja vier Zeitperioden, in den Todesschlaf versunken seid, und schon verwesend nichts (Geistig-)Lebendiges jetzt mehr in euch habt, sehet, auch euch möchte Ich erwecken, trotz des pestilenzialischen Gestankes eurer Laster und Untugenden, die alle Propheten und Könige, von Moses bis auf Meine Zeit, nicht ausrotten konnten, auch euch möchte Ich, noch ehe Ich von diesem finsteren Erdballe scheide, erwecken und auf ein besseres Los vorbereiten; allein es war dort umsonst.“
Die Juden unverbesserlich, wie sie waren und noch sind, nach mehr als tausend Jahren, hörten Meinen Mahnruf nicht, und mussten nach der Zerstreuung ihres Hauptnestes Jerusalem, durch alle Winde in alle bekannten Erdteile verweht, den Fluch erfüllen helfen, den Ich ihnen dortmals als ihr künftiges Schicksal voraus sagte.
Und seit dieser Zeit ist wieder das Nehmliche dann an der ganzen Menschheit geschehen. Seit Jahrtausenden gingen Mahnrufe und düstere Voraussagungen, wenn die Menschen die Stimme der Wahrheit nicht hören wollen, was das Ende sein wird!
Mein Jünger Johannes legte die künftigen Schicksale – obwohl in Bildern geschrieben als erster Prophet nieder, wie und wann alles geschehen wird, um die schon lange im Grabe verwesende Menschheit aufzuwecken.
Auch andere Propheten und Seher versuchten es, aber vergebens; die Menschheit ist taub und blind wie dort, und lässt nicht ab von der Welt, versinkt stets mehr in’s Grab und in die Verwesung, und jetzt komme Ich wieder, lies als Wunder, was Wenige begreifen und glauben wollen, als letztes Mittel, durch Menschen direkte Meine ganze Schöpfung ihnen erklären, weihte sie in alle Geheimnisse Meines Ichs ein, und wollte dadurch als letzten Liebesakt die verwesende Menschheit retten, und ihr wisst es aus Erfahrung, wie Wenige sich an selbes kehren, wie Wenige es begreifen, was das heißt: Ein Gott, Schöpfer des Universums, lässt Sich herab, euch Erdengeschöpfe zu erziehen, und zwar zum zweiten Male euch zu Seinen Kindern zu machen, ein Vorzug vor Millionen anderer Geschöpfe auf anderen Welten!
Und auch dieses ist vergebens! Und es naht sich daher auch, wie dort das Ende Meiner Mission war, so jetzt das Ende Meiner Geduld mit den verkehrten Menschen.
Euch zerstreute Kinder ausgenommen, alle andern werden das Schicksal der Juden haben, sie werden zerstreut werden durch die Winde der Wahrheit und des Lichtes in alle Räume der Schöpfung, und werden dort auch, wie die Juden, vier Perioden (von Zeitläufen) durchmachen müssen, bis sie, wie die vier Jahreszeiten oder die vier Stadien des menschlichen Alters, erst nach und nach wieder erzogen werden zur Aufnahme nur eines einzigen Wortes aus Meinem väterlichen Munde, des Wortes der Erkenntnis und der Besserung statt dem großen Eigennutze, das Wort der Liebe, statt Egoismus – der Nächstenliebe!
So sollet ihr diese Stelle verstehen; auch jetzt kommt und kam Jesus, und die Welt liegt schon im Grabe der Verwesung, vom bestialischen Geruche der ärgsten Laster umlagert, die der Satan nur auffinden konnte.
Auch jetzt möchte Jesus den „Lazarus“ erwecken, allein was dort möglich war, ist jetzt zu einer Unmöglichkeit geworden, und so frohlocket denn ihr, dass Ich in Meiner namenlosen Gnade Mich bewogen fand, aus so vielen Millionen euch herauszusuchen und an Mein Vaterherz zu ziehen.
Ich komme zu euch, wie einst zu Lazarus; er war Mein Freund und ihr seid jetzt Meine Kinder. Verweset nicht im Grabe, damit Ich euch stets mit der Liebe, mit der Ich einst Lazarus als Bruder erweckte, so auch jetzt euch als Meine Kinder in Meine Arme schließen kann!
Amen! Amen!

← Zurück zu „Lebensgarten“