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Gleichnis vom Gottsuchen

11] Gott ist in Sich die reinste und höchst endlos mächtigste Liebe und kann darum nur durch die Liebe gefunden werden!
  13] Aber die Mich suchen werden mit ihrem hochmütigen Verstande, die werden Mich nicht finden in Ewigkeit!
  14] Denn die Mich suchen mit dem Verstand, gleichen einem Menschen, der ein Haus kaufte, von dem er hörte, daß unter dessen Mauern ein großer Schatz verborgen liege. Als das Haus sein ward, fing er an, im selben zu graben bald hier und bald dort; aber er nahm sich keine rechte Mühe, grub ganz leicht nur und fand darum den Schatz nicht, der tief vergraben war. Da dachte er: ‚Aha, ich weiß, was ich tun werde; von außen werde ich ums Haus zu graben anfangen und werde so sicher eher auf des vergrabenen Schatzes Spur kommen!‘
  15] Und so fing er an, außerhalb des Hauses zu graben, und fand natürlich den Schatz nicht, indem derselbe in der Mitte der Tiefe seines Hauses vergraben war; und je weiter vom Hause er des Schatzes wegen neue Gruben schlug, destoweniger fand er den Schatz, um dessentwillen er doch das ganze Haus gekauft hatte. Denn wer etwas dort sucht, wo es nicht ist und nie sein kann, der kann das Gesuchte auch unmöglich finden.
  16] Wer da Fische fangen will, der muß mit dem Netze ins Wasser; denn in der Luft schwimmen keine Fische. Wer Gold graben will, der muß es nicht mit dem Netze im Meere suchen, sondern in der Tiefe der Berge.
  17] Mit den Ohren kann man nicht sehen und mit den Augen nicht hören. Jeder Sinn hat seine eigentümliche Einrichtung und ist daher für eine gewisse Verrichtung bestimmt.
  18] Ebenso hat das Herz des Menschen, das mit Gott zunächst verwandt ist, allein die Bestimmung, Gott zu suchen und auch zu finden und dann aus dem gefundenen Gott zu nehmen ein neues, unverwüstliches Leben. Wer aber Gott mit einem andern Sinne sucht, der kann Ihn ebensowenig finden, als ein Mensch, der sich die Augen fest verbindet, mit dem Ohre oder mit der Nase oder mit den Augen die Sonne finden und schauen kann.
  19] Der rechte und lebendige Sinn des Herzens aber ist die Liebe. Wer demnach diesen innersten Lebenssinn recht erweckt und mit ihm Gott zu suchen beginnt, der muß Gott auch ebenso bestimmt und beschaulich finden, als ein jeder Mensch, so er nicht völlig blind ist, mit seinem Auge die Sonne alsogleich finden muß und schauen ihre Lichtgestalt.
  20] Wer aber ein weises Wort hören will, darf sich nicht die Ohren verstopfen und mit dem Auge hören wollen; denn das Auge sieht wohl das Licht und alle die erleuchteten Formen, aber die geistigere Form des Wortes läßt sich nicht beschauen, sondern nur anhören mit dem Ohre«

Das Große Evangelium Johannes – Band 3 / 110. Kapitel — Das Suchen nach Gott

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